Definition
Unter
Normalnull versteht man die Höhen
bezugsfläche für normal-orthometrische Höhen, die durch den
Normalnullpunkt verläuft. Diese ist weder eine
Äquipotentialfläche des Schwerefeldes noch eine des
Normalschwerefeldes. Der
Normalnullpunkt liegt 37,000 Meter unter dem an der früheren
Berliner Sternwarte eingerichteten
Normalhöhenpunkt. Der
Normalhöhenpunkt (
NH) ist 1879 durch Nivellements mit einer Unsicherheit von +/- 1 Dezimeter vom
Amsterdamer Pegel abgeleitet worden. Er wurde 1912 wegen Abbruchs der Sternwarte durch mehrere Punkte in
Hoppegarten bei Berlin ersetzt.
Eine
Höhe über Normalnull (
ü. NN) ist der
lotrechte Abstand vom Normalnull.
Normalnull im DHHN
Das Deutsche Haupthöhennetz von 1912 (DHHN12) bezog sich auf Normalnull. Beim Anlegen des Netzes wurden keine Schweremessungen durchgeführt. Die Schwerekorrektion wurde stattdessen mit der einfach zu berechnenden
Normalschwere durchgeführt. Die so abgeleiteten Höhen werden normal-orthometrische Höhen genannt. Die Normalnullfläche nähert das
Geoid nur schlecht an - im Hochgebirge kann es zu Abweichungen von mehreren Dezimetern kommen. Außerdem kommt es bei der Bestimmung von Höhen auf verschiedenen Wegen neben den kleinen zufälligen Fehlern zu modellbedingten Abweichungen, den sogenannten
theoretischen Schleifenabschlussfehlern. In den 1980er Jahren wurde in der Bundesrepublik Deutschland daher die Umstellung des Höhensystems auf ein physikalisches Höhenmodell, den orthometrische Höhen, beschlossen (DHHN85). Das als Bezugsfläche dienende Geoid sollte weiterhin Normalnull genannt werden. Dieses Höhensystem wurde nur in wenigen Bundesländern umgesetzt und wird dort auch vom DHHN92 abgelöst.
Höhensysteme in der DDR
In der
Deutschen Demokratischen Republik verwendete man, wie auch in vielen weiteren Ländern des
Ostblocks, Normalhöhen. Diese basieren auf einem Modell des sowjetischen Geophysikers
Michail Sergejewitsch Molodenski und weisen ebenfalls keine Schleifenabschlussfehler auf. Die Höhenbezugsfläche wird
Höhennormal (
HN) genannt. Als
Datum galt von 1958 bis zur Einführung des gesamtdeutschen Höhensystems NHN der rund 14 Zentimeter niedrigere
Kronstädter Pegel. In
Ost-Berlin, beim Höhensystem der
Deutschen Reichsbahnnn und an den
Binnenwasserstraße wurden in der DDR unverändert NN-Höhen weiter verwendet.
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Torge: Geodäsie. 2. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-017545-2
Weblinks