Unter dem Begriff „Deutsche Sprache und deren Mundarten“ werden heute die aus mitteldeutschen und oberdeutschen Mundarten entstandene deutsche Standardsprache (Standard-Hochdeutsch), die mitteldeutschen und oberdeutschen Dialekte sowie die niederdeutschen Sprachvarietäten in Deutschland bezeichnet.
, historische Vorgängersprachen und einzelne der Mischsprachen (z. B.
) und -dialekte (z. B.
) sind ebenfalls aus dem Dialektkontinuum der deutschen Mundarten entstanden.
) heraus. Es bedeutet soviel wie „zum Volk gehörig“ und entwickelte sich zu einer Bezeichnung für die Sprache der germanischen Stämme Mitteleuropas, die im Gegensatz zur Sprache der angrenzenden
stand.
Man findet das Wort „deutsch“ in seiner lateinischen Form „theodisce“ erstmals im Jahre 786 n.Chr. im Synodenbericht des päpstlichen Nuntius Gregor von Ostia. Dieser Bericht über zwei Synoden, die in England stattfanden, wurde sowohl auf Lateinisch als auch in der Sprache des Volkes (Volkssprache) verlesen. Unklar ist allerdings bis heute, ob damals damit tatsächlich die „Sprache des Volkes” in Deutschland (im deutschen Sprachraum) gemeint war. Ein wenig deutlicher wird die Verbindung zum „Land der Deutschen“ erst zwei Jahre später bei einer Anklage gegen den baierischen Herzog Tassilo auf dem Reichstag zu
wegen Fahnenflucht: „... quod theodisca lingua harisliz dicitur...“; ein eindeutiger Beleg fehlt aber dafür, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Wandlung von „Sprache des Volkes“ hin zu „deutsche Sprache“ vollzogen war. Die
war hingegen seit Karl dem Großen die amtliche Bezeichnung für die altfränkische Volkssprache.
Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Baiern, die Thüringer und die Sachsen umfasste.
Die althochdeutsche Form „diutisc“ begann seit dieser Zeit das mittellateinische „theodiscus“ zu verdrängen; es setzte sich jedoch nur zögernd durch. Erst um 1090 (im Annolied aus dem Kloster Siegburg) wird „diutisc“ auf Sprache, Volk und Land angewendet:
Das Althochdeutsche ist die älteste schriftlich überlieferte Sprachform der Völker, die sich als
bezeichnen. Es war nicht einheitlich, sondern bestand aus vielen Mundarten. Erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich im mittelrheinischen Gebiet eine mittelhochdeutsche Dichter- und Literatursprache, die uns in der klassisch höfischen Ritterliteratur begegnet, in der auch keltisches Sagengut bearbeitet wurde. Begründet und getragen wurde diese Dichtung vor allem vom aufstrebenden Adel, der sich damit vom Volk abheben wollte.
Die 'lingua theodisca' war die deutsche Sprache, die die Gemeinsamkeit der Menschen ausdrückte! Karl der Große hat diese Sprache als seine eigene und offizielle Sprache bezeichnet! „Das Bleibendste aber wohl, was Karl für die deutsche Sprache getan hat, ist die Durchsetzung eben dieses Namens 'deutsch' und die Ermöglichung seiner Prägung. Karl brauchte einen Namen für die germanischen Sprachen seines Reiches, so wie es für die romanischen Sprachen die Bezeichnung lingua Romana (rustica) gab.” (S. 305). „Karls Blick auf das Germanische im Sprachlichen ließ den neuen Terminus entstehen und er wurde zum Namen einer von Karl bestimmten neuen Sonderung des Germanischen..., eben des Deutschen”. (S. 306). (aus: Werner Betz 'Karl der Grosse und die Lingua Theodisca, S. 300 - 306 im sog. Karlswerk, hrsg. von Wolfgang Braunfels, Karl der Grosse. Lebenswerk und Nachleben. Band II, Das Geistige Leben, Düsseldorf 1965.)
. Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle
beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die kontinentalwestgermanischen Dialekte, die diese zweite Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (
).
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den romanisch- oder slawischsprachigen Nachbarländern in dem Land der Deutschen (deutscher Sprachraum) stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil sehr unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.

Abb. 2: Der historische deutsche Sprachraum (ohne deutsch-baltischesss Gebiet,
Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen. Andererseits war die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter eher gering, da damals nur ein kleiner Teil der Bevölkerung lesen und schreiben oder einen Zugang zu dieser elitären Kunst hatte. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige Hochdeutsche Sprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der so genannten Benrather Linie dar.
In Norddeutschland hat das Standarddeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache, das einheimische Niederdeutsche (Niedersächsischee bzw. Plattdeutsch und Niederfränkische) größtenteils verdrängt. Zur Blütezeit der Hansee fungierte das Mittelniederdeutsch als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Aufgrund der politischen Eigenstaatlichkeit und der (teilweisen) Herauslösung aus dem Reichsverband konnte es hier dem Hochdeutschen nicht mehr gelingen, die einheimischen niederfränkischen Dialekte zu verdrängen. Aus diesen entwickelte sich die niederländische Sprache.
Die Bedeutung von Martin Luther (1483–1546) für die deutsche Sprachentwicklung sollte nicht überschätzt werden. Bereits um 1350 gab es Ansätze zu einer überregionalen Schriftsprache, die man in der Forschung Frühneuhochdeutsch nennt. Im donauländischen Bereich war eine relativ große Einheitlichkeit erreicht worden, urteilt Werner Besch, und Luther rückte seine eigene ostmitteldeutsche Sprache an diese südlichen Dialekte heran. Er stand mitten im Strom der Entwicklung. Seine Bibelübersetzung war allerdings ein wichtiges Werk, das Vorbildcharakter hatte.
Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der (hoch-)deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
Sprachgeschichte und Lautwandel
Die geschichtlichen Abschnitte des Deutschen sind eng verknüpft mit Erscheinungen des Lautwandels. Die so genannte hochdeutsche Lautverschiebungen, eine Erscheinung des Konsonantensystems, trennt das Deutsche (in Form des
Althochdeutsch) von den restlichen kontinentalwestgermanischen Dialekten. Dieser Lautwandel wird von den niederdeutschen Dialekten nicht vollzogen; insofern ist die deutsche Standardsprache in ihrem Konsonantensystem vom Süden und der Mitte des Sprachgebiets bestimmt.
Der Übergang von Mittelhochdeutsch zu Frühneuhochdeutsch ist im Bereich der Laute vor allem durch Monophthongierung und Diphthongierung gekennzeichnet. Beide sind Erscheinungen des Vokalsystems. Während die Diphthongierung vom Südosten des Sprachgebiets ausgeht und im niederdeutschen Norden wie im alemannischen Südwesten nicht vollzogen wird, ist für die Monophthongierung der mitteldeutsche Sprachraum als Ausgangspunkt bestimmend.
Insgesamt beharrt der niederdeutsche Norden sowohl im Bereich der Konsonanten als auch im Bereich der Vokale auf altem Sprachzustand. Der alemannische Südwesten vollzieht nur die lautlichen Veränderungen im Bereich der Vokale nicht; der bairische Südosten trägt zur deutschen Sprache die Diphthongierung bei, vollzieht aber die Monophthongierung nicht.
