Geografie

Im Thüringer Becken bei Mühlberg
Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat Thüringen gehört zusammen mit Sachsen-Anhalt und Sachsen zu Mitteldeutschland.
Die Landschaft in Thüringen ist regional sehr unterschiedlich. Im äußersten Norden befindet sich der Harz. In südöstlicher Richtung schließt sich ein als Goldene Aue bezeichnetes Gebiet an, mit dem fruchtbaren Tal des Flusses Helme. Im Nordwesten befindet sich das Eichsfeld, eine teilweise bewaldete Hügellandschaft.
In der Mitte des Landes liegt das flache, sehr fruchtbare Thüringer Becken. Diese Region zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Erste Ortsgründungen sind hier bereits seit dem Jahr 704 belegt. Das Thüringer Becken wird von verschiedenen kleinen Höhenzügen umringt, so der Dün im Nordwesten, die Hainleite und die unmittelbar nördlich davon gelegene Windleite sowie der Kyffhäuser im Norden, Schmücke, Hohe Schrecke und Finne im Nordosten, dem Ettersberg im Südosten, der Fahner Höhe im Süden und dem Hainich im Westen. Der Nationalpark Hainich ist der einzige Nationalpark des Landes.
Südlich des Thüringer Beckens befindet sich das hügelige Vorland des Thüringer Waldes, schließlich der Thüringer Wald selbst, als größtes Gebirge im Land. Östlich geht der Wald nahtlos ins Thüringer Schiefergebirge über, welches wiederum südöstlich in den Frankenwald übergeht, der jedoch nur zu kleinsten Teilen in Thüringen liegt. Diese Mittelgebirgskette wird vom Rennsteig, dem Kammweg, durchzogen. Er stellt die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser beziehungsweise Rhein im Süden dar. Östlich von Wald und Becken verläuft das Saaletal. Jenseits der Saale liegt im Norden das Thüringer Holzland, im Süden das Vogtland und im Osten das Osterland. Im Gegensatz zu den erstgenannten ist das Osterland um Altenburg wenig bewaldet und sehr fruchtbar.
Südwestlich des Thüringer Waldes liegt das Werratal, gefolgt von der Rhön im Westen und dem Grabfeld im Süden.
Die wichtigsten Flüsse des Landes sind die Werra im Westen und die Saale im Osten. Größere Zuflüsse der Saale sind die Unstrut (mit Gera), die Ilm und die Weiße Elster. Im Nordwesten des Landes entspringt die Leine.
Die höchste Erhebung im Land ist der Große Beerberg im Thüringer Wald mit 983 Metern Höhe. Weitere hohe Berge sind der Schneekopf (978 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Inselsberg (916 m).
Klima
Thüringen liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas bei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen den westlichen Meeren und dem Freistaat bereits einige schützende Mittelgebirge liegen, ist das Klima in Thüringen kontinentaler geprägt als im Westen und Norden Deutschlands. Dies zeigt sich vor allem durch kältere Winter und trockenere Sommer als in anderen Teilen der Bundesrepublik.
Innerhalb Thüringens gibt es sehr große klimatische Unterschiede. Begünstigt ist vor allem das Thüringer Becken in der Landesmitte. Es ist von Gebirgen umgeben, sodass dort die geringsten Niederschlagsmengen Deutschlands fallen. Den Rekord hält Straußfurt mit 242 Millimeter Jahresniederschlag im Jahr 1911. Normal sind im Thüringer Becken 400 bis 500 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 Grad Celsius (1961–1990 an der Wetterstation Artern). Die Hügelzonen im Land liegen klimatisch etwa im deutschen Durchschnitt. So fallen in Gera 624 Millimeter Niederschlag bei einer Temperatur von 7,8 Grad Celsius. Ein ungünstiges Klima weisen in Thüringen die Gebirgszonen auf. So werden auf der Schmücke im Schnitt 1289 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Temperatur von 4,4 Grad Celsius gemessen. Hier liegt die Januar-Temperatur bei -4 Grad Celsius und die Juli-Temperatur bei 12,8 Grad Celsius. In Artern am Nordrand des Thüringer Beckens liegen die Werte dieser Monate bei -0,7 Grad Celsius und 17,6 Grad Celsius.
Geologie
Die geologische Situation in Thüringen ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt geologischer Formationen. An der Oberfläche beziehungsweise den bodennahen Bereichen lassen sich in den verschiedenen Regionen des Landes fast alle Schichtenss des Phanerozoikum, das heißt der letzten 500 Millionen Jahre, nachweisen.[Geologische Landesaufnahme auf den Seiten des Geologischen Landesdienstes ]
Bezogen auf die Entstehungsgeschichte wird Thüringen in vier so genannte Strukturstockwerke gegliedert, die nach ihrem Alter geordnet in den jeweiligen Regionen dominierend auftreten:[Gerhard Seidel (Hrsg.): Geologie von Thüringen. E. Schweizbartsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-510-65205-1]
Während die
geomorphologische Gestalt Thüringens im Süden und Westen fast ausschließlich durch
tektonische Vorgänge und
Erosion durch Niederschläge bestimmt ist, kam es vor etwa 70.000 Jahren im Norden und Osten zu einer Überformung dieser Strukturen durch die
Elsterkaltzeit. Demgemäß erfolgt eine Aufteilung des Landes aus geomorphologischer Sicht in fünf äußerlich abgrenzbare Gebiete:

Steinbruch bei Haarhausen im Bereich der Eichenberg–Gotha–Saalefelder Störungszone
mit deutlich sichtbarer
Gesteinsfaltung
- das Thüringer Gebirge, bestehend aus Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge
- die Zechstein- und Trias-Landschaften des Thüringer Beckens und Südthüringens
- die südthüringischen Vulkanitgebiete
- der Kyffhäuser und der thüringische Anteil des Harzes
- das Altenburg-Meuselwitzer Gebiet, das durch Braunkohletagebau und Überreste des in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgten Uranbergbaus gekennzeichnet ist.
