Umlaufbahn
Der Saturn läuft auf einer annähernd kreisförmigen
Umlaufbahn mit einer
Exzentrizität von 0,05415 um die Sonne. Sein sonnennächster Punkt, das
Perihel, liegt bei 9,021
AE und sein sonnenfernster Punkt, das
Aphel, bei 10,054 AE. Seine Umlaufbahn ist mit 2,484° leicht gegen die
Ekliptik geneigt. Weitere Bahndaten sind das
Argument des Knotens mit 113,71504°, das Argument der Periapsis mit 92,43194° und die
Mittlere Anomalie mit 49,94432° zur
Epoche J2000.0. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt der Saturn ungefähr 29 Jahre und 166 Tage.
[ NASA Saturn Fact Sheet ]
.
Rotation
Die
Rotationsachse des Saturn ist 26,73° gegen seine Umlaufbahn geneigt. Er rotiert nicht wie ein
starrer Körper, sondern zeigt als Gasplanet eine
differentielle Rotation: Die Äquatorregionen rotieren schneller (eine Rotation in 10 Stunden, 13 Minuten und 59 Sekunden) als die
Polregionen (10 Stunden, 39 Minuten und 22 Sekunden). Die Äquatorregionen werden als
System I und die Polregionen als
System II bezeichnet. Aus
In-Situ-Messungen des Saturnmagnetfeldes von
Raumsonden wurde für das Saturninnere eine noch etwas langsamere Rotationsperiode von 10 Stunden, 47 Minuten und 6 Sekunden hergeleitet.
Durch neuere, kombinierte Auswertung von Messdaten, welche die Raumsonden Pioneer 11, Voyager 1 und 2 sowie Cassini-Huygens von der Schwerkraft, den Windgeschwindigkeiten und Radio-Signal-Echos geliefert haben, sind zwei US-amerikanische Wissenschaftler 2007 zu dem Ergebnis gekommen, dass der Saturnkern eine Umdrehung in 10 Stunden, 32 Minuten und 35 Sekunden absolviert und somit um sieben Minuten schneller ist, als bislang gedacht.[John D. Anderson and Gerald Schubert Saturn's Gravitational Field, Internal Rotation, and Interior Structure ]
Demnach müsste der Kern kleiner sein, als vermutet. In Hinsicht der Entstehung des Gasplaneten könnte das für die Scheiben-Instabilitäts-Hypothese sprechen, nach der er aus einer kollabierenden Verdichtung der protoplanetaren Scheibe entstanden ist, und nicht, wie bisher zumeist angenommen, gemäß der Kern-Aggregations-Hypothese vorrangig aus einem Kern von über zehn Erdmassen, der sich als Erstes aus festen Bestandteilen der Gas- und Staubscheibe gesammelt hat und dann erst das Gas aus seiner Umgebung ausreichend anziehen konnte.[Astronomie-heute.de: Der Saturnkern rotiert schneller als gedacht ]
10. September 2007
Physikalische Eigenschaften
Aufbau

Hexagon am Nordpol (5-µm-Infrarotaufnahme während der Polarnacht)
Der Saturn gehört zu den sogenannten
Gasriesen. Mit einem Durchmesser von gut 120.000 km ist er nach
Jupiter der zweitgrößte Planet des Sonnensystems. Seine
Atmosphäre enthält wie die des Jupiter überwiegend
Wasserstoff und
Helium, jedoch in einer anderen Zusammensetzung. Der Wasserstoffanteil ist mit etwa 93 % der Masse deutlich höher, der Heliumanteil mit nur knapp 7 % deutlich geringer. Des Weiteren kommen Spuren von
Methan,
Ammoniak und anderen Gasen vor.
[The Solar System - Saturn ]
Obwohl sein Volumen 58 % von Jupiter entspricht, wiegt er doch weniger als ein Drittel (etwa 95 Erdmassen). Der Saturn hat daher eine sehr geringe mittlere
Dichte von nur 0,687 g/cm³. Im Durchschnitt ist sein Material also leichter als
Wasser unter Normalbedingungen, was für keinen anderen Planeten unseres Sonnensystems sonst zutrifft.

Auge am Südpol (752-nm-Infrarotaufnahme)
Während die Atmosphäre des Jupiter die Elemente Wasserstoff und Helium im gleichen Verhältnis wie die
Sonne enthält, ist der Heliumanteil beim Saturn wesentlich geringer. Dies hängt mit der niedrigeren Temperatur des Saturn zusammen, durch die das Helium größtenteils
kondensierenndeckendecke konnte. Die eher detailarme, gelblich-braune
Wolke enthält überwiegend gefrorene Ammoniakkristalle.