Sprachstandardisierung
Mit der Zunahme der Anzahl der Schreibkundigen und der Bedeutung der Schriftlichkeit trat der Lautwandel in seiner Bedeutung für die Sprachgeschichte zugunsten von bewusster Normierung zurück. Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die hochdeutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer hochdeutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form – ohne amtlichen Status zu erreichen – zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Konkurrenzlos war der Duden in jener Zeit indes nicht: neben anderen nichtamtlichen Wörterbüchern wie etwa dem so genannten „Buchdrucker-Duden“ (herausgegeben ebenfalls vom Bibliographischen Institut) und dem „Wörterverzeichnis der deutschen Rechtschreibung“ von Professor Ammon gab es amtliche Regelwörterbücher mit teilweise abweichenden Rechtschreibregeln wie zum Beispiel das „Amtliche Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch in preußischen Kanzleien“ (1903) oder die „Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis – Ausgabe mit einheitlichen Schreibweisen“ in Österreich (1904). Die Abweichungen lagen unter anderen in der Zulassung oder Nichtzulassung mehrerer Schreibweisen (z. B.: Keeks – Cakes – Kakes, heute: Keks), in der Darstellung des s-Lautes vor z in Deutscher Schrift und Fraktur, in der Abänderung oder Nichtabänderung von Eigennamen (z. B. „Göthe“ statt Goethe, „Bismark“ statt Bismarck); mit dem „Buchdrucker-Duden“ von 1903 wurde zudem speziellen Abänderungswünschen des Deutschen Buchdrucker-Vereins, des Reichsverbandes Österreichischer Buchdruckereibesitzer und des Vereins Schweizerischer Buchdruckereibesitzer Rechnung getragen.
Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform (siehe auch: Geschichte der deutschen Rechtschreibung).
Auch die hochdeutsche Aussprache erfuhr im späten 19. Jahrhundert Regelungsversuche, vor allem durch das Aussprachewörterbuch von Theodor Siebs. Diese Regelungen erreichten aber nicht das Niveau an Verbindlichkeit, das Duden mit der Rechtschreibung erreichte.
Im Gegensatz zur hochdeutschen Schriftsprache ist die niederdeutsche Schriftsprache offiziell nicht normiert, wird aber zunehmend durch die 1956 in Hamburg aufgestellten „Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung“ und das Wörterbuch von Johannes Saß beeinflusst.
Varietäten
Der deutsche Sprachraum ist ein Teil des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums, in dem gewöhnlich benachbarte lokale Mundarten gegenseitig verständlich sind und die Unterschiede umso größer werden, je weiter zwei Mundarten voneinander gesprochen werden. Gemeinsam ist dem gesamten deutschen Sprachraum nur die Standardsprache, die die Mundarten und regionalen Umgangssprachen überdacht und die ihrerseits mehrere Standardvarietäten umfasst. Die Unterschiede zwischen den Standardvarietäten sind jedoch relativ gering, so dass sie problemlos gegenseitig verständlich sind, während manche der Mundarten für einen Sprecher der Standardsprache ohne Mundartkenntnis kaum verständlich sind.
Die Einteilung der deutschen Mundarten beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann vielerorts eine Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts, insbesondere nach den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte. Entscheidenden Einfluss darauf hatten die Flüchtlingsströme und vor allem die stark anwachsende Verbreitung von Hörfunk und Fernsehen; in den Schulen wurde in der hochdeutschen Standardsprache unterrichtet.
Standardvarietäten
Innerhalb der plurizentrischen deutschen Standardsprache werden als Standardvarietäten das Standarddeutsch Deutschlands, das Österreichische Standarddeutsch und das Schweizer Standarddeutsch sowie – mit einem geringeren Grad an normativer Selbständigekeitss – das Standarddeutsch Belgien, Südtirols, Liechtensteinss und Luxemburg unterschieden.
In Deutschland, Österreich, Südtirol und dem deutschsprachigen Teil Belgiens erfüllen die jeweiligen Varietäten des Standarddeutschen jeweils alle typischen Funktionen einer Standardsprache. In der Schweiz beschränkt sich die Verwendung des Standarddeutschen überwiegend auf den Bereich der Schriftsprache, Umgangssprache sind fast ausschließlich die schweizerdeutschen Dialekte. In Luxemburg existiert neben der luxemburgischen Form des Standarddeutschen eine eigenständige luxemburgische Standardvarietät, die einige der Funktionen einer Standardsprache erfüllt.
Der standardisierte Wortschatz, der in allen sieben nationalen Voll- und Halbzentren des deutschsprachigen Raumes identisch ist, wird als Gemeindeutsch bezeichnet. Dieser unvollständige Wortschatz des Gemeindeutschen kann jedoch keine eigene Sprachvarietäten (noch weniger eine übergeordnete Hochsprache) generieren; er bildet aber den Grundstock jeder der sieben Varietäten des Standarddeutsch.
Siehe auch: Variantenwörterbuch des Deutschen
Dialekte
Eine Grobeinteilung der deutschen Mundarten erfolgt üblicherweise entlang der Benrather Linie in die niederdeutschen Dialekte im Norden, die die „Zweite deutsche Lautverschiebung“ nicht mitgemacht haben und die hochdeutschen Dialekte im Süden, die von der Zweiten deutschen Lautverschiebung betroffen waren. Allerdings gibt es auch hier keine scharfe Sprachgrenze, sondern einen allmählichen Übergang wie auch anderswo in einem Dialektkontinuum.
Hochdeutsche Dialekte
Die hochdeutschen Dialekte lassen sich nochmals in mittel- und oberdeutsche Dialekte einteilen. Von Hoch- und Höchstalemannische sowie das bairische Tirolerisch, die als einzige Varietäten die zweite deutsche Lautverschiebung vollständig durchgeführt haben, bis hin zu Ostbergisch und Mölmsch, wo allein das Wort ik zu ich (siehe auch Uerdinger Linie = äußerste Nordgrenze des Mitteldeutschen) verschoben ist.
Im Allgemeinen wird jedoch die „Benrather Linie“ (maken–machen) als Nordgrenze der hochdeutschen Variatäten angesehen.
Als (Sprach-)Grenze zwischen mittel- und oberdeutsche Dialekten wird häufig die „Germersheimer Linie“ (euch–enk-Linie an der Fränkisch-Bairischen und die mähe–mähet-Grenze an der Südfränkisch-Schwäbischen Dialektgrenze) angeführt, was aber heute als veraltet gilt. Als „neue“ Sprachgrenze zwischen Ober- und Mitteldeutsch wird heute allgemein die Speyerer Linie angesehen.
In den allermeisten Varietäten ist die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nur teilweise durchgeführt, so auch in den ostmitteldeutschen Varietäten, die zu einem großen Teil zur Herausbildung der Standardsprache beigetragen haben.
Niederdeutsche Dialekte
- Niederdeutscher Sprachraum in Deutschland -
Als
Niederdeutsch werden die
Sprachen bzw. Mundarten (Varietäten)
bezeichnet, denen die
zweite bzw. hochdeutsche Lautverschiebung fehlt oder die nur teilweise davon betroffen wurden (Übergangsgebiete). Zusammen mit den hochdeutschen Varietäten bilden sie ein Dialektkontinuum (niederdeutscher und hochdeutscher Sprachraum), das über mehrere Staatsgrenzen hinweg reicht.
