Definition
Die Expansion des Universums wird quantitativ beschrieben durch den
Skalenfaktor a(t), dessen zeitliche Entwicklung als Lösung der
Friedmann-Gleichungen der relativistischen Kosmologie gegeben ist. Der zeitabhängige
Hubble-Parameter beschreibt die Expansionsrate und ist definiert durch
- ,
wobei
die zeitliche
Ableitung des Skalenfaktors ist. Der heutige Wert des Hubble-Parameters wird als
Hubble-Konstante bezeichnet. Der gemessene Wert der Hubble-Konstante liefert die notwendige Anfangsbedingung zur Lösung der Friedmann-Gleichungen.
Im lokalen Universum (also über Entfernungen, die im Vergleich zum Radius des beobachtbaren Universums klein sind) ist die Hubble-Konstante die Proportionalitätskonstante der (näherungsweise) linearen Beziehung zwischen den Entfernungen D von Galaxien und den aus ihren Spektren gemessenen Rotverschiebungen z:
- .
Häufig wird das Produkt
im Sinne des Dopplereffekts als Rezessionsgeschwindigkeit
v interpretiert, man erhält dann
- .
Die genaue Beziehung zwischen kosmologischer Rotverschiebung und Entfernung ist
nichtlinear und erfordert eine
Integration über den zeitlichen Verlauf des Skalenfaktors
a(t).
Da Galaxien nicht nur der kosmischen Expansion folgen, sondern zusätzlich eigene Bewegungen von typisch einigen hundert km/s zeigen, müssen viele Galaxien über einen genügend großen Entfernungsbereich untersucht werden, um beide Effekte zu trennen. Die durch die kosmische Expansion bedingte „Geschwindigkeit“ und die kosmologische Rotverschiebung haben einen anderen Ursprung als eine Eigengeschwindigkeit und die mit ihr durch den Dopplereffekt verbundene Rot- oder Blauverschiebung.
Heutige Messungen (siehe unten) ergeben für die Hubble-Konstante H0 einen Wert von 72 km s-1 Mpc-1. Dieser Zahlenwert ist so zu verstehen: Man beobachtet zwei Galaxien A und B und misst deren Spektrallinien. Unterscheiden sich die Wellenlängen so, dass sich für die Galaxie A ein um 72 km/s höherer Wert ergibt als für B, so sollte die Galaxie A etwa 1 Mpc (das sind etwa 3 Millionen Lichtjahre) weiter weg sein als die Galaxie B.
Hubblezeit
Der Kehrwert 1/
H0 der Hubblekonstante wird Hubblezeit genannt. Bei gleichförmiger Expansion in einem leeren Universum wäre sie gleich dem
Weltalter, d.h. der seit dem
Urknall vergangenen Zeit. Je nach dem Gehalt des Universums an Materie,
dunkler Materie und
dunkler Energie kann die Expansion aber verzögert oder beschleunigt werden, so dass das Weltalter von der Hubblezeit verschieden ist. Für lange diskutierte kosmologische Modelle mit flacher Geometrie und ohne dunkle Energie ist zum Beispiel das Weltalter nur 2/3 der Hubblezeit. Mit den heutigen Messungen des Satelliten
WMAP und der 2dFGRS (2-degree Field Galaxy Redshift Survey)
ergibt sich eine Hubblezeit von 13,3 Milliarden und ein Weltalter von 13,7 Milliarden Jahren.
Der Vergleich von Weltalter beziehungsweise Hubblezeit und unabhängigen Altersbestimmungen von Himmelsobjekten wie Sternen und Kugelsternhaufen war immer wieder wichtig in der kritischen Bewertung von Messungen der Hubblekonstante und anderer kosmologischer Parameter. Das sich aus diesen Parametern ergebende Weltalter muss größer als das einzelner Objekte sein.
