Sprache
Die sumerische Sprache ist nach heutiger Kenntnis wahrscheinlich mit keiner bekannten Sprache verwandt, deswegen bezeichnet man sie als isoliert. Das Sumerische wurde in Südmesopotamien bis etwa 1700 v. Chr. gesprochen. Daneben wurde es in ganz Mesopotamien über das Aussterben als Alltagssprache hinaus bis ins 1. Jhdt. v. Chr. als Religions-, Literatur- und Wissenschaftssprache verwendet. Das Sumerische ist eine der ersten Sprachen – wenn nicht die erste – für die eine Schrift entwickelt wurde (etwa 3200 v. Chr.), somit umfasst die Periode der schriftlichen Überlieferung einen Zeitraum von rund 3000 Jahren.
Die Thesen über die angebliche Verwandtschaft des Sumerischen mit anderen Sprachen sind zahlreich, aber alle bisher nicht stichhaltig. Eine ausführliche Darstellung der sumerischen Sprache und der Thesen ihrer externen Beziehungen - auch im Rahmen eurasischer Makrofamilien - findet man im Artikel Sumerische Sprache.
Ortsname Ur und Ableitungen
Eine der ältesten Stadtgründungen in Sumer ist
Ur (Stadt). Die Prägung dieses Namens wird für gewöhnlich einer Epoche zugeordnet die noch vor der sumerischen lag. Von diesem Namen ausgehend lassen sich im zugehörigen Großraum zahlreiche weitere Begriffe aus dem Kulturkreis der
Sumerer und deren Nachfolger ermitteln, die ebenfalls die
Silbe 'ur' in sich tragen. Diese sind:
- Ni-ip-pu-ur (Nippur, sumerische Stadt)
- mehrere Herrscher der sumerischen Stadt Lagasch:
- Ur-Baba (2164-2144 v. Chr.)
- Ur-Ningirsu (2124-2119 v. Chr.)
- Ur-GAR
- Ur-uk (Sumerisch auch Unug)
- Ur-keš (moderner Name: Tell Mozan), bronzezeitlicher Siedlungshügel (Tell) in Syrien
- Ur-ia (Uria, ein hurritischer Männername), in der Bibel im Buch David erwähnt
- Şanlıurfa (Ur-fa, Ur-hay, Edessa) ist eine südostanatolisch Stadt
Herkunft
Die Herkunft der Sumerer ist unbekannt, sicherlich sind sie - nach Ausweis ihrer Sprache - keine Semiten und auch nicht mit den südlich angrenzenden Elamitern verwandt. Es wurden Thesen über eine mögliche Zuwanderung der Sumerer aus Zentralasien (siehe BMAC) nach Mesopotamien aufgestellt, die aber nicht belegbar sind und deswegen von der Mehrheit der Fachleute nicht akzeptiert wurden. Ebenfalls nicht nachweisbar ist die These, dass es sich bei den Sumerern um eine autochthone mesopotamische Kultur handelt, allerdings gibt es auch keine archäologisch greifbaren Beweise für eine Zuwanderung nach Südmesopotamien im Verlauf des 4. Jahrtausends. Die früher auf sprachlichen Argumenten beruhende These der Einwanderung - basierend auf einem angeblichen präsumerischen Substrat der sumerischen Sprache - hat zunehmend ihre Unterstützung verloren (Details im Artikel Sumerische Sprache).
Geschichte
Uruk-Zeit
Die Geschichte Sumers beginnt mit der so genannten
Uruk-Zeit, ab etwa 4000 bis 3000 v.Chr. Die Sumerer siedeln am Euphrat. Aus Dörfern entstehen Städte.
Uruk war damals die bedeutendste unter ihnen mit dem weit ausstrahlenden
Inanna-Tempel.
Jemdet-Nasr-Zeit
Um 3100 v. Chr. wächst die Bevölkerung. Der Bewässerungsbau wird intensiviert, die Zentren der Städte werden zu heiligen Bezirken. Die Periode endet um 2900 v. Chr.
Altsumerisches Reich
Am Anfang der
Frühdynastischen Periode
standen eine Reihe von Stadtstaaten (
Adab,
Eridu,
Isin,
Kisch, Kullab,
Lagasch,
Larsa,
Nippur,
Ur und Uruk), welche etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten:
Kisch
Erster bekannter Herrscher von Sumer ist
Etana, der um 2800 v. Chr lebte und
König von Kisch war.