Innerhalb der Zechstein- und Triaslandschaften prägen neben flachen Gebieten zahlreiche
Störungen das Landschaftsbild, von denen die
Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, die das Thüringer-Wald-Vorland vom Thüringer Becken abgrenzt, die längste und auffälligste ist. Im Zechsteingebiet im Bereich von
Werra und
Wipper finden sich größere
Salzvorkommen, die besonders im 20. Jahrhundert abgebaut wurden.
Ausgehend von der im späten Mittelalter vor allem in Bereich des Thüringer Gebirges beginnenden Gewinnung von Bodenschätzen wie Eisenerz, Kupferschiefer oder Gold entwickelte sich in der Region bereits im 16. Jahrhundert eine theoretische Verarbeitung praktisch-geowissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1796 entstand mit der Societät für die gesamte Mineralogie zu Jena die erste geowissenschafliche Vereinigung überhaupt. Sie entstand auf Anregung Goethes, der von 1803 bis 1830 ihr Präsident war.
Auf Grund anhaltender tektonischer Vorgänge kommt es im Südosten Thüringens gelegentlich zu kleineren Erdbeben. Diese werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts von der Universität Jena beobachtet. Heute befindet sich im Osten des Thüringer Schiefergebirges das Geodynamische Observatorium Moxa der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie das Zentrum für die Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden der Bauhaus-Universität Weimar zur Untersuchung und Bewertung möglicher Folgen von Erdbeben nicht nur in diesem Gebiet.
Flora und Fauna

Rhönschaf
Flora und Fauna sind der deutschen Kulturlandschaft angepasst. Es gibt nur wenige Besonderheiten, zu denen der Nationalpark Hainich als erhaltener Lauburwald und das Biosphärenreservat Vessertal mit seiner Gebirgsflora zählen. Die Besiedlung und das Straßennetz ist in allen Landesteilen dicht, sodass es nur wenige größere unzerschnittene Naturräume gibt. Dementsprechend ausgedünnt ist auch die Artenvielfalt. Durch jahrhundertelange Glasindustrie und den damit verbundenen Holzverbrauch wurden zudem die meisten Wälder in schnell nachwachsende Fichtenmonokulturen umgewandelt. Die Wildkatze hat im Nationalpark Hainich ein Refugium gefunden und durch den Harz im Norden des Landes streift wieder der Luchs. Haustierarten, die an das Leben im Land angepasst sind, sind beispielsweise die seit Jahrhunderten gezüchtete Thüringer Waldziege oder das Rhönschaf.
Bevölkerung
Thüringens 2,3 Millionen Einwohner gehören dem Volk der Deutschen an. Sie lassen sich unter Berücksichtigung der Sprache in zwei Gruppen unterteilen. Als Thüringer bezeichnet werden Sprecher der Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppeeses, die nördlich des Rennsteig leben. Zu diese Gruppe gehört auch der Süden Sachsen-Anhalts (Landkreis Mansfeld-Südharz, Saalekreis, Burgenlandkreis und die Stadt Halle). Werra und Leine im Nordwesten, der Harz im Norden und die Weiße Elster im Osten grenzen diesen Siedlungsraum ab. Sprecher der ostfränkischen Dialekte leben südlich des Rennsteigs und sind kulturell eher an der Region Franken orientiert. Gegenden mit starker Regionalidentität sind das Eichsfeld im Nordwesten und das Vogtland im Südosten.
Neben diesen beiden Gruppen leben im Land etwa 50.000 Ausländer, die vor allem aus der Türkei und dem ostasiatischen Raum (beispielsweise Vietnam), aber auch aus Osteuropa stammen. Sie leben fast ausschließlich in den großen Städten des Landes.
Entlang der Thüringer Städtekette, die sich quer durch die Mitte die sechs größten Städte zieht, ist die Bevölkerungsdichte am größten. Insgesamt betrachtet ist die Bevölkerungsdichte relativ homogen, große Ballungsgebiete fehlen, ebenso Regionen mit einer Bevölkerungsdichte von unter 50 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dünner besiedelt sind vor allem der südliche Saale-Orla-Kreis, die Gebiete zwischen Werra und bayerischer Landesgrenze (bedingt durch die nachteilige Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze) sowie Teile des nördlichen Thüringer Beckens zwischen Sondershausen und Mühlhausen.
Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung
Bis nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Thüringens an, damals erreichte sie ihren historischen Höchststand von etwa drei Millionen. Während sie nach dem Bau der Berliner Mauer und der damit verbundenen Grenzschließung 1961 relativ konstant blieb, schrumpfte sie nach dem Wegfall jener Grenze 1989 von 2,7 Millionen auf die derzeitige Einwohnerzahl von 2,3 Millionen. Die Geburtenzahl sank von 35.000 im Jahr 1988 auf 16.000 im Jahr 2006. Im selben Zeitraum entwickelte sich die Zahl der Sterbefälle von 34.000 auf 26.000. Jedes Jahr fehlen 10.000 Geburten, um einen ausgeglichenen Geburtensaldo zu erhalten[TLS ]
. 1988 zogen 25.000 Menschen nach Thüringen und 25.000 verließen Thüringen, womit damals ein ausgeglichener Wanderungssaldo vorherrschte. Heute ziehen jährlich etwa 30.000 Menschen nach Thüringen, während 45.000 das Land verlassen[TLS ]
. So entsteht hier eine Lücke von 15.000 Bürgern, die – addiert mit dem Geburtensaldo – einen jährlichen Bevölkerungsrückgang von etwa 25.000 Menschen bedeutet.
| Jahr
| Einwohner
|
| 18341
| 1.172.375
|
| 18641
| 1.435.115
|
| 18901
| 1.737.544
|
| 19101
| 2.160.692
|
| 1950
| 2.932.242
|
| 1955
| 2.819.600
|
| 1960
| 2.737.865
|
| 1965
| 2.747.767
|
| 1970
| 2.759.084
|
|
| Jahr
| Einwohner
|
| 1975
| 2.737.235
|
| 1980
| 2.730.368
|
| 1985
| 2.721.539
|
| 1988
| 2.723.268
|
| 1990
| 2.611.319
|
| 1995
| 2.503.785
|
| 2000
| 2.431.255
|
| 2004
| 2.355.280
|
|
Werte ab 1950: Gebietsstand 1994 (bis heute keine Änderung); Daten jeweils zum 31. Dezember des Jahres; Quelle: TLS
1 Gebiete: alle Gebiete der thüringischen Staaten und der preußische Regierungsbezirk Erfurt sowie die Herrschaft Schmalkalden. Daraus ergeben sich einige geringe Abweichungen gegenüber dem heutigen Gebietsstand. Mit einbezogen ist das Herzogtum Coburg, welches heute zu Bayern gehört, nicht mit einbezogen sind hingegen einige Gebiete im heutigen Nordosten Thüringens, nämlich die preußischen Kreise Ilfeld (Hannover), Kölleda (Reg.-Bez. Merseburg) und Sangerhausen (Region um Artern; Reg.-Bez. Merseburg)
Dialekte

Verbreitung der einzelnen Mundarten
Die Sprachwissenschaftliche Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig unterscheidet in Thüringen neun regionale Mundarten[W. Lösch, R. Petzold, F. Reinhold, S. Wiegand: Kleines Thüringer Wörterbuch, Reclam Verlag Leipzig, 1995, S. 6], von denen sieben zur Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe und zwei zur Mainfränkischen Dialektgruppe gehören. Die Übergänge zwischen diesen einzelnen Dialekten sind fließend, manchmal werden zusätzlich noch regional sehr beschränkte, kleinere Mundarten wie etwa das Rhöner Platt klassifiziert.
Zentralthüringisch wird in der Landesmitte um Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Gotha, Bad Langensalza und Sömmerda gesprochen. Nördlich folgen Nordthüringisch um Mühlhausen, Nordhausen, Sondershausen und das Eichsfeld sowie Nordostthüringisch um Artern. Östlich an das Verbreitungsgebiet des Zentralthüringischen grenzt das Ilmthüringische um Weimar, Jena, Rudolstadt und das Schwarzatal, welches wiederum östlich ins Südostthüringischee übergeht. Diese Mundart wird vor allem um Saalfeld, Pößneck, Schleiz, Greiz und Gera gesprochen. Im Osten des Landes wird die Ostthüringisch Mundart gesprochen, dies gilt vor allem im Holzland und im Osterland um Altenburg. Im Raum Eisenach-Bad Salzungen herrscht Westthüringisch vor, ein Dialekt, in dem sich schon Einflüsse des Osthessischen ausmachen lassen. Südlich des Rennsteigs liegen die mainfränkischen Sprachgebiete mit Hennebergisch im Einzugsgebiet der Werra um Suhl, Hildburghausen, Meiningen und Schmalkalden und Itzgründisch im Einzugsgebiet der Itz um Sonneberg.
Die Thüringischen Dialekte vereinen ähnliche Merkmale, wobei diese von West nach Ost immer deutlicher hervortreten. Die beiden fränkischen Dialekte sind davon deutlich hörbar differenziert und vor allem im itzgründischen Sprachraum stark ausgeprägt.
Religion

Die Georgenkirche in Eisenach ist Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Thüringen
Christianisiert wurde Thüringen bereits ab dem 8. Jahrhundert durch Bonifatius, weshalb er gelegentlich als „Missionar der Thüringer“ bezeichnet wird. Bis zur Einführung der Reformation gehörte die Bevölkerung daher dem katholischen Glauben an.
