Geschichte
Nachdem die Atomtheorie des
Demokrit sich durch die Entwicklung der
Chemie im
18. Jahrhundert bestätigte, galten die Atome als 'elementare' Teilchen. Anfang des
20. Jahrhunderts entdeckte man, dass Atome aus einem
Atomkern (bestehend aus
Nukleonen, also
Protonen und
Neutronen) und einer Hülle (bestehend aus Elektronen) aufgebaut sind.
Nach der Entdeckung der Teilchen, die das Atom aufbauen, wurde - zunächst hauptsächlich in der kosmischen Strahlung - eine Vielzahl weitere Teilchen (beispielsweise Myon, Pion oder Kaon) sowie Antiteilchen entdeckt. In der Folge stieß man auf eine Substruktur der Nukleonen und anderer Hadronen, die Quarks.
Im Ergebnis folgte die Entwicklung des Standardmodells der Elementarteilchenphysik. Es enthält alle Teilchen, die aus heutiger Sicht als Elementarteilchen gelten.
Eigenschaften von Elementarteilchen
Wechselwirkungen und Ladungen
In der Physik gibt es 4
Grundkräfte
Der
Gravitation unterliegen alle Elementarteilchen, aber in der Teilchenphysik kann man sie aufgrund ihrer extrem geringen Stärke außer Betracht lassen.
Einige Elementarteilchen unterliegen allen übrigen drei Wechselwirkungen, andere nur einigen von ihnen. Beschrieben wird dies durch Ladungen:
- Farbladung (starke Wechselwirkung)
- Schwache Ladung (schwache Wechselwirkung)
- Elektrische Ladung (elektromagnetische Wechselwirkung)
Die Massen der Teilchen entsprechen wegen E=mc
2 einem Energiewert. In der Teilchenphysik gibt man Energien üblicherweise in
Elektronvolt (eV) bzw. deren Vielfachen (keV, MeV, GeV) an, und daher werden auch die Massen in dieser Einheit ausgedrückt.
Typische Massen sind 0 für das Photon, 0,511 MeV/c
2 für das Elektron und 938 MeV/c
2 für das Proton.
Spin
Der
Spin ist eine Eigenschaft, die einem Drehimpuls entspricht. Teilchen mit ganzzahligem Spin nennt man Bosonenen, solche mit halbzahligem Spin heißen
Fermion.
Weitere Quantenzahlen
Weitere Quantenzahlen charakterisieren die Identität von Quarks und Leptonen und Erhaltungsgrößen, z.B.
Isospin,
Strangeness,
Baryonenzahl,
Leptonenzahl
Lebensdauer
Die meisten Teilchen sind nicht stabil, sondern wandeln sich in andere mit geringerer Masse um. Bei diesem Prozess entstehen weitere Teilchen; daher bezeichnet man solch einen Vorgang (nicht ganz präzise) als Zerfall. Die
Lebensdauer instabiler Teilchen hängt sehr davon ab, über welche Wechselwirkung sie zerfallen können. Teilchen, die nur über die schwache Wechselwirkung zerfallen können, sind mit typischerweise 10
-10 ... 10
-8 Sekunden verhältnismäßig langlebig.
Stabil sind Teilchen, die aufgrund von Erhaltungssätzen nicht zerfallen können - so zum Beispiel das Elektron als leichtestes elektrisch geladenes Teilchen und das Proton als leichtestes Baryon.
Antiteilchen
Zu jedem Teilchen gibt es ein
Antiteilchen, mit identischen Werten für Spin und Masse. Die Ladungen der Antiteilchen haben das entgegengesetzte Vorzeichen. So ist beispielsweise das Proton positiv geladen und das Antiproton negativ.
Einige Teilchen, deren diverse Ladungen alle Null sind, sind ihr eigenes Antiteilchen. Ein Beispiel ist hierfür das Photon.
Fundamentalteilchen
Leptonen
Hauptartikel: Lepton
Leptonen sind elementare Materieteilchen, die nicht der starken Wechselwirkung unterliegen. Sie haben Spin-1/2, sind also Fermionen.
