Leben

Steno verwendete dieses Bild aus einem unveröffentlichten Katalog des Vatikans 1667 in seiner Abhandlung Canis carchariae dissectum caput, um zu zeigen, dass die „Zungensteine“ fossile Haizähne sind
Steno wurde in Dänemark geboren, besuchte von 1648 bis 1656 die Liebfrauenschule in Kopenhagen und studierte schließlich Medizin bis 1659, reiste dann erst nach
Leiden in die Niederlande, später nach
Paris,
Montpellier und
Pisa und traf dort die führenden Ärzte und Wissenschaftler seiner Zeit.
Unter anderem entdeckte er 1660 den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse.
Nach weiterem Studium in Florenz wurde er schließlich Erzieher am Hofe der Medici in Florenz.
Zwischen 1668 und 1670 befand er sich auf einer geologischen Forschungsreise durch Südeuropa und kehrte schließlich zurück nach Florenz und schrieb dort seine ersten theologischen Schriften.
Als Lutheraner erzogen, konvertierte Steno im November 1667 in Italien zum Katholizismus und wurde an Ostern 1675 zum Priester, 1677 zum Bischof geweiht. In seiner Zeit als Priester (1675-77) hielt er sich erneut in Florenz auf und wirkte dort als Erzieher des Erbprinzen. Von 1679 bis 1682 war er Weihbischof von Münster und Paderborn von 1680 bis 1683 Stiftsdechant in der Ludgerikirche in Münster. Eng verbunden war er mit dem aufklärerischen Fürstbischof von Paderborn und Münster Ferdinand von Fürstenberg. Während dieser Zeit weihte er am 17. September 1681 Bernardus Cuelmann zum 39. Abt von Marienfeld.
Nach seiner Bischofsweihe in Rom war er fortan seelsorgerisch für die versprengten Reste katholischer Gemeinden in Norddeutschland und Skandinavien (Apostolisches Vikariat des Nordens) verantwortlich. Seine bis heute andauernde Verehrung gründet in der großen Geduld und Ausdauer, mit der er diese Aufgabe unter inner- und außerkirchlichen Schwierigkeiten und in zunehmender Vereinsamung erfüllte.
Nicolaus Steno starb 1686 in Schwerin. Als sein letztes Wort ist das Gebet überliefert: Jesus, sis mihi Jesus – „Jesus, sei mir Retter“.
Er wurde in der Grabkapelle der Basilika San Lorenzo in Florenz beigesetzt. Fast dreihundert Jahre später, am 23. Oktober 1988, wurde Nicolaus Steno durch Papst Johannes Paul II auf maßgebliches Betreiben von Bischof Heinrich Theissing selig gesprochen (siehe auch Niels-Stensen-Kirche (Grevesmühlen)).
Wissenschaftliche Arbeiten
Steno wurde bekannt für sein eigenständiges Studium der Natur und die Abkehr von der Berufung auf überkommene Autoritäten.
Anatomie
Steno untersuchte und beschrieb als erster die
Tränen- und
Speicheldrüsenn des menschlichen Körpers und unterschied
Drüse von
Lymphknoten. Er beschrieb das Ausführungsgangsystem der
Glandula parotidea, den Ductus parotideus. Dieser wird unter Klinikern auch als Ductus stenonianus bezeichnet.

Titelblatt von De solido
Mineralogie
Bei der Untersuchung von
Quarz entdeckte Steno das Gesetz von der Winkelkonstanz, also die Tatsache, dass die Oberflächen der
Kristalle immer im selben Winkel zueinander stehen, und zwar unabhängig von ihrer Größe oder Form. Er schlug daraufhin vor, dass dies eine Eigenschaft aller Mineralkristalle ist, und legte damit das Fundament für die moderne
Kristallographie.
Geologie und Paläontologie
Auf Steno geht die Einsicht zurück, dass
Fossilien die Überreste einst lebender Organismen und nicht etwa natürliche Gesteinsauswüchse darstellen, wie dies zu seiner Zeit noch vielfach angenommen wurde.
Steno leistete einen zentralen Beitrag zur Entstehung der Geologie. In seinem bedeutendsten Werk De solido intra solidum naturaliter contento dissertationis prodromus (Vorläufer einer Abhandlung über Festes, das in der Natur in Festem eingeschlossen ist) entwickelte er als erster eine auf wissenschaftlicher Basis stehende Theorie zur Entstehung von Sedimentgesteinen. Nach Steno bildeten sich die Gesteine als horizontal gelagerte Schichten aus im Wasser abgelagertem Material. Die Schichten lagern sich übereinander ab (Superpositionsprinzip). Steno erkannte damit, dass das Alter einer Sedimentschicht nach oben hin abnimmt, da sich immer jüngere Schichten auf älteren ablagern. Die Existenz von Sedimentgesteinen mit bis zu senkrecht verlaufender Schichtung und schweren Verwerfungen erklärte Steno korrekt durch Deformationen, die nach der Bildung der Schichten stattgefunden haben mussten.
Werke
- Observationes anatomicae (1662)
- De musculis et glandis (1664)
- Discours sur l`anatomie du cerveau (1665)
- De solido intra solidum naturaliter contento dissertationis prodromus (1668)
- Prodromus (1671)
Literatur
- Hermann Wieh: Niels Stensen - Sein Leben in Dokumenten und Bildern. Würzburg 1988
- Frank Sobiech: Herz, Gott, Kreuz. Die Spiritualität des Anatomen, Geologen und Bischofs Dr. med. Niels Stensen (1638-86). Westfalia sacra, Band 13. Münster 2004
- Alan Cutler: Die Muschel auf dem Berg. Über Nicolaus Steno und die Anfänge der Geologie. Albrecht Knaus Verlag, München, 2004, ISBN 3-8135-0188-4
Weblinks