Der Nordpol ist der Mittelpunkt eines Polarwirbels und einer stabilen Struktur in der Form eines nahezu regelmäßigen Sechsecks mit einem Durchmesser von fast 25.000 Kilometern. Das anscheinend mehrere hundert Kilometer tiefe Hexagon wurde bereits 1980 und 1981 von den Voyager-Sonden aufgenommen und ist auch auf den von dem Orbiter Cassini übermittelten Bildern von 2006 wieder zu sehen. Das Hexagon rotiert alle 10 Stunden 39 Minuten und 24 Sekunden einmal, die gleiche Zeit, die auch die Radioemissionen von Saturn benötigen. Die Entstehung dieses Effekts ist noch nicht geklärt, aber es wird vermutet, dass es eine vollständig neue Art „Polarlicht“ sein könnte.[A Hey on Saturn ]
Am Südpol befindet sich ein ortsfester hurrikanähnlicher Sturm mit einem Durchmesser von etwa 8000 Kilometern.[Cassini Images Bizarre Hexagon on Saturn, Pressemitteilung 2007-034 des Jet Propulsion Laboratory, 27. März 2007 ]
Auf Saturn wurden weitere Stürme beobachtet, wie zum Beispiel der „Große Weiße Fleck“, ein Effekt der alle 29 Jahre auf der nördlichen Hemisphäre Saturns zu beobachten ist und vergleichbar mit dem „Großen Roten Fleck“ auf Jupiter ist.[Great White Spot ]
Innere Struktur

Schematischer Aufbau von Saturn
Mit zunehmender Tiefe der Atmosphäre, die wie bei Jupiter hauptsächlich aus Wasserstoff besteht, geht diese, aufgrund des hohen Druckes, aus dem gasförmigen Zustand in den flüssigen Zustand über. Das geschieht allerdings ohne einen
Phasenübergang, so dass keine definierte Oberfläche existiert, da der Druck in den Tiefen der Atmosphäre jenseits des
kritischen Punktsischeische ansteigt. Unter diesen Bedingungen ist die Unterscheidung zwischen Gas und Flüssigkeit nicht mehr möglich. Weiter in der Tiefe geht der Wasserstoff schließlich in die
metall Form über. Diese Schichten haben jedoch im Gegensatz zum Jupiter aufgrund der kleineren Masse andere Mächtigkeitsverhältnisse. So beginnt im Saturn die metallische Schicht erst bei 0,47 Saturnradien (Jupiter: 0,77 Jupiterradien). Unterhalb dieser Schicht liegt ein Gesteinskern (genauer: Eis-Silikat-Kern), für den Modellrechnungen eine Masse von circa 16 Erdmassen ergeben. Damit besitzt der Saturn-Kern einen Masseanteil von 25 Prozent, der des Jupiter lediglich 4 Prozent. Das Innere des Gesteinskerns ist sehr heiß, es herrscht eine Temperatur von 12.000
Kelvin. Als Grund dafür wird unter anderem der
Kelvin-Helmholtz-Mechanismus angenommen, eine langsame gravitationsbedingte Kompression.
[NASA Saturn Worldbook ]
[The Solar System - Saturn ]
Magnetfeld
Der Saturn besitzt ein eigenes
Magnetfeld, dessen Form der einfachen, symmetrische Form eines magnetischen
Dipols entspricht. Die Feldstärke am Äquator beträgt etwa 20
µT und ist damit etwa 20-mal weniger stark als das äquatoriale Feld Jupiters (420 µT) und etwas schwächer als das äquatoriale
Erdfeld (30 µT). Das
magnetische Dipolmoment, das ein Maß für die Stärke des Magnetfeldes bei vorgegebenem Abstand vom Zentrum des Planeten ist, ist mit 4,6 × 10
18 Tm
3 580-mal stärker als das Magnetfeld der Erde (7,9 × 10
15 Tm
3). Das Dipolmoment Jupiters ist allerdings mit 1,55 × 10
20 Tm
3 trotz des ähnlich großen Planetendurchmessers etwa 34-mal so groß.
Daher ist die
Magnetosphäre des Saturn deutlich kleiner als die des Jupiters und erstreckt sich nur zeitweise knapp über die Umlaufbahn des Mondes
Titan hinaus.