Es gibt drei geladene Leptonen (Ladung = -1e): das
Elektron (e), das
Myon (μ) und das
Tauon (τ). Als leichtestes geladenes Teilchen ist das Elektron stabil.
Des weiteren kennt man drei elektrisch neutrale Neutrinos: das
Elektron-Neutrino (ν
e), das
Myon-Neutrino (ν
μ) und das Tauon-Neutrino (ν
τ).
Die Leptonen werden in drei Generationen oder Familien angeordnet: (νe,e), (νμ,μ) und (ντ,τ). Umwandlungen von Leptonen finden nur innerhalb einer Familie statt (z.B. e <=> νe,e) - mit Ausnahmen (Neutrino-Oszillationen).
Zu jedem dieser Leptonen gibt es ein Antiteilchen, das generell durch die vorangestellte Silbe Anti- gekennzeichnet wird. Aus historischen Gründen trägt das Antiteilchen des Elektrons die Bezeichnung Positron.
Bei der Erzeugung oder Vernichtung eines Leptons entsteht bzw. verschwindet immer auch ein Antilepton. Man beschreibt diesen Sachverhalt mit der Leptonenzahl L: setzt man für jedes Lepton L=+1 und für jedes Antilepton L=-1, so bleibt L bei allen bekannten physikalischen Vorgängen konstant.
Eine Liste mit weiteren Eigenschaften findet man im Artikel Lepton.
Quarks
Hauptartikel: Quark (Physik)
Auch Quarks sind Spin-1/2-Teilchen. Im Gegensatz zu Leptonen tragen sie eine Farbladung und unterliegen daher der starken Wechselwirkung.
|
| Generation
|
| 1
| 2
| 3
|
| elektr. Ladung
| +2/3
| up (u)
| charm (c)
| top (t)
|
| -1/3
| down (d)
| strange (s)
| bottom (b)
|
Es gibt drei Quarks mit der elektrischen Ladung -1/3:
down (d),
strange (s) und
bottom (b) und drei Quarks mit der elektrischen Ladung +2/3:
up (u),
charm (c) und
top. Somit kennt man auch für Quarks drei
Generationen oder
Familien: (d,u), (s,c) und (b,t). Umwandlungen von Quarks finden vorzugsweise innerhalb einer Generation statt (z.B. c => s).
Bei der Erzeugung oder Vernichtung eines Quarks entsteht bzw. verschwindet immer auch ein Antiquark. Man beschreibt diesen Sachverhalt mit der Baryonenzahl B: setzt man für jedes Quark B=+1/3 und für jedes Antiquark B=-1/3, so bleibt B bei allen bekannten physikalischen Vorgängen konstant.
Quarks werden niemals frei beobachtet, sondern nur gebunden in Hadronen (siehe Abschnitt 'Zusammengesetzte Teilchen' weiter unten).
Detailliert sind die Eigenschaften der Quarks im Artikel Quark (Physik) beschrieben.
Austauschteilchen (Eichbosonen)
Hauptartikel: Eichboson
Die Austauschteilchen vermitteln die Wechselwirkungen zwischen den Elementarteilchen. Sie werden im Standardmodell vorhergesagt, haben ganzzahligen Spin und sind daher Bosonen. Der physikalische Fachausdruck für die Austauschteilchen ist Eichbosonen, da es sich beim Standardmodell um eine Eichtheorie handelt.
Das Graviton ist kein Teilchen des Standardmodells, wird aber häufig im Zusammenhang mit den anderen Austauschteilchen erwähnt, was die Hoffnung widerspiegelt, dass in zukünftigen teilchenphysikalischen Modellen auch die gravitative Wechselwirkung korrekt behandelt werden kann. Alle Eichbosonen mit Ausnahme des Gravitons sind von Experimenten bestätigt; die in untenstehender Tabelle angegebenen Eigenschaften des Gravitons sind als „educated guess“ zu verstehen und folgen aus der Allgemeinen Relativitätstheorie.