Geschichte
Nach früheren Hinweisen unter anderem von
Carl Wilhelm Wirtz war es eine Arbeit von Edwin Hubble aus dem Jahr 1929, die überzeugend einen linearen Zusammenhang zwischen Rotverschiebung und Entfernung von Galaxien darlegte. Hubble ermittelte einen hohen Wert von
500 km s
-1 Mpc
-1 für die Proportionalitätskonstante. Das entsprechend geringe Weltalter von nur etwa zwei Milliarden Jahren wurde schon bald als problematisch im Vergleich zu Altersbestimmungnen von Gesteinen angesehen.
Zu einer ersten deutlichen Korrektur nach unten kam es in den 1950ern nach der Entdeckung verschiedener Sternpopulationen durch Walter Baade. In Unkenntnis dieser Tatsache hatte Hubble in seinen früheren Arbeiten zu geringe Helligkeiten für die Cepheiden angenommen, die er zur Entfernungbestimmung benutzte.
Weitere Verbesserungen ergaben bald Werte um und unter 100 km s-1 Mpc-1. Die komplexen mehrstufigen Messverfahren führten dann aber zu einer sehr langen und intensiv geführten Debatte von den 1970er bis zu den 1990er Jahren um den genauen Wert der Hubblekonstante. Eine Gruppe um Allan Sandage und Gustav Tammann schlug Werte um 50 km s-1 Mpc-1 vor, während Astronomen wie Gerard de Vaucouleurs und Sidney van den Bergh höhere Werte um 100 km s-1 Mpc-1 bevorzugten. In dieser Zeit bürgerte es sich ein, die Hubblekonstante als H0 = h 100 km s-1 Mpc-1 zu beschreiben und die Abhängigkeit weiterführender kosmologischer Berechnungen vom genauen Wert der Hubblekonstante durch ausdrückliche Angabe ihrer Abhängigkeit vom Faktor h zu verdeutlichen.
Diese Kontroverse ist heute weitgehend beendet. Nach den Endergebnissen des „H0 Key Project“ mit dem Hubble-Weltraumteleskop ergab sich die Hubblekonstante aus der Kombination von vier verschiedenen Methoden zu[ Freedman, W., et al.: Final Results from the Hubble Space Telescope Key Project to Measure the Hubble Constant, Astrophysical Journal 553, 47, 2001]:
Aus drei Jahren Messungen mit der Raumsonde
WMAP und Daten der 2dFGRS ergab sich als Wert für
[Spergel, D.N., et al.: Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) Three Year Results: Implications for Cosmology, astro-ph/0603449, 2006]:
Messungen mit dem
Weltraumteleskop Chandra ergaben für die Hubble-Konstante einen Wert von
[http://chandra.harvard.edu/photo/2006/clusters/][Bonamente, ]
M.: Determination of the Cosmic Distance Scale from Sunyaev-Zel'dovich Effect and Chandra X-ray Measurements of High Redshift Galaxy Clusters, Astrophysical Journal, astro-ph/0512349, 2006 August 10:
Einige Quellen meinen auch, der bisherige Wert für die Hubble-Konstante müsste um 15 Prozent verringert werden
[http://www.wissenschaft.de/wissen/news/268350.html].
Literatur
- Wirtz, C.: De Sitters Kosmologie und die Radialbewegungen der Spiralnebel, Astr.Nachrichten 222, 21 (1924)
- Hubble, E.: A Relation Between Distance and Radial Velocity among Extra-Galactic Nebulae, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America Vol. 15, Issue 3, 168 (1929)
- Freedman, W., et al.: Final Results from the Hubble Space Telescope Key Project to Measure the Hubble Constant, Astrophysical Journal 553, 47 (2001)
- Spergel, D.N., et al.: Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) Three Year Results: Implications for Cosmology, 2006, astro-ph/0603449
- Bonamente, M., et al.: Determination of the Cosmic Distance Scale from Sunyaev-Zel'dovich Effect and Chandra X-ray Measurements of High Redshift Galaxy Clusters, Astrophys.Journal 647, 25 (2006), astro-ph/0512349

Weblinks
Referenzen