Begriff
Wortherkunft
Etymologisch kommt das Wort ursprünglich von lat.
capitalis (Haupt-), was wiederum von
caput (Kopf) kommt. Einer Deutung zufolge bemaß sich ursprünglich das „Kapital“ nach der Größe der Viehherden, also nach der Anzahl der Köpfe in einer Rinderherde usw. Im Lateinischen machte aber 'caput, capitalis' ebenfalls schon einen Bedeutungswandel durch, der im deutschen durch „Haupt-“ nachvollzogen wird. „Summa capitalis“ war die Hauptsumme in Wirtschaftsrechnungen, woraus dann „Kapital“ entstanden sein soll.
In Europa erschienen die Wörter „capitaliste“ u.ä. erstmalig im 18. Jahrhundert in Frankreich und England. Das englische Wort Capitalism geht auf David Ricardo zurück.
Im Deutschen ist das Wort „Kapitalismus“ zuerst bei Karl Marx belegt, und zwar in den „Theorien über den Mehrwert“ von 1863 [(MEW 26.2, S. 493)] sowie in seinem Hauptwerk „Das Kapital“, 1885 [zweiter Band, in MEW 24, S. 123)]. Weitere Bekanntheit erlangte der Begriff insbesondere durch Werner Sombarts „Der moderne Kapitalismus“, 1902 sowie durch Max Webers „Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus, 1904“.
Kapitalismus und Marktwirtschaft
Die Begriffe „Kapitalismus“ und „
Marktwirtschaft“ werden oft synonym verwendet
[Ludwig van Mises, Human Action, 4. Auflage 1996]. Nach Ansicht verschiedener Autoren ist der Begriff der Marktwirtschaft kaum vom Kapitalismus abzugrenzen. Nach
John Kenneth Galbraith wurde der Begriff Marktwirtschaft sogar gezielt in den
USA nach dem
Zweiten Weltkrieg eingeführt, da der Kapitalismus durch die
Weltwirtschaftskrise in Misskredit geratenen war. Tatsächlich beinhalte die Marktwirtschaft aber alle Strukturelemente des Kapitalismus und sei mit diesem gleichzusetzen.
Andere Autoren unterscheiden zwischen beiden Begrifflichkeiten. Danach hängt das Vorliegen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung von den Eigentumsverhältnissen der Produktionsmittel ab, eine Marktwirtschaft zeichnet sich durch die Koordination der Wirtschaftsprozesse über den Marktmechanismus aus [Ulrich Baßeler; Jürgen Heinrich, Wirtschaftssysteme. Kapitalistische Marktwirtschaft und sozialistische Zentralplanwirtschaft, Würzburg 1984, S. 13–19.][Jürgen Pätzold, Soziale Marktwirtschaft. Konzeption - Entwicklung Zukunftsaufgeben, 6. Auflage, Ludwigsburg, Berlin 1994. Online-Version ]
.
Beide Merkmale treten im heute vorherrschenden Wirtschaftssystem der kapitalistischen Marktwirtschaft gemeinsam auf; eine Marktwirtschaft kann gemäß dieser Klassifikation theoretisch jedoch ebenso ohne Kapitalismus vorliegen (Beispiel: sozialistische Marktwirtschaft im Ex-Jugoslawien) wie Kapitalismus ohne Marktwirtschaft (Beispiel: Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland) [Jürgen Pätzold, Soziale Marktwirtschaft, 2.1 die überlegene Leistungsfähigkeit der Marktwirtschaft, Online-Version ]
. Gleichwohl treten die beiden letztgenannten Wirtschaftssysteme vergleichsweise selten auf.
Auch Mankiw versteht Kapitalismus als Marktwirtschaft mit Privateigentum an Produktionsmitteln: 'Marktwirtschaften funktionieren dann sehr gut, wenn Privateigentum an den Ressourcen besteht. Weniger gut funktionieren die Marktwirtschaften bei gesellschaftlichen Ressourcen im Kollektiveigentum. Auf diese Weise ist die Überzeugung von der Überlegenheit der Märkte untrennbar an das Vertrauen auf Privateigentum gekoppelt. Man spricht dabei auch von der politischen Philosophie des Kapitalismus.'[N. Gregory Mankiw, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 3. Auflage, Stuttgart 2004, S. 255]
Aspekte kapitalistischer Ökonomien
Privateigentum
Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln liegen die Entscheidungsbefugnisse weitgehend beim Individuum.
