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Geändert: 2007-11-30
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Kategorie: Historiker Liste (Wissenschaft)

Historiker

Ein Historiker ist ein Wissenschaftler, der sich mit der Erforschung und Darstellung der Geschichteen beschäftigt. Auch die antiken und mittelalterlichen Geschichtsschreiber werden als Historiker bezeichnet, obgleich sie nicht als Wissenschaftler im heutigen Sinne gelten - zur besseren Abgrenzung wird hier auch oft lediglich von „Geschichtsschreibern“ oder „Historiographen“ gesprochen, was aber nicht zwingend ist. Die Bezeichnung „Historiker“ leitet sich vom altgriechisch Begriff historia (Erkundung, Erforschung) ab.

1 Ausbildung
2 Untergruppen
3 Historiker der Antike
4 Byzantinische Geschichtsschreiber
5 Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit
6 Historiker des 18. und 19. Jahrhunderts
7 Historiker des 20. und 21. Jahrhunderts
8 Historiker außereuropäischer Kulturkreise
9 Zitate
10 Literatur
11 Siehe auch
12 Weblinks

Ausbildung

Da Forschung und Lehre in Deutschland dem Grundgesetz nach frei sind, kann jeder sich als Historiker bezeichnen, der sich wissenschaftlich oder publizistisch mit historischen Fragen befasst. Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHHD) akzeptiert nur solche Mitglieder, die einen entsprechenden Universitätsabschluss oder Publikationen zu historischen Themen vorweisen können. Viele Historiker - sofern sie in ihrem eigentlichen Fach arbeiten - wirken als Lehrer an Schuleenn, Universität und Museen, als Journalisten und Fachbuchautoren oder, aber nur wenige als Wissenschaftler an Universitäten und Forschungsinstituten. Aufgrund der begrenzten Budgets der öffentlichen Einrichtungen bevorzugen die meisten Geschichtsabsolventen heutzutage die Wirtschaft. Dort sind sie vor allem im Marketing und der Unternehmensberatung tätig. Der Einstieg in die Wirtschaft muss aber durch Zusatzqualifikationen erreicht werden. Die, im Studiumen erlernten Schlüsselqualifikation sind hierbei von für Arbeitgeber auch von großer Bedeutung.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es als Universitätsabschlüsse das Staatsexamen für das Lehramt, den Magister- und den Doktor-Grad, früherer auch das Diplom. Die Promotion zum Dr. phil gilt als Nachweis der Fähigkeit zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit. Nach den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft gilt ein Historiker erst nach der Promotion als Wissenschaftler. Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg bietet als einzige deutsche Hochschule noch einen Diplomstudiengang im Fach Geschichte an. Heute können Geschichtsstudenten an vielen Universitäten auch Bakkalaureus- und Magister-Studiengänge ('Bachelor' und „Master“) belegen, die in Zukunft die Regel darstellen dürften.

Untergruppen

Historiker sind häufig spezialisiert und heißen dann
  • nach Epochen: Althistoriker, Mediävisten, Neuzeithistoriker, Zeitgeschichtler usw.;
  • nach Themen: Sozialhistoriker, Mentalitätshistoriker, Wirtschaftshistoriker usw.;
  • oder nach Regionen: Byzantinisten, Amerikanisten usw. - hier gibt es oft eine Überschneidung mit den entsprechenden Sprach- und Kulturwissenschaften.

Außerdem gibt es die Historischen Hilfswissenschaften, mit Disziplinen wie der Diplomatik, Paläografie, Chronologie usw. Etwas außerhalb der eigentlichen Geschichtswissenschaft stehen die Archäologen mit ihrem naturwissenschaftlichen Ansatz und auch die Ur- und Frühgeschichtler, da hier die schriftlichen Quellen noch keine Rolle spielen. Der Beginn der „eigentlichen“ Geschichte wird oft mit dem Einsetzen einer Schriftkultur definiert, daher ist die Geschichtswissenschaft zum großen Teil eine Buchstabenwissenschaft. Dennoch sind Historiker auch für die Erkenntnisse anderer Disziplinen offen.

Historiker der Antike

Die Historiografie im engeren Sinne geht auf Herodot, den „Vater der Geschichtsschreibung“, und Thukydides aus dem 5. Jahrhundert v. Chr zurück.