| Teilchen
| Masse · c2
| Spin
| elektrische Ladung
| vermittelte Wechselwirkung
|
| Photon
| 0
| 1
| 0
| elektromagnetische Kraft
|
| Z0-Boson;
| ca. 91 GeV
| 1
| 0
| schwache Kraft
|
| W+-Boson;
| ca. 80 GeV
| 1
| 1
|
| W−-Boson;
| ca. 80 GeV
| 1
| -1
|
| Gluonen
| 0
| 1
| 0
| starke Kraft (Farbkraft)
|
| (Graviton)
| 0
| 2
| 0
| Gravitation
|
Es gibt insgesamt 8 Gluonen, die jeweils Kombinationen zweier Farbladungen tragen und die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Farbladungen vermitteln. Sie haben keine individuellen Namen bekommen, im Unterschied zu den 3 Bosonen, die die schwache Wechselwirkung vermitteln: W+, W− und das neutrale Z-Boson. Die elektromagnetische Wechselwirkung wird durch nur ein Boson vermittelt, das Photon.
Eichbosonen können selbst auch Ladungen tragen, und somit den Wechselwirkungen unterliegen. Beispiele sind die Gluonen, die selbst Farbladung tragen, oder die W-Bosonen, die elektrisch geladen sind.
Auch die Umwandlung eines Teilchens in ein anderes wird durch die Austauschteilchen vermittelt. Zum Beispiel wird bei der Umwandlung eines down-Quarks in ein up-Quark ein virtuelles W−-Boson erzeugt, das sich in ein Elektron und ein Neutrino umwandelt (dieser Prozess liegt dem sog. Betazerfall zugrunde).
Das Higgs-Boson
Hauptartikel: Higgs-Boson''
Das Higgs-Boson ist ein bislang nicht nachgewiesenes, hypothetisches Elementarteilchen. Es wird aufgrund theoretischer Überlegungen vom Standardmodell der Elementarteilchenphysik vorausgesagt. Um konsistent mit bisherigen experimentellen Daten zu sein, erwartet man eine Masse von etwa 110 bis 250 GeV/c2.
Das Higgs-Boson (oder Verallgemeinerungen desselben in erweiterten Theorien) wird heute als notwendiger Bestandteil akzeptabler, die reale Welt beschreibender, Teilchenphysikmodelle angesehen. Es entsteht durch den Higgs-Mechanismus, welcher das Problem löst, dass massive Austauschteilchen (das Z und das W) in Eichtheorien eigentlich nicht vorkommen dürfen.
Zusammengesetzte Teilchen
Aus Quarks (und Gluonen) zusammengesetzte Teilchen nennt man
Hadronen. Im erweiterten Sinne gelten auch diese als Elementarteilchen. Sie lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Mesonenen und
Baryon.
Mesonen
Hauptartikel: Meson
Mesonen haben ganzzahligen Spin, sind also Bosonen. Sie sind Bindungszustände aus einem Quark und einem Antiquark. Das leichteste Meson ist das Pion.
Baryonen
Hauptartikel: Baryon,
Liste der Baryonen
Baryonen haben halbzahligen Spin, sind also Fermionen. Sie lassen sich als Bindungszustände aus drei Quarks deuten (analog Antibaryonen aus drei Antiquarks). Nach heutigem Wissensstand werden Baryonen immer nur paarweise als Baryon und Antibaryon erzeugt; beim Zerfall eines (Anti)Baryons entsteht immer ein anderes (Anti)Baryon. Die Zahl der Baryonen bleibt also konstant (Erhaltung der Baryonenzahl).
Die wichtigsten Baryonen sind das Proton und das Neutronen, die, da sie Bestandteile von Atomkernen sind, zusammengefasst als Nukleon bezeichnet werden. Baryonen, die das s-Quark enthalten, nennt man auch Hyperonen.
Hypothetische Elementarteilchen
In theoretischen Modellen, die zum Teil plausibel, zum Teil aber sehr spekulativ sind, wurden weitere Teilchen postuliert. Hierzu gehören:
Quellen und Weblinks
- Datenquelle zu Leptonen und Quarks, Eichbosonen:
- Datenquellen zu Mesonen, Baryonen:
- Englischsprachige Datenquellen:
- Weitere Weblinks: