Starke Wechselwirkung
- bindet alle Hadronen (Baryonenen und Meson), also Teilchen die aus Quarks aufgebaut sind, aneinander und ist indirekt verantwortlich für den Zusammenhalt der Atomkerne (die Kernkraft stellt nur eine Restwechselwirkung der eigentlichen starken Kraft dar, äquivalent zur Van-der-Waals-Wechselwirkung in Molekülen)
- sehr kurze Reichweite von 2,5·10−15 m, da die zugehörige Farbladung auf größere Distanzen nicht „nackt“ auftritt (siehe Confinement)
- stärkste aller bekannten Wechselwirkungen
- Überträgerteilchen sind die Gluonen
Elektromagnetische Wechselwirkung
- verantwortlich für die meisten alltäglichen Phänomene (Licht, Elektrizität und Magnetismus, Chemie, Festkörpereigenschaften, …)
- unendliche Reichweite (allerdings kompensieren sich üblicherweise positive und negative Ladungen recht exakt)
- kann anziehend oder abstoßend wirken, je nach Vorzeichen der beteiligten Ladungen
- im Vergleich zur starken Wechselwirkung 10−2-mal so stark
- Überträgerteilchen ist das Photon
Schwache Wechselwirkung
- verantwortlich für bestimmte radioaktive Zerfallsprozesse (z. B. Betazerfall), aber auch wichtig beim Kernfusionsprozess in der Sonne
- sehr kurze Reichweite von 10−18 m aufgrund massiver Überträgerteilchen
- im Vergleich zur starken Wechselwirkung 10−13-mal so stark
- Überträgerteilchen sind die Bosonen Z0, W+ und W−
Gravitation
- dominiert die großräumigen Strukturen des Universums, da nicht abschirmbar (wirkt immer anziehend)
- unendliche Reichweite
- schwächste aller Wechselwirkungen, im Vergleich zur starken Wechselwirkung nur 10−38-mal so stark
- postuliertes, bislang nicht nachgewiesenes Überträgerteilchen ist das Graviton
- postulierte Wirkung durch alle 10 in der Stringtheorie postulierten, bislang nicht nachgewiesenen, Raumdimensionen
Die Grundkräfte tabellarisch:
| Grundkraft
| Überträgerteilchen
| Masse (GeV/c2)
| relative Stärke
| Reichweite (m)
| Abstands- wirkung (Kraft)
| Potentialverlauf
|
| Starke
| 8 Gluonen
| 0
| 1
| 2,5·10−15
| 1/r7
| αr-1 + βr
|
| Elektromagnetische
| Photon
| 0
| 10−2 [1]
| ∞
| 1/r2
| 1/r
|
| Schwache
| W+, W−, Z0
| 80, 80, 91
| 10−13
| 10−18
| 1/r5 bis 1/r7
| δ(r)
|
| Gravitation
| Graviton? (postuliert)
| 0
| 10−38
| ∞
| 1/r2
| 1/r
|
|
| [1] Siehe dazu Feinstrukturkonstante.
|
Vereinheitlichende Theorien
Eines der Ziele der Physik ist es, alle Grundkräfte oder Wechselwirkungen in einem vereinheitlichten Gesamtkonzept zu beschreiben. Damit könnte es möglich sein, alle bekannten Kräfte auf eine einzige Grundkraft zurückzuführen. Man spricht hier von vereinheitlichten Theorien. Die Theorie, die alle vier bekannten Grundkräfte berücksichtigt, wird die Weltformel oder Theory of Everything (TOE) genannt.
Als große vereinheitlichte Theorie oder Grand Unification Theory (GUT) bezeichnet man eine Theorie, die drei der vier bekannten physikalischen Grundkräfte vereinigen würde, nämlich die starke Wechselwirkung, die schwache Wechselwirkung und die elektromagnetische Wechselwirkung.
Beispielsweise ist die elektromagnetische Wechselwirkung eine Vereinheitlichung der elektrischen und der magnetischen Wechselwirkung. Ebenso ist es gelungen, die elektromagnetische Wechselwirkung und die schwache Wechselwirkung in der Quantenfeldtheorie der elektroschwachen Wechselwirkung vereinheitlicht zu beschreiben. Es handelt sich daher nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens streng genommen nur um drei verschiedene und voneinander unabhängige Grundkräfte.
Die folgende Tabelle beschreibt dieses Verhältnis verschiedener Grundkräfte zueinander und die den Grundkräften zugeordnete Theorienhierarchie der Physik:
Siehe auch
Weblinks