Die privaten Produktionsmittel sind überwiegend in Besitz einer Personen- oder Kapitalgesellschaft. Diese können entweder inhaber- oder managergeführt sein. Im letzteren Fall entscheidet der Geschäftsführer (Manager) im Rahmen des Gesellschafts- und Anstellungsvertrags im Auftrag der Eigentümer, was nach der Prinzipal-Agent-Theorie zu Konflikten führen kann. Diese Interessenkonflikte zwischen Eigentümer und Manager sollen durch klare rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen (Corporate Governance) begrenzt werden.
Rendite
Der '
Kapitalist' erhält eine Rendites für den Einsatz seines
Kapital, und strebt häufig nach der
Maximierung seiner Rendite. Es spielen jedoch in aller Regel weitere Kriterien bei der Zielsetzung für die Investition eine Rolle (soziale, ethische, ökologische, psychologische und andere). Zusätzlich zum Eigenkapital kommt häufig Fremdkapital etwa in Form von Bankkrediten zum Einsatz, wodurch sich durch den
Leverage-Effekt die Verzinsung aus dem Eigenkapital erhöhen kann.
Die Höhe der Rendite ist von Marktbedingungen, der Managementleistung, der Risikostruktur und anderen Faktoren abhängig, für ihre Modellierung und wirtschaftsethische Begründung gibt es viele Ansätze, vgl. Zins
Planung und Effizienz
Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln wird die Planung dezentralisiert. Jeder Produzent und
Verbraucher verfügt über seine eigene Planung. Diese wird durch den Marktmechanismus koordiniert.
Kritiker bemängeln die fehlende Planung im gesellschaftlichen Maßstab, infolge der durch Unwissen und
Eigennutz begrenzten Horizonte der Planer gebe es keine generelle wirtschaftsweite Richtung. Dem wird entgegengehalten, dass niemand besser planen könne als der Markt, und auf die Erfolge von Marktwirtschaften im Vergleich zu Zentralverwaltungswirtschaften hingewiesen: '
Jedes Wirtschaftssubjekt erhält in der Marktwirtschaft seine Informationen über die Veränderung der Preissignale. Die Planungen und Handlungen werden diesen veränderten Marktsignalen laufend angepaßt und dadurch schrittweise aufeinander abgestimmt. Das marktgesteuerte System hat daher eine im Vergleich zur Zentralverwaltungswirtschaft höhere Flexibilität und Problemverarbeitungskapazität. Wesentlich für die höhere Leistungsfähigkeit der marktwirtschaftlichen gegenüber der bürokratischen Koordination ist vor allem das wirksamere System der Leistungsanreize. Der Wettbewerb zwingt in der Marktwirtschaft die Wirtschaftssubjekte laufend nach neuen Problemlösungen zu suchen'
.
Rationalität
Unter Rationalität im ökonomischen Sinn wird verstanden, dass sich die Wirtschaftssubjekte im Sinne des Modells des
Homo oeconomicus verhalten und versuchen, ihren eigenen Nutzen zu
maximieren. Durch diese Ausrichtung am
ökonomischen Prinzip soll, so die
liberale Wirtschaftstheorie, der Markt für einen
effizienten Einsatz knapper
Güter sorgen.
Wirtschaftswachstum und Stabilität
Der Kapitalismus hat historisch betrachtet zu enormem
Wirtschaftswachstum geführt, wobei diese Entwicklung nicht gleichförmig verlief bzw. verläuft. Einzelne Zeitabschnitte, Regionen und/oder Wirtschaftsbereiche waren durch
Wirtschaftskrisen gekennzeichnet. Besonders ausgeprägt war die
Weltwirtschaftskrise in den
1930er Jahren. Der
Keynesianismus hielt daraufhin den 'Kapitalismus' ohne staatliche Intervention für instabil, da die Wirtschaft irgendwann in eine
Liquiditätsfalle gerate, die nur noch durch eine langandauernde, deflationäre Wirtschaftskrise mitsamt den daraus resultierenden sozialen Spannungen, oder durch massive staatliche Intervention überwunden werden könne. Hingegen werden aus der Sicht
liberaler bzw.
monetaristischer Analytiker wie
Milton Friedman Krisen durch staatliche Interventionen (
Fiskalpolitik,
Geldpolitik,
Währungspolitik) überhaupt erst ausgelöst oder verstärkt.
Technischer Fortschritt
Hauptartikel dazu: Technischer Fortschritt
Durch die Konkurrenz der Unternehmen gibt es für die marktorientierten Produzenten den permanenten Zwang, ihre Produkte zu verbessern bzw. neue Produkte zu entwickeln, sowie Verfahren zu optimieren. Dies führt zu Investitionen in Forschung und Entwicklung und in deren Folge zu immer neuen Technologien.
