Zeichen
Zeichentabelle
| Zeichen
| Name1 (altgr. Schreibung)
| neugr. Name (neugr. Schreibung)
| Altgr. Transkription
| Altgr. Aussprache 2
| Neugr. Transkription 3
| Neugr. Aussprache
|
| Α, α
| Alpha ()
| ()
| a
| [], []
| a, αι = e
| []
|
| Β, β
| Beta ()
| ()
| b
| []
| v
| []
|
| Γ, γ
| Gamma ()
| ()
| g
| []
| g, γγ = ng, γκ = ng, γχ = nch, γξ = nx
| [], []
|
| Δ, δ
| Delta ()
| ()
| d
| []
| d
| []
|
| Ε, ε
| Epsilon ()
| ()
| e
| []
| e, entfällt vor ι
| []
|
| Ζ, ζ
| Zeta ()
| ()
| z
| [], []
| z
| []
|
| Η, η
| Eta ()
| ()
| ē
| []
| i
| []
|
| Θ, θ
| Theta ()
| ()
| th
| []
| th
| []
|
| Ι, ι
| Iota ()
| ()
| i
| [], []
| i
| [], []
|
| Κ, κ
| Kappa ()
| ()
| k
| []
| k
| [], []
|
| Λ, λ
| Lambda ()
| ()
| l
| []
| l
| []
|
| Μ, μ
| My ()
| ()
| m
| []
| m
| []
|
| Ν, ν
| Ny ()
| ()
| n
| []
| n
| []
|
| Ξ, ξ
| Xi ()
| ()
| x
| []
| x
| []
|
| Ο, ο
| Omikron ()
| ()
| o
| []
| o, entfällt vor ι
| []
|
| Π, π
| Pi ()
| ()
| p
| []
| p, μπ = (m)b *
| []
|
| Ρ, ρ
| Rho ()
| ()
| r(h)
| [], []
| r
| []
|
| Σ, σ (am Wortende: ς)
| Sigma ()
| ()
| s
| [], []
| s
| [], []
|
| Τ, τ
| Tau ()
| ()
| t
| []
| t, ντ = (n)d *
| []
|
| Υ, υ
| Ypsilon ()
| ()
| y
| [], []
| y, nach Vokal v oder f
| [], [v], [f]
|
| Φ, φ
| Phi ()
| ()
| ph
| []
| f
| []
|
| Χ, χ
| Chi ()
| ()
| ch
| []
| ch
| [], []
|
| Ψ, ψ
| Psi ()
| ()
| ps
| []
| ps
| []
|
| Ω, ω
| Omega ()
| ()
| ō
| []
| o
| []
|
1) Name des Buchstabens in deutscher Transkription
2) Rekonstruierte Aussprache im 5. Jahrhundert v. Chr.; siehe auch
Altgriechische Phonologie
3) Die neugriechische Transkription wird nicht einheitlich gehandhabt. Die hier verwendete Transkription richtet sich nach der in der Wikipedia verwendeten Namenskonvention Neugriechisch.
*) nicht vor stimmlosen Konsonanten; das n entfällt nur am Wortanfang.
Namen der Buchstaben
Die Bezeichnungen der Buchstaben haben im Griechischen keine Bedeutung. Sie wurden größtenteils aus dem
Phönizischen übernommen. Dort bezeichnen die Buchstabennamen Begriffe, denen nach dem
akrophonischen Prinzip ein Lautwert zugeordnet wurde. Beispielsweise bedeutet
' „Ochse“ und ' „Haus“.
Die Namen einiger Vokale gehen auf die byzantinische Zeit zurück. Ihre Bezeichnungen in klassischer Zeit unterschieden sich teils, z. B. wurden die Buchstaben Omikron und Omega schlicht [oː] und [ɔː] genannt. Erst als die Aussprache der beiden Laute zusammenfiel, unterschied man die Buchstaben durch die Namenszusätze ' und ' (Omikron bedeutet „kleines O“, Omega „großes O“). Ähnlich verhält es sich bei den Namen Epsilon („einfaches E“) und Ypsilon („einfaches Y“), die zur Unterscheidung zu den gleichlautenden Buchstabenkombinationen αι und οι eingeführt wurden.
Aussprache
Die antiken und modernen Lautwerte der griechischen Buchstaben unterscheiden sich recht stark, weil die tiefgreifenden lautlichen Veränderungen, die die griechische Sprache in über zweieinhalb Jahrtausenden durchlebte, in der Orthografie nicht mitvollzogen wurden. Daher sind alt- und neugriechische Wörter im Schriftbild oft identisch oder sehr ähnlich, obwohl sich ihre Aussprache grundlegend unterscheidet.
Altgriechisch
→
Hauptartikel: Altgriechische Phonologie
In der antiken Aussprache des Griechischen war die Laut-Buchstaben-Zuordnung recht eindeutig. Bei der Darstellung der Vokale musste das Altgriechische aber mit sieben Buchstaben für 12 Phoneme auskommen. Alpha, Iota und Ypsilon konnten sowohl für lange oder für kurze Laute stehen. Bei den e- und o-Lauten wurde dagegen zwischen Epsilon bzw. Omikron für die Kurzvokale [], [] und Eta bzw. Omega für die offenen Langvokale [], [] unterschieden. Für die geschlossenen Langvokale [] und [] verwendete man indes die Digraphen Epsilon-Iota (ει) und Omikron-Ypsilon (ου). Daneben ist zu beachten, dass die Diphthonge Alpha-Ypsilon (αυ) und Epsilon-Ypsilon (ευ) als [au] und [eu] gesprochen wurden.
Die im Schulunterricht westlicher Länder etablierte Aussprache weicht in einigen Punkten von der heute nach wissenschaftlichen Kriterien rekonstruierten Aussprache ab. So wurden Theta, Phi und Chi in der Antike als aspirierte Verschlusslaute und nicht als Reibelaute gesprochen. In Griechenland selbst wird heute für alle Texte, auch für altgriechische, die neugriechische Aussprache verwendet. Auch in anderen orthodoxen Ländern ist die dem Neugriechischen nahestehende byzantinische statt der antiken Aussprache Grundlage für die Aussprache griechischer Wörter.
Neugriechisch
→
Hauptartikel: Aussprache des Neugriechischen
Im Neugriechischen ist die Orthographie durch den Lautwandel weit weniger logisch. Durch den Zusammenfall vieler altgriechischer Vokalphoneme kann z. B. der Laut [i] im Neugriechischen mit ι, η, υ, ει, υι oder οι geschrieben werden. Dadurch ist das Erlernen der griechischen Rechtschreibung auch für Muttersprachler mit Schwierigkeiten verbunden.
Die wichtigste Änderung bei der Aussprache der Konsonanten betrifft die stimmhaften und die aspirierten Verschlusslaute (β, γ, δ, θ, φ, χ) des Altgriechischen, die zu Reibelautenen geworden sind. Daneben setzt das Neugriechische in größerem Maße Digraph ein, z. B. stehen μπ, γκ und ντ für [b], [g] und [d].
Transkription
Für die
Transkription altgriechischer Wörter in die lateinische Schrift gibt es eine recht eindeutige Norm. Einzig bei der Wiedergabe der Buchstaben η und ω (mit oder ohne
Makronen), des
Digraph ου (
ou oder
u) und des einfachen υ (normalerweise
y, in Diphthongen
u; v. a. im
englisch-amerikanischen Sprachraum auch
generell als
u) gibt es kleinere Unterschiede.
Die Umschrift des Neugriechischen wird nicht einheitlich gehandhabt, eine existierende ISO-Norm konnte sich bislang nicht durchsetzen. Zum Teil orientiert sich die Umschrift an der Aussprache, zum Teil am griechischen Schriftbild.
Weitere Zeichen
Einige Zeichen aus dem phönizischen Alphabet existierten in bestimmten älteren Formen des griechischen Alphabets. Durch die Standardisierung des Alphabets wurden sie abgeschafft. Die Buchstaben Digamma, Qoppa und Sampi blieben aber als
Zahlenzeichen bestehen.
