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Geändert: 2007-11-12
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fiUtopistinen sosialismi
frSocialisme utopique
svUtopisk socialism
Kategorie: Sozialismus

Frühsozialismus

Als Frühsozialismus oder Utopischen Sozialismus fasst man frühe Anläufe zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung zusammen: Utopiesn eines gerechten Idealstaates, frühe Formen des Gemeineigentum und sozialistische Bewegungen und Theorien der Neuzeit vor 1848.

1 Geschichte
2 Verhältnis zum Marxismus
3 Siehe auch
4 Sammelwerke
5 Siehe auch
6 Weblinks

Geschichte

Altertum

Das Gemeineigentum, das allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein und damit soziale Unterschiede erübrigen sollte, ist schon in einigen alten Religionen bekannt, z.B. bei den persischen Mazdakiten, im Taoismus und im Judentum. Diese verstehen die lebensnotwendigen Güter als Gabe eines Gottes oder einer universalen Ordnung an alle Menschen und leiten daraus Forderungen an ein Kollektiv ab, den Besitz gerecht zu verteilen oder gemeinsam zu verwalten.

In altorientalischen Klassengesellschaften wurde häufig eine Urzeit beschworen, in der es noch keine Spaltungen in Besitzende und Besitzlose gegeben habe: so das Ideal der Großen Gemeinsamkeit im Konfuzianismus. In der biblischen Propheties seit etwa 700 v. Chr. wird das vergessene Gottesrecht des Erlassjahr (Lev 25) Bestandteil der Endzeiterwartung. In der Griechischen Philosophiess tauchen seit etwa 400 v. Chr. Entwürfe eines idealen Staates auf, der kein Privateigentum kennt und in die Urzeit oder eine fiktive Inselwelt projiziert wurde: so in Platon Staat, bei Phaleas von Chalkedon oder im utopischen Sonnenstaat des Iambulos.

Mittelalter

Hauptartikel: Religiöser Sozialismus
Im Mönchstum verschiedener Religionen, etwa des Jainismusbuddhismus, des Hinayana und der Armutsorden des christlichen Mittelalters, wird Gemeineigentum und Besitzlosigkeit als Lebensform einer religiösen Elite fernab der Mehrheitsgesellschaft realisiert. Zudem gab es in den sogenannten Ketzer- und Armutsbewegungen des Mittelalters verschiedene Anläufe zu Gütergemeinschaften und antihierarchischen ausgerichteten Kirchenreformen. 

Frühe Neuzeit

Der Humanismus des 16. Jahrhunderts hatte - parallel zu den durch wirtschaftliches Elend hervorgerufenen Bauernaufständen - Ideen einer gerechten, von allen Bürgern gleichermaßen getragenen Gesellschaftsordnung entwickelt, die ihrerseits auf die antike Polis und ihre Demokratie-Vorstellungen zurückgriffen.

Folgenreich war besonders der lateinische Bildungsroman Utopia des englischen Staatsrechtlers Thomas Morus von 1516. Ohne den Begriff zu kennen, stellte Morus hier eine Art Kommunismus als Gegenbild zur europäischen Feudalherrschaft dar: Alle arbeiten und besitzen alles gemeinsam, auch und gerade Grund und Boden (die damaligen Produktionsmittel); zugleich darf jeder dem Glauben anhängen, der ihm gemäß ist. Diese Religionsfreiheit unterschied sein Zukunftsideal von älteren verwandten Sozialutopien. Damit nahm er wesentliche Ideen der Aufklärung vorweg.

Auch Tommaso Campanella griff 1602 in seinem Werk La città del Sole erneut auf die Idee des Sonnenstaats zurück.

Neuzeit

Im 17 und 18. Jahrhunderten machten Naturwissenschaft und Fertigungstechniken rasante Fortschritte. Sie erlaubten im Manufaktur- und Verlagswesen bereits eine Massenherstellung von Produkten, noch ohne maschinelle Produktionsmittel. Dies veränderte die Lebensbedingungen und Interessenlagen für große Bevölkerungsteile enorm.

Im Zuge der Aufklärung entstanden mit der Idee der Menschenrechte Vorstellungen eines gleichberechtigten und herrschaftsfreien Zusammenlebens. In zahlreichen - stets von der Obrigkeit bedrohten - Geheimbünden und Vereinen suchten mittellose Handwerker, Bauern und Intellektuelle ein Forum und Anhänger für ihre Ideen. Sie waren kaum an der wissenschaftlichen Erhebung empirischer Daten interessiert, entwickelten ihre Vorstellungen aber aus der widersprüchlichen Erfahrung enttäuschter Demokratiehoffnungen und relativer Rechtsfortschritte. Doch erst mit der Emanzipation des Bürgertums bekamen diese Ideen eine politische Stoßkraft.

