Der Berberaffe (Macaca sylvanus), auch Magot genannt, ist eine Makakenart aus der Familie der Meerkatzenverwandteartn. Er ist vor allem dafür bekannt, dass er außer dem Menschen die einzige freilebende Primaten Europas ist.
Beschreibung
Berberaffen sind schwanzlose Primaten. Ihr Gesicht ist dunkelrosa gefärbt und besitzt große Backentaschen und lange Eckzähne. Der etwa 75 Zentimeter lange und 50 Zentimeter hohe Makak mit einem Gewicht von rund 15 Kilogramm hat ein rötlich-olivefarbenes Fell, schlanke Gliedmaßen und einen dichten Backenbart, der das runzelige Gesicht umrandet. Die Männchen sind erheblich größer und haben eine ausgeprägtere Mund-Nasen-Partie sowie längere Eckzähne als die Weibchen. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt rund 16 bis 18 Kilogramm, ein ausgewachsenes Weibchen rund 12 bis 14 Kilogramm. Weibchen haben eine Brunftschwellung am Gesäß, die in der Paarungszeit im Herbst/Winter stark anschwillt und die Paarungsbereitschaft anzeigt.Verbreitung und Lebensraum
Berberaffen leben als einzige Makakenart nicht in Asien, sondern in den Atlasregionenss Marokko und Algeriens, sowie auf Gibraltar. Die Frage, ob die dortigen Tiere eingeführt wurden oder den Überrest einer einst in Spanien verbreiteten Population darstellen, ist bis heute nicht zweifelsfrei beantwortet. Diese Tiere leben in höhergelegenen Eichen- und Zedernwäldern und kommen auch mit zerklüftetem Terrain zurecht.Lebensweise
Berberaffen können gut klettern, verbringen aber einen Grossteil des Tages auf dem Boden. Wie alle Makaken sind sie tagaktiv. Die Nächte verbringen sie immer auf den gleichen Schlafbäumen.Sie leben in Gruppen von 15 bis 100 Tieren wobei es immer ungefähr gleichviele Männchen und Weibchen sind, die ein festes Gebiet bewohnen.Innerhalb der Gruppen herrscht eine feste Hirachie mit einem Männchen an der Spitze.Die Männchen der Gruppe ermitteln ihre Rangposition durch Rangkämpfe. Chef einer Gruppe ist ein ausgewachsenes Männchen im besten Alter zwischen 10- 15 Jahre, derjenige, der die meisten ranghohen Verbündeten hat.Nach dem rangniedrigsten Männchen kommt die sogenannte 'Chefin', die ihre Rangposition an ihre älteste Tochter weitergibt (Tochter der Chefin wird nächste Chefin).Alle anderen Weibchen machen dies genauso.Die Weibchen paaren sich immer mit mehreren Männchen, was zur Folge hat, dass sich alle Männchen einer Gruppe für einen potenziellen Vater von allen Babys halten und sich um alle Babys kümmern und sie im Notfall sogar beschützen. Die Männchen benutzen die Babys aber auch als soziale Vermittler, so können sie sich mit einem Baby an ranghöhere Männchen heransetzen. Diese Dreierzeremonie (Triade) konnte bis jetzt nur bei Berberaffen festgestellt werden.
Sie sind Allesfresser, die Früchte, Blätter, Kräuter, Knospen und Wurzeln, aber auch gelegentlich Insekten, Spinnen oder auch Skorpione zu sich nehmen.
Fortpflanzung
Vorrangig paaren sich die Weibchen mit den höhergestellten Männchen, obwohl vielfach alle männlichen Tiere zum Zug kommen. Die Paarungszeit liegt zwischen November und Januar. Die Tragzeit beträgt 5 1/2 Monate, danach kommt meist ein einzelnes Jungtier, selten auch Zwillinge, zur Welt. Die Neugeborenen wiegen rund 650 g und haben ein dünnes, schwarzes Fell, das sich innerhalb von 4 Monaten hellbraun umfärbt, bis sie die Farbe der Erwachsenen haben. Nach rund 6 Monaten werden die Jungtiere entwöhnt.Weibchen sind mit 3 1/2 Jahren und Männchen mit 4 1/2 Jahren geschlechtsreif. Ihre Lebenserwartung beträgt für die Männchen etwa 21 Jahre, die Weibchen werden etwa 23 Jahre alt. Allerdings sind Tiere mit bis zu 31 Jahren bekannt.
Berberaffen und Menschen
In Gibraltar
Obwohl Fossilienfunde darauf schließen lassen, dass die iberische Halbinsel in vorgeschichtlicher Zeit von Berberaffen besiedelt war, geht die heutige Population mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Menschen zurück. Die Affen wurden entweder von den Arabern nach 711 oder von den Briten 1740 eingeführt. Da einer Legende zufolge Gibraltar solange in britischer Hand bleibt, solange dort Berberaffen leben und der Bestand 1943 auf vier Tiere gesunken war, ließ Winston Churchill 12 Tiere aus Marokko auf der Halbinsel aussetzen. Genetische Untersuchungen brachten das Ergebnis, dass die derzeitige Population auf zwei Wurzeln zurückzuführen ist, eine algerische und eine marokkanische. Derzeit leben in Gibraltar rund 240 Tiere.
In Nordafrika
In Nordafrika gibt es noch an die 10.000 Tiere, der Bestand geht aber aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraumes stark zurück. In Libyen und Ägypten sind sie schon um 1800 ausgerottet worden, heute leben rund 70 % aller Berberaffen in Marokko. Die IUCN listet sie als gefährdet (vulnerable).Weblinks