Uruk
Sein Nachfolger Mes-ki-agga-scher, König von Uruk (dem biblischen
Erech), gründete weit südlich von Kisch eine
rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft über die ganze Region zwischen dem
Mittelmeer und dem
Zagros-Gebirge. Er wurde von seinem Sohn En-mer-kar (um 2750 v. Chr) abgelöst. Diesem folgte sein Feldherr
Lugalbanda auf den
Thron. Am Ende der Regierungszeit von Lugalbanda wurde En-me-bara-gesi (um 2700 v. Chr.), ein König der
Etana-Dynastie in Kisch, zum führenden Herrscher von Sumer.
Akkad
Die
Akkader aus dem Norden unter
Sargon vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.).
Akkadisch wird Verwaltungssprache. Befördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die
Gutäer.
Neusumerisches Reich
Das Neusumerische Reich (2112 bis 2004 v. Chr.) unter der Herrschaft der
3. Dynastie von Ur, -
Sumerisch als Verwaltungssprache, erste Zikkurate entstehen - endete unter dem Druck
Elams aus dem Osten.
Kleinreiche
Kleinreiche um
Assur,
Babylon,
Eschnunna,
Der und
Susa entstanden in der Folge.
Assyrien und Babylon
Beginnend mit der
Altbabylonischen Zeit (2000 v. Chr. - 1595 v. Chr.) wurde Mesopotamien später von
Assyrien und
Babylonien dominiert.
Anmerkung: Absolute Jahreszahlen innerhalb der sumerischen Datierung variieren je nach Lehrmeinung um etwa 100 Jahre.
Zur genaueren Datierung sollte Fachliteratur herangezogen werden.
Kultur und Bedeutung der Sumerer
Archäologie
Die Anfänge der sumerischen Kultur in der sogenannten
Uruk-Periode reichen bis zum Anfang des 4. Jahrtausends zurück. Sie ist durch die Gründung der ältesten Städte und einer charakteristischen Keramik charakterisiert. Der Uruk-Periode ging die
Ubaid-Kultur voraus, die sich durch ihre Tonware in Stil und Färbung auszeichnet, sowie durch frühe Siedlungen an den Wasserläufen; sie reicht bis in das 6. Jahrtausend v. Chr zurück.
Schrift
Obwohl die
Schrift mehrmals in der Geschichte der Menschheit erfunden wurde (
Ägypten,
China,
Maya), ist für Europa die sumerische Keilschrifte von zentraler Bedeutung und vermutlich auch älter als die anderen hochentwickelten Schriften. Die Keilschrift wurde erfolgreich an das
Akkadisch und
Hethitische (auch Hittitisch) angepasst und gilt als Vorläufer vieler Schriften.
Technik
Die Entwicklung des Rades – ebenfalls erstmals im Reich der Sumerer benutzt – steht in engem Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass
domestizierte Tiere nicht nur eine Nahrungs- und Rohstoffquelle (z. B.
Leder) sind, sondern auch als Zugtiere und Arbeitstiere dienen können (
Pflug,
Karren).
Eine weitere Vorbedingung für die Nutzung des Rades sind ebene, breite Wege, die erst bei einer kritischen Bevölkerungsdichte und geeignetem Landschaftsrelief entstehen.
Landwirtschaft und Bewässerung
Im Bereich der Landwirtschaft haben die Sumerer wahrscheinlich keine neuen
Nutzpflanzen oder
Nutztiere domestiziert; der Beitrag liegt hier in der Verfeinerung der
Bewässerung sowie der Einführung der
Milchwirtschaft. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der
Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstriche nur bedingt nutzbar. Nach den bisherigen Erkenntnissen bestand die Nahrung vor allem aus
Graupen, Mehlbrei,
Datteln,
Honig,
Sesamöl. Eiweiß lieferten
Eier und Käsen, Gänse, Enten, Hühner sowie
Heuschrecke. Seltener gab es Schlachtfleisch der verwendeten Nutztierassen
Rinder,
Esel,
Schweine,
Schafe,
Ziegen. Gejagt wurden Hasen, Wildschweine, Wildziegen, Wildschafe, Antilopen, Gazellen und Wildhirsche. Löwenjagd war Privileg der Könige. Intensiv wurde Fischfang betrieben, wobei teilweise auch abgerichtete
Pelikane verwendet wurden.