- Das Digamma () ging wie das Ypsilon aus dem phönizischen hervor und bezeichnete ursprünglich den Laut [w] (wie in engl. ). Als dieser Laut in den meisten Dialekten wegfiel, wurde das Zeichen überflüssig. Die Bezeichnung Digamma („Doppelgamma“) ist jünger und bezieht sich auf die Form, die wie zwei aufeinander gelegte Gammas (Γ) aussieht.
- Das San () entsprach dem phönizischen . Es stand meistens für [s], wurde aber schon früh durch das Sigma ersetzt. Im arkadisch-kyprischen Dialekt hatte es den Lautwert [ts].
- Das Qoppa () entsprach dem phönizischen , das den semitischen [q]-Laut bezeichnete. Im Griechischen wurde das Qoppa anfangs für [k] vor [o] oder [u] verwendet.
- Der Ursprung des Sampi () ist nicht eindeutig geklärt, es könnte vom San abstammen. Der genaue Lautwert ist nicht mehr erkennbar, Möglichkeiten sind [ss] oder [ks].
In Folge der Übernahme des griechischen Alphabets für andere Sprachen wurde ein Zeichen ergänzt, dessen Lautwert es im Griechischen nicht gab:
Ligaturen

Aushängeschild eines Barbiers mit der oy-Ligatur „ȣ“
Des Weiteren gibt es
Ligaturen aus
byzantinischer Zeit die zum Teil noch heute gebräuchlich sind:
- das Stigma (), zusammengesetzt aus Sigma und Tau
- die Verbindung aus Omikron und Ypsilon als Ersatz für die häufig benötigte Vokalverbindug „ου“ mit dem Lautwert /u/ (Ȣ ȣ, in moderner Typografie auch Ʊ ʊ)
Spiritus und Akzente
[[Bild:Hera (Frühform der Schreibweise).png|thumb|Demonstration für das Aussehen der Benutzung der Glyphe ├ für [h] am Beispiel (
Hera)]]
Als der Buchstabe H, der ursprünglich für [h] stand, den Lautwert [] erhielt, entwickelte man durch Halbierung des H das Zeichen ├, um weiterhin den [h]-Laut wiedergeben zu können. Später entwickelte sich daraus der
Spiritus asper, ein
diakritisches Zeichen, das wie ein hochgestelltes kleines c aussieht und über dem anlautenden Vokal steht. In Analogie zum Spiritus asper wurde später der
Spiritus lenis, der die Form eines spiegelverkehrten Spiritus asper hat, für einen vokalischen Anlaut ohne [h] entwickelt.
Beispiele:
- Spiritus asper (῾): hydōr („Wasser“), rhythmos („Rhythmus“), Hellas („Griechenland“)
- Spiritus lenis (᾽): egō („ich“), Erōs („Liebe“)
Das Altgriechische verfügte über einen musikalischen Akzent mit drei verschiedenen Tönen. Diese können bedeutungsunterscheidend sein, z. B. bedeutet
pan mit steigend-fallendem Ton „alles“, während dasselbe Wort im steigenden Ton der Name des Gottes
Pan ist. Der musikalische Akzent wandelte sich schon in
hellenistischer Zeit zu einem
dynamischen Akzent, wie er im Deutschen und den meisten anderen europäischen Sprachen vorkommt. Um die antiken Texte weiterhin korrekt aussprechen zu können, entwickelte man drei Zeichen als Bezeichnung der Töne:
- der Akut, griech. Oxeia, (´) für den Hochton, Bsp. Diotíma
- der Gravis, griech. Bareia, (`) für den Tiefton, Bsp. καὶ kaì autòs timô (auch ich-selbst ehre)
- der Zirkumflex, griech. Perispomenē, (῀) für den Steig- und Fallton, Bsp. Phaîdros
Im modernen Griechisch (das keinen h-Laut mehr hat und auch keine Töne mehr kennt) wurden diese Akzente und Spiritus 1982 abgeschafft. Die Akzente wurden durch ein einziges Zeichen, den
Tonos (τόνος) ersetzt, der heute in mehrsilbigen Wörtern die betonte Silbe kennzeichnet. (Der Tónos sieht aus wie ein Akut, ist aber ein eigenes Zeichen und wird im
Unicode vom Akut unterschieden.) Dieses vereinfachte System wird „monotonisch“ (μονοτονικό
monotoniko) genannt; hin und wieder wird jedoch noch das alte, „
polytonische“ Akzentsystem (
πολυτονικό polytoniko) inklusive Spiritus verwendet − sowohl in literarischen Produktionen als auch in privaten Alltagstexten.
