Lorentzkraft auf einen stromdurchflossenen Leiter
Ein elektrischer Strom in einem Leiter besteht aus bewegten elektrischen Ladungen. Befindet sich der Leiter in einem Magnetfeld, wird daher eine Kraft auf ihn ausgeübt.
Wie oben zu sehen ist, ist die Lorentzkraft proportional zur Geschwindigkeit , mit der sich die Ladung durch das Magnetfeld bewegt.
Kraft auf eine bewegte Ladung :
Ist
der Weg, den die Ladung
in der Zeit
zurücklegt, kann man die Geschwindigkeit ausdrücken als
-
Eingesetzt ergibt sich:
Die Stromstärke ergibt sich aus der Anzahl von Ladungsträgern
, die sich pro Zeiteinheit
durch einen Querschnitt des Leiters bewegen:
- , wenn wie hier konstant ist. Umgeformt:
Eingesetzt ergibt sich damit:
Wenn man die Länge von
bei gleicher
Stromstärke verdoppelt, so sind auch doppelt so viele Ladungsträger dem Magnetfeld ausgesetzt, und somit ist die Lorentzkraft doppelt so groß. (Vorausgesetzt das
Magnetfeld ist auf der ganzen Länge hinreichend homogen.)
Die entsprechende Betragsgleichung lautet:
wobei
der Winkel zwischen Leiter und Magnetfeld ist. Die Richtung der Kraft geht aus dieser Gleichung nicht hervor und muss separat hergeleitet werden, vgl. oben, Lorentzkraft auf eine bewegte Ladung.
Im speziellen Fall eines Leiters, der senkrecht zum Magnetfeld verläuft, ist . Damit lässt sich der Betrag der Lorentzkraft besonders einfach berechnen:

Lorentzkraft auf eine bewegte Ladung
Die vom Magnetfeld verursachte Lorentzkraft ist sowohl zu den magnetischen Feldlinien als auch zur Bewegungsrichtung der Ladung senkrecht und lenkt die betroffene Ladung ab, ohne den Betrag ihrer Geschwindigkeit zu verändern. (Beweis folgt über die Ableitung des Betrages nach der Zeit, die das Skalarprodukt aus Beschleunigung und Geschwindigkeit enthält. Dieses verschwindet, da die Kraft (bzw. die Beschleunigung) senkrecht zur Bewegungsrichtung (bzw. der Geschwindigkeit) ist.)
Im allgemeinen Fall berechnet sich der Vektor der magnetischen Komponente der Lorentzkraft mit folgendem Kreuzprodukt:
Wobei
die
Magnetische Flussdichte ist,
die
Elektrische Ladung des Teilchens und
seine
Geschwindigkeit.
Die
Polarität der Ladung
muss durch ein
Vorzeichen berücksichtigt werden; handelt es sich bei der bewegten Ladungen z. B. um ein Elektron, ist
=
−1,602·10−19 C (
negativ). Handelt es sich um positiv geladene Teilchen, ist
und
zeigt damit in die entgegengesetzte Richtung.
Die entsprechende Betragsgleichung (mit als Winkel zwischen und ) lautet:
Wenn sich ein geladenes Teilchen senkrecht zum Magnetfeld bewegt ist
. Damit lässt sich der Betrag der Lorentzkraft besonders einfach berechnen:

Die Drei-Finger-Regel am Beispiel
Während sich bei der Vektorrechnung die Richtung der Kraft automatisch richtig ergibt, muss sie bei der Betragsrechnung separat hergeleitet werden.
Dabei hilft die
Drei-Finger-Regel oder die
Rechte-Faust-Regel. Diese Regeln berücksichtigen – korrekt angewandt – sowohl die Polarität der Ladung als auch deren Bewegungsrichtung im Magnetfeld.
Theorie der Lorentzkraft
Die Lorentzkraft kann als Axiom aufgefasst oder aus der Lagrangeschen Formulierung der Elektrodynamik hergeleitet werden. Das elektromagnetische Feld ist durch das Viererpotential
gegeben. Für die
Lagrangefunktion eines geladenen Teilchens mit Ladung
und Masse
gilt
Hierbei ist die Vierergeschwindigkeit gegeben durch die Ableitung der Koordinaten
nach der
Eigenzeit :
-
mit dem Zusammenhang zwischen Eigenzeit und Zeit im Inertialsystem des Beobachters
mit . Das Prinzip von Hamilton verlangt die Stationarität der Wirkung
und das führt auf die
Euler-Lagrange-Gleichungen
Einsetzen unserer Lagrangefunktion für ein geladenes Teilchen im EM-Feld liefert die Bewegungsgleichung
Hierbei sind die Felder durch
-
definiert und der Impuls lautet
Beispiele
Wenn man im stillstehenden Auto bei laufendem Motor das Licht (oder die Heckscheibenheizung oder beides) einschaltet, sinkt ganz kurz die Drehzahl ab, bis die Motorsteuerung die Drehzahl wieder stabilisiert hat. Das passiert, weil sich die Lichtmaschine plötzlich „schwerer“ drehen lässt. Jede Kraft erfordert eine Gegenkraft. Immer wenn Energie „verbraucht“ wird (in der Glühlampe) muss sie ja irgendwo herkommen. Energielieferant im Auto ist der Kraftstoff. Der Strom, den ein Generator abgibt, kann durch den so genannten Erregerstrom, der über Spulen ein Magnetfeld im Generator erzeugt, gesteuert werden. Ist kein Magnetfeld vorhanden, gibt der Generator keinen Strom ab und benötigt auch keine Antriebsleistung, sondern läuft im Leerlauf. Dort wird nur sehr wenig Leistung zur Überwindung der Reibung benötigt.
Technisch angewandt wird die Lorentzkraft
Auch die Ablenkung des Sonnenwinds durch die Magnetfelder der Erdeen und anderer
Planet ist auf die Lorentzkraft zurückzuführen.
Siehe auch
- Induktionsgesetz – der umgekehrte Weg; Erzeugung von Strom durch Bewegung von Leitern in einem Magnetfeld
Weblinks