Karpfen wurden exportiert.
Handwerke und Berufe
Durch Texte und Ausgrabungen wurden folgende Handwerke und Berufe identifiziert: Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Köche, Korbmacher, Töpfer, Steinschneider, Bildhauer, Tischler, Wagenmacher, Schiffbauer, Schneider, Friseure, Ärzte, Lehrer, Schreiber, Baumeister, Priester, Verwalter, Aufseher. Darüber hinaus gab es Führungsberufe wie Offiziere, Bürgermeister, Botschafter, Tempelverwalter, Leiter von Bibliotheken und Tafelhäusern.
Schulen
Schulen wurden als Tafelhäuser bezeichnet. Zwei dieser Tafelhäuser wurden von französischen Archäologen in Mari ausgegraben. Die Schulbänke bestanden aus Lehmziegeln. Wortlisten lassen vermuten, dass es Schulen schon im 4. Jahrtausend vor Christus gegeben hat. Schultexte als direkten Beleg wurden in Schuruppak aus der Zeit Mitte des 3. Jahrtausends gefunden. Auf den Übungstafeln setzten die Schüler, die Söhne genannt wurden, immer ans Ende den eigenen Namen und hinter die eigenen Namen den Namen des eigenen Vaters, die alle aus den obengenannten Führungsberufen stammten. In der Anfangszeit waren 2000 Schriftzeichen zu erlernen. Die Vater genannten Lehrer zeigten zum Teil Humor, wie eine Lehrgeschichte zur Addition von 9 und 1, die
Fabel vom klugen und den neun dummen Wölfen zeigt. Als Fächer lassen sich Rechnen, Zeichnen und Sumerisch, d.h. Schreiben, Lesen identifizieren. Geschrieben wurde
Aufsätze,
Fabeln, Weisheitslehrenn,
Hymne und
Epen.
Mathematik und Astronomie
Die Sumerer haben die erste bekannte Kultur mit hoch entwickelter
Mathematik hervorgebracht. Sie gelten als die Erfinder des
Gewölbes und gründeten mit
Ur,
Uruk und
Lagasch die ältesten bekannten Städte mit Monumentalbauten, insbesondere der für Mesopotamien typischen
Zikkurat. Auch die Anfänge der Astronomie sind in Sumer zu finden. Die Sumerer kannten bereits den
Merkur und andere Planeten.
Mythos und Religion
Die
sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten
Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten. Neben den Haupt- und Urgöttern verehrten die Sumerer jeweils ihre Stadtgötter, die mit einander konkurrierten und in ihrer Hegemonie einander ablösten. Zusammen bildeten sie bereits ein gemeinsames
Pantheon. Besondere Bedeutung haben die ältesten Tontafelfunde mit Fragmenten des
Gilgamesch-Epos, die bereits in sumerische Zeit zurück weisen.
Hochkultur
Die großartige Leistung der Sumerer besteht in der Schaffung der ersten Hochkultur der Menschheit ab ungefähr 3500 v. Chr in einem Gebiet, das keineswegs ein landschaftlicher Gunstraum war, sondern mühevoll umgestaltet werden musste. Die gewaltige Leistung bei der Entwicklung zur Hochkultur im Gefolge der neolithischen Revolution bzw. Evolution kann nicht überbewertet werden. Dies zeigt sich auch in der kleinen Anzahl von nur fünf autochthonen Hochkulturen.
Sumer heute
Im August 2005 wurde von
schiitischen Gruppierungen vorgeschlagen, den Südirak zu einer autonomen Region eines
föderalen Irak zu machen. Als Name für diese zu bildende autonome Region wurde
Sumer vorgeschlagen. Der Vorschlag ist jedoch insbesondere unter den irakischen
Sunniten hochumstritten.
Liste altorientalischer Städte und Orte
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Tempeltürme Mesopotamiens
Siehe auch
Literatur
- Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. C. H. Beck, München 2004. ISBN 3-406-51664-5.
- Helmut Uhlig: Die Sumerer. Lübbe, Bergisch-Gladbach 1992. ISBN 3-404-64117-5.
- Hans Baumann; Im Lande Ur
Weblinks