Arten
Nach dem Zweck des Aufenthalts am Zielort können insbesondere folgende Grundtypen unterschieden werden:
Urlaubsreise
Urlaubsreisen dienen primär der Erholung und Freizeitgestaltung. Wenn Reisende selbst sie planen, sind es Individualreisen - standardisierte Angebote von Reiseveranstaltern dagegen
Pauschalreisen. Letztgenannter Typ ist häufig, aber nicht zwingend eine
Gruppenreise.
Je nach Neigung, Interessesenn und Bedürfnis gibt es eine Vielfalt von Reisearten. Primär Erholungszwecken dienen etwa Bade-, Wander- und Ski-, aber auch Gesundheits-, Wellness- und kulinarische Reisen. Aktiver sind Sport- und Abenteuer- und für Menschen mit vorwiegend kulturellen Bedürfnissen die Studien- oder Bildungsreisen; spezielle Ausprägungen sind etwa Sprach-, Städte-, Konzert- oder Opernreisen.
Eine Sonderform der Urlaubsreise stellt die Weltreise dar, bei der man - grob gesehen - einmal die Erdkugel umrundet. Urlaubsreisen sind beliebte Preise etwa bei Gewinnspielen, werden aber auch von Arbeitgebern als Belohnungen für besonders erfolgreiche Mitarbeiter eingesetzt (sog. Incentive-Reisen).
Geschäftsreise
Wirtschaftlichen Zwecken dient die Geschäftsreise. Neben dem Aufsuchen von Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern etc. etwa zum Zwecke von Besprechungen, Beratungen und Verhandlungen sind insbesondere die Messe- und Fortbildungsreisen zu nennen. Sie werden überwiegend individual von Einzelpersonen oder kleineren Gruppen durchgeführt.
Pilgerreise
Aus religiöser Motivation werden Pilgerreisen unternommen. Häufig dienen sie dem Aufsuchen geheiligter Stätten wie etwa
Rom,
Jerusalem,
Lourdes oder Mekkaen, aber auch von Veranstaltungen wie etwa den
Kirchentag. Mitunter werden Pilgerreisen als religiöse Pflicht vorgeschrieben (die
Hadsch im Islam), zumindest verheißen sie den Gläubigen aber Seelenheil, spirituelles Wachstum, Vergebung von Sünden, Heilungen von Gebrechen und ähnliches.
Missionsreise
Im Gegensatz dazu steht bei der Missionsreise nicht das Heil des Reisenden selbst, sondern der „Besuchten“ im Vordergrund. Sie dient der Ausbreitung des Glaubens. Besonders aktiv waren und sind in diesem Bereich die
christlichen Kirchen sowie der
Islam.
Forschungsreise
Wissenschaftliche Ziele verfolgen schließlich die Forschungsreisen (auch:
Expedition). Teils dienen sie der bloßen Konsultation in fremden Städten befindlicher Bibliotheken und Archive, häufig werden aber auch Ausgrabungen, Baudenkmäler, Gesteinsformationen, fremde Tier- und Pflanzenarten und dergleichen untersucht. Das Urbild des Forschungsreisenden stellt
Alexander von Humboldt dar, der Anfang des 19. Jahrhunderts
Mittel- und
Südamerika erkundet hat. Weitere Beispiele sind der Polarreisende
Giuseppe Acerbi sowie später der Tibetforscher
Heinrich Harrer.
Entdeckungsreise
Mit sogenannten
Entdeckungsreise sind etwa
Marco Polo,
Christoph Kolumbus,
Vasco da Gama,
Ferdinand Magellan und
James Cook in bis dahin (den Europäern) unbekannte Teile der Welt vorgestoßen. Heute ist dieser Reisetyp weitgehend nur noch von historischer Bedeutung, was damit zusammenhängt, dass die Erde heutzutage weitgehend als erkundet und vermessen gilt. Ausnahmen mag es noch in unzugänglichen Gebieten etwa am Amazonas oder im Himalaya geben.
Zeitreise
Eine Zeitreise ist eine Bewegung in der Zeit, welche vom gewöhnlichen Zeitablauf abweicht. Obwohl gewisse Zeitreisen zwar physikalisch prinzipiell möglich sind, übersteigt ihre praktische Durchführung das Menschenmögliche bei weitem. Siehe auch
Zeitreise
Motivation
Während bei den meisten der genannten Reisearten die Motivation klar zutage tritt, ist sie speziell bei den Urlaubsreisen in erheblichem Maße diversifiziert. Insbesondere stellt sich die Frage, was Menschen dazu treibt, zum Zwecke der Erholung und Freizeitgestaltung gerade auf Reisen zu gehen.

Beginn vieler Reisen: Die Flugreise (Foto: Airbus A380
)
Genannt werden als Motive insbesondere:
- Physische Motivation: Viele Menschen reisen, um sich zu erholen und zu entspannen.
