Geschichte der Akustik
Als eine erste systematische Beschäftigung mit der Akustik gilt die Einführung von Tonsystemen und
Stimmungen in der Musik im 3. Jahrtausend v. Chr. in
China. Aus der Antike ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Akustik unter anderem von
Pythagoras von Samos (ca. 570–510 v. Chr.) überliefert, der den Zusammenhang von Saitenlänge und Tonhöhe beim
Monochord mathematisch analysierte.
Chrysippos von Soli (281–208 v. Chr.) erkannte den
Wellencharakterncharakter von Schall durch einen Vergleich mit Wellen auf der Wasseroberfläche. Der römische Architekt Vitruvn (ca. 80–10 v. Chr.) analysierte die Schallausbreitung in
Amphitheater und vermutete die Ausbreitung von Schall als
Kugelwelle. Er beschrieb ebenfalls die Wirkungsweise von Helmholtz-Resonatoren zur Absorption tieffrequenten Schalls.

Helmholtz-Resonator aus Messing von ca. 1900
Leonardo da Vinci (1452–1519) erkannte unter anderem, dass
Luft als
Medium zur Ausbreitung des Schalls erforderlich ist und dass sich Schall mit einer endlichen Geschwindigkeit ausbreitet. Von
Marin Mersenne (1588–1648) stammt neben anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Natur des Schalls auch die erste Angabe einer experimentell bestimmten
Schallgeschwindigkeit.
Galileo Galilei (1564–1642) beschrieb den für die Akustik wichtigen Zusammenhang zwischen
Tonhöhe und
Frequenz.
Joseph Sauveur (1653–1716) führte die Bezeichnung „Akustik“ für die Lehre vom Schall ein.
Isaac Newton (1643–1727) berechnete als erster die Schallgeschwindigkeit auf Grund theoretischer Überlegungen, während
Leonhard Euler (1707–1783) eine
Wellengleichung für Schall in der heute verwendeten Form fand.
Ernst Florens Friedrich Chladni (1756–1827) gilt als Begründer der modernen experimentellen Akustik; er fand die
Chladnischen Klangfigurenenen, die
Eigenschwingung von Platten sichtbar machen.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts setzte eine intensive Beschäftigung mit der Akustik ein und zahlreiche Wissenschaftler widmeten sich dem Thema. So fand Pierre-Simon Laplace (1749–1827) das adiabatische Verhalten von Schall, Georg Simon Ohm (1789–1854) postulierte die Fähigkeit der Gehörs, Klänge in Grundtöne und Harmonische aufzulösen, Hermann von Helmholtz (1821–1894) erforschte die Tonempfindung und beschrieb den Helmholtz-Resonator und John William Strutt, 3. Baron Rayleigh (1842–1919) veröffentlichte die „Theory of Sound“ mit zahlreichen mathematisch begründeten Erkenntnissen, die den Schall, seine Entstehung und Ausbreitung betreffen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden erste akustische Mess- und Aufzeichnungsgeräte entwickelt, so der Phonautograph von Édouard-Léon Scott de Martinville (1817–1897) und später der Phonograph von Thomas Alva Edison (1847–1931). August Kundt (1839–1894) entwickelte das Kundtsche Rohr und setzte es zur Messung des Schallabsorptionsgrades ein.
Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zur breiten Anwendung der vorhandenen theoretischen Erkenntnisse zur Akustik. So entwickelte sich die von Wallace Clement Sabine begründete wissenschaftliche Raumakustik mit dem Ziel, die Hörsamkeit von Räumen zu verbessern. Die Erfindung der Elektronenröhre 1907 ermöglichte den breiten Einsatz elektroakustischer Übertragungstechnik. Paul Langevin (1872–1946) verwendete Ultraschall zur technischen Ortung von Objekten unter Wasser (Sonar). Heinrich Barkhausen (1881–1956) erfand das erste Gerät zur Messung der Lautstärke. Seit etwa 1930 erscheinen wissenschaftliche Fachzeitschriften, die sich ausschließlich Themen der Akustik widmen.
