Einleitung
Die makroökonomische Analyse versucht die komplexe wirtschaftliche Wirklichkeit auf eine überschaubare Anzahl wesentlicher Zusammenhänge zu vereinfachen. In der Regel wird dabei die Anzahl der betrachteten Märkte auf vier reduziert:
- den gesamtwirtschaftlichen Gütermarkt
- den gesamtwirtschaftlichen Geldmarkt
- den gesamtwirtschaftlichen Arbeitsmarkt
- den gesamtwirtschaftlichen Wertpapiermarkt
Auf dem Gütermarkt wird das homogene Inlandsprodukt gehandelt, das fiktiv in den privaten Konsum, den Staatskonsum, die Investitionen sowie die Importe und Exporte aufgespalten wird.
In der Makroökonomie existieren verschiedene Erklärungsansätze. Es lässt sich indessen rechtfertigen, letztlich nur von zwei Erklärungsmustern (Paradigmen) zu sprechen. [ Ulrich Basseler, Jürgen Heinrich, Burkhard Utecht: Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft 18. Auflage. Schäffer Poeschel, Stuttgart 2006, S. 298 ] Auf der einen Seite steht die klassische Makroökonomik die durch den Monetarismus und die Neue Klassische Makroökonomik neu begründet und verfeinert wurde. Auf der anderen Seite steht der Keynesianismus.
Inhalte der Makroökonomie
Kurzfristige Betrachtung

Der einfache Wirtschaftskreislauf zwischen Haushalten und Unternehmen
In der kurzfristigen Sicht wird in der Regel unterstellt, dass sich der Bestand der Produktionsfaktoren (Arbeit, Boden, Kapital und technisches Wissen) im betrachteten Zeitraum nicht ändert. Ausserdem wird häufig davon ausgegangen, dass Güterpreise und/oder Geldlöhne starr sind.
In den Modellen der Gleichgewichtstheorie ergibt sich ein Marktgleichgewicht durch die Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage nach einem Gut. Über den Weg zum Gleichgewicht gibt es unterschiedliche Auffassungen: Laut Keynesianismus führt die Nachfrage zu einem Angebot. Gemäß dem Sayschen Theorem wiederum schafft jedes Angebot sich seine Nachfrage.
Eine Volkswirtschaft kann mit Hilfe eines Wirtschaftskreislaufes beschrieben werden. In seiner einfachsten Form unterscheidet das Modell zwei Akteure: private Haushalte und Unternehmen. Die Haushalte konsumieren die produzierten Güter und bieten den Unternehmen ihre Arbeitskraft an. Dem steht der Geldkreislauf gegenüber: Die Haushalte erzielen ein Einkommen aufgrund geleisteter Arbeit und die Unternehmen erzielen durch die Verkäufe ihrer Produkte Einnahmen.
Das Modell lässt sich mit drei Bereichen erweitern: Staat, Vermögensbildung und Ausland.
Das von den Haushalten erzielte Einkommen fließt nicht vollständig als Konsumausgaben zurück an die Unternehmen. Ein Teil geht an die genannten drei Bereiche in Form von Steuern (Staat), Ersparnissen (Vermögensbildung) und Käufen von Importprodukten (Ausland). Neben den Einnahmen aus Produktverkäufen fließen aus diesen drei Bereichen zusätzliche Gelder an die Unternehmen in Form von Subventionen / Staatsausgaben (Staat), kreditfinanzierten Investitionen (Vermögensbildung) und Exporten (Ausland).
Die so dem Kreislauf entzogenen und hinzugefügten Summen müssen insgesamt gleich groß sein:
oder
Die enthaltenen Variablen stehen dabei für folgende Größen:
- S: Ersparnisse (englisch: Savings)
- I: Investitionen
- T: Steuern (Taxes)
- G: Staatsausgaben (Government)
- IM: Importe
- EX: Exporte
Auskunft über den realen Umfang dieser Größen geben die Konten der nationalen Buchhaltung bzw. die
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR). Sie erfasst systematisch alle wirtschaftlichen Transaktionen in einer Volkswirtschaft in einer abgelaufenen Periode (Binnenwirtschaftrechnung) oder mit dem Ausland (Außenwirtschaftsrechnung). Diese
ex-post-Daten bilden die Grundlagen für Prognosen und Analysen.
