wobei die Massen punkt- oder kugelförmig gedacht sind und der Vektor von nach ist. ist die Gravitationskonstante, eine Naturkonstante.
Als träge Masse wird in der newtonschen Mechanik, genauer im zweiten newtonschen Axiom, der Proportionalitätsfaktor zwischen Kraft und Beschleunigung definiert:
-
In diesem Sinne kann sie als von der Kraft abgeleitete Größe betrachtet werden (siehe Ernst Mach).
Dieses Trägheitsgesetz gilt jedoch nicht allgemein. Einerseits gilt es in der Relativitätstheorie nicht mehr, andererseits gilt es nicht für Körper mit zeitlich veränderlichen Massen, wie etwa eine Rakete. Für eine Verallgemeinerung dieses Trägheitsgesetzes zieht man den Impuls heran, der das Produkt von Geschwindigkeit und träger Masse ist. Dann lautet das Trägheitsgesetz:
-
Die Kraft ist demnach die zeitliche Änderung des Impulses. Damit lässt sich die Rückstoßkraft (hier am Beispiel einer Rakete) beschreiben:
Wenn die zeitliche Massenänderung und die Ausströmgeschwindigkeit der Masse aus der Rakete zeitlich konstant sind (das heißt die Beschleunigung der ausströmenden Masse ist null) erhält man als Rückstoßkraft:
-
Das heißt, die Rakete erfährt eine Kraft, die proportional zur Ausströmgeschwindigkeit und zur ausströmenden Masse in einem Zeitintervall ist, obwohl die ausströmende Masse nicht beschleunigt wird.
Eine ausführlichere Behandlung dieses Sachverhaltes findet sich im Artikel Raketengrundgleichung.
Spezielle Relativitätstheorie
Der Begriff der schweren Masse ist in der speziellen Relativitätstheorie unverändert. Diese Theorie befasst sich ausschließlich mit der Dynamik von Körpern und nicht mit der Gravitation.
In der speziellen Relativitätstheorie ist der Impuls nicht mehr proportional zur Geschwindigkeit, und somit das Verhältnis zwischen Impuls und Geschwindigkeit selbst abhängig von der Geschwindigkeit. Der Zusammenhang lautet
- mit
Ein heute noch in der Experimentalphysik und der populären Literatur häufig verwendeter Begriff ist der Begriff der relativistischen Masse , der jedoch in der theoretischen Physik inzwischen als irreführend abgelehnt wird, da diese Masse nicht einfach in das newtonsche Kraftgesetz eingesetzt werden kann. Das Kraftgesetz lautet in der speziellen Relativitätstheorie
Man sieht, dass die Beschleunigung nicht immer in die Richtung der Kraft zeigt. Die Kraft hat nämlich noch eine zweite Komponente, die in Richtung der Geschwindigkeit zeigt. Die träge Masse kann also nicht mehr als Proportionalitätsfaktor von Kraft und Beschleunigung dargestellt werden. Dies hat anfangs zu den Begriffen der longitudinalen und transversalen Masse geführt (für Beschleunigungen in Bewegungsrichtung und senkrecht dazu), die aber heute nicht mehr verwendet werden.
Heute verwendet man die geschwindigkeitsunabhängige Eigenschaft des Körpers als Entsprechung zur oben genannten newtonschen trägen Masse. Sie wird historisch Ruhemasse, in moderner Sprechweise auch invariante Masse oder einfach Masse genannt. Mit der Masse eines Objekts ist heute stets diese Größe gemeint.
Die geschwindigkeitsunabhängige Masse verknüpft die Energie und den Impuls (die von der Geschwindigkeit bzw. dem Bezugssystem abhängen) über die Beziehung
-
Im Ruhsystem des Körpers () wird daraus die berühmte Gleichung , welche die Äquivalenz von Masse und Energie ausdrückt.
Massenerhaltung
Da die Masse als Energieform betrachtet wird, ist die Summe der Massen aller Teilchen in einem System nach der speziellen Relativitätstheorie nicht erhalten. So können sich zum Beispiel ein Elektron und ein Positron, die beide Masse besitzen, zu zwei Photonen (also Lichtquanten) vernichten, die masselos sind.
Für wechselwirkende Teilchen ist die Definition der Einzelmassen ungebräuchlich, da die Wechselwirkung die Energien beeinflusst. Um diese Problematik zu vermeiden, werden die Kräfte zwischen den Teilchen in diesem Kapitel als sehr klein angenommen.