Diakritische Zeichen
Das
Trema (¨) zeigt im Altgriechischen an, dass zwei Vokale keinen
Diphthong bilden, sondern in zwei Silben gesprochen werden. So wird („
Atride“, „Sohn des
Atreus“) viersilbig als
Atre-idēs gesprochen. Im Neugriechischen kennzeichnet das Trema die getrennte Aussprache eines der
Digraphen (οϊ, αϊ, εϊ), dies häufig aber nicht ausschließlich in Fremdwörtern. Z. B. das „Boot“ καΐκι, sprich /ka'iki/ wäre ohne Trema /keki/; der engl. Vorname Mike wird Μαϊκ umschrieben.
In den Langdiphthongen ēi, ōi und āi verstummte das i bereits früh. Ab dem 12. Jahrhundert wurde es als Iota subscriptum („untergeschriebenes Iota“) unter den vorangehenden Vokal gesetzt, Bsp. statt tē, (Dativ des bestimmten Artikels femininum, der). Bei Großbuchstaben wird das Iota meist als Iota adscriptum („dazugeschriebenes Iota“) neben den vorangehenden Vokal gesetzt, Bsp. sprich: Hādēs („Hades“, „Unterwelt“). Im Neugriechischen wurde das Iota subscriptum im Zuge der Reform von 1982 abgeschafft.
Zahlzeichen
→
Hauptartikel: Griechische Zahlen
Die altgriechischen Schriftzeichen sind zugleich Zahlzeichen. Es gab zwei Zählweisen, die Thesische und die Milesische, wohl von Milet abgeleitet. Der Gebrauch beider Zählweisen ist schon in der Ilias belegt. Die thesische Zählweise ist erst 1935 durch Peter Friesenhahn wiederentdeckt worden und zweifelsfrei in Ilias und Septuaginta nachgewiesen worden.
Die 1935 wiederentdeckte Thesische Zählweise weist den Buchstaben Alpha bis Omega, je nach ihrem Standort im Alphabet die dazugehörige Ordnungszahl als Wert zu, also Alpha hat den Wert eins und Omega den vierundzwanzig.
Die Milesische und lange bekannte Zählweise ist ähnlich der im hebräischen Alphabet benutzten konstruiert, indem Alpha bis Theta die Werte eins bis neun annehmen, Jota bis Qoppa, nicht mit Kappa zu verwechseln, die zum vorigen parallelen Zehnerwerte, nämlich zehn, zwanzig,.. . bis neunzig, und Rho bis Sampi die entsprechenden Hunderter, so dass Alpha dann wieder auch Tausend bedeuten kann. Nach dieser Zählweise sind die Gesänge Homers nummeriert.
Geschichte
]]
Vorläufer
Schon einige Jahrhunderte vor Entstehung des griechischen Alphabets war die griechische Sprache schriftlich festgehalten worden. Die
mykenische Kultur verwendete vom 14. bis 12. Jahrhundert v. Chr. die
Silbenschrift Linear B, die aus der Schrift der
Minoer Kretas entwickelt worden war. Nach dem Untergang der mykenischen Kultur geriet sie aber während der sogenannten „
dunklen Jahrhunderte“ (12.–9. Jahrhundert v. Chr.) wieder in Vergessenheit. Einzig auf
Zypern hielt sich die
kyprische Schrift, die den kretisch-minoischen Schriften nahe stand. Das griechische Alphabet steht in keiner Verbindung zur Linearschrift B.
Entstehung
Das griechische Alphabet stammt von dem phönizischen Alphabet ab. Die genauen Umstände sowie Ort und Zeit der Entstehung sind weitgehend unbekannt. Wahrscheinlich geschah die Übernahme im 9. Jahrhundert v. Chr., auch wenn manche Forscher einen früheren Zeitpunkt annehmen. Als Entstehungsorte werden Euböa, Kreta, Rhodos und Zypern vorgeschlagen. Die ersten überlieferten griechischen Inschriften, auf der Dipylon-Kanne von Athen und dem Nestorbecher von Pithekussai, stammen aus dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr.