Einzigartig im Sonnensystem ist die fast
exakt parallele Ausrichtung der Magnetfeldachse und der Rotationsachse. Während z. B. bei Erde und Jupiter diese Achsen etwa 10° gegeneinander geneigt sind, beträgt die Abweichung der beiden Achsen beim Saturn weniger als 1°.
[Cassini-Huygens Website zur Magnetosphäre ]

Regionen innerhalb der Magnetosphäre Saturns
Sehr wahrscheinlich wird das Magnetfeld durch einen Mechanismus erzeugt, der dem Dynamo im inneren Jupiters entspricht und eventuell von Strömen im
metallischen Wasserstoff angetrieben wird.
Es gibt aber auch konkurrierende Theorien, die die Ursache des Magnetismus in anderen Materialien und Schichten des Gasplaneten suchen.
[NASA Special Publication Passage to a Ringed World Chapter 6 ]
Genau wie bei anderen Planeten mit ausgeprägtem Magnetfeld wirkt die Magnetosphäre des Saturn als effizienter Schutzschild gegen das Weltraumwetter. Da der Sonnenwind mit Überschallgeschwindigkeit auf die Magnetosphäre trifft, bildet sich auf der sonnenzugewandten Seite eine Stoßwelle aus, die zur Bildung einer Magnetopause führt. Auf der sonnenabgewandten Seite bildet sich, wie bei Erde und Jupiter, ein langer Magnetschweif.
Der große Mond Titan, dessen Umlaufbahn noch im inneren der Magnetosphäre liegt, trägt durch seine ionisierten oberen Atmosphärenschichten (Ionosphäre) zum Plasma der Magnetosphäre bei. Die genaue Struktur der Magnetosphäre ist äußerst komplex, da sowohl die Ringe des Saturn als auch die großen inneren Monde mit dem Plasma wechselwirken.
Ringe
→
Hauptartikel: Saturnringe

Sichtbarkeit der Saturnringe bis 2029
Den Saturn umgibt in seiner Äquatorebene ein auffälliges Ringsystem, das bereits in einem kleinen Teleskop problemlos zu sehen ist. Das Ringsystem wurde 1610 von Galileo Galilei entdeckt, der das Ringsystem aber als „Henkel“ deutete. Christiaan Huygens beschrieb die Ringe 45 Jahre später korrekt als Ringsystem. Giovanni Domenico Cassini vermutete als erster, dass die Ringe aus kleinen Partikeln bestehen, und entdeckte 1675 die Cassinische Teilung.[Historical Background of Saturn`s Rings ]
Die Ringe werfen einen sichtbaren Schatten auf den Saturn – wie auch umgekehrt der Saturn auf seine Ringe. Der Schattenwurf auf die Saturnoberfläche ist umso ausgeprägter, je mehr die recht wenig mächtige Hauptebene des Ringsystems im Laufe eines Saturnjahres gegenüber der Sonne geneigt ist.
Es gibt mehr als 100.000 einzelne Ringe mit unterschiedlicher Zusammensetzung und Farbton, welche durch scharf umrissene Lücken voneinander abgegrenzt sind. Der innerste beginnt bereits etwa 7.000 km über der Oberfläche des Saturn und hat einen Durchmesser von 134.000 km, der äußerste hat einen Durchmesser von 960.000 km. Die größten Ringe werden von innen nach außen als D-, C-, B-, A-, F-, G- und E-Ring bezeichnet.
Die Ringteilchen umkreisen den Saturn rechtläufig in dessen Äquatorebene; somit ist das Ringsystem ebenso wie die Äquatorebene um 27° gegen Saturns Bahnebene geneigt. Alle 14,8 Jahre befindet sich das Ringsystem in der sogenannten „Kantenstellung“, in der der dünne Rand der Ringe genau der Erde zugewandt ist, so dass das Ringsystem nahezu unsichtbar wird. Das wird das nächste Mal im Jahre 2009 wieder der Fall sein.

Speichenartige Strukturen, beobachtet von Voyager 2;
Ein weiteres
Phänomen sind
radialee, speichenartigen Strukturen, die sich von innen nach außen über die Ringe des Saturns erstrecken und hierbei enorme Ausmaße annehmen: bei einer Breite von rund 100 Kilometern können sie bis zu 20.000 Kilometer lang werden.