- Psychische Motivation: Zum anderen gibt es solche, die zur Entlastung, Selbstfindung oder aus Abenteuerlust reisen.
- Interpersonelle Motivation: Gesellige Menschen gehen auf Reisen, um Gruppenerfahrungen zu sammeln.
- Kulturelle Motivation: Außerdem gibt es auch eine Menge von Menschen, die sich während ihres Reisens bilden und an dem Kennenlernen fremder Kulturen interessiert sind (speziell: Studienreise).
- Status- oder Prestigemotivation: Ferner gibt es Reisende, die durch ein bestimmtes Reiseverhalten ihr Ansehen oder ihre Anerkennung steigern wollen. Schon 1873 übertrieb Theodor Fontane: 'Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede.'
Gerhard Schulze stellt einen Zusammenhang der Reisemotivationen mit den einzelnen
soziologischen Milieus her:
- Dem vom sog. Hochkulturschema geprägten Niveaumilieu gehören vorwiegend Menschen der gehobenen Bildungsschichten an, die insbesondere nach Etablierung im Berufleben und/oder nach abgeschlossener Kindererziehung („die Kinder sind aus dem Haus“) nun primär nach Bildung und persönlicher Entwicklung, weniger nach Amusement streben. Dementsprechend entscheiden sie sich vorwiegend für Bildungs- und Studienreisen und besuchen etwa Kirchen und Museen, aber auch „pittoreske“ Landschaften und Städte. Abgelehnt werden etwa Touristenmassen, Lärm und Unterhaltungsbetrieb.
- Eher die jüngere Generation neigt verstärkt dem – ebenfalls am Hochkulturschema teilhabenden - Selbstverwirklichungsmilieu zu. Man schätzt vor allem „untouristische“ und „unverdorbene“ Orte „abseits ausgetretener Pfade“. Als klassische Reiseziele dieser Gruppe gelten etwa abgelegene Dörfer in Burgund oder der Toskana, aber auch exotische Gegenden wie der Himalaya.
- Durch eine Kombination von Hochkultur- und Trivialschema ist das vorwiegend von Angehörigen der mittleren Bildungsschicht formierte und in besonderem Maße zu Konformität neigende sogenannte Integrationsmilieu gekennzeichnet. Geschätzt werden erprobte und bekannte, durch eine gut ausgebaute Infrastruktur erschlossene Orte wie etwa die Sonnenküsten rund um das Mittelmeer, aber auch die österreichischen Berge und Seen. Gleichwohl werden in geringerem Maße auch Elemente der klassischen Bildungskanons wie etwa die Studienreise nach Paris integriert.
- Jüngere Menschen aller gesellschaftlichen Schichten versammeln sich schließlich im Aktionsmilieu, das vom Spannungsschema geprägt ist. In ihrem Reiseverhalten streben sie vor allen Dingen nach Dynamik, Abwechslung und körperlicher Bewegung. Geschätzt werden Orte, wo „etwas los“ ist, etwa die Diskotheken der Badeorte, „actionträchtige“ Metropolen wie Berlin oder London, aber auch Abenteuer- und Sportreisen. Auf der Jagd nach immer neuen Reizen werden gerne große Strecken zurückgelegt, insbesondere etwa auch durch Trampen oder Interrail.
- Im auf dem Trivialschema fußenden Harmoniemilieu schließlich finden sich vorwiegend ältere Menschen der einfacheren Bildungsschichten. Soweit überhaupt verreist wird, sucht man vorwiegend Ruhe, Erholung und Geborgenheit, insbesondere an bereits bekannten und vertrauten Orten im eigenen Land bzw. Sprachgebiet wie etwa dem Schwarzwald oder Südtirol. Das Freizeitprogramm besteht etwa aus Spaziergängen und Wanderungen, aus Badeaufenthalten und Heimatabenden.
Dauer
Nach der
Reisedauer unterscheidet man heute wissenschaftlich folgende Reisearten:
- Tagesausflüge (höchstens 24 Stunden ohne Übernachtung)
- Kurzreisen (Reise von zwei bis vier Tagen Dauer)
- Urlaubsreisen (alle Reisen mit mehr als vier Tagen Dauer)
- Langzeitreisen (alle Reisen mit mehr als drei Monaten Dauer)
Ablauf
Buchungsphase
Ursprünglich wurden die einzelnen Bestandteile wie Fahrt, Unterkunft etc. vom Reisenden unmittelbar bei den jeweiligen Leistungserbringern (Verkehrsunternehmen, Beherbergungsbetriebe) gebucht. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Buchung indes zunehmend, insbesondere bei Pauschalreisen, über Vermittlung eines Reisebüros. Seit dem Aufkommen des Internets ist insofern eine gewisse Umkehrung des Trends zu beobachten, als nun wieder verstärkt der Kunde selbst die Leistungen auf den Website der Anbieter auswählt und online bucht. Mit Hilfe von Reisesuchmaschinen können Angebote durchsucht werden. Google tut sich mit einer eigenen Reisesuchmaschine ('Troogle') noch schwer, auf der amerikanischen Seite des Suchmaschinenbetreibers gibt es allerdings bereits erste Ansätze für eine solche Funktion.