Die thüringischen Staaten waren im 16. Jahrhundert eines der ersten protestantischen Gebiete der Welt, da der Reformator Martin Luther im Kurfürst Friedrich von Sachsen einen Förderer hatte. Zudem spielten sich die Hintergründe der Reformation teilweise in Thüringen ab: Luther absolvierte sein Theologiestudium an der Universität Erfurt, seine Familie selbst stammte aus Möhra, die Bibelübersetzung entstand in Teilen auf der Wartburg und der Bauernkrieg sowie der Schmalkaldische Krieg als Reformationsfolgen trugen sich zu größeren Teilen in Thüringen zu.
Die evangelische Kirche hatte danach jedoch nie den gesellschaftlichen Einfluss, wie ihn die katholische Kirche in ihren Gebieten hatte. So galten die meisten thüringischen Staaten bereits im 18. Jahrhundert als liberal und aufgeklärt, was vor allem durch die Weimarer Herzogsfamilie gefördert wurde.
Die atheistische Weltanschauung der DDR trug später dazu bei, dass der Großteil der Bevölkerung die Kirche verließ und heute der Anteil der evangelisch-lutherischen Christen an der Gesamtbevölkerung bei rund einem Viertel liegt. In der evangelischen Kirche ist Thüringen in drei Gliedkirchen der EKD organisiert: Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen in den südlichen Landesteilen, Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in den nördlichen Landesteilen und Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck im Altkreis Schmalkalden. Die ELK in Thüringen und die EK der Kirchenprovinz Sachsen diskutieren über eine Fusion.
Katholische Gegenden in Thüringen sind das Eichsfeld und in geringem Umfang die Landeshauptstadt Erfurt, die bis 1815 unter dem Einfluss von Kurmainz standen. Zudem ist der Anteil katholischer Einwohner im Dekanat Geisa in der Rhön hoch, da dieses historisch enge Verflechtungen zum Bistum Fulda hat. Organisiert sind die Katholiken, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung bei knapp zehn Prozent liegt, größtenteils im Bistum Erfurt. Kleinere Teile des Landes gehören aber auch anderen Bistümern an.
Andere Religionsgemeinschaften spielen in Thüringen nur eine geringe Rolle. Beispielsweise besteht in Erfurt die einzige jüdische Gemeinde des Landes. Diverse christliche Freikirchen unterhalten in mittleren Städten eigene kleine Gemeinden.
Knapp zwei Drittel der Einwohner bekennen sich heute zu keiner Religionsgemeinschaft.
Die Schulen des Landes bieten evangelischen, katholischen und jüdischen Religionsunterricht an. Dabei können die Schüler zwischen Religionsunterricht oder dem Fach Ethik wählen. Religionsunterricht kann sowohl von staatlichen, als auch von kirchlichen Lehrern erteilt werden.
Geschichte
→
Hauptartikel: Geschichte Thüringens
Vom Stamm der Thüringer bis zur Landgrafschaft
Im dritten Jahrhundert bildete sich aus Teilen der Hermunduren, Turonen, Warnen und Angeln der Stamm der Thüringer, die später ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im fruchtbaren Thüringer Becken entlang der Unstrut gründeten. Erstmals urkundlich erwähnt wurden die Thüringer als Thoringi im Jahr 480 durch Sidonius Apollinaris. Ihr Königreich existierte bis 531, als die Franken es mithilfe der Sachsen zerschlugen und das Gebiet westlich der Saale ins Frankenreich eingliederten. Um 620 kam es durch die Merowinger zur Gründung des Herzogtums Thüringen, welches bis ins späte siebente Jahrhundert bestand. In diese Zeit fallen auch die ersten Ortsgründungen im Land, unter anderem Arnstadt im Jahr 704 und Erfurt im Jahr 742. Zeitgleich missionierte Bonifatius im Land, der das Bistum Erfurt gründete.
Die Ottonen machten das Gebiet an der unteren Unstrut zwischen Naumburg und Sangerhausen an der thüringischen Grenze zu einem Zentrum des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jahrhundert. Thüringen profitierte davon allerdings nur wenig, da sich in der Gegend kein eigenes, starkes Stammesherzogtum bilden konnte. Größte Macht im Thüringer Raum war in jener Zeit die Grafschaft Weimar. Erst die Ludowinger konnten wieder beträchtliche Teile Thüringens unter ihre Kontrolle bringen. So ließ Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Wartburg errichten. Seine Nachkommen wurden 1131 von Kaiser Lothar von Supplinburg zu Landgrafen von Thüringen erhoben. Unter ihnen erblühte die Region zu einem Zentrum der deutschen Kultur des Hochmittelalters, besonders der Sängerkrieg auf der Wartburg und das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. 1247 starb das Landgrafengeschlecht aus, woraufhin der thüringisch-hessische Erbfolgekrieg begann. Er endete damit, dass die Wettiner große Teile des Landes erhielten und in ihren Staat integrierten. Es begann eine fast 700 Jahre währende Herrschaft der Wettiner über Thüringen, die erst mit der Abschaffung der Monarchien in Deutschland 1918 endete.