Das Niederdeutsche stammt zum größten Teil vom Altsächsischen ab und wird in Norddeutschland und im Nordosten der Niederlanden („sachsisch” oder „nedersaksisch”) gesprochen. Das Niederfränkische wird am Niederrhein in Deutschland, in den Niederlanden und in Flandern (Belgien) gesprochen. Die Zuordnung zum Niederdeutschen ist jedoch umstritten[Jan Goossens: Niederdeutsche Sprache - Versuch einer Definition, in: Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch, Sprache und Literatur. Eine Einführung. 2. Aufl. Neumünster, Wachholtz, 1983, S. 13-15 ]. Umgangssprachlich bezeichnen die Menschen im niederdeutschen Sprachraum ihre Dialekte auch als „Platt” oder „Plattdeutsch“ (Plattdüütsch).
Das Niederdeutsche hat im Rahmen der Sprachencharta des Europarats in Deutschland einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten. Darüber hinaus ist es in den Niederlanden offizielle Amtssprache geworden. Zuvor hatten die bundesdeutschen Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niederdeutsch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet.
Insbesondere bei den Mundarten in den sogenannten Übergangsbereichen wird die Zuordnung zum niederdeutschen Sprachraum in Frage gestellt. Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfränkische als auch mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den mitteldeutschen-mittelfränkischen und den niederdeutschen-niederfränkischen Mundarten.
Auf das Altniederfränkische (Altniederländische) gehen neben dem Niederländischen auch die niederfränkischen Mundarten am deutschen Niederrhein zurück. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehören dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind – wie viele anderen Dialekte auch – seit dem Zweiten Weltkrieg (durch die Menschenverschiebungen, die Mobilitäts- und Mediengesellschaft) zunehmend im Aussterben begriffen.
Die Mundarten (Dialekte) im niederdeutschen Sprachraum werden zumeist ugs. als „Platt” oder „Plattdeutsch“ (Plattdüütsch) bezeichnet.
„Niederdeutsch“ (oder „Plattdeutsch“ -Plattdüütsch) bezeichnete früher somit zwei Sprachvarietäten: die vom Altsächsischen abstammenden und die vom Altniederfränkischen abstammenden (niederfränkischen) Mundarten, einschließlich des vornehmlich aus niederfränkischen Mundarten gebildeten Niederländisch. Heute umfaßt dieser Begriff nur noch die auf das Altsächsische fußenden Mundarten Norddeutschlands.
Die (obersächsischen) Mundarten des Bundeslandes Sachsen gehören zu den Thüringisch-Meißnerischen Mundarten und sind damit mitteldeutsche Mundarten des Hochdeutschen.
Mischsprachen
Die Klassifizierung der Mischsprache Missingsch aus Hochdeutsch und Niederdeutsch ist unklar. Ähnlich ist es beim Petuhe mit hochdeutschen, niederdeutschen, dänischen und südjütischen Sprachelementen. Das Südjütisch mit starken Einflüssen der niederdeutschen Sprache wird allgemein als Dialekt der dänischen Sprache eingestuft.
Neben dem Missingsch und dem Petuh existieren auch weitere Mischsprachen der Niederdeutschen Sprache; hierbei handelt es sich vor allem um Mischungen mit dem Niederländischen und dem Friesischen, wie beispielsweise das Kollumerpompsters. Diese Mischsprachen werden gemeinhin als Dialekte des Niederdeutschen, des Niederländischen oder des Friesischen klassifiziert.
Bei den diversen „Mischsprachen“ in Nordamerika wie beispielsweise dem Texasdeutsch handelt es sich um Akzente oder Dialekte entweder der hochdeutschen oder der niederdeutschen Sprache.
Jedoch gibt es nicht nur Mischsprachen aus deutschen Varietäten und anderen germanischen Sprachen. Aus Deutsch und Niedersorbisch entstand das so genannte Ponaschemu. Das Wasserpolnisch mit Elementen der deutschen Sprache bzw. der oberschlesischen Mundart wird teilweise als Dialekt des Polnischen, teilweise als eigene Sprache klassifiziert.
Das Jiddische, das nach überwiegender Auffassung ursprünglich auf das Mittelhochdeutsche zurückgeht, sich jedoch vor allem unter slawischen und hebräischen Einflüssen eigenständig weiterentwickelt und eine eigene Schriftsprache ausgebildet hat, wird in der Sprachwissenschaft im allgemeinen als eigenständige Sprache betrachtet.
Kreolsprachen auf deutscher Grundlage
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, die einzige deutschbasierte Kreolsprache, in Namibia entstand daneben noch das Küchendeutsch, eine Pidginsprache. Unserdeutsch ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten. Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten. Das Küchendeutsch hingegen hat heute noch ca. 15.000 – zumeist ältere – Sprecher.
Ebenso wie andere Pidgin- und Kreolsprachen sind Unserdeutsch und Küchendeutsch aus sprachwissenschaftlicher Sicht als eigenständige sprachliche Systeme zu betrachten.
Verbreitung und rechtlicher Status
Deutsch als Muttersprache
Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Anzahl der deutschsprachigen Muttersprachler vielfach (nach etlichen Quellen, insbesondere:
Jacques Leclerc, Quebec 2001) weltweit mit 98 Millionen angegeben. Andere Autoren und Quellen nennen teilweise erheblich abweichende Zahlen – insgesamt dürfte die Spannweite der Angaben zwischen 92 Millionen und 140 Millionen liegen. In der Afrikaans-Wikipedia-Ausgabe wird zur Anzahl der Muttersprachler eine Quelle zitiert (
SIL Ethnologue, 2006), nach der 95 Millionen Menschen Standard-Hochdeutsch als Muttersprache haben und sich diese Zahl unter Einbeziehung der deutschen Dialekte auf 114 Millionen, unter Einbeziehung der Dialekte sowie der niederdeutschen Sprache und des Jiddischen auf 118 Millionen erhöht.
Für den Bereich der Europäischen Union wurden im Jahre 2005 rund 82 Millionen (18 Prozent) Bürger mit deutscher Muttersprache ermittelt, sodass dieser Angabe folgend für Europa von einer Mindestanzahl von 87 Millionen ausgegangen werden kann (zusätzlich u. a. in der Schweiz sowie Rumänien; siehe auch Kurzfassung der Erhebung in Amtssprachen der Europäischen Union).
Neben allgemeinen Problemen der Bezifferung von Muttersprachlern (wie bspw. Erhebungsproblemen, Zuordnung zwei- oder mehrsprachig Aufgewachsener, Assimilierungsbestrebungen in einzelnen Staaten) tritt als Spezifikum bei der Ermittlung der deutschsprachigen Muttersprachler die Zuordnung oder Nichtzuordnung der Muttersprachler der niederdeutschen Sprache, des Jiddischen und diverser Dialekte und Mischsprachen insbesondere im außereuropäischen Raum auf. Bei den niederfränkischen Mundarten und Sprachen wie dem Limburgischen ist bereits die Zuordnung als deutsche Sprache oder niederländische Sprache uneinheitlich. Nicht zu vergessen ist, dass das Bekenntnis zur deutschen Minderheit und zur deutschen Muttersprache in manchen Regionen immer noch schwer fällt.
