Form
Verwurzelt im französischen ballet de cour und der masquerade bildet sie eine eigenständige Gattung und ist in England seit 1513 in Gebrauch. Die Masque vereint erstmals Dichtung, Musik, Tanz, Kostüm, Bühneneffekte und Architektur und wurde ausschließlich am Hofe von Angehörigen des Königs aufgeführt. Der Schwerpunkt hierbei lag eher auf den typisch barocken unnatürlichen, pompös-virtuosen Gesängen und Tänzen als auf der dramaturgischen Geschlossenheit, und so waren Drama und Musik noch immer von einander getrennt, denn die Vokal- und Instrumentalmusik hatte keinerlei Anteil an dem dramatischen Geschehen. 1609 fügte der Dichter
Ben Jonson der Masque of Queens als Gegensatz zu der höfischen Masque eine so genannte Antimasque bei, eine parodistisch- groteske, oft auch obszöne Darbietung, die nun mit Berufsschauspielern aufgeführt wurde.
Aufbau
Nach einem einführendem Prolog beginnt der Aufzug der maskierten Darsteller (Masquers). Darauf folgt ein allegorisches Hauptstück (auch mythologischen Inhalts) mit gesprochenen Dialogen, Tanzdarbietungen, Chören (Madrigalen), Sololiedern, Pantomimen und Airs (Lautenliedern). Den Schlussteil bilden der Main Dance (eine Art Ball bei dem die maskierten Darsteller ihre standesgemäßen Partner wählen) und nach der Demaskierung der Schlusstanz, bei dem das Publikum auch mittanzt.
Vertreter und Werke
Wichtige Komponisten der englischen Masque waren die Brüder
Henry Lawes und
William Lawes, Captain Henry Cooke, William Child,
Christopher Gibbons,
Matthew Locke, Monteverdis Schüler Walter Porter und John Blows, und einige von ihnen bemühten sich schon ab 1610 um die Einführung des typisch italienischen stylo recitativo (also des gesprochenen Gesangs). Die Komponisten ließen die Masque sich immer mehr der Oper annähern und bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wurde gelegentlich die Bezeichnung Opera für die Masques verwendet. In dem Maskenspiel „Lovers Made Men“ von 1617 wird erstmals in der Manier der recitative musick gesungen, doch dieser noch näher kommt
Nicholas Lanier „Hero´s Complaint to Leander“ (1628), im Stil italienischer Lamenti (chromatisch abfallende Quarten). Nennenswert als Schauspieldichter der Maskenspiele sind besonders
Ben Jonson (circa 25 Libretti),
John Dryden und
James Shirley, letzterer als der Dichter von „Cupid and Death“ (Musik von Locke und Gibbons), das in der Zeit des Commonwealth erfolgreich war. Auf dem Gebiet der Bühnenbildnerei war
Inigo Jones sehr gefragt. Er nahm sich die pompösen, bewegbaren Bühnenmaschinerien Italiens und Frankreichs zum Vorbild.
Bedeutung
In der Zeit der kulturellen Verboten
Cromwells war die Masque zwar noch erlaubt, jedoch musste sie nach dessen Tode (1658) der aufkommenden Oper das Feld räumen und diente nur mehr als Intermedium oder der volkstümlichen Unterhaltung. War sie mit dem Drama der Nährboden der Oper in England gewesen, hatte sie jedoch keinen weiteren Einfluss auf die englische Musik im Allgemeinen.