Das phönizische Alphabet war, wie auch die anderen semitischen Schriften, eine Konsonantenschrift. Im Griechischen spielten aber die Vokale eine weitaus größere Rolle als in den semitischen Sprachen, weshalb für sie auch eigene Buchstaben benötigt wurden. Zu diesem Zweck wurden phönizische Buchstaben, die im Griechischen nicht vorkommende Laute bezeichneten, zu Vokalzeichen umfunktioniert. Es ist unklar, ob es sich bei der Schaffung der Vokalzeichen um eine geplante Innovation oder eine bloße Fehlinterpretation des phönizischen Systems handelte. Aus dem Aleph für den Knacklaut [ʔ] wurde das Alpha für [a], aus dem He für [h] das Epsilon für [e], aus dem Jodh für [j] das Iota für [i] und aus dem Ajin für den speziellen semitischen Kehllaut [ʕ] das Omikron für [o]. Aus dem phönizischen Waw entwickelten sich im Griechischen zwei Buchstaben: das konsonantische Digamma für [w] und das vokalische Ypsilon für [u] (später [y]).
Dadurch war das griechische Alphabet die erste Schrift, die sowohl Konsonanten als auch Vokale durch eigenständige Zeichen darstellte, und somit die erste Alphabetschrift im engeren Sinne. Es ist aber davon auszugehen, dass die Entwicklung der Vokalzeichen in einem einzigen Schritt vonstatten ging, da sie schon in den frühesten bekannten griechischen Inschriften vorhanden sind und keinerlei Schriftdenkmäler bekannt sind, in denen Griechisch in einer Konsonantenschrift geschrieben würde.

Andromeda
und
Ketos in einer Frühform des griechischen Alphabets]]
Ansonsten entsprachen sich die phönizischen und griechischen Buchstaben weitgehend. Einige Konsonantenzeichen wurden in ihrem Lautwert angepasst: Aus dem phönizischen
Tet für das emphatische [] wurde das griechische
Theta (Θ) für das
aspirierte [], aus dem phönizischen
Zajin für [z] wurde das
Zeta (Z), das ursprünglich wahrscheinlich [dz] oder [zd] gesprochen wurde. Im Phönizischen gab es drei verschiedene s-Laute,
Samech,
Sade und
Schin, im Griechischen jedoch nur einen. Daher wurde das Samech zum
Xi (Ξ) für [ks] umfunktioniert; aus dem Sade entwickelte sich der griechische Buchstabe
San (Ϻ), der aber schon früh zugunsten des aus dem Schin hervorgegangenen
Sigma (Σ) aufgegeben wurde. Die phönizische Sprache unterschied zwischen dem
Kaph für [k] und dem
Qoph für [q]. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben
Kappa (K) und
Qoppa (Ϙ), die beide [k] gesprochen wurden. Weil sich zwei Buchstaben für den selben Laut als redundant erwiesen, wurde das Qoppa später abgeschafft. Das phönizische
Heth, das einen im Griechischen nicht vorkommenden h-ähnlichen Laut bezeichnete, wurde zum griechischen Η, das zunächst
Heta genannt wurde und für [h] stand. Erst später wurde es zum Vokalzeichen für [].
Die Reihenfolge der Buchstaben hatten die Griechen von den Phöniziern übernommen. An das Ende des Alphabets wurden die neuentwickelten Zeichen Υ, Φ, Χ, Ψ und Ω angehängt. Das Ypsilon stammte ebenso wie das Digamma von dem phönizischen Waw ab, den Buchstaben Omega (Ω) für [] bildeten die Griechen aus dem Omikron neu. Genuin griechische Neubildungen ohne Entsprechung im Phönizischen sind Phi (Φ) für [], Chi (Χ) für [] und Psi (Ψ) für [].