Die Anzahl der Muttersprachler der Niederdeutschen Sprache wird mit drei bis maximal acht Millionen angegeben, die des Jiddischen mit drei bis fünf Millionen, die des Luxemburgischen mit 300.000, die des Limburgischen mit 1,5 bis 2 Millionen.
| Die deutschsprachige Welt
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Legende:
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- Argentinien 330.000–350.000; ca. 1,5 Millionen Deutschstämmige (siehe auch: Belgranodeutsch)
- Australien 200.000 oder mehr; 2 Millionen Deutschstämmige (Hauptsächlich um Adelaide)
- Belgien 78.000 (in Ostbelgien, vereinzelt auch noch im Areler Land; diese Zahl erhöht sich jedoch bei Einbeziehung der Muttersprachler der niederfränkischen Mundarten und Sprachen wie des Limburgischen. Deutsch ist eine der drei offiziellen Sprachen Belgiens, gemeinsam mit Niederländisch und Französisch)
- Brasilien 850.000–900.000; 2–5 Millionen Deutschstämmige und Dialekts (siehe auch: Riograndenser Hunsrückisch, Deutschsprachige in Lateinamerika)
- Chile 20.000 (siehe auch: Launa-Deutsch)
- Dänemark 15.000 (in Nordschleswig; etwa zwei Drittel der Angehörigen der deutschen Minderheit bedienen sich jedoch des südjütischen Dialekts als Umgangssprache)
- Deutschland ca. 76-77 Millionen, die Deutsch (inkl. Niederdeutsch) als Muttersprache haben (Deutsch ist gesetzl. Amtssprache; Sorbisch, Dänisch, Friesisch, Romanes (Minderheitensprachen) und Niederdeutsch (Regionalsprache) genießen Minderheitenrechte)
- Estland 1.870
- Frankreich: 1.200.000 Elsässer und Lothringer (61 % der Elsässer gaben 2001 an, über Kenntnisse im angestammten Dialekt zu verfügen. Zahlen allerdings rückläufig, insbesondere in Lothringen und Städten)
- Israel 200.000 (siehe auch: Jiddisch)
- Italien 333.000 (ca. 67 % aller Südtiroler sind deutscher Muttersprache, es ist in Südtirol gesetzliche Amtssprache gemeinsam mit Italienisch und Ladinisch; siehe auch: Zimbern)
- Kanada 438.000 (2,8 Millionen Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000 (siehe auch: Kasachstandeutsche)
- Kirgisistan 20.000 (siehe auch: Kirgisistandeutsche)
- Kroatien 11.000 (siehe auch: Donauschwaben, Touristenzuzug)
- Lettland 541
- Liechtenstein 34.600 (Deutsch ist alleinige Amtssprache)
- Litauen 2.060
- Luxemburg 474.000 (Hochdeutsch ist gemeinsam mit dem mitteldeutschen Luxemburgisch und Französisch gesetzl. Amtssprache)
- Moldawien 7.300
- Mexiko 80.000–90.000
- Namibia 30.000 (siehe auch: Deutsche Sprache in Namibia)
- Niederlande Niederdeutsch (Niedersächsisch) samt diverser Dialekte (u. a. Gronings) ist Muttersprache von rund 500.000 Niederländern, hinzu kommen noch 386.000 in den Niederlanden lebende Deutsche sowie abhängig von der sprachwissenschaftlichen (strittigen) Klassifizierung Sprecher anderer Mundarten bzw. Sprachen (siehe Niederfränkisch, Limburgisch); Niederländisch ist Amtssprache (und wurde ebenfalls zu den deutschen Sprachen gezählt)
- Österreich 7,57 Millionen deutschsprachige Österreicher (Deutsch als gesetzl. Amtssprache neben Minderheitensprachen (u. a. Slowenisch in Kärnten und in der Steiermark, Ungarisch und Burgenlandkroatisch im Burgenland)
- Paraguay über 250.000 Deutschstämmige, davon höchstens 100.000 Deutschsprecher (siehe auch: Mennoniten, Deutschsprachige in Lateinamerika)
- Polen 150.000 (Hauptsächlich Reste der deutschen Bevölkerung vor 1945 in Schlesien, Deutsch ist anerkannte Minderheitensprache)
- Rumänien 45.000 (siehe auch: Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Donauschwaben, Sathmarer Schwaben)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300) (siehe auch: Russlanddeutsche)
- Schweden: Hochdeutsch und Jiddisch sind Muttersprache von etwa 20.000 Schweden; Jiddisch genießt in Schweden den Schutz als Minderheitensprache
- Schweiz 5 Millionen (67 % der Schweizer Bevölkerung; Deutsch ist gesetzliche Amtssprache mit Französisch, Italienisch und Rätoromanisch)
- Serbien 5.000 (siehe auch: Donauschwaben in der Vojvodina)
- Slowakei 5.500 (siehe auch: Karpatendeutsche)
- Slowenien 2.000 (u. a. Reste der Gotscheer)
- Spanien 50.000 (Touristenzuzug, hauptsächlich auf den Balearen, keine anerkannte Minderheit)
- Südafrika 300.000 – 500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt). (siehe auch:Nataler Deutsch)
- Tschechien 30.000 (Reste der Sudetendeutschen und Hultschiner Ländchen)
- Ukraine 35.000
- Ungarn 35.000–200.000 (siehe auch: Ungarndeutsche, Donauschwaben)
- Vereinigte Staaten von Amerika 6,1 Millionen; 60 Millionen Deutschstämmige (vor allem in North und South Dakota. Siehe auch: Pennsylvaniadeitsch bzw. „Pennsylvania Dutch“, Texasdeutsch, Amische, Mennoniten, Hutterer)
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- Die hier angegeben Zahlen beruhen zum Großteil nicht auf der tatsächlichen Zahl der aktiven Sprecher – welche so gut wie nicht erfasst werden kann –, sondern auf Hochrechnungen, Staatsangehörigkeiten, alten Auswanderungszahlen etc. Deshalb liegen einige Zahlen möglicherweise weit über den anzunehmenden tatsächlichen Werten.
Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
Rechtlicher Status und Gebrauch
(Geordnet nach ungefähren Sprecherzahlen)

Verbreitungsgebiet der hochdeutschen Standardsprache in Europa nach 1945. Gebiete in denen Deutsch keinen offiziellen Status hat, und/oder nur von einer kleinen Minderheit gesprochen wird, sind hellblau gekennzeichnet
Deutschland
In der
Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch:
Besondere Regelungen gelten für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein sowie für die
Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die
niederdeutsche Sprache, das
Nordfriesische in Schleswig-Holstein, das Saterfriesische in Niedersachsen sowie das
Romani in der gesamten Bundesrepublik (umgesetzt bisher nur in Hessen). So müssen – beispielsweise – Behörden in Schleswig-Holstein und nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs auch das Patentamt in München auf Plattdeutsch gestellte Anträge bearbeiten.
