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Geändert: 2007-11-22
Kategorie: Modelleisenbahn

Epoche (Modelleisenbahn)

Zur einheitlichen Darstellung einer Zeitperiode auf Modelleisenbahnanlagen ist die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland und anderen Teilen Europans in verschiedene Epochen gegliedert. Um dem Modelleisenbahner die zeitliche Zuordnung der Bauteile und des rollenden Materials zu erleichtern, werden zu den verschiedenen Produkten Epoche (und meist auch Perioden innerhalb dieser Epochen) angegeben. So stellt zum Beispiel in Deutschland eine Lok der Epoche II a den Zustand zwischen 1920 und 1925 dar. Neben den Schienen- und Straßenfahrzeugen muss auch im Städtebau und Straßenbau die zeitliche Authentizität der Objekte berücksichtigt werden, beispielsweise Baustile oder Elemente, die in bestimmten Epochen eingeführt oder abgeschafft wurden, wie Telefonzellen, Zebrastreifen und Verkehrsampeln.

Die Epochenzugehörigkeit von Schienenfahrzeugen definiert sich nicht über die Farbgebung, sondern über die Organisation des Vorbildes - weshalb man zumindest theoretisch durchaus scharfe Grenzen ziehen kann. Zahlreiche Anpassungen der Fahrzeugkonstruktion sind von vielen Fahrzeugtypen bekannt und geben zusätzlich Aufschluss über die stimmige Gestaltung eines Fahrzeugmodells. Weniger häufig sind solche systematischen Veränderungen auch an Gebäuden zu beobachten, so dass z.T. auch hier eine Datierung bis auf wenige Jahre genau möglich ist.

Es gibt verschiedene Systeme der Epocheneinteilung. Das bekannteste davon (mit heute fünf Epochen) wurde um 1968 von der Zeitschrift „Miniaturbahnen“ (miba) angeregt und ist heute vom MOROP in der NEM 800 normiert. Die weitere Unterteilung ist je nach Land unterschiedlich und in der NEM 801 bis 814 festgelegt.

Im Folgenden ist die Einteilung nach NEM 806 D (Deutschland), NEM 801 A (Österreich) und NEM 804 CH (Schweiz) dargestellt.

Als Kommentar sind wichtige Ereignisse verzeichnet, die zu verstehen helfen, wann die Epoche anfängt. Dies ist aber immer als fließend zu betrachten, da nie alle Fahrzeuge an einem Tag umgekennzeichnet waren und auch sonstige Merkmale, wie neue Fahrzeuge, im realen Betrieb erst mit der Zeit als Unterschied zwischen benachbarten Epochen zu erkennen waren.

1 Epoche I
2 Epoche II
3 Epoche III
4 Epoche IV
5 Epoche V
6 Kritik am Epochensystem
7 Spielwarenhistorische Betrachtung
8 Weblinks

Epoche I

Etwa 1835 (erste Dampfeisenbahnen) bis 1920. Diese Epoche wird häufig auch als „Länderbahnzeit“ bezeichnet, da es vor dem Ersten Weltkrieg nur Bahngesellschaften der einzelnen (heute Bundes-)länder gab, so etwa die Königlich Bayerische Staatsbahn, die Preußischen Staatseisenbahnen oder die Königlich Württembergische Staatsbahn. Jede Bahngesellschaft verwendete ihre eigenen Hausfarben und lackierte die Personenwagen teilweise in verschiedenen Farben entsprechend der Wagenklassen. Dadurch waren die Fahrzeuge im Vergleich zu denen späterer Epochen recht bunt. Dampfloks bestimmten damals das Bild, erst gegen Ende dieser Epoche kamen die ersten Elektroloks auf.

Einteilung in Deutschland

  • Periode I a: 1835 bis 1875 (Anfänge)
  • Periode I b: 1875 bis 1895 (erste Länderbahnen)
  • Periode I c: 1895 bis 1910 (durchgehende Bahnnetze)
  • Periode I d: 1910 bis 1920 (Vereinheitlichung zwischen den Länderbahnen)

Einteilung in Österreich

  • Periode I a: 1837 bis 1858
  • Periode I b/c: 1858 bis 1884
  • Periode I d: 1884 bis 1891
  • Periode I e: 1891 bis 1913
  • Periode I f: 1913 bis 1920

Einteilung in der Schweiz

  • Periode I a/b: 1844 bis 1882
  • Periode I c: 1882 bis 1902
  • Periode I d: 1902 bis 1920 Gründung der SBB

Epoche II

1920 (Gründung der Deutschen Reichsbahn) bis 1945/1949. Man bezeichnet sie daher auch als „Reichsbahnzeit“. Das Wagenmaterial erhielt eine Einheitslackierung: Personenwagen in dunkelgrün, Güterwagen in dunkelbraun. Diese Epoche war die große Blütezeit der Dampflokomotiven. Da die Epoche IIc genau in die Kriegszeit fällt und so etwas vermutlich keiner nachbaut, dürfte diese Periode die seltenste überhaupt in der Modelleisenbahn-Szene sein. Bis heute ist noch keine Epoche-IIc-Anlage bekannt.