François Noël Babeuf (1760-1797) war wahrscheinlich der erste Autor der Neuzeit, der den Sozialismus als Staatsform anstrebte. Er gründete dazu während der Französischen Revolution die Societe des egaux („Gesellschaft der Gleichen“): Damit begann der Frühsozialismus sich politisch zu organisieren. Über Filippo Buonarotti gelangten Babeufs Ideen zu den Frühsozialisten Charles Fourier (Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen, 1808) und Louis-Auguste Blanqui (1805-1881). Von seinen Ideen und denen Henri de Saint-Simon war wiederum der 1834 in Paris gegründete Bund der Geächteten beeinflusst. Von ihm spaltete sich 1836 der Bund der Gerechten ab, dessen Führung bis 1848 der Schneider Wilhelm Weitling übernahm.

Frühe Sozialisten waren auch der deutschjüdische Philosoph Moses Hess (1812-1875), der den sozialistischen Flügel des Zionismus begründete, Hermann Kriege und der deutsche Journalist Karl Grün (1817-1885). Der deutsche Ökonom Karl Rodbertus (1805-1875) gilt als Begründer des Staatssozialismus.

Verhältnis zum Marxismus

Karl Marx löste Weitling 1848 ab und vollzog eine fundamentale Abgrenzung von allen früheren sozialistischen Theoretikern, deren Ideen er als nicht wissenschaftlich begründeten Idealismus kritisierte. Seit dem Manifest der Kommunistischen Partei von Marx und Friedrich Engels werden die frühsozialistischen Gleichheits- und Demokratisierungsbestrebungen, die sich auch auf die Ökonomie erstreckten, als Utopischer Sozialismus zusammengefasst.

Der Marxismus grenzt damit alle Vorläufer und sozialistischen Gegenströmungen von seiner Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus ab. Er sieht im utopischen Sozialismus eine ausgehende bürgerliche und belletristische Phrase, die aus linken Strömungen des Junghegelianismus hervor gegangen sei und den proletarischen Klassenkampf negiere (vgl. Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, 1845/46). Dabei sind utopische Sozialisten auch nach marxistischer Auffassung durchaus mit dem Ziel der klassenlosen kommunistischen Zukunftsgesellschaft einverstanden, verfolgen dieses jedoch nach ihrer Ansicht auf unrealistische und zum Scheitern verurteilte Weise, weil der Klassenantagonismus und die Frage nach den Bedingungen einer erfolgreichen Revolution in ihrem Denken keine primäre Rolle spielt.

Nach dieser Kritik sind Utopien reine Gedankenkonstruktionen, die vom historischen Wachstum der Machtverhältnisse abstrahieren und in denen so die politische Anschauung von den gesellschaftlichen (insbesondere ökonomischen) Grundlagen abgekoppelt wird. Die Utopisten versuchen demnach ein System aus dem Kopf heraus zu entwickeln, statt die revolutionäre, umstürzlerische Seite des zeitgeschichtlichen Elends zu erkennen. Der wissenschaftliche Sozialismus versteht die Entstehung des Sozialismus im Unterschied zu den Utopisten als eine notwendige prozesshafte und dialektische (widersprüchlich vorwärtstreibende) Entwicklung aus der konkreten historischen Situation heraus (Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, 1882).

Andere Theoretiker waren später im Gegensatz zu Marx und Engels weit weniger überzeugt von der Zwangsläufigkeit der historischen Entwicklung zu Fortschritt und Sozialismus. Ernst Bloch entwickelte auf den utopischen Gehalt fast aller sozialistischen Ideen aufbauend sein Prinzip Hoffnung (Geist der Utopie, 1918/1923; Freiheit und Ordnung. Abriss der Sozial-Utopien, 1946; Das Prinzip Hoffnung, 1955). Mit dem Begriff der Konkreten Utopie leistete er eine konstruktive Kritik am utopischen Gehalt des Frühsozialismus und gegen dessen abstrakte Utopien.

Siehe auch

Sammelwerke

  • Frits Kool, Werner Krause: 'Die frühen Sozialisten'. DTV, München 1972.
  • Thilo Ramm (Hg.): 'Der Frühsozialismus. Quellentexte'.Kröner Verlag, Stuttgart 1968.
  • Michael Vester (Hg.): 'Die Frühsozialisten 1789-1848'. 2 Bände. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1970 u. 1971.
  • Jochen Sänger und Peter Strüber: Die Arbeiterbewegung in Rheda und Wiedenbrück - vom Rhedaer Kreis bis zur SPD heute, 1987 und 1995

Siehe auch

Weblinks

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