Österreich
In
Österreich ist laut Artikel 8 Absatz 1
Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) aus dem Jahre 1920 die
„deutsche Sprache“ (ohne nähere Spezifikation) die Staatssprache der Republik, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte. Tatsächlich gebräuchlich ist im Alltag wie auch im staatlichen Bereich jedoch
Österreichisches Deutsch als nationale
Varietät (
Standardvarietät) des Hochdeutschen. Diese österreichische
Standardvarietät wurde daher in der II. Republik durch das
Österreichische Wörterbuch staatlich normiert (erstmals 1951, als es alle alten deutschen Regelbücher ablöste).
Schweiz
In der
Schweiz (knapp 5 Millionen, d. h. 63 % der Bevölkerung, geben Deutsch als Muttersprache an) ist Hochdeutsch auf gesamtstaatlicher Ebene Amtssprache neben
Französisch,
Italienisch und
Rätoromanisch. Doch ist zu beachten, dass das Standarddeutsch in der Schweiz nicht exakt mit der deutschen Rechtschreibung übereinstimmt, so gibt es in der Schweiz kein
scharfes S, sondern es wird als Doppel-S geschrieben (z. B. Grüsse). Umgangssprache ist zudem fast ausschließlich
Schweizerdeutsch, eine Sammelbezeichnung für verschiedene Formen des deutschen Dialekts
Alemannisch.
In 17 von 26 Kantonen ist Deutsch alleinige Amtssprache, in vier weiteren Amtssprache neben Französisch (Kantone Bern, Freiburg und Wallis) bzw. neben Italienisch und Rätoromanisch (Graubünden).
Auf Gemeindeebene kann jede Gemeinde ihre Amtssprache(n) in eigener Kompetenz festsetzen.
Siehe auch: Schweizer Hochdeutsch, Sprachen der Schweiz, Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache
Frankreich
Die französische Republik erkennt trotz der Anwesenheit von 8 regional verbreiteten
nichtfranzösischen Sprachen (und weiteren überregional verbreiteten) neben
Französisch keine anderen Sprachen als offiziell im Sinne von
Amtssprache an. Französisch ist laut Verfassung „Sprache der Republik“. Dennoch besitzen die anderen Sprachen eine offizielle Anerkennung als
langues régionales – darunter für die
Region Elsass und das
Departement Moselle Deutsch: als lokal verbreitete Dialekte und Hochdeutsch als Schriftform und Bezugssprache dieser regionalen Mundarten. Dieser Status wirkt sich zumeist nur in der Bildungspolitik aus, da die Regionalsprachen in unterschiedlicher Intensität in der Schule gelernt werden können. Gerade der Status des Deutschen wird jedoch gegenüber anderen Regionalsprachen noch gestärkt, da infolge der Grenzverschiebungen in den Weltkriegen von einem höheren Bevölkerungsanteil mit mangelnden Französischkenntnissen ausgegangen wurde. So erhalten Mitarbeiter von Behörden einen höheren Lohn, wenn sie Deutsch beherrschen. Einen besonders offiziellen Status erhält Deutsch dadurch, dass die offiziellen Wahlkampftexte (
profession de foi), die jeder Kandidat, der sich zu einer Wahl aufstellen lässt, vorlegen muss, in einer (inhaltlich gleichen) französischen und deutschen Version sein sollen. Dabei wird nur Hochdeutsch akzeptiert. In jeder anderen Region werden offizielle Veröffentlichungen in jeder anderen Sprache als Französisch nicht anerkannt und z.T. von den Prefekturen eingezogen. In den Kirchen finden noch manchmal gemischt- oder dialektsprachige Gottesdienste statt.
Brasilien
Wahrhaft repräsentative und fundierte Zahlen zur Zahl der deutschen Muttersprachler in
Brasilien gibt es nicht. Schätzungen zufolge leben in Brasilien jedoch circa 2 bis 5 Millionen Deutschstämmige, von denen etwa 850.000–900.000
bilingual (Deutsch und
Portugiesisch) sein dürften und somit als deutsche Muttersprachler gewertet werden könnten. Diese Bevölkerungsgruppe konzentriert sich im Wesentlichen auf die Staaten
Santa Catarina und
Rio Grande do Sul im Süden des Landes und hier eher auf kleine, nicht an der Küste liegende Städte. Beispiele hierfür sind
Pomerode,
Santa Rosa de Lima oder
Treze Tilias, in denen noch große Teile der Bevölkerung Deutsch sprechen. Während diese Region Anfang des 20. Jahrhunderts noch hauptsächlich deutschsprachig war, wurde die Deutsche Sprache durch Assimilation und durch Unterdrückung oder gar Verbot in der Mitte des 20. Jahrhunderts – besonders während des
Zweiten Weltkrieges – durch Portugiesisch verdrängt. Im Laufe der Jahre hat sich die Situation jedoch maßgeblich geändert, so dass heute die deutsche Sprache als kulturelles Erbe besonders gefördert wird und der Region um
Blumenau sogar als touristisches Aushängeschild dient, obgleich gerade hier die deutsche Sprache nur noch begrenzt gesprochen wird. Deutsche Infrastruktur in Form von Zeitungen und Schulen existiert zwar begrenzt, doch im öffentlichen Bereich ist Deutsch kaum vorhanden, da Portugiesisch alleinige Amtssprache ist und der Schaden durch Unterdrückung an der deutschen Sprachgruppe in Brasilien zu groß und andauernd war, um reversibel zu sein.
Siehe auch: Riograndenser Hunsrückisch, Deutschsprachige in Lateinamerika
Luxemburg
Im Luxemburg ist Hochdeutsch zusammen mit Luxemburgisch und Französisch Amtssprache, wobei Luxemburgisch als Nationalsprache gilt, Französisch als „Legislativsprache“. Deutsch spielt insbesondere bei Druckerzeugnissen wie Zeitungen und Zeitschriften sowie in der Kirche eine dominierende Rolle. Laut Umfragen der EU[Umfrage der EU ]
geben über 90 % der Luxemburger an, sowohl Deutsch als auch Französisch auf gutem bis sehr gutem Niveau zu beherrschen. Alle öffentlichen Ämter sind angewiesen, in der Sprache des Bürgers zu antworten. Ortsschilder sind auf Französisch gehalten, darunter steht kursiv der Ortsname auf Luxemburgisch. Straßenschilder sind mehrheitlich auf Französisch, seltener auf Luxemburgisch beschriftet. In den Druckmedien sind alle drei Sprachen vertreten, so findet man in zahlreichen Zeitungen Artikel in allen drei Sprachen. Auch Websites luxemburgischer Betreiber, seien es Privatleute, Schulen oder Clubs etc., mischen oft die drei Amtssprachen auf ihren Seiten, wobei das Hochdeutsche auf den offiziellen Internetseiten der politischen Parteien überwiegt.
Italien
In
Italien ist Deutsch regional in
Südtirol (neben
Italienisch und örtlich
Ladinisch) Amtssprache. Daneben besitzt es auch im zur autonomen
Region Aostann gehörenden und teils von
Walser bewohnten Tal von
Gressoney einen co-offiziellen Status (neben Italienisch und Französisch). Die deutsch-/
alemannischsprachige Bevölkerung umfasst hier aber nur einige Dörfer.
