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Geändert: 2007-12-08
Kategorie: Literaturwissenschaftler Medienwissenschaftler Hochschullehrer (Bochum) Hochschullehrer (HU Berlin) Deutscher Mann Geboren 1943

Friedrich Kittler

Friedrich A. Kittler (* 1943 in Rochlitz, Sachsen) ist Literaturwissenschaftler und Medientheoretiker. Er arbeitet zum Zusammenhang von Aufschreibesystemen, Technik und Militär.

1 Leben
2 Werk und Bedeutung
3 Schriften
4 Literatur
5 Siehe auch
6 Weblinks
7 Anmerkungen

Leben

Friedrich Adolf Kittler wurde 1943 im sächsischen Rochlitz geboren; seine Familie floh mit ihm 1958 in die BRD, wo er von 1958 bis 1963 ein naturwissenschaftlich-neusprachliches Gymnasium in Lahr im Schwarzwald besuchte und anschließend von 1963 bis 1972 Germanistik, Romanistik und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau studierte; während des Studiums wurde er beeinflusst durch Texte der französischen Poststrukturalisten, vor allem von Jacques Lacan und Michel Foucault.

1976 promovierte Kittler zum Dr. phil. mit einer Arbeit über den Dichter Conrad Ferdinand Meyer; zwischen 1976 und 1986 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent am Deutschen Seminar der Universität Freiburg.

1984 habilitierte er schließlich im Bereich der neueren deutschen Literaturgeschichte.

Mehrere Aufenthalte als Visiting Assistant Professor und Visiting Professor an amerikanischen Universitäten wie der University of California, Berkeley, der University of California, Santa Barbara, oder der Stanford University.

Von 1986 bis 1990 war er Leiter des DFG Projekts Literatur und Medienanalyse in Kassel und wurde 1987 als Professor für Neugermanistik an die Ruhr-Universität Bochum sowie 1993 an den Lehrstuhl für Ästhetik & Geschichte der Medien der Humboldt-Universität zu Berlin berufen.

Kittler wurde 1993 mit dem Siemens-Medienkunstpreis des ZKM Karlsruhe (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) für seine Forschungen auf dem Gebiet der Medientheorie ausgezeichnet ([1] Weblinks).

1996 Distinguished Scholar an der Yale University und 1997 Distinguished Visiting Professor an der Columbia University in New York.

Seit 2001 ist Friedrich Kittler stellvertretender Direktor des Hermann von Helmholtz Zentrums für Kulturtechnik und Mitglied der Forschergruppe „Bild Schrift Zahl“ (DFG).

Werk und Bedeutung

Friedrich Kittler steht für einen neuen Ansatz der Medientheorie, der ab den 1980er Jahren zunehmend populär wurde und von den technischen Medien ausgeht; Kittlers zentrales Projekt ist es, „den Menschenwissenschaften [...] ihr medientechnisches Apriori nachzuweisen“ (Hartmut Winkler), oder mit seinen eigenen Worten: die „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“, so der gleichnamige Titel einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1980.

Kittler sieht eine Autonomie der Technik und lehnt daher Marshall McLuhans Lesart der Medien als extensions of man ab: „Medien sind keine Pseudopodien, die der Menschenkörper ausfahren würde. Sie folgen der Logik der Eskalation, die uns und die Schrift-Geschichte hinter sich läßt“ (Kittler in Geschichte der Kommunikationsmedien. In: Jörg Huber, Alois Martin Müller (Hrsg.): Raum und Verfahren'').

Konsequenterweise sieht er im Schreiben von Literaturen, dem Schreiben von Programm und dem Einbrennen von Strukturen in Silizium-Chips ein vollständiges Kontinuum:

Wie wir wissen und nur nicht sagen, schreibt kein Mensch mehr. [...] Heute läuft menschliches Schreiben durch Inschriften, die [...] mittels Elektronenlithographie in Silizium eingebrannt ist [...]. Letzter historischer Schreibakt mag es folglich gewesen sein, als in den späten Siebzigern ein Team von Intel-Ingenieuren [...] die Hardware-Architektur ihres ersten integrierten Mikroprozessors [aufzeichneten] (Kittler, Es gibt keine Software. In: ders.: Draculas Vermächtnis. Technische Schriften).