Griechisch-sprachige Geschichtsschreiber

Die Zuordnung zur griechischen oder zur lateinischen Geschichtsschreibung richtet sich nach der Sprache, nicht nach der Herkunft der Autoren.

vgl. chronologische Liste der griechisch-sprachigen Geschichtsschreiber
Name geboren gestorben
Akusilaos von Argos 2. Hälfte 6. Jh. v. Chr 1. Hälfte 5. Jh. v. Chr
Antiochos von Syrakus um 423 v. Chr
Appianos von Alexandria 2. Jahrhundert
Aristobulos von Kassandreia 1. Hälfte des 4. Jh. v.Chr in Kassandreia 301 v. Chr
Arrianus von Nikomedien um 95 175
Cassius Dio 155 in Nikaia (Nicaea) in Bithynien nach 229
Charon von Lampsakos ca. 480-477 v. Chr 2. Hälfte 5. Jahrhundert v. Chr
Dinon von Kolophon 4. Jahrhundert v. Chr
Diodor 1. Jahrhundert v. Chr
Dionysios von Halikarnassos 1. Jahrhundert v. Chr
Ephoros von Kyme um 400 v. Chr, Kyme 330 v. Chr
Hekataios von Milet 560 v. Chr ca. 485 v. Chr-475 v. Chr
Hekataios von Abdera 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr 3. Jh. v. Chr
Hellanikos von Lesbos ca. 490/480 v. Chr Mytilene (Lesbos) um 400 v. Chr Perperene (Mysien)
Herodianos ca. 178, vielleicht Syrien ca. 250
Herodot ca. 484 v. Chr, Halikarnassos ca. 425 v. Chr
Hieronymos von Kardia um 360 v. Chr nach 272 v. Chr
Hippys von Rhegion
Ion von Chios um 480 v. Chr um 422 v. Chr
Kallisthenes von Olynth um 370 v. Chr um 327 v. Chr
Kleitarchos 4./3 Jahrhundert v. Chr.
Ktesias von Knidos 2. Hälfte 5. Jh. v. Chr 1. Hälfte 4. Jh. v. Chr
Lukas 1. Jahrhundert
Megasthenes ca. 350 v. Chr ca. 290 v. Chr
Pausanias ca. 115 (Kleinasien) ca. 180
Pherekydes von Athen 2. Hälfte 6. Jh. v. Chr 1. Hälfte 5. Jh. v. Chr
Quintus Fabius Pictor um 254 v. Chr um 201 v. Chr
Philinos von Akragas 3. Jahrhundert v. Chr
Plutarch um 45 in Chaironeia um 125
Polybios um 201 v. Chr in Megalopolis auf der Peloponnes um 120 v. Chr, Ort unbekannt
Strabon ca. 63 v. Chr in Amaseia in Pontos (Amasya) nach 23 (26?) n. Chr.)
Theopompos von Chios um 378/377 v. Chr auf Chios zwischen 323 und 300 v. Chr in Alexandria
Thukydides um 460 v. Chr zwischen 399 v. Chr und 396 v. Chr
Timaios von Tauromenion ca. 345 v. Chr (Tauromenion) ca. 250 v. Chr
Xanthos der Lyder 5. Jahrhundert v. Chr
Xenophon von Athen um 426 v. Chr nach 355 v. Chr

Römische Geschichtsschreiber

Name geboren gestorben
Gaius Iulius Caesar 13. Juli 100 v. Chr in Rom 15. März 44 v. Chr
Cremutius Cordus 25 n. Chr.
Marcus Porcius Cato Censorius 234 v. Chr in Tusculum 149 v. Chr in Rom
Publius Annius Florus 2. Jahrhundert
Flavius Josephus 37/38 in Jerusalem ca. 100
Junianus Justinus
Titus Livius vermutlich 59 v. Chr in Patavium, dem heutigen Padua ca. 17 n. Chr in Patavium
Marius Maximus ca. 165 n. Chr ca. 230 n. Chr
Cornelius Nepos um 100 v. Chr um 25 v. Chr
Pamphila
Velleius Paterculus um 19 v. Chr um 31
Quintus Curtius Rufus vermutlich 1. Jahrhundert
Gaius Suetonius Tranquillus zwischen 70 und 75 n. Chr. ca.130-140 n. Chr
Gaius Sallustius Crispus 1. Oktober 86 v. Chr in Amiternum 13. Mai 35 v. Chr in Rom
Tacitus um 55 nach 115
Pompeius Trogus 1. Jahrhundert v. Chr