Von den etwa 487.000 Einwohnern Südtirols (Stand 2006) gaben bei der letzten Volkszählung 2001 etwa 69 % der Bevölkerung der autonomen Provinz Deutsch als ihre Muttersprache an. Seit der Autonomie Südtirols und der Mitgliedschaft in der
EU und dem damit verbundenen
Schengener Abkommen ist die Tendenz steigend (Volkszählung 1991 ca. 67 %). Ca. 75 % der italienischsprechenden Bevölkerung lebt in den drei größten Städten
Bozen,
Meran und
Brixen mit 70 %, 48 %, bzw. 26 % Anteil an der jeweiligen Stadtbevölkerung (Stand 2001). Alle öffentlichen Ämter sind gesetzlich zweisprachig, genauso wie sämtliche Orts- und Straßenschilder. Diese und andere Beschilderungen im öffentlichen Leben waren bis zum zweiten Autonomiestatus von 1974 beinahe ausschließlich italienisch, da Deutsch diesbezüglich unerwünscht oder gar verboten war. Heute überwiegt das Deutsche außer in Bozen und Meran deutlich. Außerhalb der genannten größten Städte in Südtirol ist das Italienische de facto kaum vorhanden.
Siehe auch: Rechtliche Stellung der deutschen Sprache in Südtirol
Polen
In
Polen leben laut Volkszählung (2002) circa 153.000 Deutsche, etwa 0,381 % der Gesamtbevölkerung, welche Reste der deutschen Bevölkerung der ehemaligen Ostgebiete darstellen, die der
Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg entgingen. Die deutsche Minderheit konzentriert sich heute hauptsächlich auf die
Woiwodschaft Oppeln (Opole), wo Deutsch in immer mehr Gemeinden offiziellen Status als „Hilfsprache“ erhält. Sie sind eine national anerkannte Minderheit und der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen ist seit 1991 aufgrund vertraglicher Regelung im polnischen Parlament (
Sejm) vertreten. Des Weiteren erscheinen mehrere deutschsprachige Zeitungen in Polen mit Auflagen bis zu 10.000 Stück und es gibt neben dem halbstündigen deutschen Programm von Radio Polonia auch eine deutschsprachige schlesischen Radiosendung namens „Schlesien Aktuell“ und eine deutsche Fernsehsendung
Schlesien Journal. In der Hauptstadt Warschau ist die deutsch-polnische Begegnungsschule
Willy-Brandt-Schule in der auch in deutscher Sprache unterrichtet wird. Mehrsprachige Ortsschilder werden laut polnischem Recht ab einem Minderheitsanteil von mindestens 20 % in der jeweiligen Gemeinde oder Stadt verwendet, welche in der Woiwodschaft Oppeln stellenweise erreicht wird. Oftmals werden aber auch private, zweisprachige Beschilderungen in Gemeinden mit etwas geringerem Anteil, wie z. B.
Popielow, aufgestellt.
[Schlesisches Wochenblatt ]
Siehe auch: Deutsche Minderheit in Polen
Belgien
In
Belgien ist Hochdeutsch auf gesamtstaatlicher Ebene mit
Niederländisch und
Französisch Amtssprache. In
Ostbelgien, den Kantonen
Eupen und
Sankt Vith, ist Deutsch Haupt-Amtssprache, daneben ist Französisch kooffiziell. Circa 78.000 Belgier geben Deutsch als ihre Muttersprache an.
Siehe auch: Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens
Ungarn
Die deutsche Minderheit in
Ungarn (
Ungarndeutsche) genießt Minderheitenrechte, ist jedoch, besonders in den jüngeren Generation, bereits weitgehend assimiliert, so dass Deutsch meistens nur noch als Fremdsprache gelernt wird. Offiziell spricht man von etwa 200.000 Ungarndeutschen. Tatsächlich dürften davon aber höchstens noch etwa 50.000 deutsche Muttersprachler sein (ca. 0,5 % der Gesamtbevölkerung). Da die Minderheit sehr zerstreut über das Land lebt und nur wenig Identitätsbewusstsein hat, spricht man daher oft von einer Doppelidentität der Ungarndeutschen. Zweisprachige Orts-, Straßen-, Verkehrs- und Amtsschilder findet man nur in der Stadt
Ödenburg (Sopron) nahe der österreichischen Grenze. In anderen Gebieten mit größerer deutscher Minderheit gibt es sehr vereinzelt deutsche Kindergartengruppen oder Schulklassen. Die deutsche Minderheit in Ungarn ist in der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen organisiert.
Siehe auch: Ungarndeutsche
Rumänien
In
Rumänien leben etwa 40.000 bis 50.000 deutsche Muttersprachler (ca. 0,2 bis 0,3 % der rumän. Bevölkerung), welche sich hauptsächlich aus den
Siebenbürger Sachsen sowie den
Donauschwaben zusammensetzen. Aufgrund der starken Abwanderung der jungen Generationen nach Deutschland und Österreich leiden diese Bevölkerungsgruppen jedoch unter einer intensiven Überalterung (Durchschnittsalter bei etwa 69 Jahren) weshalb deren Zahl stark abnimmt. Trotz dieses niedrigen Bevölkerungsanteils wird die Deutsche Sprache weitläufig als kulturelles Erbe angesehen und genießt alle Rechte einer Minderheitensprache und ist vor allem in Städten und Gemeinden wie z. B.
Herrmannstadt,
Schässburg,
Temesvar oder
Sathmar präsent, weshalb dort auch des Öfteren mehrsprachige Beschilderungen zu finden sind. Darüber hinaus ist die deutsche Minderheit durch die Partei „
Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien“ auch politisch aktiv und stellt beispielsweise den gegenwärtigen (2006) Bürgermeister von Herrmannstadt. In den Verdichtungsgebieten der deutschen Minderheit (selten über 5 % Einwohneranteil) besteht auch nennenswerte deutsche Infrastruktur in Form von Kindergärten, Grund, Haupt- und Hochschulen sowie Theatern, aber auch Zeitungen wie der wöchentlichen
Hermannstädter Zeitung.
[Rumänische Regierung ]
Siehe auch: Siebenbürger Sachsen, Donauschwaben
Tschechien
In der
Tschechischen Republik existiert noch eine kleine deutsche Minderheit von ca. 41.200 Menschen (0,4 % der Gesamtbevölkerung), Überreste der
Sudetendeutschen, die der
Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg entgangen waren. Die Zahl der deutschen Muttersprachler sinkt beständig, da vor allem die jüngeren Generationen der Minderheit einem extremen Assimilationsdruck des Tschechischen ausgeliefert sind und zum großen Teil nicht mehr mit Deutsch aufwachsen. Die Bezeichnung „Sudetendeutsche“ ist darüber hinaus auch nicht mehr gebräuchlich, stattdessen verwendet man gewöhnlich den Begriff „
Deutsche in Tschechien“, welche seit der
Wende 1990 gewisse Minderheitenrechte genießen und in der „Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien“ sowie im „Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität“ organisiert sind. Deutsche Infrastruktur, wie Kindergärten, Schulen, Straßen- oder Ortsschilder existieren flächendeckend nicht mehr und die deutsche Sprache hat weder regionales noch nationales Amts- oder Verkehrsprachenstatut. Es erscheinen jedoch deutschsprachige Wochenzeitungen wie die „
Landeszeitung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien“ und die „
Prager Zeitung“.
