Geschichte

Das 1702 als markgräfliche Residenz fertiggestellte Erlanger Schloss im Zentrum von Erlangen ging 1817 an die Universität über. In ihm sind heute neben der Aula die Hochschulleitung und ein Teil der Universitätsverwaltung untergebracht
Gründungszeit
Die Universität wurde 1742 in
Bayreuth durch
Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth als Friedrichs-Universität gegründet. Sie war damit nach den Universitäten
Altdorf und
Würzburg die dritte Universität im fränkischen Raum. 1743 wurde diese nach Erlangen verlegt und in Räumlichkeiten der ehemaligen
Ritterakademie an der Erlanger Hauptstraße untergebracht. Von Anfang an wurde der gesamte traditionelle Fächerkanon, Theologie, Rechtswissenschaften, Medizin und Philosophie, gelehrt, obwohl die Zahl der Studenten in der Anfangszeit konstant unter 200 lag.
1769 fiel die Verantwortung für die Universität dem
Markgrafen Karl Alexander von Brandenburg-Bayreuth und Brandenburg-Ansbach zu, der sie maßgeblich geprägt hat und der daher zweiter Namenspatron der Universität wurde.
Nach dem Übergang Erlangens an Bayern im Jahr 1810 entging die Universität - im Gegensatz zur Universität Altdorf - der Schließung, weil sie die einzige bayerische Landesuniversität war, die eine evangelisch-theologische Fakultät hatte und somit für die Theologenausbildung unerlässlich war. Noch lange Zeit war die Universität protestantisch geprägt, verlor jedoch zunehmend ihren ursprünglich evangelisch-konfessionellen Charakter. Aber auch heute hat sie nur eine evangelisch-theologische und keine katholisch-theologische Fakultät. Allerdings ist eine Ausbildung im Fach Katholische Religionslehre für das Lehramt an Grund-, Haupt-, Real- und Berufsschulen, als Fach im erziehungswissenschaftlichen Studium sowie als Wahlfach für Wirtschaftspädagogen möglich. Hierzu bestehen vier Lehrstühle an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg. Nach dem Bayerischen Konkordat von 1924 mit der katholischen Kirche (siehe auch Staatskirchenvertrag) existieren mehrere katholische „Konkordatslehrstühle“ an der Universität.
Neuere Geschichte
1927 wurden die Naturwissenschaften aus der Philosophischen Fakultät in eine gemeinsame Naturwissenschaftliche Fakultät ausgegliedert.
Unrühmlich tat sich die Universität in der Nazizeit hervor: Als eine von sehr wenigen deutschen Hochschulen hatte sie bereits vor 1933 einen mehrheitlich NSDAP-lastigen Studentenrat.
1961 erfolgte die Eingliederung der 1919 gegründeten Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg. Seither trägt die Universität den Namenszusatz Erlangen-Nürnberg. 1966 wurde eine Technische Fakultät eingerichtet. Ein neuer Universitätskomplex im Süden Erlangens wurde gebaut, der heute die Ingenieurwissenschaften, Informatik, die anorganische Chemie und eine zusätzliche Mensa in einem, für die Zeit typischen, betondominierten Komplex vereinigt. Die Friedrich-Alexander-Universität war damit eine der ersten klassisch geprägten Universitäten, die ihr Fachspektrum um eine Technische Fakultät ergänzte.
1972 folgte die Eingliederung der Pädagogischen Hochschule Nürnberg.
Seit 1999 wird ein Teil des neuen Erlanger Stadtteils „Röthelheimpark“ durch die Universität genutzt („Röthelheim-Campus“). Es handelt sich um die Alte Artilleriekaserne, die 1900 errichtet wurde und um einige weitere, etwas später errichtete Gebäude.
2004 fiel der Beschluss, in Fürth das Zentralinstitut für Neue Materialien und Prozesstechnik (ZMP) zu gründen, womit Fürth zur Universitätsstadt wurde.
Im Juli 2005 wurde ein Neubau für den Lehrstuhl für Kristallographie und Strukturphysik für 5,8 Millionen Euro eingeweiht.
Weitere Außenstellen der Universität sind die Dr.-Remeis-Sternwarte in Bamberg und das Wassersportzentrum am Brombachsee in Pleinfeld.
Am 14. Juli 2006 wurde das neu gegründete Zentralinstitut für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation (ZIEW)
eingeweiht.
Erlanger Schulen und Erlanger Programm
Erlanger Schule ist ein Ausdruck für zwei verschiedene akademische Schulenn an der Erlanger Universität.