Thüringen unter den Ernestinern im 16. Jahrhundert

Martin Luther (nach Lucas Cranach dem Älteren, 1529)
1485 wurden mit der
Leipziger Teilung die wettinischen Lande auf die jüngeren
Albertiner im Osten und die älteren
Ernestiner im Westen verteilt. Diese übernahmen gleichzeitig die
Kurwürde von den Wettinern. Die Ernestiner herrschten zunächst über große Teile Thüringens, lediglich ein Streifen im Norden entlang der Unstrut gehörte den Albertinern.
Mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts rückte Thüringen ins Zentrum der deutschen Politik. Martin Luther studierte zunächst an der Universität Erfurt und wohnte im Augustinerkloster, bevor er nach Wittenberg ging und die Reformation begann. Schließlich wurde er vom sächsischen Kurfürst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt, wo er an der Bibelübersetzung ins Deutsche arbeitete. 1525 begann als Folge der Reformation der Bauernkrieg, der in den thüringischen Städten Mühlhausen und Frankenhausen zwei seiner Zentren und mit Thomas Müntzer einen starken Anführer fand. Später begann in Thüringen der Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt und protestantischen Fürsten, der 1547 mit der Wittenberger Kapitulation und einer Niederlage der Protestanten endete. Deshalb ging die sächsische Kurwürde von den zunehmend an Bedeutung verlierenden Ernestinern an die Albertiner über. Als die Henneberger 1583 ausstarben, trat ein Erbvertrag in Kraft, der den Ernestinern umfangreiche Besitztümer in Südthüringen einbrachte. Mit der Erfurter Teilung 1572 begann die fortwährende Zersplitterung des ernestinischen Besitzes in zahlreiche Herzogtümer, die teilweise bis 1918 Bestand hatten. Thüringen versank in der politischen Bedeutungslosigkeit.
Ein Zentrum deutscher Kultur im 18. und 19. Jahrhundert
Erst ab etwa 1780 machten die regierende Herzogin
Anna Amalia und ihr Sohn
Carl August wieder auf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter wie
Johann Wolfgang von Goethe oder
Friedrich Schiller an ihren Hof, sodass sich dort die
Weimarer Klassik als deutsche Version der klassischen Literaturbewegung etablierte. Einher ging damit die Einführung einer Verfassung in
Sachsen-Weimar-Eisenach, dem größten Staat in Thüringen, bereits 1816, die für die nötige Liberalität sorgte um Veranstaltungen wie das
Wartburgfest (1817) erlauben zu können. Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Weimar in kultureller Hinsicht sein „Silbernes Zeitalter“ um den Musiker
Franz Liszt.
Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 sorgte dafür, dass das Erzbistum Mainz seine Gebiete um Erfurt und das Eichsfeld verlor und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten. Sie wurden auf dem Wiener Kongress 1815 endgültig Preußen zugeschlagen. Er erhob auch Sachsen-Weimar-Eisenach zum einzigen Großherzogtum Thüringens.
1833 erfolgte die Gründung des Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten, der die Industrielle Revolution im Land beflügelte. 1842 erreichte die erste Bahnlinie thüringisches Gebiet und 1846 wurde mit der Thüringer Bahn die Hauptbahnlinie des Landes eröffnet. Zunächst nahm die ostthüringische Textilindustrie um Gera einen Aufschwung, gefolgt von der überall im Land verstreuten Metallindustrie und der optischen Industrie in Jena, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Weltspitze aufstieg.
Als Folge der Industrialisierung wurde Thüringen zur Wiege der Sozialdemokratie. 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die 1875 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Gotha zur SPD fusionierte. Das Gothaer Programm und das Erfurter Programm legten in der Folge die Ziele der sozialdemokratischen Politik in Deutschland fest.
Zwischen Erstem Weltkrieg und Wiedervereinigung
Die
Novemberrevolution nach dem Ersten Weltkrieg fand ihr thüringisches Zentrum im
Freistaat Sachsen-Gotha unter Revolutionsführer
Wilhelm Bock. In Gotha wurde bereits am 8. April 1917 die
USPD gegründet. Zunächst dankten die acht Thüringer Monarchen zwischen 9. und 25. November ab. Im
Freistaat Sachsen-Gotha bildete sich ein kommunistischer Rat, woraufhin dieses Land bis 1920 in politischen Querelen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen versank. Die
Weimarer Verfassung wurde 1919 in Weimar erarbeitet und in
Schwarzburg unterschrieben und dadurch als erste demokratische Verfassung für Gesamtdeutschland in Kraft gesetzt.
Nachdem die Monarchen abgedankt hatten, war der Weg frei zur Gründung eines einheitlichen Staats in Thüringen. Am 1. Mai wurde daher das Land Thüringen gegründet. Es umfasste die Thüringischen Staaten, namentlich Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und den Volksstaat Reuß. Sachsen-Coburg schloss sich Bayern an.
