Ausbildung
Da Forschung und Lehre in Deutschland dem Grundgesetz nach frei sind, kann jeder sich als Historiker bezeichnen, der sich wissenschaftlich oder publizistisch mit historischen Fragen befasst. Der
Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHHD) akzeptiert nur solche Mitglieder, die einen entsprechenden Universitätsabschluss oder Publikationen zu historischen Themen vorweisen können. Viele Historiker - sofern sie in ihrem eigentlichen Fach arbeiten - wirken als Lehrer an Schuleenn,
Universität und Museen, als Journalisten und Fachbuchautoren oder, aber nur wenige als Wissenschaftler an Universitäten und Forschungsinstituten. Aufgrund der begrenzten Budgets der öffentlichen Einrichtungen bevorzugen die meisten Geschichtsabsolventen heutzutage die
Wirtschaft. Dort sind sie vor allem im
Marketing und der
Unternehmensberatung tätig. Der Einstieg in die Wirtschaft muss aber durch
Zusatzqualifikationen erreicht werden. Die, im Studiumen erlernten
Schlüsselqualifikation sind hierbei von für
Arbeitgeber auch von großer Bedeutung.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es als Universitätsabschlüsse das Staatsexamen für das Lehramt, den Magister- und den Doktor-Grad, früherer auch das Diplom. Die Promotion zum Dr. phil gilt als Nachweis der Fähigkeit zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit. Nach den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft gilt ein Historiker erst nach der Promotion als Wissenschaftler. Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg bietet als einzige deutsche Hochschule noch einen Diplomstudiengang im Fach Geschichte an. Heute können Geschichtsstudenten an vielen Universitäten auch Bakkalaureus- und Magister-Studiengänge ('Bachelor' und „Master“) belegen, die in Zukunft die Regel darstellen dürften.
Untergruppen
Historiker sind häufig spezialisiert und heißen dann
- nach Epochen: Althistoriker, Mediävisten, Neuzeithistoriker, Zeitgeschichtler usw.;
- nach Themen: Sozialhistoriker, Mentalitätshistoriker, Wirtschaftshistoriker usw.;
- oder nach Regionen: Byzantinisten, Amerikanisten usw. - hier gibt es oft eine Überschneidung mit den entsprechenden Sprach- und Kulturwissenschaften.
Außerdem gibt es die
Historischen Hilfswissenschaften, mit Disziplinen wie der
Diplomatik,
Paläografie,
Chronologie usw. Etwas außerhalb der eigentlichen Geschichtswissenschaft stehen die Archäologen mit ihrem naturwissenschaftlichen Ansatz und auch die Ur- und Frühgeschichtler, da hier die schriftlichen Quellen noch keine Rolle spielen. Der Beginn der „eigentlichen“ Geschichte wird oft mit dem Einsetzen einer
Schriftkultur definiert, daher ist die Geschichtswissenschaft zum großen Teil eine Buchstabenwissenschaft. Dennoch sind Historiker auch für die Erkenntnisse anderer Disziplinen offen.
Historiker der Antike
Die Historiografie im engeren Sinne geht auf Herodot, den „Vater der Geschichtsschreibung“, und Thukydides aus dem 5. Jahrhundert v. Chr zurück.
Griechisch-sprachige Geschichtsschreiber
Die Zuordnung zur griechischen oder zur lateinischen Geschichtsschreibung richtet sich nach der Sprache, nicht nach der Herkunft der Autoren.
vgl. chronologische Liste der griechisch-sprachigen Geschichtsschreiber
Römische Geschichtsschreiber
Spätantike Geschichtsschreiber (ca. 300 bis 600 n. Chr)
Byzantinische Geschichtsschreiber
Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit
Historiker des 18. und 19. Jahrhunderts
Historiker des 20. und 21. Jahrhunderts
Historiker außereuropäischer Kulturkreise
Auch andere Kulturkreise haben Formen der umfassenden Geschichtsschreibung entwickelt, insbesondere in der islamischen Welt und in der heutigen
Volksrepublik China. Die älteste Tradition der Geschichtsschreibung ist über 3.000 Jahre alt und stammt aus China. Hierbei sind die ältesten Geschichtsschreiber jedoch nicht namentlich bekannt, ihre Werke verfügen aber bereits über eine Dokumentation der verwendeten Quellen; erst mit Simi Guangs
Zizhi tongjian von
959 liegt dann eine präzise Beschreibung der historiografischen Methoden vor.
Die islamische Geschichtsschreibung (ilm at-tarich) ist religiösen Ursprungs. Geschichte galt als Traditionswissenschaft, deren Auftrag die unverfälschte Überlieferung zentraler religiöser Inhalte war. Dazu bedienten sich die arabischen Historiker ausgefeilter Methoden der Quellenkritik, die auf so genannten „Überliefererketten“ (Isnad) aufbaut. In späterer Zeit findet man zunehmend auch Werke säkularen Inhalts.
Arabische Historiker
Chinesische Historiker
Japanische Historiker
- Ishimoda Shô (1912-1986)
- Inoue Kiyoshi
Phönizien
Zitate
- Der Historiker ist ein rückwärts gekehrter Prophet. (Friedrich Schlegel, 1772-1829)
- Ich glaube, daß niemand ein Historiker sein könne im schönsten Sinne des Wortes, dem die schöpferische und dichterische Kraft fehlt; denn er muß ja die Welt der Vergangenheit vor Augen haben, in welcher die Ereignisse stattfanden, die er darstellen will. (Heinrich Luden, 1780-1847)
- Wer die Geschichte versteht, wird nie eine Rolle in ihr spielen. (Théodore Simon Jouffroy, 1796-1842)
- Der Historiker soll Finder, nicht Erfinder sein (Johannes Fried)
Literatur
- Kelly Boyd (Hrsg.): Encyclopedia of historians and historical writing. London [u.a.]: Fitzroy Dearborn, 1999
- Ahasver von Brandt: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften, (= Urban Taschenbücher 33), (Stuttgart 1958) 11. Auflage 1986.
- Rüdiger vom Bruch, Rainer A. Müller (Hrsg.): Historikerlexikon. Von der Antike zur Gegenwart, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 2001.
Siehe auch
Allgemein:
Jeweils beispielhaft
a) nach Epochen:
b) nach Sachthemen:
c) nach Weltregionen und Kulturen:
d) Archäologie und Historische Hilfswissenschaften:
Weblinks