Das Afar-Dreieck
Das so genannte Afar-Dreieck ist eine ca. 150.000 Quadratkilometer große, dreieckige Tiefebene, deren 'Spitze' nach Nord-Nordwesten weist und die dem
Großen Afrikanischen Grabenbruch als dessen nördliches Ende zugerechnet wird. In seiner Nord-Süd Ausdehnung hat das Afar-Dreieck etwa die Länge von 740 km, in seiner Ost-West Ausdehnung die Länge von 480 km.
Aus geologischer Sicht ist das Afar-Dreieck einzigartig, denn dort treffen sich drei aktive Grabenbrüche: einer aus Nord-Nordwesten vom Roten Meer kommend; ein zweiter verläuft nach Nordosten zum Golf von Aden; und drittens beginnt hier der Richtung Süden verlaufende Große Afrikanische Grabenbruch. Alle drei Grabenbrüche sind noch aktiv, das heißt, hier dehnt sich die Erdkruste infolge der Kontinentaldrift, da die Erdplatten an den jeweiligen Flanken der Grabenbrüche auseinander streben. Als Folge dieser Dehnung wird die Erdkruste erheblich dünner und sinkt daher ein. Im Afar-Dreieck ist diese Dehnung bereits seit 30 Millionen Jahren im Gange, und aufgrund dieser geologischen Aktivität liegen große Teile des Gebiets inzwischen bis zu 125 m unter dem Meeresspiegel. Diverse Flüsse enden hier und bilden Seen. Geologen sagen voraus, dass das Afar-Dreieck eines Tages derart weiträumig gesunken sein wird, dass die Senke mit Wasser aus dem Arabischen Meer volllaufen wird, so dass auch für Nicht-Geologen sichtbar würde, dass der afrikanische Kontinent in diesem Gebiet dabei ist, auseinander zu brechen.
Die großflächige Afar-Senke weist fossilienfführende Sedimentfüllungen vom Miozän bis zum Holozän auf, das heißt über eine Zeitspanne von sechs Millionen Jahren hinweg. Das Gebiet lag bereits wiederholt tiefer als heute und wurde durch Flüsse überschwemmt, wurde aber jeweils wieder angehoben und fiel trocken. In den Sedimenten früherer Seen wurden große Mengen vorzeitlicher Fisch-, Schildkröten- und Krokodilreste gefunden. In Ablagerungen längst vergangener Flüsse wurden Knochen der Vorfahren von Elefanten, Flusspferden, Antilopen, Giraffen, Schweinen, Pferden, Nashörnern, Löwen, Hyänen und diverser Affenarten entdeckt - und immer wieder auch Überreste früher Hominiden. Die Funde werden im Nationalmuseum von Addis Abeba aufbewahrt und dort auch von internationalen Forscherteams wissenschaftlich ausgewertet.
Die Region wurde 1974 weltweit bekannt, nachdem dort Donald Johanson das Skelett eines 3,18 Millionen Jahre alten weiblichen Australopithecus afarensis gefunden hatte, genannt Lucy. Aus dieser fossilen Tiergattung hat sich nach heutigem Stand der paläanthropologischen Forschung die Gattung Homo entwickelt, der auch alle modernen Menschen zuzuordnen sind.
Literatur
- Ottmar Kullmer. Expeditionen ins Afar-Dreieck. Fossiliensuche unter äthiopischer Sonne. In: Natur und Museum. Die Senckenberg-Naturzeitschrift. (Band 135, Heft 3/4), Frankfurt am Main 2005, S. 58 - 67, ISSN-Nr. 0028-1301
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