Kritiker weisen auf Kittlers Neigung hin, apodiktisch und dunkel zu formulieren. In der Zeit wurde sein jüngstes Buch verrissen, weil es „geneigten Leser in ungelichteter Düsternis zurücklassen“ würde http://www.zeit.de/2006/12/ST-Kittler-neu. Weblinks Der Psychoanalytiker Harald Weilnböck zitiert in der Zeitschrift Mittelweg 36 Kittlers Diktum:
Im Vergessen des Wortes Vergessen fallen Geäußertes und Äußerung zusammen. Der Taumel dieses Zusammenfalls ist die Wahrheit,
und fügt mit leisem Spott hinzu, dass die Lektüre dieses Satzes ihn intellektuell in einen ebensolchen „Taumel“ versetzt habe. Harald Weilnböck: „Das Trauma muss dem Gedächtnis unverfügbar bleiben“. Trauma-Ontologie und anderer Miss-/Brauch von Traumakonzepten in geisteswissenschaftlichen Diskursen, in: Mittelweg 36, Heft 2, 16. Jahrgang, April/Mai 2007, S. 7.

Schriften

  • 2006: Musik und Mathematik. Band 1: Hellas, Teil 1: Aphrodite. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn.
  • 2005: Musen, Nymphen und Sirenen. Audio-CD. supposé, Köln. ISBN 978-3-932513-64-0.
  • 2004: Unsterbliche. Nachrufe, Erinnerungen, Geistergespräche. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn.
  • 2002: Zwischen Rauschen und Offenbarung. Zur Kultur- und Mediengeschichte der Stimme (als Hrsg.). Akademie Verlag, Berlin
  • 2002: Optische Medien. Merve: Berlin. ISBN 3-88396-183-3
  • 2001: Vom Griechenland (mit Cornelia Vismann; Internationaler Merve Diskurs Bd.240). Merve: Berlin. ISBN 3883961736
  • 2000: Nietzsche – Politik des Eigennamens: wie man abschafft, wovon man spricht (mit Jacques Derrida). Berlin.
  • 2000: Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft. München
  • 1999: Hebbels Einbildungskraft – die dunkle Natur. Frankfurt, New York, Wien
  • 1998: Zur Theoriegeschichte von Information Warfare
  • 1998: Hardware das unbekannte Wesen
  • 1997: Literature, Media, Information Systems: Essays (Hrsg. von John Johnston). Amsterdam
  • 1993: Draculas Vermächtnis: Technische Schriften. Leipzig: Reclam. ISBN 3-379-01476-1 - Essays zu den „Effekten der Sprengung des Schriftmonopols“, zu den Analogmedien Schallplatte, Film und Radio sowie „technische Schriften, die numerisch oder algebraisch verfasst sind“.
  • 1991: Dichter – Mutter – Kind. München
  • 1990: Die Nacht der Substanz. Bern
  • 1986: Grammophon Film Typewriter. Berlin: Brinkmann & Bose. ISBN 3-922660-17-7 (engl. Ausgabe: Gramophone Film Typewriter, Stanford 1999)
  • 1985: Aufschreibesysteme 1800/1900. Fink: München. ISBN 3-7705-2881-6 (engl. Ausgabe: Discourse Networks 1800 / 1900, with a foreword by David E. Wellbery. Stanford 1990)
  • 1979: Dichtung als Sozialisationsspiel. Studien zu Goethe und Gottfried Keller (mit Gerhard Kaiser). Göttingen
  • 1977: Der Traum und die Rede. Eine Analyse der Kommunikationssituation Conrad Ferdinand Meyers. Bern-München

Literatur

  • Frank Hartmann: Friedrich Kittler. In: Information Philosophie 25 (1997) 4, S. 40-44.
  • Josef Wallmannsverger: Friedrich Kittler. In: Helmut Schanze (Hrsg.): Metzler Lexikon Medientheorie/ Medienwissenschaft, S. 162 f. Stuttgart 2002.
  • Geoffrey Winthrop-Young: Friedrich Kittler zur Einführung, Hamburg: Junius Verlag 2005, ISBN 3-88506-607-6.

Siehe auch

Weblinks

Anmerkungen

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