1923 kam es zur Bildung einer Landesregierung aus SPD und KPD, die zum Roten Oktober in Sachsen und Thüringen führte. Die beiden Länder wurden mit der Reichsexekution bedroht und die Reichswehr marschierte ein, um die Regierung abzusetzen, was ihr auch gelang. Die 1920er-Jahre blieben von politischem Stillstand und ständig wechselnden Landesregierungen geprägt. Bereits 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP in Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Land Thüringen gleichgeschaltet und somit faktisch aufgehoben. Gauleiter Thüringens war Fritz Sauckel. Während der NS-Zeit lagen zwei Konzentrationslager im Land: das KZ Buchenwald bei Weimar und das KZ Dora Mittelbau bei Nordhausen.
Der Zweite Weltkrieg richtete in Thüringen mäßige Schäden an. Größere Zerstörungen in Folge von Bombardements gab es lediglich in Nordhausen und Creuzburg, einzelne Bombenschäden unter anderem in Erfurt, Jena und Gera. Thüringen wurde von den Amerikanern befreit und im Sommer 1945 an die sowjetische Miltärverwaltung übergeben. Das Land Thüringen wurde wiederhergestellt und um den vormals preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert. Aufgelöst wurde es von der DDR-Regierung 1952. An seine Stelle traten der Bezirk Erfurt, der Bezirk Gera und der Bezirk Suhl.
Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat Thüringen wiedergegründet. Er entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl, sowie aus Teilen der Bezirke Leipzig (Kreise Altenburg und Schmölln) und Halle (Kreis Artern).
Politik
Der Staatsaufbau Thüringens basiert auf der Verfassung des Freistaates Thüringen von 1993.
Laut der Verfassung ist Thüringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle
Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch
Wahlen,
Volksbegehren und
Volksentscheid verwirklicht.
Legislative

Sitzverteilung im Landtag
Die
Legislative ist der
Thüringer Landtag, der alle fünf Jahre nach dem personalisierten
Verhältniswahlrecht neu gewählt wird. Der vierte Thüringer Landtag besteht aus 88 Abgeordneten und wurde auf Grundlage des Wahlergebnisses vom 13. Juni 2004 gebildet. Die
CDU hat mit 45 Mandaten die absolute Mehrheit und stellt die Landesregierung.
Die Linke verfügt über 28 Sitze und bildet gemeinsam mit den 15
SPD-Abgeordneten die Opposition im Landtag. Die Präsidentin des Landtags ist
Dagmar Schipanski (CDU).
Im Weiteren besteht die Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Legislative des Volks durch Volksentscheid.
Siehe auch: Wahlergebnisse und Landesregierungen in Thüringen
Exekutive
Die
Exekutive besteht aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern. Der Ministerpräsident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in geheimer Abstimmung für die gesamte
Legislaturperiode gewählt. Der Ministerpräsident ernennt und entlässt die Minister. Er bestimmt außerdem einen Minister zu seinem Stellvertreter. Der Landtag kann den Ministerpräsidenten nur durch ein
konstruktives Misstrauensvotum absetzen.
Ministerpräsident ist seit 2003 Dieter Althaus (CDU). Seine Vorgänger waren Josef Duchač (CDU, 1990–1992) und Bernhard Vogel (CDU, 1992–2003). Sitz des Ministerpräsidenten ist die Thüringer Staatskanzlei in der Erfurter Altstadt.
Seit 1999 ist in Thüringen eine Alleinregierung der CDU im Amt, die bei der Landtagswahl 2004 ihre absolute Mehrheit knapp verteidigen konnte. Die derzeitigen Regierungsmitglieder sind:
Siehe auch: Kabinett Althaus II
Judikative
Die Judikative wird vom
Thüringer Verfassungsgerichtshof und von den weiteren
Gerichten des Landes ausgeübt. Der Verfassungsgerichtshof besteht aus einem Präsidenten und acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert sich in das
Thüringer Oberlandesgericht Jena, die Landgerichte in Erfurt, Gera, Mühlhausen und Meiningen sowie die nachgeordneten Amtsgerichte.
Das Thüringer Oberverwaltungsgericht hat seinen Sitz in Weimar.
Landeswappen und Flagge
→
Hauptartikel: Thüringer Landeswappen und Flagge Thüringens
Das Thüringer Landeswappen zeigt im lasurblauen Schild den viermal gleichbreit rot-silbern gestreiften, golden bewehrten und gekrönten »Bunten Löwen« der Ludowinger, umgeben von acht silbernen Sternen.
Als älteste farbige Darstellung des »Thüringer Urwappens« blieb der Wappenschild des Landgrafen Konrad von Thüringen aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Erbfolgekrieg 1264/65 entließ Hessen politisch selbstständig, das seitdem den »Bunten Löwen« (umgekehrt gestreift: silber-rot) im Wappen führt. Als sich am 1. Mai 1920 das Land Thüringen aus den sieben republikanischen thüringischen Kleinstaaten zusammenschloss, wurden in Anlehnung an das föderale Sternenbanner der USA sieben silberne Sterne auf revolutionär-republikanisch rotem Grund zum Staatswappen gewählt. Die Nationalsozialisten verpassten Thüringen ein archaischeres, beadlertes Wappen. Mit der Neugründung des Landes Thüringen wurde 1991 das jetzige Thüringer Wappen aus den historischen Grundlagen abgeleitet. Der achte Stern steht für die zusätzlich zum Freistaat Thüringen gehörigen, ehemals Preußen angegliederten Gebietsteile Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, Schmalkalden und Suhl.