Wohlstand und Verteilung
Der Kapitalismus hat in den sogenannten
Industrienationen breiten Bevölkerungsschichten
Wohlstand gebracht. Kritiker bemängeln jedoch die ungleiche Verteilung des Wohlstands. Durch Ausgleichsmechanismen, wie sie die
Soziale Marktwirtschaft vorsieht, kann die Verteilung reguliert werden. Eine ungleiche Verteilung wird jedoch nicht generell als negativ angesehen, da Kapital, das sich in einigen Händen sammelt, wieder investiert werden könne, und da sie vor allem einen Zwang in Richtung
Leistung bedeute – im Gegensatz zu vielen vorkapitalistischen
Gesellschaften, wo
Reichtum zu Leistungsreduzierung verlockt habe, oder wo Vorstellungen eines „angemessenen Gewinns“ (wie im in
Zünften organisierten
Handwerk) den
technischen Fortschritt bremste.
Monopolbildung
Marktbeherrschende Oligopole und
Monopole können zu überhöhten Preisen, bzw. einer Unterversorgung des Marktes führen. Durch die Automatisierung der Produktion können große Unternehmen beispielsweise aufgrund ihrer
Betriebsgrößenvorteile billiger produzieren und somit kleinere Unternehmen vom Markt verdrängen. Auch auf Märkten, auf denen keine technologischen Marktschranken existieren, kann ein Unternehmen, z.B. durch Werbung und Markenpolitik, eine dominierende Marktposition erringen. Die Entwicklung zu Monopolen finde laut Karl Marx zwangsläufig statt, er bezeichnet dies als die '
Zentralisation' des Kapitals.
Ludwig von Mises hat, wie andere wirtschaftsliberale Ökonomen, die Position vertreten, dass Monopole in einer freien Marktwirtschaft nicht entstehen können, bzw. nicht von Dauer seien. Monopole würden immer nur durch staatliche Intervention bzw. Regulation entstehen, deshalb seien auch Kartellbehörden gänzlich überflüssig.[Ludwig von Mises: Liberalismus, S.80 ff. (1927)]
Netzwerkstruktur
In kapitalistischen Marktwirtschaften gilt das Prinzip der
Vertragsfreiheit. Die Ökonomie reagiert auf Veränderungen in der Technik, auf Entdeckungen und auf andere neue Situationen mit Hilfe der Firmen und ihres Managements (ihrer Akteuree), die ihre Arrangements untereinander wieder neu bewerten. Demgemäß scheinen sich die Kontrollmechanismen der Ökonomie und die sie betreffenden Informationsflüsse immer wieder zu verändern. Analysen der
Netzwerk und Arrangements im Kapitalismus haben einen Grad von Ähnlichkeit zu anderen Netzwerken, wie etwa zum Telefonsystem oder Internet gezeigt.
Beschäftigung
In einer kapitalistischen Gesellschaft erhalten viele Individuen die finanziellen Mittel für ihren Lebensunterhalt durch entlohnte
Arbeit an einem Arbeitsplatzliche. Dabei ist die Beschäftigung an
marktwirtschaft Prinzipien gebunden. So ergibt sich die Höhe des Lohns aus dem Verhältnis zwischen Nachfrage (an der Entrichtung einer bestimmten Arbeit) und dem Angebot an Arbeitskräften, welche diese Arbeit erbringen können. Arbeiten, die keine besondere Qualifikation erfordern, werden deshalb niedriger entlohnt, da das Angebot an Arbeitskräften, welche die Arbeit entrichten können, hoch ist.
Arbeitslosigkeit entsteht zum Beispiel, wenn kein Bedarf an Arbeitskraft vorhanden ist, oder weil Arbeiten, die keiner besonderen Qualifikation bedürfen, zu
Niedriglöhnen angeboten werden, die als zu gering angesehen werden, um den Lebensunterhalt des Werktätigen zu decken. Als Ausweg werden daher oft staatlich garantierte
Mindestlöhne angesehen. Allerdings werden durch sie ebenso wie durch staatliche Ersatzleistungen wie
Arbeitslosengeld finanzielle Anreize zum Annehmen einer schlecht bezahlten Arbeit verringert. Auch Steuerumverteilung (von Reichen zu Armen) kann diese Anreize schmälern. All diese Mittel widerstreben zwar der theoretischen Nullarbeitslosigkeit, werden aber oft als mehr oder weniger
gerecht oder
fair empfunden. Staatliche Eingriffe werden aus Gründen der sozialen
Gerechtigkeit und der
inneren Sicherheit sogar als notwendig angesehen. Sie geben eine zusätzliche Sicherheit und fangen kranke, alte und schwache Gesellschaftsmitglieder auf, auch wenn auf diese Weise eine systembedingte gewisse Arbeitslosigkeit toleriert wird.