Es lässt sich für ein abgeschlossenes Vielteilchensystem aus Gesamtenergie und Gesamtimpuls eine Erhaltungsgröße mittels
-
berechnen. Dabei sind die Energien der einzelnen Teilchen und ihre Impulse. Die Summen laufen über alle Teilchen des Systems. Diese Größe M wird als invariante Masse des Vielteilchensystems bezeichnet. Sie ist erhalten, weil sie aus den Erhaltungsgrößen Gesamtenergie und Gesamtimpuls aufgebaut ist. Sie entspricht jedoch im allgemeinen nicht der klassischen Gesamtmasse, die als Summe der Massen
-
definiert ist. Dies illustriert, weshalb nach der Relativitätstheorie keine klassische Massenerhaltung gilt. Man sieht auch, dass für verschwindende Impulse die Massenerhaltung zurückgewonnen wird, also
- .
Falls jedoch Photonen zum System gehören, ist es unmöglich, dass alle Impulse klein werden, da für die masselosen Photonen stets gilt. Für einen radioaktiven Zerfall oder die oben genannte Elektron-Positron-Vernichtung ist daher vor dem Prozess die Summe der Massen gleich und nach dem Prozess kleiner als . Es geht also Masse verloren, da im Endzustand Photonen auftreten.
ist dabei die Größe, die man als Masse des Systems misst.
Äquivalenz von Masse und Energie, Massenvielfache
Seit Albert Einstein weiß man, dass die Masse einer Energie äquivalent ist und daher in andere Energieformen umgewandelt werden kann. Außer bei der Kernspaltung, der Kernfusion und bei verschiedenen Experimenten der Elementarteilchenphysik ist jedoch die mit Energieänderungen des Systems einhergehende Massendifferenz weit unterhalb der Messgenauigkeit.
Ein anschauliches Beispiel ist die Betrachtung von Massenvielfachen:
In der klassischen Mechanik gilt: Werden Körper von gleicher Masse zusammengefügt, entsteht ein Körper -facher Masse. Die Summe aller Massen ist eine Erhaltungsgröße.
In der Relativitätstheorie gilt dies aufgrund der Äquivalenz von Masse und Energie nicht mehr. Ziehen sich zwei Körper an, so ist ihre gemeinsame Masse kleiner als die Summe ihrer Einzelmassen. Dies liegt daran, dass ihre Energie aufgrund der Anziehung sinkt, wenn sie sich einander annähern. Dies kann heuristisch so verstanden werden, dass Masse in Bindungsenergie umgewandelt wird. Dies führt dazu, dass sowohl die Einzelmassen als auch die invariante Masse des Systems absinken. Dadurch ist die Masse des Systems kleiner als die Massen der Bestandteile, wenn man sie weit voneinander entfernt.
Dieser Effekt tritt bei elektrisch neutralen Körpern immer auf, da zwischen Körpern mit Masse immer die Gravitation als Anziehungskraft wirkt. Für die Gravitation ist dieser Effekt jedoch weit jenseits der Messungenauigkeit. Die Masse eines Atomkerns ist dagegen deutlich kleiner als die Summe der Masse der Nukleonen wäre, aus denen der Kern zusammengesetzt ist, wenn die Nukleonen nicht wechselwirken würden. Dieser Massenunterschied ist so groß, weil die Nukleonen sich aufgrund der viel stärkeren starken Kernkraft anziehen. Man spricht vom Massendefekt des Kerns.
Dieser Effekt geht auf die Definition der Ruhemasse über
-
zurück, welche direkt einen Massendefekt in einem anziehenden Potential bewirkt. Er ist nicht maßgeblich als Folge der Verwendung der invarianten Masse des Systems zu verstehen, da diese immer größer oder gleich der Summe der Einzelmassen ist.
Allgemeine Relativitätstheorie (ART)
Das Äquivalenzprinzip ist Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie (ART). In ihr wird die Bewegung der Körper im Gravitationsfeld nicht durch eine Kraft, sondern durch die Krümmung der Raumzeit beschrieben. Jeder gravitierende Körper bewegt sich in der Raumzeit geradeaus (genauer: auf einer Geodäte).
Aus der Grundgleichung der ART folgt, dass ein Teil der Krümmung der Raumzeit, beschrieben durch den Einstein-Tensor , proportional zum Energie-Impuls-Tensor ist. Dieser hängt von der in dem betrachteten Raum befindlichen Materie ab und in seine Definition geht unter anderem die Energie und der (Strahlungs-)Druck der betrachteten Materie ein.