|
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| Landeswappen
| Landesflagge
| Landesdienstflagge
|
Verwaltungsgliederung
Das Land Thüringen ist auf zwei Ebenen gegliedert. Auf der ersten Ebene stehen seit der Kommunalreform vom 1. Juli 1994 die 17
Landkreise und sechs
kreisfreien Städte und auf der zweiten Ebene die
968 Gemeinden des Landes (Stand: 1. Dezember 2007). Dazwischen gibt es teilweise Verwaltungsgemeinschaften und
erfüllende Gemeindenee als Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden, die ihre Verwaltungsaufgaben gemeinsam erledigen. Die Ebene der
Regierungsbezirk gab es in Thüringen nie, da die Größe des Landes dies nicht rechtfertigt.
Die Anzahl und der Zuschnitt der Landkreise und kreisfreien Städte waren seit der Einführung dieser Verwaltungsebene in Preußen 1815 stetigen Veränderungen unterworfen. Diese werden im Artikel Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens dargestellt.
Landkreise
| Nr.
| Landkreis
| Sitz
| Kfz.-Z.
| Fläche (km²)
| Einwohner (30. Juni 2006)
|
| 1
| Altenburger Land
| Altenburg
| ABG
| 569,08
| 105.557
|
| 2
| Eichsfeld
| Heiligenstadt
| EIC
| 939,82
| 109.576
|
| 3
| Gotha
| Gotha
| GTH
| 935,59
| 143.163
|
| 4
| Greiz
| Greiz
| GRZ
| 843,52
| 115.419
|
| 5
| Hildburghausen
| Hildburghausen
| HBN
| 937,38
| 70.612
|
| 6
| Ilm-Kreis
| Arnstadt
| IK
| 843,30
| 116.382
|
| 7
| Kyffhäuserkreis
| Sondershausen
| KYF
| 1.035,13
| 87.775
|
| 8
| Nordhausen
| Nordhausen
| NDH
| 710,91
| 93.084
|
| 9
| Saale-Holzland-Kreis
| Eisenberg
| SHK
| 816,99
| 90.313
|
| 10
| Saale-Orla-Kreis
| Schleiz
| SOK
| 1.148,41
| 92.739
|
| 11
| Saalfeld-Rudolstadt
| Saalfeld
| SLF
| 1.034,58
| 124.369
|
| 12
| Schmalkalden-Meiningen
| Meiningen
| SM
| 1.210,14
| 136.632
|
| 13
| Sömmerda
| Sömmerda
| SÖM
| 804,17
| 76.508
|
| 14
| Sonneberg
| Sonneberg
| SON
| 433,36
| 63.532
|
| 15
| Unstrut-Hainich-Kreis
| Mühlhausen
| UH
| 975,48
| 113.413
|
| 16
| Wartburgkreis
| Bad Salzungen
| WAK
| 1.304,84
| 137.527
|
| 17
| Weimarer Land
| Apolda
| AP
| 803,03
| 87.805
|
Kreisfreie Städte
Größte Städte
Siehe auch: Statistiken thüringischer Kommunen
| Stadt
| Landkreis
| Einwohner
|
| 31. August 1950
| 31. Dezember 1988
| 31. Dezember 2000
| 31. Dezember 2006
| Veränderung 2000 bis 2006 in %
|
| Erfurt
| kreisfrei
| 188.650
| 220.016
| 200.564
| 202.658
| align='right' 1,04
|
| Gera
| kreisfrei
| 98.576
| 134.834
| 112.835
| 102.733
| align='right' |
| Jena
| kreisfrei
| 80.309
| 108.010
| 99.893
| 102.494
| +2,60
|
| Weimar
| kreisfrei
| 64.452
| 63.412
| 62.425
| 64.481
| +3,29
|
| Gotha
| Gotha
| 57.414
| 57.365
| 48.376
| 46.780
| align='right' |
| Nordhausen
| Nordhausen
| 39.452
| 48.734
| 46.645a
| 44.272
| align='right' |
| Eisenach
| kreisfrei
| 51.777
| 48.361
| 44.442
| 43.626
| align='right' |
| Suhl
| kreisfrei
| 24.020
| 56.345
| 48.025
| 42.315
| align='right' |
| Altenburg
| Altenburger Land
| 49.413
| 53.288
| 41.290
| 37.530
| align='right' |
| Mühlhausen
| Unstrut-Hainich-Kreis
| 48.769
| 42.994
| 38.695
| 37.098
| align='right' |
| Saalfeld/Saale
| Saalfeld-Rudolstadt
| 27.673
| 34.684
| 29.511
| 27.861
| align='right' |
| Ilmenau
| Ilm-Kreis
| 18.538
| 29.110
| 27.176
| 26.622
| align='right' |
| Arnstadt
| Ilm-Kreis
| 28.195
| 30.482
| 27.220
| 25.674
| align='right' |
| Rudolstadt
| Saalfeld-Rudolstadt
| 28.234
| 32.109
| 27.528
| 25.268
| align='right' |
| Sondershausen
| Kyffhäuserkreis
| 19.622
| 24.616
| 26.514b
| 24.532
| align='right' |
| Apolda
| Weimarer Land
| 32.736
| 28.244
| 25.899
| 24.285
| align='right' |
| Sonneberg
| Sonneberg
| 30.182
| 27.649
| 24.837
| 23.681
| align='right' |
| Greiz
| Greiz
| 42.520
| 34.260
| 26.177
| 23.583
| align='right' |
| Meiningen
| Schmalkalden-Meiningen
| 23.484
| 25.708
| 22.240
| 21.349
| align='right' |
| Sömmerda
| Sömmerda
| 13.568
| 24.049
| 21.977
| 20.710
| align='right' |
| Leinefelde-Worbis¹
| Eichsfeld
|
|
| 22.201
| 20.570
| align='right' |
¹ Am 16. März 2004 Zusammenschluss von Leinefelde, Worbis, Breitenbach und Wintzingerode zu Leinefelde-Worbis
ainklusive Petersdorf, Rodishain, Stempeda
binklusive Schernberg
Raumordnung
Mit dem Landesentwicklungsplan 2004
[Landesentwicklungsplan 2004 ]
wurden die Grundzüge der Raumordnung im Land für die nächsten fünf Jahre festgelegt. Neben den seit 1991 existierenden vier Planregionen (
Mittelthüringen,
Südthüringen, Ostthüringen und Nordthüringen) gibt es im Land drei
Oberzentren (Erfurt, Jena und Gera) sowie 32
Mittelzentren, von denen einige zusätzlich die Teilfunktionen eines Oberzentrums haben.
