Klassische Definition
Die Römische
Oligarchie war im obigen Sinne nicht
demokratisch jedoch republikanisch. Die klassische Definition der Republik lautet unter Anderem:
Geschichte
Erste Ansätze einer am Gemeinwohl orientierten Gesellschaft erschienen in der
Πολιτικά des
Aristoteles. Er teilte die sechs ihm bekannten Herrschaftsformen in zwei Kategorien:
Dabei muss beachtet werden, dass das damalige Verständnis dieser Herrschaftsformen vom heutigen um einiges abwich.
Die Republik als politisches Konzept zur Lenkung des Gemeinwesens und als Bezeichnung desselben tauchten erstmalig mit der antiken Römischen Republik auf. Ihre Entstehung hat die Republik im wesentlichen dem auch heutzutage noch zu beobachtenden Phänomen zu verdanken, dass große oder gar uneingeschränkte Macht in den Händen eines einzelnen nicht selten zum Zweck persönlicher Bereicherung eingesetzt wird, einhergehend mit Unterdrückung und Ausbeutung der Beherrschten.
Eine solche Situation führte ca. 500 v. Chr. zum Aufstand der Bevölkerung Roms gegen die königliche Herrschaft und zur Vertreibung des letzten römischen Königs Lucius Tarquinius Superbus. Es wurde beschlossen, fortan niemals wieder einen König (lat. rex) zu dulden. An seiner Statt wurden Konsuln (v. lat. consules „Berater“) zur Führung des Gemeinwesens bestimmt, deren Macht mehrfach begrenzt war: Zum einen wurden sie vom Senat lediglich für ein Jahr gewählt (Prinzip der Annuität). Zum anderen wurden für jede Amtsperiode zwei Konsuln bestimmt (Prinzip der Kollegialität), wenngleich jeder mit voller Gewalt ausgestattet war. Zunehmend wurden die Konsuln ermächtigt, für gewisse Aufgaben Gehilfen einzusetzen.
Parallel zur römischen Republik entwickelte sich die Attische Demokratie in Griechenland, die von 461 bis 322 v. Chr. bestand.
Neuzeit
Niccolò Machiavelli unterschied die Staaten der Welt ausschließlich in Republiken und Monarchien. Zu Zeiten der nordamerikanischen und französischen Revolution wurde die Republik als Gegenmodell zur
unmittelbaren Demokratie verstanden. Ihr sollten die
Prinzipien der Repräsentation und die Trennung von
gesetzgebender und
ausführender Gewalt anhaften. In der Lehre
Rousseaus sollte das kein Widerspruch zur Monarchie sein: So verweist er in einer nicht in jede Übersetzung übernommenen Fußnote seines 'Gesellschaftsvertrages' explizit darauf, dass auch eine Monarchie republikanisch sein kann. Für Rousseau ist das entscheidende Kriterium einer republikanischen Regierung ihre Gesetzmäßigkeit.
(Rousseau, Du contrat social, Livre II chap.6).
Mit der Etablierung des Begriffs der Repräsentativen Demokratie lösten sich die demokratischen Elemente vom Republikbegriff. Dieser beschränkt sich heute auf die Abschaffung der Monarchie und die Ausrichtung des Gemeinwesens nach dem Gemeinwohl.
Formen der Republik
Der Begriff
Republik beschreibt den Grundtyp einer
Staatsform, die auf das Gemeinwohl orientiert ist und Bezug auf den Volkeswillen hat. Auch die Rechtlichkeit ist ein Bestandteil der Republik. In der Antike schlossen sich Republik und Monarchie nicht aus, sondern Republik und Tyrannis schließen sich aus. Das römische Kaiserreich sah sich weiterhin als Republik. Erst im Zuge der Französischen Revolution entstand das antimonarchische Verständnis des Begriffes. Durch die Hinrichtung König Ludwig XVI wurde dieser Charakter der Unvereinbarkeit von Monarchie und Republik geprägt. Seither wird dies als der Hauptcharakter einer Republik gesehen.
Wie die Republik im Inneren ausgestaltet ist, kann jedoch von Staat zu Staat abweichen. Häufig kommen Republiken mit demokratischer Regierung vor, so zum Beispiel die
Bundesrepublik Deutschland. Das muss aber nicht so sein. Das Merkmal
republikanisch sagt nur aus, dass kein Monarch den Staat regiert. Sämtliche andere Herrschafts- und Regierungsformen sind denkbar. Die Mitbestimmung des Volkes bei der staatlichen Willensbildung ist nicht zwingend notwendig.
