Beschreibung
Die
Australopithecus-Arten werden innerhalb der Entwicklungslinie der
Echten Menschen zur Gruppe der Australopithecinan gerechnet. Sie verfügten bereits über den aufrechten Gang. Das Gehirnvolumen entspricht mit etwa 400 bis 500 cm
3 etwa dem eines
Schimpanse oder Bonobos. Ihre Körpergröße lag zwischen ca. 1,30 m und 1,60 m, wobei ein ausgeprägter
Geschlechtsdimorphismus zu erkennen ist, was bedeutet, dass die männlichen Australopithecinen wesentlich größer waren als die weiblichen. Dieser Größenunterschied zwischen den Geschlechtern kann spekulative Rückschlüsse auf das Sozialverhalten dieser Tiere zulassen. So leben beispielsweise die heute existierenden
Gorillas in einer Art „Harem“ zusammen, wobei ein großes, erfahrenes Alpha-Männchen über mehreren weibliche Gorillas und deren Nachwuchs wacht. Sie zeigen ähnliche Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern, weshalb angenommen wird, dass die Gruppenstruktur der Australopithecinen Ähnlichkeiten zu den Gorillas gehabt haben könnte.
Die verschiedenen Arten unterscheiden sich nach Schädelgröße und -form, Zähnen und Körperbau.
Im Verlauf der Evolution entstanden zwei unterschiedliche Strategien sich an das wandelnde Klima anzupassen. Dieser Klimawandel bedeutete ein Zurückweichen des Urwaldes mit seiner weichen Früchte- und Blätternahrung. Stattdessen breitete sich eine Savannenlandschaft aus, die ein relativ trockenes, hartes und schwer zu verwertendens Nahrungsangebot zu Verfügung stellte (z.B. Samen, Nüsse, Wurzeln). Insgesamt ist eine Entwicklungs-Tendenz zu immer größeren Mahlflächen der Backenzähne und zu massiveren Kiefern erkennbar.
Einige Australopithecinen-Arten – die so genannten „grazilen“ Australopithecinen, wie etwa A. africanus – evolvierten weiter zu Allesfressern, wie an Gebiss- und Zahnformen festgestellt werden konnte. Diese Australopithecinen könnten sich später zur Gattung Homo entwickelt haben, wobei diese Behauptung von zahlreichen Wissenschaftlern nicht vertreten wird.
Andere so genannte „robuste“ Australopithecinen – A. robustus, A. aethiopicus, A. boisei – spezialisierten sich auf harte Pflanzen, die in dem neuen Klima reichlich vorhanden waren. Dazu bildeten sie sehr leistungsfähige Kauapparate aus, die mit der faserreichen Nahrung zurecht kamen. Diese robusten Australopithecinen (auch häufig in der Gattung Paranthropus zusammengefasst) starben aus, wahrscheinlich weil sie durch ihre starke Spezialisierung nicht flexibel genug waren, sich späteren klimatischen Veränderungen und deren Auswirkungen auf Flora und Fauna anzupassen.
Inwieweit Australopithecinen Werkzeuggebrauch über das Niveau von Schimpansen hinaus betrieben, ist noch nicht abschließend geklärt. Funde von Australopithecinen im Kontext mit Oldowan-Werkzeugen legen Werkzeuggebrauch in Form von Geröllwerkzeugen nahe. Unter Geröllwerkzeugen versteht man wenig spezifisch ausgebildete Steinwerkzeuge, die eher den Eindruck erwecken, sie seien dem Zufall und nicht einer gedanklichen Planung entsprungen. Da in den gleichen Schichten auch Homo habilis gefunden wurde, ist die Zuordnung aber ungesichert.
Systematik

Rekonstruktion eines Austrolopithecus africanus
- Australopithecus anamensis lebte vor rund 4 Millionen Jahren im östlichen Afrika.
- Australopithecus afarensis lebte vor 3,7 bis 2,9 Millionen Jahren. Zu dieser Art gehört das berühmte Fossil Lucy sowie das Fossil des dreijährigen, weiblichen Individuums DIK 1-1, das nach dem Fundort auch als Dikika girl, das Mädchen von Dikika oder als „Selam“ bezeichnet wird.
- Australopithecus africanus lebte vor etwa 3,5 bis 2 Millionen Jahren in Südafrika. Zu dieser Art gehört das bei Taung gefundene Kind von Taung, das das erste beschriebene Fossil der Gattung Australopithecus war.
- Australopithecus bahrelghazali lebte vor etwa 3,5 Millionen Jahren im westlichen Afrika. Das erste Fossil wurde von Michel Brunet 1993 im Tschad gefunden.
- Australopithecus garhi lebte vor etwa 2,5 Millionen Jahren im nordöstlichen Afrika, im Gebiet des heutigen Äthiopien.
- Einige Forscher ordnen auch Kenyanthropus platyops als Sonderform der Gattung Australopithecus zu.
- Die zunächst als Australopithecus aethiopicus, Australopithecus robustus und Australopithecus boisei bezeichneten Arten werden heute von den meisten Anthropologen aufgrund ihrer anatomischen Spezialisierung der Gattung Paranthropus zugeordnet.
Siehe auch
Literatur
- Yves Coppens: Lucys Knie - Die prähistorische Schöne und die Geschichte der Paläontologie. München 2002 (Dt. Ausgabe)
- Göran Burenhult et al.: Die ersten Menschen. Die Ursprünge des Menschen bis 10 000 vor Christus. Jahr-Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-8289-0741-5
- Robert Foley: Menschen vor Homo sapiens. Warum und wie unsere Art sich durchsetzte. Jan Thorbecke Verlag, 2000, ISBN 3-7995-9084-6
Weblinks