Es handelt sich um eine Schule des 19. Jahrhunderts von erweckungsbewegten Theologen die Erlanger Theologie genannt wird und um eine philosophische Schule des 20. Jahrhunderts um die Konstruktivisten Paul Lorenzen und Wilhelm Kamlah, die Erlanger Konstruktivismus genannt wird.
Der Mathematiker
Felix Klein entwickelte in seiner Antrittsvorlesung 1872 ein mathematisch-geometrisches Konzept, das
Erlanger Programm genannt wurde.
Fakultäten
Folgende Fakultäten fanden sich bis 30.09.2007 an der FAU:
(Sortiert nach Gründungsreihenfolge)
- Theologische Fakultät
- Juristische Fakultät
- Medizinische Fakultät
- Philosophische Fakultät I (Philosophie, Geschichte und Sozialwissenschaften)
- Philosophische Fakultät II (Sprach- und Literaturwissenschaften)
- Naturwissenschaftliche Fakultät I (Mathematik und Physik)
- Naturwissenschaftliche Fakultät II (Biologie, Chemie und Pharmazie)
- Naturwissenschaftliche Fakultät III (Geographie, Geologie, Mineralogie, Paläontologie)
- Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät in Nürnberg, die ehemalige Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg, 1919 gegründet und 1961 eingegliedert
- Technische Fakultät (1966)
- Erziehungswissenschaftliche Fakultät (1972) in Nürnberg
Im Februar 2007 wurde eine Neuordnung in nur noch 5 Fakultäten beschlossen. Seit dem 1. Oktober 2007 ist die Universität in folgende Fakultäten gegliedert:
- Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie
- Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
- Medizinische Fakultät
- Naturwissenschaftliche Fakultät
- Technische Fakultät
Bekannte Persönlichkeiten
An der FAU haben zahlreiche bekannte Persönlichkeiten studiert oder gelehrt, darunter:
- Paul Lorenzen und Wilhelm Kamlah, die Gründer der philosophischen Erlanger Schule
- Felix Klein entwickelte das mathematische Erlanger Programm
- Johann Christian von Schreber (1739-1810), Professor für Arzneikunde und Botanik, Gründer (1770) und Direktor (seit 1773) des Botanischen Gartens am Nürnberger Tor
- Johann Georg Meusel, Professor für Geschichte
- Georg Simon Ohm (1789-1854), Physiker
- Ludwig Andreas Feuerbach (1804-1872), Philosoph, Religionskritiker
- Justus von Liebig (Prom. 1821), Chemiker
- Eduard Buchner (1860-1917), Chemiker, Nobelpreis für Chemie 1907
- Emil Fischer (1852-1919), Chemiker, Nobelpreis für Chemie 1902
- Ludwig Erhard (1897-1977), Bundeswirtschaftsminister, Bundeskanzler, Absolvent der Handelshochschule Nürnberg
Hauptartikel: Bekannte Persönlichkeiten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg''.
Veranstaltungen
Schlossgartenfest
Die Universität hält seit 1951 alljährlich im Juni/Juli das so genannte
Schlossgartenfest ab. Das Fest gilt im akademischen Jahreskalender Bayerns als gesellschaftlicher Höhepunkt. Mit rund 6.000 Teilnehmern ist es eines der größten Gartenfeste Europas.
Der im Zentrum Erlangens liegende
Schlossgarten wird im Zuge der Vorbereitungen zu einem großen „Ballsaal“ unter freiem Himmel umgestaltet. Neben mehreren Tanzflächen muss für die Beleuchtung mit Lichterketten, die Musikbeschallung, Sitzgelegenheiten und die Bewirtung der Gäste gesorgt werden.
Nach Einbruch der Dunkelheit wird stets ein großes Feuerwerk gezündet. Am folgenden Sonntag findet traditionell ein sog.
Bürgerfrühschoppen statt.
Während der Veranstaltung treffen sich neben Studenten und Professoren der Universität vor allem auch die wirtschaftliche und politische Prominenz Bayerns.
Das erste Schlossgartenfest fand unter dem Rektorat von Prof. Dr.
Rudolf Pohle statt.
Im Jahre 1969 musste es wegen der
Studentenunruhen, in den Jahren 1966, 1980 und 2000 wegen anhaltend schlechten Wetters ausfallen.
Winterball
Seit vielen Jahren findet im Januar in der Nürnberger
Meistersingerhalle der Winterball der Universität statt. Wie das Schlossgartenfest wird dieser nicht nur von Studenten und Professoren besucht, sondern auch von vielen Prominenten. Mit etwa 2000 Gästen ist es aber die deutlich kleinere Veranstaltung der FAU.
Einrichtungen
Weitere Einrichtungen der Universität:
Referenzen
Einzelnachweise
Siehe auch
Weblinks