Zu einer der wichtigsten Anwendungen der Akustik entwickelt sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die Minderung von Lärm, so wird zum Beispiel der Schalldämpferen für die Abgasanlage von Kraftfahrzeugen immer weiter verbessert. Mit der Einführung von Strahltriebwerk um 1950 und der für den erfolgreichen Einsatz notwendigen Lärmminderung entwickelte sich die Aeroakustik, die wesentlich durch die Arbeiten von Michael James Lighthill (1924–1998) begründet wurde.
Arbeitsgebiete der Akustik
Innerhalb der Akustik werden eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsgebiete behandelt:
- In der Physikalischen Akustik werden die physikalischen Grundlagen der Akustik behandelt
- Die Aeroakustik beschäftigt sich mit der Entstehung und Ausbreitung aerodynamisch erzeugter Geräusche und deren Minderung
- Die Hydroakustik beschäftigt sich mit Wasserschall
- Die Elektroakustik beschäftigt sich mit der Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Schall
- Die Technische Akustik behandelt Geräusche von Maschinen und Anlagen
- Die Lärmforschung beschäftigt sich mit allen Aspekten der Lärmerzeugung, -minderung und -wahrnehmung.
- In der Raumakustik und Bauakustik werden die Fragestellungen der Schallübertragung in Gebäuden und der Beschallung von Zuhörerräumen behandelt
- In der Fahrzeugakustik werden alle Fragestellungen zum Thema Innen- und Außengeräusch von Fahrzeugen behandelt
- Die Musikalische Akustik befasst sich mit der Erzeugung und Wahrnehmung von Musik
- Die Psychoakustik behandelt Themen zur Schallwahrnehmung und zur subjektiven Beurteilung von Schall und zur Objektivierung der subjektiven Wahrnehmung, in der Musikwissenschaft auch mit Hilfe der Musikpsychologie
- Die Phonetik beschäftigt sich mit der Sprachverarbeitung und -kommunikation
- in der Medizin dient die Audiometrie zur Vermessung von Parametern des Gehörs
Akustische Analysemethoden
Frequenzanalyse
- Da akustische Zeitsignale als Diagramme häufig wenig aussagefähig sind, werden zur Analyse meistens Methoden der modernen Signalanalyse eingesetzt. Dabei sind vor allem die Frequenzanalyse durch FFT (Schnelle Fouriertransformation) und die Oktav- und Terzbandanalyseen zu nennen. Außerdem kann durch geeignete Software oder Signalprozessor die Impulshaltigkeit von akustischen Signalen erfasst werden. Eine wichtige Rolle spielen auch die Frequenzbewertungen, von denen wohl die A-Bewertung am bekanntesten ist. Dieses ist eine Frequenzbewertungskurve, mit der die unbewertet ermittelten Schalldruckpegel bewertet werden und aus der sich der A-bewertete Pegel in dB(A) ergibt. Hiermit wird versucht, die unterschiedliche Empfindlichkeit des menschlichen Ohres bei verschiedenen Frequenzen zu berücksichtigen. Weil es die einfachste Methode ist das menschliche Gehör mathematisch nachzubilden werden die meisten Grenzwerte für Schalldruckpegel als A-bewertete Pegel festgelegt.
Resonanzanalyse
- Hauptartikel Akustische Resonanzanalyse
Ordnungsanalyse
- Hauptartikel Ordnungsanalyse
Laborräume

Schalltoter Raum (Freifeldraum) der TU Dresden – 1000 m3 Gesamtvolumen;
]]
Schalltoter Raum
- Ein Reflexionsarmer Raum, manchmal physikalisch unrichtig auch „schalltoter“ Raum genannt, besitzt Absorptionsmaterial an Decke und Wänden, so dass nur minimale Reflexionen auftreten und Bedingungen wie in einem Direktfeld D (Freifeld oder freiem Schallfeld) herrschen, wobei der Schalldruck mit 1/r nach dem Abstandsgesetz von einer Punktschallquelle abnimmt. Solche Räume eignen sich für Sprachaufzeichnungen und für die Lokalisation von Schallquellen. Wird auf einer gedachten Hüllfläche um die Schallquelle die senkrecht durch diese Fläche tretende Schallintensität gemessen, so kann die Schallleistung der Quelle bestimmt werden.