Zusammenhang mit Demokratie und Frieden
Von Befürwortern des Kapitalismus wird die These vertreten, kapitalistische Gesellschaften tendierten langfristig zu
Rechtsstaat und
Demokratie (z.B.
Milton Friedman in
Kapitalismus und Freiheit[Milton Friedman: Kapitalismus und Freiheit ISBN 3821839600]), und sie verweisen dabei auf die demokratischen Entwicklungen in Europa, Amerika und Teilen von Asien. Eine Tatsache ist, dass Demokratien untereinander signifikant weniger Kriege führen als gegen Nichtdemokratien und als diese untereinander. Daraus wird insgesamt gefolgert, dass der Kapitalismus dem Frieden diene.
Gegensätzliche Ansichten dazu finden sich in verschieden Wirtschafttheorien wie der von John Maynard Keynes, wonach Rüstung und Kriegshandlungen konjunkturfördernd seien und der Kapitalismus daher zu Wirtschaftkriegen neige. Außerdem wird eingewendet, dass beispielsweise die Entwicklung Chinas und Indiens zeige, dass ein sich entwickelnder Kapitalismus nicht zwingend sofort zur Teilhabe Aller an einer Demokratie führe. Im 'kommunistischen' China ist die teilweise Hinwendung zum Kapitalismus nach wie vor mit politischem Autoritarismus verbunden[James Mann: The China Fantasy - How Our Leaders Explain Away Chinese Repression. 2007, ISBN 0670038253]. Und in Indien stellen religiös begründete Strukturen einen verdeckten Protektionismus sicher, der dem Kapitalismus Kasten zur Verfügung stellt, aus denen sich Millionen von faktisch rechtslosen Billigarbeitern rekrutieren lassen[Arundhati Roy: Die Politik der Macht, 2002, ISBN 3442729874 ].
Theoretiker
Adam Smith
Ein bedeutender Theoretiker des Kapitalismus ist der schottische Nationalökonom und Moralphilosoph
Adam Smith mit seinem Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ (1776e). Er begründet den Eigennutz als einen wichtigen Motor für Wohlstand und gerechte Verteilung und meint, dass die Selbstregulation des Marktes durch
Gleichgewichtspreis mehr Vertrauen verdient (die „Unsichtbare Hand“). In seinem Werk „Theorie der ethischen Gefühle“ schreibt er: „
Trotz der natürlichen Selbstsucht und Raubgier der Reichen und obwohl sie nur ihre eigene Bequemlichkeit im Auge haben, obwohl der einzige Zweck, welchen sie durch die Arbeit all der Tausende, die sie beschäftigen, erreichen wollen, die Befriedigung ihrer eitlen und unersättlichen Begierden ist, trotzdem teilen sie doch mit den Armen den Ertrag aller Verbesserungen, die sie in der Landwirtschaft einführen. Von einer unsichtbaren Hand werden sie dahin geführt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Bewohner verteilt worden wäre, und so fördern sie, ohne es zu beabsichtigen, ja ohne es zu wissen, das Interesse der Gesellschaft und gewähren die Mittel zur Vermehrung der Gattung. Als die Vorsehung die Erde unter eine geringe Zahl von Herren und Besitzern, verteilte, da hat sie diejenigen, die sie scheinbar bei ihrer Teilung übergangen hat, doch nicht vergessen und nicht ganz verlassen.“
Karl Marx und Friedrich Engels
Der Begriff der „kapitalistischen Produktionsweise“ wurde maßgeblich von
Karl Marx und
Friedrich Engels geprägt, am systematischsten in Marx' Hauptwerk „
Das Kapital“, dessen erster Band
1867 veröffentlicht wurde. Marx und Engels beschreiben die kapitalistische Gesellschaft als Gesellschaft des Elends, der
Ausbeutung und der
Entfremdung.
In seinen Frühschriften, unter anderem in den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844“ (MEW Ergänzungsband I, S. 465-590) betont Marx besonders den Aspekt der Entfremdung. Die Arbeiter seien dem Produkt ihrer Arbeit grundsätzlich entfremdet, da sie nicht für sich selbst produzierten, sondern lediglich zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts und letztlich für das Kapital, zu dessen „Anhängseln“ sie degradiert seien. Wesentliche Potentiale und Entfaltungsmöglichkeiten des menschlichen „Gattungswesens“, das heißt der menschlichen Schaffensmöglichkeiten, würden so 'pervertiert' und durch eine subtile Form der Knechtschaft ersetzt, auch wenn diese auf einer scheinbaren, jedoch nur juristischen Freiheit beruhe. Arbeit sei im Kapitalismus nicht eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung, sondern ihrem Wesen nach Zwangsarbeit.