[Blitzartig gestreift ]
: zu den rätselhaften Speichen im Ringsystem auf www.wissenschaft.de Diese „
Speichen“ wurden erstmals von der
Sonde Voyager 2 bei ihrer Passage im Jahr 1981 entdeckt, später konnte die Beobachtung unter anderem vom Weltraumteleskop
Hubble bestätigt werden. Rätselhafterweise verschwanden diese Strukturen ab 1998 allmählich und konnten dann erst wieder ab September 2005 auf Aufnahmen der Raumsonde
Cassini nachgewiesen werden. Als Ursache für die Streifenbildung wurde zunächst eine kurzlebige Wechselwirkung mit dem
Magnetfeld des Saturn vermutet.

Aufnahme der Ringe des Saturns von Cassini. Das Bild wurde aus einem Winkel von 60° zum Ringsystem gemacht
US-amerikanische Astronomen fanden 2006 jedoch eine andere Erklärung für das Rätsel um die Speichenstrukturen: demnach bestehen die Speichen aus winzigen (wenige µmpartikelnpartikeln) geladenen
Staub, deren Flugbahn vom
UV-Licht der Sonne so beeinflusst wird, dass die Partikel durch entstehende
elektrostatische Kräfte in einen Schwebezustand (
Levitation) gebracht und angehoben werden.
[C. J. Mitchell et al.: Saturn's Spokes: Lost and Found. Science, 17. März 2006, Vol. 311. Nr. 5767, S. 1587–1589] Je nach Position des Saturns auf seiner
Umlaufbahn ändert sich der
Winkel zwischen den Saturnringen und der Sonne und somit auch der Einfallswinkel des ultravioletten Lichts. Die dunklen Streifen entstehen in
periodischen Abständen immer wenn die Sonne in der Ringebene des Saturns steht und bestehen dann für etwa acht Jahre. Eine streifenlose Phase hält dagegen sechs bis sieben Jahre lang an.
[Cassini entdeckt Speichen ]
Der Grund für die elektrostatische Aufladung der Ringe wird kontrovers diskutiert. Eine Erklärung ist, dass Blitze in der oberen Atmosphäre des Saturns auftreten, welche durch komplexe Vorgänge Elektronenstrahlen erzeugen, die die Ringe treffen.
[Blitze sollen Saturnringe stören ]
Zur Entstehung der Saturnringe gibt es verschiedene Theorien. Nach der von Édouard Albert Roche bereits im 19. Jahrhundert vorgeschlagenen Theorie entstanden die Ringe durch einen Mond, der sich dem Saturn so weit genähert hat, dass er durch Gezeitenkräfte auseinandergebrochen ist. Der kritische Abstand wird als Roche-Grenzeskr bezeichnet. Die räumliche Variation der Anziehungskräfte durch den Saturn übersteigt in diesem Fall die mondinternen Gravitationäfte, so dass der Mond nur noch durch seine materielle Struktur zusammengehalten wird. Nach einer Abwandlung dieser Theorie zerbrach der Mond durch eine Kollision mit einem Kometen oder Asteroiden. Nach einer anderen Theorie sind die Ringe gemeinsam mit dem Saturn selbst aus der selben Materialwolke entstanden. Diese Theorie wird jedoch heute kaum noch vertreten, denn man vermutet, dass die Ringe ein nach astronomischen Maßstäben eher kurzlebiges Phänomen von höchstens einigen hundert Millionen Jahren darstellen.
Monde
→
Übersicht: Liste der Saturnmonde

Vier Saturn-Monde: Titan (hinten), Dione (vor Titan), Prometheus (Mitte, unter den Ringen) und Telesto (oben) mit Saturnringen im Mittelgrund, fotografiert von der Raumsonde Cassini
Von den 60 bekannten
Monden ist
Titan der größte mit einem Durchmesser von 5150 km. Die vier Monde
Rhea,
Dione,
Tethys und
Iapetus besitzen einen Durchmesser zwischen 1050 km und 1530 km.
Telesto, Tethys und
Calypso bewegen sich dabei, mit jeweils 60 Grad Versatz, auf derselben Bahn um den Saturn. Eine Besonderheit ist auch der Mond
Helene (Saturn XII – S/1980 S 6), der sich wiederum eine Bahn mit 60 Grad Versatz mit Dione teilt. Ein weiterer dieser „Trojaner-Monde“ ist
Polydeuces – ebenfalls in 60° Winkelabstand zu Dione.