Durch die Endogenisierung der Investitionsnachfrage und die Einbeziehung des Geldmarktes entsteht das IS-LM-Modell von John Hicks. Verbindende Variable ist der Zinssatz. Es ist eins der zentralen Modelle in der Makroökonomie und beschreibt sehr gut das Verhalten einer Volkswirtschaft bei kurzfristiger Betrachtung.
Mittelfristige Betrachtung
In der mittelfristigen Betrachtung werden die Bestände der Produktionsfaktoren weiter als konstant, die Preise aber als flexibel angesehen, sodass die Märkte über Preisanpassungen geräumt werden. Auch der
Arbeitsmarkt ist durch Angebot und Nachfrage gekennzeichnet. Dennoch besteht ein Unterschied gegenüber den anderen Märkten, da die Arbeitkräftenachfrage sich aus der Höhe des Angebotes von Gütern ableitet. Das Gleichgewicht zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage stellt sich über den Lohnsatz ein. Die Höhe der Löhne hängt dabei auch von der Arbeitsmarktlage ab, eine hohe
Arbeitslosenquote führt eher zu einem niedrigen Lohnniveau, eine niedrige Quote lässt die Löhne steigen.

traditionelle Phillips-Kurve
Modell zur Erklärung des Zusammenhangs zwischen Preisen bzw. Löhnen und der Arbeitslosigkeit ist die
Phillips-Kurve. 1958 beobachtete der Statistiker und Ökonom
Alban W. Phillips einen negativen Zusammenhang zwischen den Größen in Großbritannien. Das Modell wurde seitdem mehrfach modifiziert und erweitert.
Langfristige Betrachtung
Langfristig untersucht die Makroökonomie die
Konjunktur (=Gesamtsituation) von Volkswirtschaften im Zeitverlauf. Die
Konjunktur ist durch Schwankungen gekennzeichnet und durchläuft dabei meist folgende Phasen: Aufschwung, Boom, Rezession und Depression. Diese Schwankungen werden durch
Multiplikator- und Akzeleratoreffekte hervorgerufen und verstärkt.
In der langfristigen Betrachtung sind die Preise in der Regel voll flexibel. Zudem ändern sich die Bestände der Produktionsfaktoren einschliesslich der zur Verfügung stehenden Technik (vgl. Wachstumsmodelle).
Krisen
Wichtige Begriffe der Makroökonomie
Staatsverschuldung --
Automatischer Stabilisator --
Ginikoeffizient -- Sparen --
Okunsches Gesetz --
Sparquote --
Wirtschaftssystem --
Wirtschaftskreislauf --
Einkommen --
Beschäftigung --
Lohnquote --
Preisniveau --
Geld --
Zins --
Währung --
Inflation --
Deflation --
Konjunktur --
Wachstum --
Verteilung --
Außenwirtschaft --
Öffentliche Finanzen --
Nationaleinkommen -- Nationalprodukt --
Volkseinkommen --
Staatsquote --
Steuerquote --
Magisches Dreieck --
Magisches Viereck
Einzelnachweise
Literatur
- Olivier Blanchard/Gerhard Illing: Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson Studium, München 2006.
- Burda/Wyplosz: Makroökonomie: Eine europäische Perspektive (2. Auflage). München Vahlen Verlag 2003 (aus dem engl.: Macroeconomics: A European Text)
- Bernhard Felderer/Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik (9. Auflage). Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-25020-4
- Nicholas Gregory Mankiw: Makroökonomik (3. Auflage). Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7910-2163-X (aus dem engl.: Macroeconomics)
- Nicholas Gregory Mankiw: The Macroeconomist as Scientist and Engineer
(Der Makroökonom als Wissenschaftler und Praktiker). Harvard University. May 2006. (Mankiw behandelt Geschichte und Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis der Makroökonomie. Kurze Zusammenfassung von Thomas Fricke als 'Aufschwung aus dem Archiv'. FTD Freitag, den 26.05.2006 - Seite 30 [1]
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