In seinem späteren Werk, insbesondere im „Kapital“, betont Marx vor allem den ausbeuterischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise. Diese Ausbeutung leitet er aus der Analyse der kapitalistischen „Warenform“ ab. Jede Ware habe einen Doppelcharakter und besitze sowohl Tauschwert als auch Gebrauchswert (siehe auch Warenfetischismus). Die Vermehrung des Kapitals erfolge über die Ausbeutung fremder Arbeitskraft als Lohnarbeit, wobei die Ausbeutung darin bestehe, dass der Kapitalist dem Arbeiter nicht den ganzen vom Arbeiter geschaffenen Wert bezahle, sondern lediglich die gesellschaftlich durchschnittlichen Kosten, die der Arbeiter zur „Reproduktion seiner Arbeitskraft“ benötige. Den restlichen vom Arbeiter geschaffenen „Neuwert“ streiche der Kapitalist als Mehrwert ein, aus dem er seinen Profit schöpfe. Jedoch sinke die vom Kapitalisten erwirtschaftete Profitrate durch das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate immer weiter, unter anderem aufgrund der Konkurrenz der Kapitalisten untereinander sowie durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen, die nach Marx selbst keinen Wert zu schöpfen imstande sind. Dieser „Widerspruch“ zwischen sinkender Profitrate und Verwertungsbedürfnis bestimme den grundsätzlich antagonistischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und sei letztlich die Ursache für die regelmäßigen Krisen des Kapitalismus.
Der grenzenlose Ausdehnungsdrang des Kapitals, der die Bourgeoisie „über die ganze Erdkugel jagt“, sei letztlich nichts als eine verzweifelte Flucht nach vorn, um den der kapitalistischen Gesellschaft systematisch inhärenten Widersprüchen durch Eroberung neuer Märkte zu entkommen. Mit dem letztlich unausweichlichen Unerträglichwerden dieser Widersprüche schlage schließlich die weltgeschichtliche Stunde der kommunistischen Revolution durch das Proletariat. Das Kapital, so Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei von 1848, produziere seine eigenen „Totengräber“.
Werner Sombart
Der deutsche Ökonom
Werner Sombart entwarf („Der moderne Kapitalismus“, 1902) die Einteilung des Kapitalismus in die Entwicklungsphasen Früh-, Hoch- und Spätkapitalismus.
Max Weber
Der
Soziologe Max Weber stellte in seinem Buch
Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus die These auf, dass der Kapitalismus in Europa aus religiösen Gründen entstanden sei und eine -im geistigen Sinne- Weiterentwicklung der Reformationsbewegung darstelle (vgl. das „protestantische Arbeitsethos“ und die
protestantische Ethik allgemein). Da dies für
Japan nicht haltbar war, untersuchte Weber die (funktional entsprechende) Rolle der
Samurai.
Joseph Schumpeter
Der Volkswirt
Joseph Schumpeter definierte einen funktionierenden Kapitalismus als das 'liberale Modell einer interventionsfreien Wirtschaft, in der nur die Gesetze des freien Marktes gelten und in der keine monopolistischen Strukturen bestehen, denen es möglich ist, mithilfe der Staatsmacht partielle Interessen auf Kosten der Allgemeinheit durchzusetzen'
[Schumpeter, J.: Aufsätze zu Soziologie, Tübingen 1953.] Schumpeter urteilte, die „Maschine Kapitalismus“ funktioniere nicht schlecht. Ihr Antrieb sei das freie Unternehmertum; gerade der Erfolg, der sich auch in Monopolen zeige, bringe es jedoch mit sich, dass der Kapitalismus seine eigene soziale Struktur, die ihn schützt und stützt, immer wieder
zerstört. Schumpeter sah zwar die Möglichkeit zur ständigen Erneuerung, ging aber davon aus, dass der Kapitalismus letztendlich an seinen Erfolgen zugrunde gehen würde
[Kapitel II in Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)].
Er sah ihn zunächst als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Jedoch produziere er zunehmend einen Wasserkopf bürokratischer Strukturen und eine „Krise des Steuerstaats“ (indem er den
Staat zu schwächen unternehme), der dessen Ende bedeuten könne, wie auch das der
Demokratie.
Von Schumpeter stammt auch die Idee der Kreislauf-Marktwirtschaft.
Kritik
- ''Hauptartikel: Kapitalismuskritik
Quellen
Siehe auch
Literatur
Weblinks