Siehe auch: Deutsche in Tschechien
Liechtenstein
In
Liechtenstein (34.600 Einwohner) ist Hochdeutsch die alleingültige Amtssprache. Minderheitensprachen finden keine Anwendung. Umgangssprache ist
Liechtensteinisch, eine
alemannische Dialektform und mit den
schweizerdeutschen und vorarlbergischen Dialekten eng verwandt.
Namibia
Deutsch war mit
Afrikaans und
Englisch in
Südwestafrika in der Zeit der
Apartheid von Juni 1984 bis zur Unabhängigkeit
Namibias 1990 Amtssprache. Seitdem ist Englisch die einzige landesweite offizielle Amtssprache und Deutsch nurmehr
Verkehrssprache und eine von etwa 20 „Nationalsprachen“ des Landes und wird somit gezielt von der namibischen Regierung gefördert. Die deutsche Sprache steht außerdem unter besonderem Schutz und ist als Teil der namibischen Kultur gesetzlich verankert. Diese Sprachpolitik darf jedoch nicht als Herabsetzung des Deutschen, des Afrikaans oder der zahlreichen afrikanischen Sprachen gegenüber dem Englischen gesehen werden. Die junge Nation Namibia wollte vielmehr eine „neutrale“ und leicht erlernbare Sprache zur alleinigen Amtssprache erheben, welche keine der bestehenden Bevölkerungsteile bevorzugt um die Integrität des Landes zu gewährleisten. Etwa 30.000 Namibier (ca. 1,5 % der Gesamtbevölkerung) geben Deutsch als ihre Muttersprache an. Afrikaans und Englisch sind jedoch auch nicht viel weiter verbreitet, besonders unter der ländlichen schwarzafrikanischen Bevölkerung, welche den Großteil der Einwohner des Landes darstellt.
Siehe auch: Deutsche Sprache in Namibia
Dänemark
In
Dänemark wird Deutsch von den etwa 15.000 Angehörigen der deutschen Volksgruppe in
Nordschleswig gesprochen und genießt Minderheitssprachrechte, ohne jedoch eine offizielle Amtssprache auf nationaler oder regionaler Ebene zu sein
[http://www.uoc.es/euromosaic/web/document/alemany/an/i2/i2.html].

Schätzungsweise zwei Drittel von ihnen verwenden jedoch den
südjütischen Dialekt der
dänischen Sprache als Umgangssprache und Deutsch als Hochsprache
[Gesellschaft für bedrohte Völker ]
. Dänische Volkszählungen erfassen keine Angaben zu Sprache und ethnischer Zugehörigkeit. Deutsche Schulen in Nordschleswig sind wie andere freie Schulen in Dänemark zu über 80 % staatlich subventioniert; hierzu kommt ein besonderer Zuschlag zur Deckung des zweisprachigen Muttersprachenunterrichtes, so dass deutsche Schulen in der Praxis mit kommunalen Schulen völlig gleichgestellt sind.
Russland
In
Russland ist Deutsch anerkannte Verkehrssprache der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen
Asowo (Gebiet
Omsk) und
Halbstadt (
Altai-Region).
Siehe auch: Russlanddeutsche
USA und Kanada
Dass Hochdeutsch beinahe Amtssprache der
USA geworden wäre, ist ein
Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (
Mühlenberg-Legende). Tatsächlich bezog sich dieses Gerücht auf den gescheiterten Versuch, Gesetzestexte im Staat
Virginia in Zukunft auch auf Deutsch veröffentlichen zu lassen.
Heute wird Deutsch noch von etwa 1,5 Millionen Menschen in den USA gesprochen und liegt damit auf Rang 5 der meistgesprochenen Sprachen. In Kanada sprechen 438.000 Menschen Deutsch als Muttersprache.[http://www40.statcan.ca/l01/cst01/demo11a.htm?sdi=language]
Das entspricht etwa 1.5 % der Gesamtbevölkerung. Deutsch ist in keinem der amerikanischen Bundesstaaten als Amtssprache festgelegt. In Kanada sind Französisch und Englisch Amtssprachen.
Siehe auch: Deutsche Sprache in den USA, Sprachen in den Vereinigten Staaten
Europäische Union
Hochdeutsch (Deutsch) ist eine von 23 Amtssprachen der
Europäischen Union und neben Englisch und Französisch auch
Arbeitssprache der EU. Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache in der EU und knapp nach Englisch und mit Abstand vor Französisch zweitmeistgesprochene Sprache (Mutter- und Fremdsprachler) der EU
Vereinte Nationen
In der
UNO ist Deutsch keine Amts- bzw. Arbeitssprache. Eine Sonderstellung gegenüber den anderen Nicht-Amtssprachen besteht darin, dass seit 1975 der Deutsche Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen für wichtige offizielle Dokumente deutsche Versionen erstellt. Finanziert wird der Dienst, der in das UN-Sekretariat eingegliedert ist, von einem Treuhandfonds, den Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz mit Beiträgen fördern.
NATO
Das Nordatlantikbündnis
NATO arbeitet lediglich mit zwei Amtssprachen: Englisch und Französisch. Die Hinzunahme von Deutsch ist sehr unwahrscheinlich, da sich andere Länder wie Spanien, Italien oder Portugal benachteiligt fühlen würden und die Aufnahme weiterer Amtssprachen mit größeren Verwaltungskosten verbunden ist.
Weitere wichtige internationale Institutionen
Zu den wichtigsten internationalen Institutionen (außer der
EU), welche Deutsch zu eine ihrer offiziellen Sprachen zählen, gehören unter anderem:
[http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_international_organisations_which_have_French_as_an_official_language]
Deutsch als Fremdsprache
Die Bezifferung der Fremdsprachler der deutschen Sprache weltweit beruht auf sehr vagen Schätzungen. Die mit 20 Millionen geringste genannte Anzahl basiert auf eine Angabe der
Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und des
Goethe-Instituts, ist aber in der Aussage, alle Menschen zu erfassen, die
Deutsch als Fremdsprache beherrschen, ebenso unrealistisch wie entgegengesetzte Extremzahlen von mehreren 100 Millionen. Die von der
Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache genannte Zahl ist allenfalls geeignet, die Anzahl derjenigen zu beziffern, die Deutsch im Ausland in erfassten Bildungseinrichtungen als Fremdsprache erlernen und schließt mithin nicht diejenigen ein, die auf anderem Wege – z. B. durch „direkte Berührung“ in den deutschsprachigen Ländern und angrenzenden Regionen (u. a. Gastarbeiter) oder durch Kurse (Universitäten, Volkshochschulen etc.) die deutsche Sprache erlernt haben.
Allein schon für den Bereich der Europäischen Union wurde im Jahre 2005 durch das Eurobarometer eine Anzahl von rund 55 Millionen EU-Bürgern (12 Prozent) ermittelt, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen, darunter rund 6 Millionen in Deutschland (siehe Kurzfassung in Amtssprachen der Europäischen Union). Unter Berücksichtigung einer Gesamtbandbreite aus Standardabweichung und Wahrscheinlichkeit ist von einer Anzahl zwischen 50 und 60 Millionen innerhalb der EU auszugehen. Nicht inbegriffen in diese Zahl sind unter anderen die Fremdsprachler der deutschen Sprache in der Schweiz (mehr als 2 Millionen), in Russland (nach Schätzungen könnten es 10 Millionen oder mehr sein, nach Angabe der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache: knapp 5 Millionen), in Ländern außerhalb der EU, in denen ehemalige Gastarbeiter und ihre Familien leben (Türkei, Ex-Jugoslawien).