[Saturns bekannte Satelliten ]
[Aktuelle Cassini-Aufnahmen der Monde ]
Eine weitere Besonderheit stellen die Monde Janus und Epimetheus dar, welche auf zwei fast gleichen Umlaufbahnen den Saturn umlaufen. Alle vier Jahre kommen sie sich sehr nahe und tauschen durch die gegenseitige Anziehungskraft ihre Umlaufbahnen um den Saturn.
1905 gab William Henry Pickering bekannt, einen weiteren Mond entdeckt zu haben. Pickering schätzte den Durchmesser auf 61 km. Der Mond wurde Themis genannt, da er aber nie wieder gesichtet wurde, gilt er als nicht existent.
Anfang Mai 2005 entdeckte man einen weiteren Mond, provisorisch S/2005 S 1 genannt, der mittlerweile auch den offiziellen Namen Daphnis trägt. Er ist der zweite Mond neben Pan, der innerhalb der Hauptringe des Saturns kreist.[NASA [1] ]
Saturn Monde
Im Juni 2006 wurden mit dem Teleskop auf dem Mauna Kea (Hawaii) 9 weitere Monde entdeckt, die auf stark elliptischen Bahnen zwischen 17,5 und 23 Mio. Kilometern den Saturn entgegen dessen Rotationsrichtung umkreisen. Daraus lässt sich schließen, dass es sich um eingefangene Überreste von Kometen oder Kleinplaneten handeln muss. Der Mitte 2007 vom Cassini Imaging Science Team entdeckte Mond Anthe ist mit einem Radius von ungefähr 2 km der bislang kleinste entdeckte Mond des Saturns.
Zum Zeitpunkt des Eintritts der Raumsonde Cassini in den Saturnorbit fand man kleinere Körper mit nur etwa 100 m Durchmesser, vermutlich Überreste eines ehemals größeren Körpers, die kleine „Möndchen“ bzw. die Saturnringe bilden. Die Forscher schätzen etwa eine Zahl von 10 Millionen solcher kleinen Gebilde in den Saturnringen. Sie erhoffen sich nun, mithilfe dieser Überreste eine eindeutige Erklärung für die Entstehung der Saturnringe zu finden.
Forschungsgeschichte
Erdgebundene Erforschung
Anfang 1610 schickte der italienische Mathematiker, Physiker und
Astronom Galileo Galilei an seinen Förderer und ehemaligen Schüler
Cosimo II. de’ Medici eine verschlüsselte Nachricht folgenden Inhalts:
Smaismrmilmepoetaleumibunenvgttavrias.
Dieser konnte das Wortungetüm jedoch nicht entziffern, und so musste Galilei die Lösung nachliefern. Sie lautet:
- Altissimum planetam tergeminum observavi –
- Den obersten Planeten habe ich dreigestaltig gesehen.
Galilei hatte kurz zuvor erstmals den Saturn durch ein
Fernrohr beobachtet und geglaubt, zwei Monde des Saturn entdeckt zu haben. Im März 1610 veröffentlichte Galilei seine Beobachtungen in dem Werk
Sidereus Nuncius (Sternenbote), welches er Medici widmete.
1656 konnte der niederländische Physiker und Astronom Christiaan Huygens (1629–1695) beim Blick durch ein leistungsstärkeres Fernrohr das Phänomen enträtseln: Galilei hatte den Ring des Saturn in seinem kleinen Fernrohr nicht deutlich genug erkannt und ihn für Saturntrabanten gehalten.[History of Discoveries ]
Ein Jahr zuvor hatte Huygens bereits den größten Saturnmond Titan entdeckt. Giovanni Domenico Cassini entdeckte 1671/72 die Saturnmonde Japetus und Rhea, 1684 Tethys und Dione. Cassini entdeckte 1675 auch die nach ihm benannte Teilung in den Saturnringen.
Erforschung mit Raumsonden

Eine Aufnahme des Saturns und seines Mondes Titan von Pioneer 11;
Als erste Sonde überhaupt flog
Pioneer 11 am 1. September 1979 in 21.000 km Entfernung am Saturn vorbei. Die Sonde machte erste Aufnahmen von Saturn und einem Teil seiner Monde. Die Auflösung der Bilder war aber nicht groß genug um Einzelheiten zu erkennen. Außerdem wurden die Ringe untersucht und die Temperatur von Mond Titan gemessen.
