Nitrose Gase
Nitrose Gase ist die
Trivialbezeichnung für das Gemisch aus
Stickstoffmonoxid, NO, und
Stickstoffdioxid, NO
2. Nitrose Gase entstehen unter anderem bei der Reaktion von
Salpetersäure, HNO
3, mit organischen Stoffen oder Metallen. (Bei der Reaktion von
Salpetersäure mit
Silber und
Kupfer entsteht sehr viel NO
x). Eine weitere Quelle für Stickoxide sind die Abgase, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie beispielsweise Kohle oder Öl, entstehen.
Die typisch rotbraunen Dämpfe der nitrosen Gase werden im Wesentlichen durch das Stickstoffdioxid, NO2, hervorgerufen. Nitrose Gase haben einen charakteristischen stechenden Geruch und können mit Verzögerung von mehr als 24 Stunden nach dem Einatmen noch zu einem Lungenödem führen. Bei Männern kann zudem Impotenz bei häufigerem Einatmen als Spätfolge eintreten.
Auswirkungen von Stickoxiden
- Reizung und Schädigung der Atmungsorgane (insbesondere Stickstoffdioxid)
- Entstehung des Sauren Regens : Bildung von Salpetersäure (HNO3) durch Reaktion von (2NO2 + H2O → HNO3 + HNO2) oder durch Aufnahme von N2O5 in Aerosolpartikel und nachfolgender Bildung von NO3- in der flüssigen Phase.
- Smogbildung
- Ozonbildung unter Einfluss von UV-Strahlung
NOx in der Feuerung
Stickoxide werden in der Regel entsprechend ihrer Quellen und ihres Bildungsmechanismus in 3 Arten unterteilt:
- thermisches NOx
- Brennstoff- oder fuel-NOx
- promptes NOx
Die in diesem Zusammenhang erwähnte „NO
x“ setzen sich in der Feuerung zu etwa 95% NO und 5% NO
2 zusammen.
Mit Hilfe der
Reaktionskinetik lässt sich die Änderung der Konzentrationen des NO
x beschreiben. Hierbei sind letztlich die Konzentrationen von N
2 und O als auch die Temperatur maßgebliche Einflussfaktoren:
\frac{dc_{\mathrm{NO}}}{dt} \sim c_{\mathrm{N}_2} \cdot c_{O} \cdot \exp \left( \frac{-E}{R_m \cdot T} \right)
Der Exponentialterm ist der Ansatz über die Arrhenius-Gleichung, cN2 und cO die Konzentrationen zu Beginn der Reaktion.
Thermisches NOx
Die Bezeichnung „thermisch“ bezieht sich auf die relativ hohen Temperaturen, die zur Initiierung der Bildungsreaktion des thermischen NO
x über N
2 benötigt werden. Die Stickstoffquelle des thermischen NO
x ist der in der Verbrennungsluft vorhandene Stickstoff, der zur
Oxidation des N
2 nötige Sauerstoff entstammt ebenfalls der Verbrennungsluft. Zeldovich beschreibt die Entstehung in zwei beziehungsweise drei Schritten, das Schema ist als einfacher bzw. erweiterter „
Zeldovich-Mechanismus“ bekannt.
Startreaktion ist die Umsetzung von Luftstickstoff mit atomarem Sauerstoff, in der Stickstoffradikale entstehen. Diese oxidieren in der zweiten Reaktion weiter:
- (1)
- (2)
Der dritte Schritt berücksichtigt, dass die bei der Verbrennung entstehenden
Hydroxid-Radikale (OH) ebenfalls mit Stickstoff umsetzen können:
- (3)
Mit der Bildung von thermischem NO
x ist bei Verbrennungstemperaturen ab etwa 1250 °C zu rechnen, die Bildungsrate nimmt mit der Temperatur exponentiell zu. Unterhalb dominiert bei stickstoffhaltigen Brennstoffen das so genannten „Brennstoff-NO
x“ oder „fuel-NO
x“. Ebenso haben der angebotene Sauerstoff und die
Verweilzeit der Reaktionspartner in der Verbrennungszone einen Einfluss auf die NO
x-Entstehungsrate. Untersuchungen zur Stickoxidbildung am
Lichtbogenofen belegen, dass neben den technischen Verbrennungsprozessen fossiler Brennstoffe wie Erdöl oder Erdgas auch O
2/N
2-Plasmen gute Bildungsbedingungen für Stickoxide aufweisen.
Brennstoff-NOx
Quelle dieser NOx-Art sind die im Brennstoff gebundenen Anteile an Stickstoff, die während der Verbrennung in NOx umgesetzt werden. Die mitgeführte Menge an Stickstoff ist stark brennstoffabhängig, dementsprechend variieren auch die durch die Verbrennung entstehenden Anteile von thermischem und Brennstoff-NOx im Rauchgas.
Einige Beispiele sind (Anteile in %):
| Brennstoff
| therm. NOx
| BS-NOx aus flüchtigen Bestandteilen
| BS-NOx aus Koks
| Prompt-NOx
|
Diesel/Benzin Innermotorisch
| 90-95
| -
| -
| 5-10
|
| Gas
| 100
| -
| -
| -
|
| Schweröl
| 40-60
| 60-40
| -
| -
|
Steinkohle Trockenfeuerung
| 10-30
| 50-70
| 20-30
| -
|
Steinkohle Schmelzfeuerung
| 40-60
| 30-40
| 10-20
| -
|
| Braunkohle
| <10
| >80
| <10
| -
|
Man unterscheidet bei festen Brennstoffen zwei Arten der Stickstofffreisetzung. Die homogene Freisetzung beschreibt die Ausgasung des im Brennstoff gebundenen Stickstoffs mit den flüchtigen Bestandteilen während die Heterogene den Abbrand des Restkoks beschreibt.
Wesentliche Quelle für Brennstoff-NOx sind die flüchtigen Bestandteile des Brennstoffes.
Brennstoff-NOx entsteht ab Temperaturen um etwa 800 °C vorwiegend in den Flammenfronten der Feuerungsanlagen. Hierbei durchläuft der mitgeführte Brennstoff mehrere Reaktionsschritte, die über Blausäure (HCN) und Hydrazin (NHn) zu NO bzw. N2 führen. N2 und NO können mit Kohlenwasserstoff-Radikalen (CHn) eine Rückreaktion zu HCN durchlaufen („Reburning“) und hierbei wieder zu NO oder aber zu molekularem Stickstoff (N2) umsetzen. Dadurch erhöht sich in der Summe die Menge an molekularem Stickstoff. Diesen Effekt macht man sich in der so genannten „Brennstoff-Stufung“, einer primären Schadstoff Minderungsmaßnahme, zu Nutze.
Promptes NOx
Statt der Umsetzung zu N2 kann die Reaktion der Brennstoffradikale (CHn) mit N2 wieder zur Bildung von NOx führen. Diesen Anteil an entstandenem NOx bezeichnet man als „promptes“ NOx und ist auch als „Fenimore-Mechanismus“ bekannt.
Wesentlicher Einflussfaktor sind die entstehenden Kohlenwasserstoff-Radikale, die als Zwischenprodukte der Verbrennung kohlenstoffhaltiger fossiler Brennstoffe vorliegen. Deren Bildungsmechanismen sind äußerst komplex und bisher noch nicht vollständig erfasst und verstanden.
Promptes NOx entsteht in sehr schnellen Bildungsreaktionen in vergleichbar geringen Mengen und ist im Vergleich zum thermischen NOx kaum temperaturabhängig, wenngleich der Anteil mit steigender Temperatur zunimmt.
NOx-Minderung
In den Kraftwerken gibt es verschiedene Möglichkeiten der NOx-Minderung.
Die Primärmaßnahmen betreffen den Feuerungsprozess und verhindern die Entstehung,
während die Sekundärmaßnahmen das NOx im Abgas (Rauchgasentstickung) mindert.
Auch für die Abgase von KFZ kommen Maßnahmen zur Minderung zum Einsatz.
Gemeinsames Merkmal der Reduktionsmaßnahmen ist, dass sie keine komplette Problementsorgung bedeuten. Eine solche wäre gegeben, wenn als Produkt der Entgiftungsreaktion Stickstoff (als natürlicher Atmosphärenbestandteil) auftreten würde. Stattdessen führen die verfügbaren Verfahren häufig zu Lachgas. Näheres siehe dort.
Literatur
Bücher
- Helmut Effenberger: Dampferzeugung. Springer-Verlag, ISBN 3-540-64175-0
- J. Warnatz, U. Maas, R. W. Dibble: Verbrennung. 3. Auflage, Springer-Verlag, ISBN 3-540-42128-9
- G.P. Merker, G. Stiesch: Technische Verbrennung Motorische Verbrennung. B.G. Teubner Verlag Stuttgart,ISBN 3-519-06381-6
Aufsätze
- Erich Fitzer, Dieter Siegel: Stickoxid-Emissionen industrieller Feuerungsanlagen in Abhängigkeit von den Betriebsbedingungen. Chemie Ingenieur Technik 47(13), S. 571 (1975),
- Rainer Römer, Wolfgang Leckel, Alfred Stöckel, Gerd Hemmer: Beeinflussung der Stickoxid-Bildung aus brennstoffgebundenem Stickstoff durch feuerungstechnische Maßnahmen. Chemie Ingenieur Technik 53(2), S. 128 - 129 (1981),
- Heinrich Wilhelm Gudenau, Klaus E. Herforth: Stickoxid-Bildung bei der Umsetzung fester Brennstoffe in verschiedenen Gasmedien. Chemie Ingenieur Technik 53(9), S. 742 – 743 (1981),
- Manfred Schrod, Joachim Semel, Rudolf Steiner: Verfahren zur Minderung von NOx-Emissionen in Rauchgasen. Chemie Ingenieur Technik 57(9), S. 717 – 727 (1985),
- Hans-Georg Schäfer, Fred N. Riedel: Über die Bildung von Stickoxiden in Großfeuerungsanlagen, deren Einfluß auf die Umwelt, ihre Verminderung sowie ihre Entfernung aus den Abgasen der Kraftwerke. Chemiker-Zeitung 113(2), S. 65 - 72 (1989),
- Ulrich Förstermann: Stickoxid (NO): Umweltgift und körpereigener Botenstoff. Biologie in unserer Zeit 24(2), S. 62 – 69 (1994),
Siehe auch:
Weblinks