Im Gegensatz dazu können auch Monarchien sehr demokratisch sein. So zum Beispiel ist das Vereinigte Königreich eine konstitutionelle Monarchie, die demokratisch regiert wird. Trotz Demokratie handelt es sich nicht um eine Republik (siehe zur Abgrenzung: Monarchie). Mit der Bezeichnung der Staatsform wird keine Aussage zur Qualität der vorherrschenden demokratischen Mitbestimmung getroffen.
Eine Zuordnung verschiedener Formen der Republik zu Staaten der Gegenwart und der Vergangenheit findet sich unter Liste von Republiken.
Demokratische Republik
Sowohl das Staatsoberhaupt als auch die Volksvertreter werden in einer demokratischen Republik auf Zeit vom Wahlvolk gewählt. In der Regel haben demokratische Republiken ein repräsentatives demokratisches Regierungssystem.
Präsidialrepublik
Bei einer
Präsidialrepublik hat ein
Präsident als
Staatsoberhaupt und Regierungschef die
Regierungsgewalt inne.
Semipräsidialrepublik
Für das
semipräsidentielle Regierungssystem existiert eine zweiköpfige
Exekutive, aus Präsident und
Ministerpräsident, wie sie für ein
parlamentarisches Regierungssystem typisch ist. Allerdings haben in Gegensatz zu diesem
Regierungssystem beide signifikante
Macht.
Republik im deutschen Verfassungsrecht
Schon die
Weimarer Reichsverfassung schrieb das republikanische Prinzip als Staatsform verbindlich fest (Artikel 1 Absatz 1 WRV). Es symbolisierte die Abkehr vom (vormaligen)
Kaiserreich,aber auch stellt es eine Absage an den Typus der Räterepublik dar. Der republikanische Gedanke wurde ins
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland übernommen. Das republikanische Prinzip taucht allerdings explizit nur in Artikel 20 Absatz 1 auf: „Die Bundes
republik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Dabei hat der Wortbestandteil
Republik in Artikel 20 Absatz 1 einen normativen Charakter.
In Verbindung mit der Ewigkeitsgarantie aus Artikel 79 Absatz 3 des Grundgesetzes ist die Monarchie auf Dauer ausgeschlossen. Auch ist eine Monarchie in den Bundesländern durch Artikel 28 Absatz 1 GG ausgeschlossen.
Volksrepublik
Eine Volksrepublik ist ein Staat mit einer (nach dem Verständnis der entsprechenden Regierungen)
sozialistischen oder
kommunistischensstandessstandes Regierungsform. Die Mitglieder der Regierung werden in der Regel nach bürokratischem Schema ausgewählt. Ein meist unverzichtbares Kriterium ist die Angehörigkeit zur untersten Gesellschaftsschicht. Das heißt, Mitgliedern des
Adel oder des
Klerus ist normalerweise der Zugang zu politischen Ämtern verwehrt. Staaten mit dieser Regierungsform bezeichnen sich selbst häufig als
Diktatur des Proletariats.
Räterepublik
Eine
Räterepublik bezeichnet allgemein ein Herrschaftssystem, bei dem die Herrschaft vom Volk über direkt gewählte Räte ausgeübt wird.
Aristokratische Republik
In einer
aristokratischen Republik, einer durch den
Adel (->
Adelsrepublik), das wohlhabende Bürgertum (->
Patrizier) oder bestimmte
Stände (->
Ständeordnung) getragenen Regierungsform, wählt eine privilegierte
Minderheit die Regierung. Fast alle heute in Europa anzutreffenden demokratischen Regierungsformen basieren auf landesspezifischen aristokratischen Vorläufermodellen, bei denen Adel, wohlhabendes Bürgertum oder Kirchenvertreter ein Mitbestimmungsrecht bei der Steuererhebung, Fragen der Gewaltenteilung oder Herrscherwahl hatten. Der Übergang von aristokratischen zu demokratischen Regierungsformen vollzog sich meist in der Form, dass zunächst allen
Bürgern ein
Wahlrecht zugestanden wurde, später dann Unterschiede in der Stimmgewichtung (
Zensuswahlrecht), oder Ausschlüsse von
Bürgerrechten für einzelne Bevölkerungsgruppen (
Sklaven,
Frauen,
Angehörige ethnischer,sprachlicher oder religöser Minoritäten) aufgehoben wurden.
