Besiedlung
Neben die anfangs dominierende militärische Komponente trat in der friedlichen Zeit ab dem späten 1. bis zum 3. Jahrhundert eine zivile: Eine Strukturierung in civitates (Einzahl civitas: Hauptorte mit umgebendem <Stammes->gebiet) erfolgte.
Links des Rheins stellen diese Hauptorte wie Speyer/Noviomagus und Worms/Borbetomagus die ältesten deutschen Städte. Im Rechtsrheinischen bestand diese Kontinuität weniger, da hier die römische Herrschaft nur bis in das 3. Jahrhundert währte. Hauptorte wie Frankfurt-Heddernheim/Nida waren deswegen nicht bis in das Mittelalter kontinuierlich besiedelt, während in anderen Hauptorten wie Dieburg, Wiesbaden oder Ladenburg eine Siedlungskontinuität unter einfacheren Umständen wahrscheinlich ist.
Neben den Hauptorten, den militärischen Lagern und den Dörfern (vici, Einzahl: vicus) wie Alzey/Altiaia und Eisenberg gab es die römischen Landgüter (villa rustica), von denen einige einen beträchtlichen Luxus aufweisen. Beispielhaft kann dies im römischen Freilichtmuseum Hechingen-Stein besichtigt werden

Römische Provinzen
Jenseits der römischen Städte blieb die alte germanische Bevölkerung meist ansässig, im
Dekumatenland die keltisch-germanische Mischbevölkerung.
Die Provinz war verwaltungstechnisch in verschiedene civitates unterteilt:
Zu welcher Civitas die Provinzhauptstadt Mainz (lateinisch
Mogontiacum) gehörte, ist unbekannt. Es wird darüber spekuliert, ob die im Umfeld siedelnden Aresacer (ein Teilstamm der Treverer) eine eigenständige Civitas bildeten oder das Gebiet um Mainz unter militärischer Verwaltung und damit direkt dem Statthalter unterstand. Wie die Gebiete im nördlichsten Teil der Germania Superior - dem Bereich um Confluentes (Koblenz) - gegliedert waren, ist ebenfalls unbekannt.
Unter Diokletian wurde in der Spätantike die Provinz in Germania Prima im Norden und Maxima Sequanorum im Süden geteilt und der Diözese Gallien mit der Kaiserstadt Trier/Augusta Treverorum unterstellt.
Im 5. Jahrhundert traten im Zusammenhang mit der Völkerwanderung für kurze Zeit Burgunden (407-443) und Alamannen, dann schließlich nach der Schlacht von Zülpich/Tolbiacum(496) die Franken die Nachfolge der römischen Herrschaft an: Das frühe Mittelalter begann.
Siehe auch
- Portal und Themenliste Rom
Literatur
- Dietwulf Baatz (Hrsg.): Die Römer in Hessen. 2. Aufl. Theiss, Stuttgart 1989. ISBN 3-8062-0599-X
- Maureen Carroll: Römer, Kelten und Germanen. Leben in den germanischen Provinzen Roms. Theiss, Stuttgart 2003. ISBN 3-8062-1762-9
- Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Theiss, Stuttgart 1990. ISBN 3-8062-0308-3
- Philipp Filtzinger (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Aufl. Theiss, Stuttgart 1986. ISBN 3-8062-0287-7
- Ders., Die Römer in Baden-Württemberg, in: Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte 1: Allgemeine Geschichte Teil 1: Von der Urzeit bis zum Ende der Staufer, Klett – Cotta, Stuttgart 2001. ISBN 3-608-91465-X (der Beitrag kann auch als pdf-Datei
heruntergeladen werden.
- Thomas Fischer: Die Römer in Deutschland. Theiss, Stuttgart 1999. ISBN 3-8062-1325-9
- Andres Furger: Die Schweiz zur Zeit der Römer. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2001. ISBN 3-85823-809-0
- Andreas Kakoschke: Ortsfremde in den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior. Eine Untersuchung zur Mobilität anhand der Inschriften des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. Möhnesee 2002.
- Andreas Kakoschke: Die Personennamen in den zwei germanischen Provinzen. Ein Katalog. Bd.1. Die Gentilnomina. Rahden/Westf. 2006.
- Wolfgang Spickermann: Germania Superior. Religionsgeschichte des römischen Germanien Band I ( Religion der römischen Provinzen Band 2), 2003, ISBN 978-3-16-146686-1