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Geändert: 2007-12-16
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Kategorie: Freireligiöse, freigeistige und Freidenkerbewegung Weltlicher Humanismus Religionskritik Atheismus

Freidenker

Freidenker sind Menschen ohne Bindung an eine etablierte Religion (jedoch nicht grundsätzlich Atheistenlichen), die sich an wissenschaft Erkenntnissen orientieren und sich zum Humanismus bekennen. Ein verwandter und älterer Begriff ist Freigeist, der jedoch zur Entstehungszeit des Begriffs Freidenker oft abwertend gebraucht wurde.

Freidenker bestehen zwar auf ihrer Unabhängigkeit von Glaubensregeln wie Tabus und Dogmen, beziehen sich aber ausdrücklich auf ethische Grundsätze von Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Gewaltverzicht.

1 Geschichte
2 Österreich
3 Weltliche Riten
4 Siehe auch
5 Literatur
6 Weblinks

Geschichte

Ursprünge in England und Frankreich

Free-Thinker nannten sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts Deisten in England, die sich zwar gegen die Institution der Kircheeses und deren umfassenden Einfluss auf die menschlichen Lebensumstände wandten, nicht jedoch gegen den Gottglauben an sich. Diese Bezeichnung wurde 1697 erstmals von William Molyneux in einem Brief an John Locke verwandt und 1713 durch Anthony Collins in seinem Discourse of Free-Thinking populär gemacht. Erst die französischen Enzyklopädisten wie Denis Diderot, Jean le Rond d'Alembert und Voltaire besetzten den Begriff Libre-Penseur stärker atheistisch.

Deutsche Freigeister, Freireligiöse, Freidenker und Monisten

In Deutschland wurde bereits im Vormärz (1815-1848), also in den Jahren vor der europäischen Märzrevolution von 1848, der Widerstand bürgerlicher Freigeister gegen die Dogmen der Kirche deutlich geäußert. Ab 1844 entstanden unter dem Einfluss von Johannes Ronge und Robert Blum zahlreiche freireligiöse Gemeinden, die sich 1859 zum Bund Freireligiöser Gemeinden zusammenschlossen. Dieser Bund besteht noch heute, einige Gemeinden nennen sich mittlerweile Freie Humanisten. In dem 1881 in Frankfurt am Main von Ludwig Büchner gegründeten Deutschen Freidenkerbund versammelten sich die ersten ausdrücklichen Atheisten. In Hamburg entstand im Frühjahr 1882 die sozialdemokratische Freidenker-Gesellschaft, zu einer Zeit, als das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, bekannt unter der Bezeichnung Sozialistengesetz, noch in Kraft war. Schließlich wurde 1906 von Ernst Haeckel der Deutsche Monistenbund gegründet.

Nicht allein bezogen auf Kirche und Glaubensrichtung, sondern auch politisch und gesellschaftspolitisch engagierte 'Freidenker' verließen während und nach den politischen Kämpfen in Deutschland (Märzrevolution von 1848) ihr Heimatland und versuchten in Texas ein neues und freies Deutschland zu gründen. Ihre Siedlungen, die aus verschiedenen Gründen mehrheitlich nach kurzer Zeit wieder aufgegeben wurden, werden 'Latin Settlements' genannt.

Spaltung und internationale Vereinigung

Die Arbeiter-Freidenkerbewegung trennte sich in vielen Ländern mehr und mehr von der ersten, eher „bürgerlichen“ ab, was 1925 in Teplitz-Schönau zur Gründung der Internationale Proletarischer Freidenker führte, die sich 1930 weiter in die sozialdemokratische IPF und die kommunistische IpF aufspaltete. 1931 wurde auf dem XXII. Weltkongress des Internationalen Freidenkerbundes in Berlin diese Spaltung wieder aufgehoben, die sozialdemokratische Internationale Proletarischer Freidenker und der Internationale Freidenkerbund verschmolzen zur Internationalen Freidenkerunion (IFU), der sich 1936 auch die kommunistische IpF anschloss.

Unterdrückung und Widerstand

Von den Nationalsozialisten wurden in Deutschland ab 1933 unterschiedslos fast alle Freidenkerorganisationen verboten. Viele Freidenker waren im Widerstand aktiv, der damalige Vorsitzende des Freidenker-Verbandes Max Sievers wurde am 17. Januar 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Neubeginn in Deutschland nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich zahlreiche Gruppierungen neu. Als erster Verband wurde am 24. Dezember 1945 auf Länderebene in Hamburg der Deutsche Freidenker-Verband (DFV) gegründet.

In der DDR waren die Freidenker als Organisation lange Zeit verboten, erst 1989 gründete sich ein Verband der Freidenker.

1993 entstand durch den Zusammenschluss verschiedener Freidenker- und freigeistiger Organisationen der Humanistische Verband Deutschlands (HVD). Bereits seit 1961 gibt es die Humanistische Union, die sich als Bürgerrechtsorganisation versteht und für eine strikte Trennung von Staat und Kirche (und Religion) eintritt.

Österreich

In Österreich gibt es zwei grössere, widerstreitende Freidenker-Vereinigungen

Freidenkerbund Österreich Weblinks (älter)

freidenker.at Weblinks (abgespalten 2007 von obiger)

Weltliche Riten

Weil im 19. Jahrhundert nicht-kirchliche feierliche Zeremonien zu Geburt, Erwachsenwerden, Heirat und Bestattunger praktisch unmöglich waren, entwickelten Freidenker eine Reihe weltlich Riten wie Namensweihe (heute oft Begrüßungsfeier oder Namensfeier genannt), Schulentlassungsfeier (später Jugendweihe oder Jugendfeier), Lebensbundfeier und feierliche Feuerbestattung.

Siehe auch

Literatur

  • Joachim Kahl und Erich Wernig: Freidenker: Geschichte und Gegenwart. Pahl-Rugenstein, Köln 1981 (Kleine Bibliothek, Band 214)
  • Jochen-Christoph Kaiser: Arbeiterbewegung und organisierte Religionskritik: Proletarische Freidenkerverbände in Kaiserreich und Weimarer Republik. Klett-Cotta, Stuttgart 1981.

Weblinks

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