diktatorische Republik
Die
Regierungsform einer Republik wird
Diktatur genannt, wenn das
Staatsoberhaupt faktisch auf Lebenszeit regiert und die Regierung auf einer Zwangsherrschaft beruht. Häufig werden auch Volksrepubliken zu den diktatorisch regierten Republiken gezählt. Die Abgrenzung der Diktatur zur Demokratischen Republik ist oft mit noch größeren Schwierigkeiten verbunden, da nahezu alle Diktatoren vorgeben, im Namen des Volkes zu handeln, und von ihm dazu legitimiert worden zu sein. Es ist - außer in einigen Volksrepubliken - bisher keine Staatsverfassung bekannt, die sich selbst offen als diktatorisch bezeichnet. Die Frage danach, ob ein Staat diktatorisch regiert wird, lässt sich daher nur aus den tatsächlichen Umständen herleiten. Da sich diese Umstände meist nur
subjektiv beurteilen lassen, gehen die Meinungen über das Vorliegen einer Diktatur teils stark auseinander.
Weitere Republikbegriffe
Im Laufe der europäischen Geschichte hat der Republikbegriff viele Wandlungen durchgemacht, die stets einem politischen Einfluss unterworfen waren:
Freistaat
In Deutschland ist auch der Begriff
Freistaat als
Synonym für Republik gebräuchlich. Die deutschen Länder
Bayern,
Sachsen und
Thüringen führen diese Bezeichnung als offiziellen Namensbestandteil, um damit auf ihre republikanische Tradition (seit 1918/19) hinzuweisen. Während der Zeit der
Weimarer Republik war Freistaat eine übliche Bezeichnung der Länder.
Islamische Republik
Staaten mit hohem islamischen Bevölkerungsanteil nennen die Staatsform ihres
Politischen Systems oft
Islamische Republik, wodurch eine Rücksichtnahme auf islamische traditionelle religiöse Wertvorstellungen ausgedrückt werden soll. Eine islamische Republik wird nach islamischen Prinzipien regiert.
Bundesrepublik
Eine
Bundesrepublik ist eine föderalene Republik, ein Zusammenschluss (der
Bund) mehrerer teilsouveräner
Gliedstaat. Das heißt aber nicht, dass es einem der Gliedstaaten ohne weiteres erlaubt wäre, aus einer Bundesrepublik auszutreten, was eine Bundesrepublik bzw. einen
Bundesstaat von einem
Staatenbund (auch Konföderation genannt) unterscheidet.
In Österreich erlaubt das Gesetz einem Bundesland, aus der Republik auszutreten.
Bedeutung in der Russischen Föderation
In der
Russischen Föderation bezeichnet man mit
Republik diejenigen Mitgliedstaaten, die ein höchstmögliches Maß an
Autonomie genießen (siehe auch:
Verwaltungsgliederung Russlands).
Parteienbezeichnungen
In
Deutschland gibt es die Partei der
Republikaner. Sie wird vom Verfassungsschutz als
rechtsextrem eingestuft.
In den
USA findet sich die
Republikanische Partei. Sie wird als rechtsgerichtet und
konservativ bewertet - sie bezieht historisch durch ihren Namen für bürgerliche Tugenden und gegen
Aristokratie Stellung.
Auch der mit der Republik zentral verknüpfte Freiheitsbegriff wird in Zusammenhang mit der Namensgebung von Parteien durchaus sehr divergierend eingesetzt. So treten die
Freien Demokraten Deutschlands (FDP) gerne öffentlich mehr oder weniger für eine Beschneidung der Staatsrechte zu Gunsten von freiem Handeln, Markt und Wettbewerb ein. Als Freiheitlich bezeichnet sich ebenso die
FPÖ und das
BZÖ in
Österreich, die nach Einschätzung von Experten wiederholt als
rechtspopulistisch eingestuft wird. Auch Gruppen des politisch linken Spektrums benutzen den Freiheitsbegriff. Alles in allem ist der Gebrauch der Begriffe 'Republik' und 'Freiheit' kein sicherer Indikator für die politische Ausrichtung einer
Partei, und variiert in seiner Bedeutung im Bezug auf die Gruppierung teils stark.