Die Definition einer Masse ist in der ART in stark gekrümmten Raumzeiten nicht mehr ohne weiteres möglich und es existieren verschiedene mögliche Definitionen. Eine häufig verwendete Definition ist die ADM-Masse, die für asymptotisch flache Raumzeiten anwendbar ist. Eine Krümmung des Vakuums wird hier mit in Betracht gezogen, Schwarze Löcher haben zum Beispiel eine ADM-Masse.
Eine Reduktion der ART auf den newtonschen Fall erhält man bei einer Näherung für geringe Krümmung.
Ursprung der Massen der Elementarteilchen
Im Standardmodell der Elementarteilchenphysik wird der Ursprung der Massen der Elementarteilchen durch den Higgs-Mechanismus erklärt. Dieser beinhaltet die Wechselwirkung aller massiven Elementarteilchen mit dem so genannten Higgs-Boson, einem bisher noch unbeobachteten skalaren Elementarteilchen.
Die Massen der Baryonen, wozu auch Proton und Neutron gehören, sind viel größer als die Massen der Quarks, aus denen sie bestehen und werden dynamisch erklärt (das heißt aus der Wechselwirkung der Quarks). Ansätze zur Berechnung liefern Gitterrechnungen in der QCD.
Die Baryonen machen den größten Teil der Masse sichtbarer Materie aus.
Sprachgebrauch: Masse und Gewicht
Vielfach werden im alltäglichen Sprachgebrauch die Begriffe Masse und Gewicht vermischt. Dadurch entsteht vielfach ein falscher Eindruck von Masse, der eine Veränderlichkeit der Masse und eine Konstanz des Gewichtes vortäuscht. Als Beispiele für diese beiden Sinnentstellungen sollen hier zwei verbreitete Annahmen dargestellt und die Fehler in der Begrifflichkeit aufgezeigt werden.
„Auf dem Mond ist die Anziehungskraft nur ein Sechstel so groß, das heißt, ein 90 kg schwerer Mensch würde dort nur 15 kg wiegen.“ Der Fehler ist, dass die Masseneinheit Kilogramm als Einheit des Gewichts, also einer Kraft verwendet wird, die korrekt durch die Einheit Newton beschrieben werden müsste. Dadurch, dass die Einheit der Masse verwendet wird, entsteht der falsche Eindruck, die Masse sei ortsabhängig.
„Was ist schwerer, ein Kilogramm Federn oder ein Kilogramm Eisen?“ Diese verbreitete Scherzfrage wirft durch ihre unpräzise Formulierung Probleme auf. Kilogramm ist die Einheit der Masse, der Ausdruck 'Was ist schwerer' bezeichnet jedoch die Frage nach dem Gewicht (wieviel eine Waage anzeigt). Man kann natürlich das Kilogramm Federn auf dem Mond wiegen und das Kilogramm Eisen auf der Raumstation ISS. Dann wäre ein Kilogramm Eisen „leichter“, hätte also ein kleineres Gewicht, nämlich gar keines. Geht man davon aus, dass der Fragesteller meint, dass das Gewicht beider Massen am selben Ort auf der Erde gemessen wird, hat man noch immer nicht alle Probleme umgangen.
Wenn man nämlich das Gewicht dieser Massen mit einer Waage in ganz normaler Luft zu messen versucht, misst man nicht nur das reine Gewicht, sondern auch alle anderen Kräfte, die auf die beiden Massen wirken. Dabei sorgt die Auftriebskraft der Luft dafür, dass die Federn wegen des größeren Volumens (mehr Luft) „leichter“ sind, also die Waage ein kleineres Gewicht anzeigt. Wenn man annimmt, dass der Fragesteller nicht voraussetzt, dass die Messung im Vakuum stattfindet, ist die Antwort 'gleich schwer' auf diese Scherzfrage falsch. Ein Kilogramm Federn ist leichter als ein Kilogramm Eisen, wenn man sie auf der Erde in Luft wiegt.
Der Denkfehler liegt darin, dass man Mengen Eisen und Federn meint, bei denen eine Waage denselben Messwert für die (Gewichts-)Kraft anzeigt. Da Waagen jedoch die Kraft meist nicht in Newton angeben, sondern fälschlicherweise in Kilogramm, entsteht der falsche Eindruck, sie würden Massen messen. Das „Kilogramm“, das der Fragesteller meint, entspricht also nicht wirklich der Masse von einem Kilogramm, sondern einer Kraft in Richtung Erdmitte von 9,81 Newton. Die Annahme, die die Grundlage der Scherzfrage darstellt, diese Mengen müssten das gleiche Gewicht haben, weil sie die gleiche Masse haben, und die von einer Waage gemessene Kraft sei also gewissermaßen eine konstante Größe, ist also falsch.
Siehe auch
Literatur
Weblinks