Verkehrsmittel
Klassische Reiseverkehrsmittel sind Kraftfahrzeuge (auch in Form des Trampenses),
Omnibus, Eisenbahnen (einschließlich
Autoreisezügeee), Schiff (einschließlich
Fähren) sowie
Flugzeuge. Zu den Verkehrsmitteln, die über die reine Transportfunktion hinaus (auch) dazu genutzt werden können, über eine längere Zeit einen eigenen Erlebniswert zu vermitteln, gehören
Fahrräder, Motorräder, aber auch Schiffe (
Kreuzfahrt,
Flusskreuzfahrt,
Frachtschiffreise,
Segeltörn, Floßfahrt etc.) und Eisenbahnen. Seltener werden hierzu auch Tiere genutzt, wie z.B. Pferde, Esel, Kamele oder Elefanten. Eine Kombination aus Verkehrsmittel und Unterkunft stellen
Wohnwagen,
Hausbootess,
Rotel und Dachzeltbusse dar.
Unterkunft
Der Aufenthalt am Zielort erfolgt klassischerweise in
Hotels oder
Pensionennn, bei jüngeren Reisenden auch in
Jugendherberge. Daneben haben sich Sonderformen wie das
Camping und das Reisen mit dem
Wohnmobil etabliert. Eine besonders neue Reiseform sind die erst durch das Internet wirklich populären
Gastfreundschaftsnetzwerke.
Die Reise in Literatur und Kunst
Stets hat die
Reise auch ein zentrales Motiv in Literatur und Kunst dargestellt, häufig tragen sie dort ganz oder teilweise immaginäre und phantastische Züge. Frühe Beispiele sind Homers Odyssees bzw.
Vergil Aeneis, die die Irrfahrten der namensgebenden Titelfiguren nach dem Fall
Trojas beschreiben. Als zentrale Figur aus dem arabischen Kulturkreis sei
Sindbad, der Seefahrer aus der Sammlung
Tausendundeine Nacht genannt, als Vertreter des europäischen Mittelalters die Pilger aus
Chaucers Canterbury Tales. Zu erwähnen sind weiter Jonathan Swifts
Gulliverss, zahlreiche Romane
Jules Verne (
Reise um die Erde in 80 Tagen,
5 Wochen im Ballon etc.) sowie Max Frischs bewegter Roman
Homo faber.
Von der erwähnten fiktionalen Literatur zu unterscheiden sind die Reiseberichte, in denen die Autoren ihre eigenen Erlebnisse auf Reisen schildern. Bedeutendstes Werk der Gattung dürfte Goethes Italienische Reise sein. Weitere wichtige Beiträge zum Genre kamen etwa von Heinrich Heine (Harzreise), Hermann von Pückler-Muskau, Gustave Flaubert (beide Orient), Hermann Hesse (Indien, Italien) und anderen.

An Bord einer Boeing 747
Sonstiges
Der Ruf '
Reise, Reise!' war auf Segelschiffnen das Signal zum Aufstehen für die
Matrose (heute nur noch in der Marine gebräuchlich). Es hatte seinen Ursprung im englischen Wort
rise, sich erheben, aufstehen.
Geschichtlich gesehen stammt der Ausdruck Reise vom altdeutschem Wort Reisa ab und bedeutete damals soviel wie 'auf Fahrt gehen oder Aufbruch' und stand damals für 'auf Kriegszüg gehen'.
Siehe auch
- Portal_Tourismus und Sehenswürdigkeiten
- Tourismus, Tourismuswissenschaft, Geschichte der Tourismusforschung
- Länder, Kontinente
- Reisebüro, Reiseveranstalter, Mitfahrzentrale, Reisebericht, Reisefotografie, Reiserecht, Reiseführer, Reiseliteratur, Reiseleiter, Fahrt, Personenverkehr
- Seniorenreise
Literatur
- Alain de Button: Kunst des Reisens. Frankfurt 2003, ISBN 3596158044
- Christoph Hennig: Reiselust. Frankfurt 1999, ISBN 3518395017
- Willy Puchner: Illustriertes Fernweh. Vom Reisen und nach Hause kommen. 2006, ISBN 3-89405-389-5
- Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Hamburg 2005, ISBN 3593378884
- Udo Tworuschka: Heilige Wege. Frankfurt/Main 2002.
Weblinks