Einteilung in Deutschland

  • Periode II a: 1920 bis 1925 (Sammlung der ehemaligen Länderbahnen unter der dem Namen „Deutsche Reichseisenbahnen“)
  • Periode II b: 1925 bis 1937 (Gründung der privatwirtschaftlichen „Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft“, Umnummerierung der Länderbahnfahrzeuge)
  • Periode II c: 1937 bis 1949 (Verstaatlichung als „Deutsche Reichsbahn“, Kriegszeit)

Einteilung in Österreich

  • Periode II a: 1920 bis 1928
  • Periode II b: 1928 bis 1938
  • Periode II c: 1938 bis 1945

Einteilung in der Schweiz

  • Periode II a: 1920 bis 1928 Elektrifizierung der Hauptstrecken
  • Periode II b: 1928 bis 1937 Inbetriebnahme Ae 4/7
  • Periode II c: 1937 bis 1945 Inbetriebnahme der roten Pfeile (ab 1935)

Epoche III

1945/1949 (Gründung der Deutschen Bundesbahn) bis 1970/1975. Wie im täglichen Leben spricht man auch bei der Modellbahn von der „Nachkriegszeit“. Charakteristisch für diese Epoche war ein extrem durchmischter Fahrzeugpark. Vorkriegsmaterial wurde - soweit noch vorhanden - weiterhin eingesetzt, aber zunehmend durch neue Wagenkonstruktionen ersetzt. Die Dampfloks waren noch längst nicht wegzudenken, ihre Blütezeit ging aber langsam zu Ende, denn nach dem Krieg wurden nur noch Diesel- und Elektroloks gebaut und die Dampfloks nach und nach ausgemustert.

Einteilung in Deutschland (West)

  • Periode III a: 1949 bis 1956 (Aufschrift „Deutsche Bundesbahn“)
  • Periode III b: 1956 bis 1970 (Aufschrift „DB“ (der sogenannten Brezel), Klassenreform (Abschaffung der 3. Klasse))

Einteilung in Deutschland (Ost)

  • Periode III a: 1949 bis 1956 (Wiederaufnahme des Betriebes nach dem Krieg)
  • Periode III b: 1956 bis 1970 (Klassenreform (Abschaffung der 3. Klasse), Dreilich-Spitzensignal)

Einteilung in Österreich

  • Periode III a: 1945 bis 1952
  • Periode III b: 1952 bis 1956
  • Periode III c: 1956 bis 1975

Einteilung in der Schweiz

  • Periode III a: 1945 bis 1956
    • Inbetriebnahme der Städteschnellzüge mit Leichtstahlwagen und Re 4/4 I
    • Ende Plandampfbetrieb
  • Periode III b: 1956 bis 1970

Epoche IV

1969/1970 (Einführung einheitlicher UIC-Nummern) 'bis 1990´'. Im Fernverkehr prägten TEE- und InterCity-Züge im neuen Farbschema rot/beige und ozeanblau/beige das Bild. Die letzten Dampfloks werden aus dem Regelbetrieb genommen.

Einteilung in Deutschland (West)

  • Periode IV a: 1965 bis 1968 (UIC-Nummern)
  • Periode IV b: 1970 bis ~1980 (einklassiger IC (statt des TEE), Aufkommen der Lackierung blau/beige)
  • Periode IV c: ~1980 bis 1990 (Umstellung auf zweiklassigen IC, es wird bunt)

Einteilung in Deutschland (Ost)

  • Periode IV a: 1965 bis 1970 (UIC-Nummern)
  • Periode IV b: 1970 bis 1980 (Neues Farbschema für Loks [rot bzw. orange])
  • Periode IV c: 1980 bis 1990 (Neues Farbschema für Personenwagen)

Einteilung in Österreich

  • Periode IV a: 1970 bis 1975
  • Periode IV b: 1975 bis 1980
  • Periode IV c: 1980 bis 1990

Einteilung in der Schweiz

  • Periode IV a: 1970 bis 1980 Inbetriebnahme der EW III
  • Periode IV b: 1980 bis 1990 Inbetriebnahme der EW IV