Spätantike Geschichtsschreiber (ca. 300 bis 600 n. Chr)

Name geboren gestorben
Agathias um 536 in Myrina um 582 in Konstantinopel
Ammianus Marcellinus um 330 Antiochia am Orontes/Syrien um 395 wahrscheinlich in Rom
Cassiodor um 490 in Scylaceum um 583
Eunapios von Sardes 345 420
Eusebius von Caesarea 260-264 337-340
Eutropius 4. Jahrhundert
Johannes Malalas um 490 in Antiochia um 570 in Konstantinopel
Jordanes vermutlich 552
Marcellinus Comes nach 534
Menander Protektor 6. Jahrhundert
Olympiodoros von Theben 5. Jahrhundert
Philostorgios um 368 in Borissos wohl nach 433
Priskos um 472
Prokopios von Caesarea um 500 um 562
Theophylaktos Simokates frühes 7. Jahrhundert
Zosimos 2. Hälfte 5. Jahrhundert 1. Hälfte 6. Jahrhundert

Byzantinische Geschichtsschreiber

Name geboren gestorben
Theophanes Homologetes um 760 in Konstantinopel 817 oder 818 in Samothrake
Johannes Skylitzes 2. Hälfte 11. Jahrhundert
Michael Psellos 1017-1018 in Konstantinopel 1078
Nikephoros Bryennios 1062 in Orestias (Adrianopel) 1137 in Konstantinopel
Anna Komnena 1083 in Konstantinopel ca. 1154
Niketas Choniates um 1150 in Chonai um 1215 in Nikaia

Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit

Name geboren gestorben
Gregor von Tours 538 oder 539 in Riom 594 in Tours
Beda Venerabilis 673 in Wearmouth 735 im Kloster Jarrow
Paulus Diaconus 725-730 in Friaul 797-799 in Monte Cassino
Einhard ca. 770 in Maingau 840 Kloster Seligenstadt
Nennius 9. Jahrhundert
Regino von Prüm ca. 840 (wahrscheinlich) in Altrip bei Speyer 915 in Trier
Liutprand von Cremona ca. 920 972
Widukind von Corvey ca. 925 nach 973 in Corvey
Al-Biruni 973 in Kath heute Xiva 1048 in Ghazni
Thietmar von Merseburg 975 1018 vermutlich in Merseburg
Rodulfus Glaber um 985 im Burgund um 1047 in Saint-Germain d'Auxerre
Hermann von Reichenau 1013 in Altshausen 1054 in Reichenau
Lampert von Hersfeld vor 1028 vermutlich in Franken vor 1085 vermutlich in Hersfeld
Adam von Bremen vor 1050 1081 - 1085
Bruno von Merseburg 1036
Cosmas von Prag um 1045 1125
Fulcher von Chartres 1059 in oder bei Chartres 1127 in Jerusalem
Geoffrey von Monmouth um 1100 in Monmouth um 1150 in Cardiff
Otto von Freising um 1112 vermutlich in Klosterneuburg bei Wien 1158 im Zisterzienserkloster Morimond
Helmold von Bosau ca. 1120 im Raum Goslar nach 1177 in Bosau
Wilhelm von Tyros ca. 1130 in Jerusalem 1186 in Jerusalem
Arnold von Lübeck 1211 oder 1214
Albert von Stade Ende 12. Jahrhundert 5. oder 9. Feb. nach 1264
Saxo Grammaticus um 1140 1220
Burchard von Ursberg vor 1177 in Biberach (unklar, welches) 1230 oder 1231, Kloster Ursberg
Matthäus von Paris um 1199 in England um 1259
Gotfrid von Cosenza
Salimbene von Parma
Petrus de Ebulo Eboli vor 1220
Roger von Wendover Wendover 6. Mai 1236
Giovanni Villani ca. 1280 in Florenz 1348 ebenda
Nikolaus von Butrinto Ligny 1316 in Toul
Beneš Krabice z Weitmile 27. Juli 1375
Jean Froissart ca. 1337 in Valenciennes ca. 1410 vermutlich in Chimay
Dietrich von Nieheim um 1345 in Nieheim bei Paderborn 1418 in Maastricht
Leonardo Bruni um 1370 in Arezzo 1444 in Florenz
Ladislaus Sunthaym um 1440 in Ravensburg 1512/13
Hartmann Schedel 1440 in Nürnberg 1514 in Nürnberg
Philippe de Commynes ca. 1447 1511
Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein 1462 auf Burg Hassenstein 1510 auf Burg Hassenstein
Niccolò Machiavelli 1469 in Florenz 1527 in Florenz
Bartolomé de Las Casas 1474 in Sevilla 1566 bei Madrid
Johannes Aventinus 1477 in Abensberg 1534 in Regensburg
Francesco Fuicciardini 1483 1540
Beatus Rhenanus 1485 in Schlettstatt 1547 in Straßburg
João de Barros 1496 1570
Philipp Melanchthon 1497 in Bretten 1560 in Wittenberg
Benedetto Varchi 1502 1565
Aegidius Tschudi 1505 in Glarus 1572 in Glarus
Natale Conti 1520 1582
Ubbo Emmius 1547 in Greetsiel 1625 in Groningen
Francis Bacon 1561 in Dublin 1626 in Dublin
Samuel von Pufendorf 1632 in Dorfchemnitz/Sachsen 1694 in Berlin
Christoph Cellarius 1638 in Schmalkalden 1707 in Halle an der Saale
Gottfried Wilhelm Leibniz 1646 in Leipzig 1716 in Hannover
Gottfried Arnold 1666 in Annaberg/Erzgebirge 1714 in Perleberg