Epichorische Alphabete

Verbreitung der epichorischen Alphabete nach Kirchhoff (1887)

Alphabete von Euböa, Ionien
,
Athen und
Korinth
Ursprünglich war das griechische Alphabet ebenso wie das phönizische linksläufig, d. h. es wurde von rechts nach links geschrieben. Danach wurde furchenwendig, d. h. abwechselnd links- und rechtsläufig (als
Bustrophedon) geschrieben, erst später setzte sich die rechtsläufige Schreibrichtung durch. Bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. gab es nur die heutigen Großbuchstaben, die ohne Wortzwischenräume oder Satzzeichen geschrieben wurden.
Zunächst war die griechische Schrift keineswegs einheitlich. Es bildeten sich lokale (sog. epichorische) Alphabete mit jeweils unterschiedlichen Zeichen. Sie werden nach der Einteilung des Gräzisten Adolf Kirchhoff in drei Hauptgruppen und nach den Farben benannt, die Kirchhoff in seinen Studien zur Geschichte des Griechischen Alphabets von 1887 zu ihrer Markierung verwendete. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind die sogenannten Supplement-Zeichen, also die zusätzlich zu der übernommenen phönizischen Schrift neu geschaffenen Zeichen Φ, Χ und Ψ. Bei den „grünen“ Alphabeten auf Kreta fehlen diese Supplement-Zeichen völlig. Die „roten Alphabete“, die z. B. auf Euböa und in Lakonien verwendet wurden, haben Φ und Ψ mit den Lautwerten [] und []. Die „blauen“ Alphabete unterteilen sich in zwei Untergruppen. Die „hellblauen“ Varianten in Attika verwenden Φ und Χ für [] und []. Die „dunkelblauen“ Alphabete etwa in Korinth und auf Rhodos haben zusätzlich dazu noch das Zeichen Ψ mit dem Lautwert [ps].
Standardisierung
Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. begann sich die
ionische Variante des griechischen Alphabets auch in anderen Städten durchzusetzen. In Athenen wurde 403 v. Chr. unter dem
Archont Eukleides das
milesische Alphabet amtlich eingeführt. Das milesische Alphabet besaß einige zusätzliche Buchstaben, gleichzeitig wurden nicht mehr benötigte Buchstaben wie das
Digamma abgeschafft. Im alten attischen Alphabet gab es keine Unterscheidung zwischen langen und kurzen e- und o-Lauten, beide wurden mit
Epsilon bzw.
Omikron geschrieben. Für das lange [] war im milesischen Alphabet das
Omega (Ω) entwickelt worden. Weil im
ionischen Dialekt der h-Laut ausgefallen war, hatte man in Milet das Η zum Vokalzeichen für [] umfunktioniert. In Attika hatte man die Lautfolgen [ks] und [ps] zuvor mit ΧΣ und ΦΣ geschrieben, nun gab es dafür die Buchstaben
Xi (Ξ) und
Psi (Ψ). Durch die Vormachtstellung Athens wurde das milesische Alphabet zur Standardvariante der griechischen Schrift und verdrängte nach und nach die epichorischen Alphabete.
Spätantike und Mittelalter

Griechische Inschrift mit Widmung an Ptolemaios VI von Ägypten, 2. Jahrhundert v. Chr
Im 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelte
Aristophanes von Byzanz in Alexandrien die Tonzeichen zur Unterscheidung der Intonation. Diese ursprünglich als Lesehilfe gedachten Akzente benötigte man für poetische und Theatertexte, zumal der dezentralisierende Akzent einem zentralisierenden zu weichen begann.
Die Minuskeln entwickelten sich erst in
byzantinischer Zeit, wohl in Syrien im 9. Jahrhundert aus einer Vereinfachung der Alltagsschrift (
Kursive). Noch im 12. Jahrhundert wanderte das nicht ausgesprochene Iota unter den vorangehenden Vokal
(Iota subscriptum).
In der Spätantike entstanden in Griechenland ähnlich wie im Westen Europas neue Schriftformen, die für die neuen Schreibstoffe und -techniken besser geeignet waren. Daraus ging die mittelalterliche griechische Buchschrift hervor, zunächst die sog. Unziale, dann über Zwischenstufen die Minuskel.