Freifeldraum
- Ein Freifeldraum ist die spezielle Ausführung eines reflexionsarmen Raumes. Hier ist jedoch zusätzlich auch der Boden mit absorbierendem Material bedeckt. Da der Boden durch diese Maßnahme nicht mehr begehbar ist, wird meistens ein schalldurchlässiges Gitter darüber angeordnet, das den Zugang zum Messobjekt ermöglicht. Derartige Räume werden in der akustischen Messtechnik eingesetzt, um gezielte Schallquellenanalysen – auch unter dem Messobjekt – durchführen zu können.
Hallraum
- Ein Hallraum dagegen wird so konstruiert, dass an jedem beliebigen Punkt im Schallfeld Reflexionen gleicher Größe aus allen Richtungen zusammentreffen. In einem idealen Hallraum herrscht daher mit Ausnahme des Bereiches direkt um die Schallquelle (siehe Hallradius) an jedem Ort derselbe Schalldruck. Ein solches Schallfeld wird Diffusfeld oder Raumfeld genannt. Da die Schallstrahlen aus allen Richtungen gleichzeitig einfallen, ist in einem Hallraum keine Schallintensität vorhanden. Um Resonanzen in einem Hallraum zu vermeiden wird er im Allgemeinen ohne parallel zueinander stehende Wände und Decken gebaut. Über Nachhallzeitn-Messungen oder durch Referenzschallquelle kann der Raum kalibriert werden. Hierbei wird die Differenz zwischen dem an einem beliebigen Ort im Raum, weit genug außerhalb des Hallradius gemessenen Schalldruckpegel und dem Schallleistungspegel einer Schallquelle bestimmt. Diese Differenz ist frequenzabhängig und bleibt unverändert, solange sich der Aufbau des Raumes und der Absorptionsgrad der Wände nicht ändern. In einem Hallraum kann daher die Schallleistung einer Quelle theoretisch mit einer einzigen Schalldruckmessung bestimmt werden. Dieses ist z. B. für Fragestellungen im Bereich des Schallschutzes sehr nützlich.
Akustik in der Natur
- Hauptartikel Aeroakustik; Wasserschall
Akustik bei Lebewesen
Die meisten höheren
Tiere besitzen einen
Hörsinn. Schall ist ein wichtiger
Kommunikationskanal, da er praktisch unmittelbare
Fernwirkung (Physik) besitzt. Mit Lautäußerungen ist den Tieren ein Mittel zur
Reviermarkierung, Partner- oder
Rudelsuche, zum Auffinden von
Beute und zur Mitteilung von Stimmungen,
Warnsignalen, usw. gegeben. Der menschliche
Hörbereich liegt zwischen der
Hörschwelle und der
Schmerzschwelle (etwa 0 dB HL bis 110 dB HL).
Bei der Erzeugung von Lauten unterscheidet man im Allgemeinen zwischen stimmhaften und stimmlosen
Phonemeen. Bei den stimmhaften Phonemen, die als
Vokal bezeichnet werden, werden beim
Kehlkopf durch Vibration der
Stimmbänder die „Roh“-Klänge erzeugt, die dann im
Rachen- und Nasenraum durch verschiedene willkürlich beeinflussbare oder unveränderliche individualspezifische
Resonanzräume moduliert werden. Bei stimmlosen Phonemen, den
Konsonanten, ruhen die Stimmbänder, wobei der Laut durch Modulation des Luftstromes zustande kommt. Beim
Flüstern werden selbst die Vokalse nur durch Modulation des
Spektrum des Rauschens eines hervorgepressten Luftstromes gebildet, wobei die Stimmbänder ruhen.
- Hauptartikel Phonetik; Phonologie
Literatur
- Hans Breuer: dtv-Atlas Physik, Band 1. Mechanik, Akustik, Thermodynamik, Optik. München: dtv-Verlag, 1996, ISBN 3-423-03226-X
- Heinrich Kuttruff: Akustik. Stuttgart: Hirzel, 2004, ISBN 3-777-61244-8
- Gerhard Müller und Michael Möser: Taschenbuch der Technischen Akustik. Berlin: Springer, 3., überarbeitete Auflage 2003, ISBN 3-540-41242-5
- Ivar Veit: Technische Akustik. Würzburg: Vogel-Verlag, 2005, ISBN 3-834-33013-2
Weblinks