Historiker des 18. und 19. Jahrhunderts

Historiker des 20. und 21. Jahrhunderts

Historiker außereuropäischer Kulturkreise

Auch andere Kulturkreise haben Formen der umfassenden Geschichtsschreibung entwickelt, insbesondere in der islamischen Welt und in der heutigen Volksrepublik China. Die älteste Tradition der Geschichtsschreibung ist über 3.000 Jahre alt und stammt aus China. Hierbei sind die ältesten Geschichtsschreiber jedoch nicht namentlich bekannt, ihre Werke verfügen aber bereits über eine Dokumentation der verwendeten Quellen; erst mit Simi Guangs Zizhi tongjian von 959 liegt dann eine präzise Beschreibung der historiografischen Methoden vor.

Die islamische Geschichtsschreibung (ilm at-tarich) ist religiösen Ursprungs. Geschichte galt als Traditionswissenschaft, deren Auftrag die unverfälschte Überlieferung zentraler religiöser Inhalte war. Dazu bedienten sich die arabischen Historiker ausgefeilter Methoden der Quellenkritik, die auf so genannten „Überliefererketten“ (Isnad) aufbaut. In späterer Zeit findet man zunehmend auch Werke säkularen Inhalts.

Arabische Historiker

Chinesische Historiker

Japanische Historiker

  • Ishimoda Shô (1912-1986)
  • Inoue Kiyoshi

Phönizien

Zitate

  • Der Historiker ist ein rückwärts gekehrter Prophet. (Friedrich Schlegel, 1772-1829)
  • Ich glaube, daß niemand ein Historiker sein könne im schönsten Sinne des Wortes, dem die schöpferische und dichterische Kraft fehlt; denn er muß ja die Welt der Vergangenheit vor Augen haben, in welcher die Ereignisse stattfanden, die er darstellen will. (Heinrich Luden, 1780-1847)
  • Wer die Geschichte versteht, wird nie eine Rolle in ihr spielen. (Théodore Simon Jouffroy, 1796-1842)
  • Der Historiker soll Finder, nicht Erfinder sein (Johannes Fried)

Literatur

  • Kelly Boyd (Hrsg.): Encyclopedia of historians and historical writing. London [u.a.]: Fitzroy Dearborn, 1999
  • Ahasver von Brandt: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften, (= Urban Taschenbücher 33), (Stuttgart 1958) 11. Auflage 1986.
  • Rüdiger vom Bruch, Rainer A. Müller (Hrsg.): Historikerlexikon. Von der Antike zur Gegenwart, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 2001.

Siehe auch

Allgemein:

Jeweils beispielhaft a) nach Epochen: b) nach Sachthemen: c) nach Weltregionen und Kulturen: d) Archäologie und Historische Hilfswissenschaften:

Weblinks

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