Neuzeit
Während die Antike nur Großbuchstaben (
Versalien) kannte, die für das Schreiben von Briefen und Büchern lediglich
kursiver geschrieben wurden, entstanden mit der Minuskel erstmals jene Kleinbuchstaben (Gemeine), die noch heute in den griechischen Druckschriften fortleben. Die dabei übliche Zuordnung, Großbuchstaben am Beginn von Namen sowie ggf. von Sätzen zu verwenden, kommt jedoch erst in der frühen Neuzeit auf; im Mittelalter wurden
Handschriften zunächst vollständig in der Unziale, später vollständig in Minuskel geschrieben, wobei die Großbuchstaben höchstens für Überschriften u. ä. Auszeichnungen gebraucht wurden.
In der frühen Neuzeit gab es in der gedruckten Schrift zahlreiche Ligaturen und Abkürzungen, die später wieder verschwanden. Einzig das Stigma (Ϛ, ϛ), die Ligatur aus Sigma und Tau, und die Verbindung aus Omikron und Ypsilon (Ȣ und ȣ, in moderner Typographie mit Ʊ und ʊ wiedergegeben) haben sich bis heute erhalten.
Gleichzeitig hat sich in Griechenland eine Schreibschrift herausgebildet, die teilweise auf andere Formen der griechischen Minuskeln zurückgeht als die heute übliche Druckschrift. Es existieren aber auch einige Varianten in der Druckschrift, die den schreibschriftlichen Formen ähneln, so ϑ für θ, ϰ für κ oder ϖ für π. Einige Buchstaben der Schreibschrift gleichen Formen der lateinischen Schreibschrift, so das Vita dem b, das Ita dem n oder das Psi dem y. Diese Schreibschrift, bei der nicht alle Buchstaben miteinander verbunden sind, ist auch die Grundlage der heutigen persönlichen Handschriften griechischer Schreiber.
Die in Spätantike und Mittelalter entwickelte Orthographie für das Altgriechische blieb auch für das Neugriechische zunächst verbindlich, obwohl viele Unterscheidungen phonetisch nicht mehr benötigt wurden. Erst 1982 vereinfachte man das Alphabet, in dem man den Spiritus abschaffte und statt der drei Akzente einen einzigen, reinen Betonungsakzent einführte.
Bild:FaulmannBuchDerSchriftPage171.png|mittelalterliche Schriftformen
Bild:Greek alphabet ligatures.jpg|Ligaturen
Bild:Greek Handwriting.jpg|Schreibschrift
Weitere Verwendung
Außer für das Griechische wurde das griechische Alphabet in der Antike auch für einige weitere antike Sprachen verwendet. Dazu gehörten in
Kleinasien gesprochene Sprachen wie
Phrygisch und
Lydisch, die auf dem
Balkan gesprochene
thrakische Sprache sowie einige weitere ausgestorbene Sprachen wie
Baktrisch in
Zentralasien. Von allen diesen Sprachen sind jedoch nur spärliche Schriftquellen erhalten.
Heute findet das griechische Alphabet praktisch nur für die griechische Sprache Verwendung. Daneben werden nur vereinzelt einige in Griechenland gesprochene Minderheitensprachen wie Aromunisch oder Arvanitisch in griechischer Schrift aufgezeichnet. Außerdem schreiben die Karamanlı, eine christlich-orthodoxe Minderheit aus der Türkei, ihre türkische Mundart in griechischer Schrift. Bei allen diesen Minderheitensprachen ist allerdings die schriftliche Verwendung sehr selten.
Die mathematisch-naturwissenschaftliche Notation greift oft auf griechische Buchstaben zurück. So werden Winkel meist mit griechischen Kleinbuchstaben bezeichnet. Viele spezielle Funktionen sind nach griechischen Buchstaben benannt, ebenso wie mathematische und physiknalische Konstante. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Kreiszahl π.
Weiterentwicklungen aus der griechischen Schrift
Das lateinische Alphabet geht über das von den Etruskern verwendete altitalische Alphabet auf eine westgriechische Variante zurück. Einige Unterschiede in Lautwert griechischer und lateinischer Zeichen erklären sich mit dem westgriechischen Ursprung; so stand X dort ebenso wie im Lateinischen für [ks] und nicht für []. Andere Unterschiede sind der etruskischen Überlieferung geschuldet; z. B. verfügte die etruskische Sprache nicht über die Laute [] und [], weshalb den griechischen Buchstaben Γ und Ϝ die Lautwerte [k] bzw. [f] zugeordnet wurden. Die Römer übernahmen sie in Form der Buchstaben C und F. In späterer Zeit wurden die Buchstaben Y und Z direkt aus dem griechischen Alphabet übernommen, um griechische Lehnwörter wiedergeben zu können.