[http://spaceprojects.arc.nasa.gov/Space_Projects/pioneer/PN10&11.html" ]
class="external" rel="nofollow" target="_blank">Pioneer Mission Description 

Der Saturn verdeckt die Sonne. Von Cassini aufgenommen. In der Vergrößerung ist links von den hellen Ringen die Erde als Lichtpünktchen zu erkennen
Nachdem am 13. November 1980 die Raumsonde
Voyager 1 den Saturn besucht hatte, kam knapp ein Jahr später, am 26. August 1981, die Schwestersonde
Voyager 2 beim Ringplaneten an. Die Sonden lieferten erste hochauflösende Bilder, die erstmals Einzelheiten auf der Oberfläche der Monde zeigten. Voyager 2 hat auch die Atmosphäre von Saturn untersucht, und dabei Temperatur- und Druckmessungen durchgeführt.
[Missions to Saturn ]
Im Juni 2004 erreichte die Raumsonde Cassini-Huygens das Saturnsystem nach siebenjährigem Flug. Der Orbiter „Cassini“ führte eine zusätzliche Landungssonde „Huygens“ mit sich, die am 14. Januar 2005 auf dem Mond Titan landete und dabei Fotos von Methanseen auf dem Mond machte.[Probe reveals seas on Saturn moon ]
Am 10. März 2006 berichtete die NASA, dass Cassini unterirdische Wasserreservoirs dicht unter der Oberfläche des Mondes Enceladus gefunden habe.[Cassini Discovers Potential Liquid Water on Enceladus ]
Cassini fand außerdem 4 neue Monde des Saturn. Die Sonde fliegt weiterhin im Orbit von Saturn und untersucht ihn.
Kulturgeschichte
Da der Saturn mit bloßem Auge sichtbar ist und als Wandelstern auffällt, wurde er schon im Altertum mit
mythologischen Deutungen belegt. Die
Römer sahen in ihm den Planeten des
Gottes Saturn, während er im antiken
Griechenland als Planet des Gottes
Kronos galt. Die neuseeländischen
Māori hatten für den Saturn die Bezeichnung Parearau. Das bedeutet: „ihr Band umgibt sie“. In der hinduistischen
Astrologie wird der Saturn als Shani bezeichnet. In der mittelalterlichen Astrologie stand Saturn - der traditionell mit einer Sichel oder Sense dargestellt wird - für Unglück: Sorgen, Melancholie, Krankheiten und harte Arbeit, jedoch auch für Ordnung und Maß.
Der englische Tagesname „Saturday' bezieht sich auf diesen Planeten.
Sichtbarkeit
→
Hauptartikel: Saturnpositionen bis 2021
In der folgenden Tabelle sind die Sichtbarkeiten des Saturn ab Ende 2007 bis 2010 angegeben. Neben dem Datum der Opposition ist jeweils auch die scheinbare Helligkeit, der Abstand zur Erde und der Winkeldurchmesser während der Opposition angegeben.
| Stationär, dann rückläufig
| Opposition
| Oppositions- entfernung
| Oppositions- helligkeit
| Winkel- durchmesser
| Neigung der Ringe
| Stationär, dann rechtläufig
| Konjunktion zur Sonne
|
| 20. Dezember 2007
| 24. Februar 2008
| 8,29136 AE
| 0,2 mag
| 20,10'
| -8,4°
| 3. Mai 2008
| 4. September 2008
|
| 1. Januar 2009
| 8. März 2009
| 8,39440 AE
| 0,5 mag
| 19,85'
| -2,6°
| 17. Mai 2009
| 17. September 2009
|
| 14. Januar 2010
| 22. März 2010
| 8,50379 AE
| 0,5 mag
| 19,60'
| 3,2°
| 31. Mai 2010
| 1. Oktober 2010
|
Literatur
- Ute Kehse: Polarlichter sind einzigartig – Cassini und Hubble werfen 25 Jahre alte Theorien über den Haufen (Bericht über einen Artikel in der Zeitschrift Nature): 19. Februar 2005, Onlineportal der Zeitschrift Bild der Wissenschaft: Artikel online abrufbar unter http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249343.html
- E. Best: The Astronomical Knowledge of the Maori, Genuine and Empirical aus der Reihe: New Zealand Dominium Museum Monograph. Wellington 1922, p. 35.
- Ronald Weinberger: Präzise Bestimmung der Rotation des Saturn. Naturwissenschaftliche Rundschau 59(12), S. 664–665 (2006),
Einzelnachweise
Weblinks
}}