Übersicht: Mögliche Kombinationen von Staats- und Regierungsform
- Demokratie und Republik: Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich,
- Demokratie, aber nicht Republik: Japan, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen (parlamentarische Monarchien)
- keine Demokratie aber Republik: Volksrepublik China, Syrien, Vietnam, Kuba,
- keine Demokratie und keine Republik: Saudi-Arabien, Brunei
Irreführende Definitionen zur Unterscheidung
Die Begriffe Republik und Demokratie werden häufig unscharf von einander getrennt.
Beispiel: Quelle:
(nach Mayers großes Taschenlexikon):
- Republik: Ggs. zur Monarchie, Staatsvolk ist Träger der Staatsgewalt
- Demokratie: Volk als eigentl. Träger der Staatsgewalt (Mehrheitsmeinung).
Der Begriff Demokratie wird oft in einer missverständlichen Weise benutzt, die vermutlich auf das weitere US-amerikanische Verständnis von
Democracy zurückgeht, d.h. zur Abgrenzung gegenüber Staaten, welche weder eine republikanische Staatsform, noch eine
freie Marktwirtschaft und eine
offene Gesellschaft haben. In dem Zusammenhang wird auch der Begriff westliche oder liberale Demokratie verwendet. So gesehen verstecken sich hinter dem o.g. Demokratiebegriff, wie er v. a. von Medien und Politikern transportiert wird, republikanische Prinzipien.
Zu Beginn der amerikanischen Demokratie bzw. Republik war der Unterschied zwischen den beiden Begriffen von größter Bedeutung. Die damaligen Demokraten wollten in möglichst kleinen Wahlkreisen ihre Geschicke weitgehend selbst bestimmen. Sie hielten die direkte Demokratie der Griechischen polis für ideal. Daher strebten sie an, möglichst alle Macht bei den Staaten zu lassen und den Bund damit ehrer schwach und lose zu halten. Die Föderalisten hingegen befürworteten einen starken Bundesstaat. Ihr Hauptargument gegen die direkte Demokratie war die Gefahr der 'faction'. Eine solche war eine Gruppe von Bürgern, die ihre eigenen kurzsichtigen Interessen über die des langfristigen Gemeinwohls stellt. Die Gefahr, dass solch eine Gruppe sich durchsetzt, sei bei einem kleinen Elektorat erheblich größer, so die Federalists (so etwa im Federalist Paper No 10).
Im Sezessionskrieg verteidigten die Republikaner unter Lincoln die 'Union' gegen die 'Konföderierten' der Südstaaten, wo vor allem Demokraten an der Macht waren. Heute allerdings vertreten sowohl Republikaner und Demokraten republikanisch-bundesstaatliche oder demokratisch-einzelstaatliche Meinungen - je nachdem, ob der Großteil aller US-Amerikaner ihrer Meinung ist, oder nur die Mehrheit in wenigen Bundesstaaten.
Siehe auch: Regierungsform, Römische Republik, Demokratie
Literatur
- Willi Paul Adams, Republicanism in Political Rhetoric before 1776, in Political Science Quarterly, 85(1970)
- William R. Everdell: The End of Kings. A History of Republics and Republicans (1983), rev. ed., Chicago: University of Chicago Press, 2000
- William R. Everdell: From 'State' to 'Free-State'. The Meaning of the Word 'Republic' from Jean Bodin to John Adams, 7th ISECS, Budapest, 7/31/87; in Valley Forge Journal, June, 1991; http://dhm.best.vwh.net/archives/wre-republics.html
- Jürgen Habermas: Drei normative Modelle der Demokratie in: Jürgen Habermas: Die Einbeziehung des Anderen. Studien zur politischen Theorie, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1996
- Wolfgang Mager, Artikel Republik in Geschichtliche Grundbegriffe. historische Lexikon zur politischen-sozialen Sprache in Deutschland, v5, Stuttgart: E. Klett, 1972ff
- Philip Pettit: Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford University Press, 1997
- Jean-Michel Ducomte, La République, Les Essentiels Milan 2002
Weblinks