Das kyrillische Alphabet, das für zahlreiche slawische Sprachen Verwendung findet, wurde im 9. Jahrhundert auf Grundlage einer griechischem Unzialschrift entwickelt. Zusätzlich zu den im griechischen Alphabet vorhandenen Zeichen enthält das kyrillische Alphabet für Laute, die im Griechischen nicht vorkamen, Zeichen aus dem glagolitischen Alphabet. Die Aussprache des Griechischen hatte sich zu dieser Zeit bereits gewandelt, weshalb etwa die kyrillischen Buchstaben В und И ebenso wie Β und Η im Neugriechischen als [v] und [i] ausgesprochen werden. Ursprünglich wurden auch diejenigen griechischen Buchstaben übernommen, für die es im Kyrillischen keine Verwendung gab, wie Ѯ (Ksi) oder Ѡ (Omega (kyrillischer Buchstabe)|Omega). Viele dieser Zeichen wurden früh aufgegeben, der Buchstabe Ѳ (Fita), der auf das griechische Θ zurückging und [f] gesprochen wurde, aber beispielsweise erst nach der Oktoberrevolution.
Die Kopten in Ägypten verwenden für die mittlerweile nur noch als Sakralsprache verwendete koptische Sprache das koptische Alphabet. Dabei handelt es sich um eine Abwandlung des griechischen Alphabets, das mit Zeichen aus der altägyptischen demotischen Schrift erweitert wurde.
Die ausgestorbene gotische Sprache wurde mit dem gotischen Alphabet geschrieben. Dieses entwickelte im 4. Jahrhundert der Bischof Wulfila ebenfalls auf Grundlage des griechischen Alphabets. Daneben enthält die gotische Schrift Buchstaben, die aus dem lateinischen Alphabet oder der Runenschrift übernommen wurden.
Die armenische und georgische Schrift wurden beide im 5. Jahrhundert vom Heiligen Mesrop neu entwickelt. Dabei zeigt vor allem die Reihenfolge der Buchstaben griechischen Einfluss. Ähnlich verhält es sich mit dem glagolitischen Alphabet, das im 9. Jahrhundert von Kyrill von Saloniki, nach dem das kyrillische Alphabet benannt ist, erschaffen wurde.
Typografie für das Griechische Alphabet
Aufgrund der Produktion von Druckmaschinen und Bleisätzen im Ausland gab es lange Zeit keine eigene Entwicklung von Schriftarten (Fonts) für die griechische Schrift. Sie waren meist nur Adaptionen aus bekannten lateinischen Schriften (Ausnahmen waren etwa die griechischen Schriften von
Bodoni).
Mit dem Fotosatz und noch mehr mit der Digitalisierung war die Grundlage einer eigenen Typografie geschaffen. Es entstanden Schriftarten wie die „Sophia CF“ oder die „Demo CF“.
Heute werden in griechischen Zeitungen zumeist nur für das Griechische Alphabet entworfene Schriftarten verwendet.
Siehe auch
Literatur
- B. B. Powell: Homer and the Origin of the Greek Alphabet. Cambridge 1991. (engl.)
- Stanislav Segert: Altaramäische Schrift und die Anfänge des griechischen Alphabets. In: Klio 41 (1963), 38–57.
- Andreas Willi: . Zur Vermittlung der Alphabetschrift nach Griechenland. In: Museum Helveticum 62 (2005), 162–171.
- Florian Coulmas: The Blackwell Encyclopedia of Writing Systems. Blackwell Publishers, Oxford 1997. ISBN 0-631-21481-X (engl.)
- Bernard Comrie, Stephen Matthews und Maria Polinksy (Hrsg.): Bildatlas der Sprachen. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998. ISBN 3-8289-0707-5
- Handbuch der Altertumswissenschaft 1,4
Weblinks