Epoche V

1990 (Vereinigung DB/DR, Beginn des Hochgeschwindigkeitsverkehrs) bis heute. Die Bahn wird durchgängig privatisiert. Durch immer neue Mitbewerber, die jeweils eigene Fahrzeuge in ihren Hausfarben betreiben, entstand auf Europas Bahngleisen eine ungeheure Farbenpracht. Der schon vor Jahrzehnten in Amerika entstandene Trend, die glatten Seitenflächen von Loks und Güterwagen für Werbeaufdrucke zu vermieten, schwappt in den 90ern nach Europa, was noch einmal für eine Zunahme der Fahrzeugvielfalt sorgt. Neue internationale Fernverkehrszüge (z. B. EuroCity, InterCityNight) sowie Mehrsystem-Elektroloks, die ohne technische Anpassungen freizügig zwischen vielen unterschiedlichen Ländern verkehren können, bestimmen zunehmend das Bild auf Europas Bahnstrecken.

Einteilung in Deutschland

  • Periode V a: 1990 bis 1993 („Die Deutschen Bahnen“ - das nebeneinander der 2 Bahngesellschaften. Teilweise noch der Epoche IV zugeordnet)
  • Periode V b: 1994 bis 2006 (Gründung der Deutsche Bahn AG und neues DB-Signet)
  • Periode V c: 2006 bis heute (neue Beschriftungsrichtlinie für Wagen, durch die die UIC-Nummern nicht mehr die Bahn sondern das Land kennzeichnen: aus „80 DB“ wird „80 D-DB“. Bei Loks wird jetzt eine 12-stellige UIC-Nummer ähnlich der von Wagen angeschrieben. Dies wird teilweise auch als „Epoche VI“ bezeichnet.

Hinweis: Die Periode V c ist nicht Bestandteil der offiziellen Norm. Die landesspezifischen Epochen-Einteilungen befinden sich gerade in Revision. Mit der neuen Ausgabe, welche die Einführung einer Epoche VI beinhaltet, ist im Herbst 2008 zu rechnen.

Einteilung in Österreich

  • Periode V a: 1990 bis 2000
  • Periode V b: 2000 bis heute

Einteilung in der Schweiz

  • Periode V a: 1990 bis 2000 Inbetriebnahme Re 460
  • Periode V b: 2000 bis heute

Kritik am Epochensystem

Oftmals wird fälschlicherweise die Lackierung als ein Kritierium gesehen – diese geht aber fließend ineinander über. Leider werden auch von der NEM selbst die durchaus exakten Stichtage (Gründung DRG, Gründung DB/DR, buchmäßige Umstellung auf UIC-Nummern für Loks, Gründung DB-AG) nicht als Eckdaten gesehen, über die hinweg jeweils Übergänge eher selten oder nur kurzfristig anzutreffen sind. Das liegt auch daran, dass manche Fahrzeuge auch Jahre später immer noch nicht modernisiert worden sind. So waren 13 Jahre nach Gründung der DB-AG noch zahlreiche Güterwagen mit dem alten Bundesbahn-Logo unterwegs. Bei IC/EC-Personenwagen hingegen verschwand das orient- bzw. verkehrsrote Fensterband zugunsten einer dem ICE-Schema angepassten Lackierung im Laufe des Jahres 2001.

Nachdem das System in Deutschland geschaffen wurde, ist es auch auf andere Länder nur bedingt anwendbar – in Österreich sind die Einführung der UIC-Nummern und die Privatisierung wesentlich später erfolgt, und der Schweiz fehlt der sonst in ganz Europa wichtige Umbruch durch den zweiten Weltkrieg.

Spielwarenhistorische Betrachtung

Der Begriff der Epoche kann insbesondere bei Modellbahnsammlern missverständlich aufgefasst werden. Aus ihrer Sicht gibt es auch Epochen hinsichtlich der Produktgestaltung im Spielzeugmarkt. Drei Beispiele zur Verdeutlichung:

  1. Lithographierte Bleche als Werkstoff für Modelleisenbahnen kamen mit verbesserter Kunststofftechnik aus der Mode. Der größte Teil des Blechspielzeugs ist somit heute einer vergangenen Epoche zuzuschreiben.
  2. Bei manchen Herstellern wurden Kupplungssysteme z.T. mehrfach nacheinander abgelöst. Ob folgende Systeme zu vorangegangenen kompatibel sind, ist in dieser Betrachtung zweitrangig.
  3. Mit der Entwicklung digitaler Steuerungssysteme für Modelleisenbahnen ist das Kapitel der Fahrzeuge besiegelt, die man schon aus Gründen des historischen Erhaltungswertes nicht auf solche Technik umrüsten sollte. Man kann also sehr allgemein von einer Machart vor Einführung von Digitaltechnik sprechen.

Ein differenziertes System von „Machart-Epochen“ ist heute noch nicht etabliert. Kulturhistoriker und Auktionatoren könnten diesen Beitrag nachholen.

Weblinks

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