Begriff und Bedeutung
Die Bezeichnung Europas als eigener
Kontinent ist historisch-kulturell bedingt und geht auf die Weltsicht der eurozentrierten
Antike zurück. So wird an japanischen Schulen Europa üblicherweise nicht als eigener Kontinent angesehen. Hier sind die fünf Kontinente der
Erde Eurasien,
Afrika,
Amerika,
Australien und
Antarktika. Auch in osteuropäischen Staaten wird Eurasien als ein Kontinent betrachtet und zu fünf Kontinenten (ohne Antarktika) zählt man stattdessen
Nord- und
Südamerika einzeln.
Im kulturgeschichtlichen Sinn bezeichnet Eurasien den vor- und frühgeschichtlichenraumraum Kultur der eurasischen Steppe, der vom Altai über Kasachstan, Südrussland und die Ukraine bis an die Donau reicht. Die ungarische Puszta ist eine Exklave dieser Osteuropäischen Ebene.
Der Begriff ist eine Amalgamierung.
Innereurasische Grenze

verschiedene historische Grenzziehungen für die Europa-Asien-Grenze
Grenzverlauf
In Ermangelung einer eindeutigen
marinen Grenze wie bei den anderen Kontinenten ist jede Grenzziehung zwischen Europa und Asien eine Frage der Konvention. Tatsächlich gibt es keine historische,
völkerrechtliche Definition dieser Grenze.
Insbesondere im Bereich zwischen Kaspischem Meer und Schwarzem Meer gibt es keine einheitliche Festlegung. So wird überwiegend die etwa 300 Kilometer nördlich vom Kaukasusgebirge gelegene Manytschniederung als Grenze zwischen den „Erdteilen“ betrachtet; im englisch- und französischsprachigen Raum hingegen wird meist der Kaukasus selbst, und hier speziell die Wasserscheide zwischen der Nordflanke und der Südflanke als Grenze zwischen Europa und Asien angesehen (siehe beispielsweise die englischen und französischen Wikipedia-Artikel der Begriffe Eurasien beziehungsweise Europa). Dort gilt die Festlegung der Manytschniederung als Süd-Ost-Grenze Europas oft als russisch/sowjetische Interpretation. Je nachdem, welcher Festlegung gefolgt wird, liegt der Elbrus, der höchste Berg des Kaukasus, im ersten Fall im asiatischen Teil, im letzten Fall im europäischen Teil, und wäre somit als höchster Berg Europas zu bezeichnen.
Geschichte des Grenzverlaufs
Für eine
innereurasische Grenze gibt es geografisch gesehen kein eindeutiges Merkmal. Ursprünglich jedoch galten bei den antiken Griechen (vgl.
Herodot)
Bosporus und
Kaukasus als Grenze Europas, zur Zeit der
Völkerwanderung und im
Mittelalter waren es
Bosporus und der Fluss
Tanais (
Don), die Europa von Asien trennten (vgl. zum Beispiel
Jordanes oder
Snorri Sturluson). Die letzte offiziell anerkannte Grenze ist die von
Philip Johan von Strahlenberg aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts; sie verläuft durch die
Manytschniederung nördlich des Kaukasus. Über die genaue Grenzziehung im Gebiet zwischen Don und Kaukasus hatte zuvor über Jahrhunderte ein Disput bestanden. Nachdem Strahlenberg vom russischen Zaren mit der Vermessung beauftragt wurde, wurde seine Grenzfestlegung im Jahr 1730 vom Zarenhaus anerkannt und von der Wissenschaft übernommen. Des Weiteren hatte es sich seit der
Neuzeit auf Grund unterschiedlicher geografischer,
geschichtlicher und
gesellschaftlicher Überlegungen eingebürgert, beide Urale (
Gebirge und
Fluss) als östliche Grenze Europas zu Asien anzusehen.
Literatur
- Hermann Parzinger: Die frühen Völker Eurasiens. Vom Neolithikum zum Mittelalter. Verlag C. H. Beck, München 2006.
Weblinks