Deutsch wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt. Die Lehr- und Lernmittel enthalten das Standarddeutschn der Schweiz, Österreichs oder Deutschlands.
In Europa ist die deutsche Sprache nach Englisch und Russisch als Fremdsprache am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Deutsch als Fremdsprache in den Niederlande, in Flandern, Skandinavien, Russland, im Baltikum, in Slowenien, Kroatien, Polen, Bosnien und Herzegowina, in der frankophonen sowie in der italienischsprachigen Schweiz, in Serbien, Montenegro, Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Mazedonien, Weißrussland und Bulgarien gewählt. In einigen dieser Länder und Regionen ist Deutsch in der Schule die erste Fremdsprache; es steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Japan lernt man häufig Deutsch. In anderen Ländern, so in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch. In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500 (3,26 %) (nach Schätzungen bis über 10 Millionen)
- Polen: 2.202.708 (5,70 %) (nach Eurobarometer rund 7 Millionen)
- Frankreich: 1.603.813 (2,52 %) (nach Eurobarometer rund 4 Millionen)
- Tschechien: 799.071 (7,80 %) (nach Eurobarometer rund 3 Millionen)
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472 (gem. Eurobarometer rund 3,5 Millionen)
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190 (nach Eurobarometer: ca. 11 Millionen)
- USA: 551.274
Deutsch ist heute die nach
Englisch am meisten verwendete Sprache im
Internet (gefolgt von
Französisch,
Japanisch,
Spanisch und
Chinesisch). Mehr als acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch. (Internetseiten auf Englisch: ca. 50 %.)
Nach Darstellung der Eurobarometer-Umfrage 2006 sprechen mehr Europäer Deutsch als Französisch. Etwa jeder zweite Europäer spricht Englisch (51 %), jeder dritte Deutsch (32 %) und jeder vierte Französisch (26 %). Vor allem in den Niederlanden (wo ungefähr 70 % der Bevölkerung Englisch, 68 % Deutsch, 24 % Französisch sprechen), in der Slowakei, in Ungarn, Tschechien, aber auch Polen, Estland, Dänemark, Schweden, Kroatien, Slowenien ist die Kenntnis der deutschen Sprache weit verbreitet; in diesen Ländern liegt der Anteil der Bevölkerung mit Deutschkenntnissen bei rund 20 bis rund 55 Prozent.
Im Einzelnen sprechen nach dieser Angabe Deutsch als Fremdsprache:
- in Belgien rund 2,5 Millionen (25 Prozent der Gesamtbevölkerung)
- in Tschechien rund 3 Millionen (31 Prozent)
- in Dänemark rund 3 Millionen (54 Prozent)
- in Frankreich rund 4 Millionen (7 Prozent)
- in Italien rund 2,5 Millionen (4 Prozent)
- in Ungarn rund 1,5 Millionen (16 Prozent)
- in den Niederlanden rund 11 Millionen (66 Prozent)
- in Polen rund 7 Millionen (19 Prozent)
- in Slowenien knapp 1 Million (45 Prozent)
- in der Slowakei rund 1,5 Millionen (28 Prozent)
- in Finnland knapp 1 Million (17 Prozent)
- in Schweden rund 2,5 Millionen (28 Prozent)
- im Vereinigten Königreich rund 3,5 Millionen (6 Prozent)
- in Kroatien rund 1,5 Millionen (33 Prozent)
- in der Türkei rund 3 Millionen (4 Prozent)
- in Deutschland rund 6 Millionen (7 Prozent)
- in Estland rund 0,2 Millionen (18 Prozent)
Aussprache
- Hauptartikel: Aussprache der deutschen Sprache
Grammatik
- Hauptartikel: Deutsche Grammatik
Rechtschreibung
- Hauptartikel: Deutsche Rechtschreibung
Textsammlungen
Beim
Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1.000 Autoren.
Wikisource enthält mehr als 9.300 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Deutschsprachige Schriftsteller, Sprichwörter
Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache
Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im
Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die
lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B.
dominieren,
Fenster,
Karren,
Keller,
Kloster) aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die
griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B.
Demokratie,
Krypta,
Philosophie,
Physik). Teilweise verschwanden durch die Entlehnungen die zuvor gebräuchlichen Begriffe vollständig:
Arzt,
Mediziner und das umgangssprachlich verwendete
Doktor verdrängten als Bezeichnung für den Heilkundigen beispielsweise schon frühzeitig die Begriffe
Laachi (
Lachi) und
Bader.
Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch, das nach Voltaire nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Konfitüre, Trottoir).
Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Gurke, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. meschugge, Mischpoke, Schickse, Schlamassel, Zoff) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel (Magazin, Tarif, Tara), Botanik (Orange, Kaffee, Ingwer), Medizin (Elixier, Balsam), Mathematik (Algebra, Algorithmus, Ziffer), Chemie (alkalisch, Alkohol) und Astronomie (Almanach, Zenit, Rigel) lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von manchen skeptisch betrachtet, insbesondere dann, wenn es genügend deutsche Synonyme gibt. Kritiker merken auch an, es handle sich oftmals (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch.
Auch technische Zwänge bei der Synchronisation englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die zuvor im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z. B. „Oh mein Gott“ statt „Um Gottes Willen“ als Übersetzung für „Oh my god“). Solche „verdeckten Anglizismen“ (Lehnübersetzungen) gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der heute gebräuchliche Ausdruck „nicht wirklich“ die wortwörtliche Übersetzung von „not really“ und bedeutet demzufolge in richtiger Übersetzung soviel wie „eigentlich nicht“ – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt.
Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt.
Einfluss durch moderne Medien
Auch im 20. Jahrhundert gab es starke Einflüsse auf die deutsche Sprache. Zum einen wurde durch die weite Verbreitung audiovisueller Massenmedien eine natürliche Tendenz zur Standardisierung gefördert, zum anderen wurde in ländlichen Gebieten bewusst eine Umerziehung von der Dialektsprache zum Hochdeutsch vorangetrieben. Hinzu kommt der Einfluss des Zweiten Weltkrieges, der dazu geführt hat, dass deutsche Sprachinseln in Osteuropa weitgehend zerstört wurden, dass viele Sprecher der jüdischen Dialekte des Deutschen und der dem Deutschen nahen jiddischen Sprache ermordet wurden oder als sprachliche Minderheit außerhalb der deutschen Sprachzone leben und aufgrund der Dominanz der umgebenden Sprachen die Verwendung des Deutschen bzw. des Jiddischen mehr und mehr verlieren. Auch hat die Teilung Deutschlands zu einer unterschiedlichen Entwicklung des Vokabulars und der Ausdrucksformen geführt. Dem entgegen steht eine erneut vereinheitlichende Tendenz durch die gemeinsamen Medien und die personelle Mobilität in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Besonders seit dem