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Geändert: 2007-11-13
Kategorie: Kulturwissenschaft

Kulturwissenschaft

Kulturwissenschaft erforscht die materielle und symbolische Dimension von Kulturen. Sie vereinigt die kulturellen Aspekte von Kunstwissenschaft, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Sprachwissenschaft, Philosophie, Theologie, Psychologie und Soziologie zu einem multidisziplinären Fach. Während sich insbesondere die anglo-amerikanischen Cultural studies als dezidiert politische Wissenschaft verstehen, untersuchen die meisten Vertreter der deutschen Kulturwissenschaft noch immer recht politikfreie Wissensgebiete. Dies liegt in der eigentümlichen Geschichte der deutschen Kulturwissenschaft begründet (Lit: Böhme 2002).

Die russische Kulturologie basiert hauptsächlich auf der Semiotik, wobei hier hauptsächlich die Tartuer (Juri Lotman) und Moskauer Schule (Boris Uspenski) zu erwähnen ist. Aber auch Michail Bachtin als einer ihrer Vorläufer gehört zu ihrem Erbe.

Besonderes Augenmerk legt die kulturwissenschaftliche Forschung auf die Anthropologie des Kulturschaffens im Bezugsrahmen der jeweiligen gesellschaftlichen, historisch-politischen, literarisch-künstlerischen, ökonomischen, rechtlichen und räumlichen Bedingungen. Auch die so genannten Gender-Studies, Untersuchungen zum Verhältnis zwischen den Geschlechtern, ihrer kulturellen Geformtheit und zur Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Gesellschaft, haben seit einigen Jahren einen festen Platz innerhalb der Kulturwissenschaft.

1 Entwicklung und Grundlagen
2 Wichtige Personen der Kulturwissenschaft
3 Literatur

Entwicklung und Grundlagen

Mit der Zeit wurde der Forschungsgegenstand – die Kultur – immer breiter definiert. In Folge dessen erweiterte sich auch das Feld der Kulturwissenschaft. Zu Beginn erforschte man die schönen Künste, dann, beeinflusst durch den Marxismus, auch Volkskunst und schließlich die gesamte Alltagskultur ebenso. An einigen deutschen Universitäten konzentriert man sich jedoch nach wie vor auf die schönen Künste.

Die Kulturwissenschaft versteht die Kultur als einen synthetisch erzeugten räumlichen wie zeitlichen Körper, den sie analytisch behandelt. Sie deutet und erklärt die kulturellen Ausdrucksformen, um das Leben, aus dem sie ursprünglich hervorgegangen sind, sichtbar zu machen. Kulturwissenschaft analysiert die Abhängigkeit zwischen interner Entwicklungslogik der Ausdrucksformen und externen sozialen Bedingungen. Sie begreift beide Kontexte nicht etwa voneinander getrennt, sondern als miteinander verflochten.

Kulturwissenschaft hat eine doppeltgerichtete Arbeitsperspektive: die synchronische und die diachronischess Forschung. Dafür erklärt sie sowohl Dingbegriffe, Gesetzesbegriffe, wie auch Formbegriffe und Stilbegriffe. Sie reflektiert theoretische Fragestellungen exemplarisch am Beispiel ihrer Erscheinungsformen. Sie erklärt kulturelle Kodifizierungen als Denk- und Handlungsmodelle einer Gesellschaft. Kulturwissenschaft definiert die Spezifität des Ausdrucksmediums und fragt nach der Logik der Ökonomie, der Kunst, der Geschichte, der Öffentlichkeit, der Politik, des Raum und der Räume etc. als strukturierende Elemente einer kulturellen Gemeinschaft. Zu ihren Stärken gehört ihre analytische Reflexion über die Veränderungen der gesellschaftlichen Praxis sowohl in ihren medialen, infrastrukturellen wie auch in ihren technischen Facetten.

Wichtige Personen der Kulturwissenschaft

Literatur

Fachzeitschrift

  • Zeitschrift für Kulturwissenschaften. Hg. von Michael C. Frank, Bettina Gockel, Thomas Hauschild, Dorothee Kimmich, Kirsten Mahlke (Hg.)
Bielefeld: transcript 2007ff. ISSN: 9783-9331.

Aktuelle Handbücher

  • Bachmann-Medick, Doris (2007): Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften (= rowohlts enzyklopädie 55675). 2. Auflage Reinbek bei Hamburg.
  • Aleida Assmann (2006): Einführung in die Kulturwissenschaft. Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen (= Grundlagen der Anglistik und Amerikanistik Bd. 27). Berlin.
  • Jäger, Friedrich und Jörn Rüsen (Hrsg.) (2004): Handbuch der Kulturwissenschaften, drei Bände. Stuttgart.
  • List, Elisabeth und Erwin Fiala (Hrsg.) (2004): Grundlagen der Kulturwissenschaften. Interdisziplinäre Kulturstudien. Tübingen.
  • Reckwitz, Andreas (2000): Die Transformation der Kulturtheorien. Weilerswist.

Literatur

  • Hartmut Böhme, Klaus R. Scherpe: Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 3-499-55575-1
  • Hartmut Böhme, Peter Matussek, Lothar Müller: Orientierung Kulturwissenschaft. Was sie kann, was sie will. 2. Auflage. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-55608-1
  • Elize Bisanz (Hg.): 'Kulturwissenschaft und Zeichentheorien.Zur Synthese von Theoria, Praxis und Poiesis.' Reihe: Methoden der Kulturwissenschaft, LIT-Verlag, 2004, ISBN 3-8258-8085-0
  • Elize Bisanz (Hg.): 'Diskursive Kulturwissenschaft. Analytische Zugänge zu symbolischen Formationen der pOst-Westlichen Identität in Deutschland.'. Reihe: Methoden der Kulturwissenschaft, LIT-Verlag, 2005, ISBN 3-8258-8762-6
  • Manfred Engel: 'Kulturwissenschaft/en – Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft – kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft'. In: KulturPoetik. Zeitschrift für kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft 1 (2001), S. 8-36
  • Ludger Heidbrink, Harald Welzer (Hrsgg.): Ende der Bescheidenheit. Zur Verbesserung der Geistes- und Kulturwissenschaften, Verlag C. H. Beck, München 2007, ISBN-10 3-406-55954-9

Wissenschaftsgeschichte und kulturwissenschaftliche Archäologie

Sonstiges

  • Assimilation - Abgrenzung - Austausch. Interkulturalität in Sprache und Literatur. Hrsg. v. Jürgen Joachimsthaler und Maria K. Lasatowicz. Frankfurt/M.: Lang 2000, ISBN 3-631-34894-0
  • Regionalität als Kategorie der Sprach- und Literaturwissenschaft. Hrsg. v. Instytut Filologii Germanskiej der Uniwersytet Opolski. Frankfurt/M.: Lang 2002, ISBN 3-631-39167-6
  • Csaba Földes: Interkulturelle Linguistik. Vorüberlegungen zu Konzepten, Problemen und Desiderata. Universitätsverlag, Veszprém 2003, ISBN 963-9495-20-4, Edition Praesens, Wien 2003, ISBN 3-7069-0230-3; siehe: http://www.vein.hu/german/Suppl.Volltext.pdf Weblinks
  • Klaus P. Hansen: Kultur und Kulturwissenschaft. Eine Einführung. 3. Auflage. Francke, Tübingen 2003, ISBN 3-7720-2242-1
  • Mey, Marcus: Regionalismus in Großbritannien - kulturwissenschaftlich betrachtet, Berlin 2003: Duncker & Humblot

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