Infrastruktur
Auf Grund seiner zentralen Lage im wiedervereinigten Deutschland wurden seit 1990 große Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur in Thüringen unternommen. Die größten Verkehrsprojekte sind teilweise fertiggestellt und teilweise noch in Bau. Im Jahr 2015 sollen alle Großprojekte abgeschlossen sein.
Straßenverkehr
Wichtigste Straßenverkehrsachsen in Thüringen sind die
Bundesautobahn 4 in Ost-West-Richtung und die
Bundesautobahn 9 in Nord-Süd-Richtung. Beide werden zur Zeit ausgebaut, um am Ende durchgehend sechsstreifig befahrbar zu sein. Ergänzt wird das Autobahnnetz durch die
Bundesautobahn 38 im Norden, die
Halle mit
Kassel verbindet und ihrer durchgängigen Fertigstellung entgegengeht. Die
Bundesautobahn 71 führt in Nordost-Südwest-Richtung quer durch das Land und ist bis auf den Abschnitt Sömmerda–Sangerhausen ebenfalls fertiggestellt. Sie verbindet die Landeshauptstadt Erfurt mit dem Raum
Würzburg im Süden und dem Raum Halle im Norden. Die
Bundesautobahn 73 setzt in Suhl südlich der Querung des Thüringer Waldes der A71 an und führt nach Süden in den Großraum
Nürnberg. Sie wird ab Ende 2008 ebenfalls durchgängig befahrbar sein. Nicht über thüringisches Gebiet verlaufen die
Bundesautobahn 44 und die
Bundesautobahn 72, die aber dennoch Einfluss auf den Verkehr in Thüringen haben. Erstere soll zukünftig die A 4 bei Eisenach mit
Kassel und dem
Ruhrgebiet verbinden und letztere bietet dem Raum Greiz eine Autobahnanbindung. Dennoch gibt es einige Bereiche, die von diesen Autobahnen umgangen werden. Dies sind insbesondere der Raum Saalfeld/Rudolstadt und der Raum Mühlhausen, wo durch Ausbau der Bundesstraßen eine gute Anbindung sichergestellt werden soll.
Siehe auch: Liste der Fernstraßen in Thüringen
Bahnverkehr
→
Hauptartikel: Eisenbahn in Thüringen
Die Eisenbahn erreichte Thüringen im Jahr 1842 mit der Bahnstrecke von Leipzig über Altenburg nach Hof (Sächsisch-Bayerische Eisenbahn genannt). Die Landeshauptstadt Erfurt erhielt 1846 einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Berlin nach Frankfurt am Main. Heute gibt es in Thüringen zwei Eisenbahnstrecken, die zum ICE-Liniennetz gehören, die Saalbahn (Berlin)–Naumburg–Jena–Saalfeld–Kronach–Lichtenfels–(Nürnberg–München) und die Thüringer Bahn (Dresden–Leipzig)–Naumburg–Weimar–Erfurt–Gotha–Eisenach–(Fulda–Frankfurt am Main). Vor 1945 gab es noch eine dritte bedeutende Personenverkehrsachse durch Thüringen, die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt, die von Expresszügen von Berlin nach Stuttgart genutzt wurde. Heute hat sie ihre Bedeutung aber weitestgehend verloren. Die Halle-Kasseler Eisenbahn über Nordhausen diente und dient hauptsächlich dem Ost-West-Güterverkehr. ICE-Halte in Thüringen sind Erfurt Hbf, Weimar, Gotha und Eisenach an der Strecke Dresden–Frankfurt sowie Jena Paradies und Saalfeld an der Strecke Berlin–München.
Im Regionalverkehr erbringen neben der DB Regio Südost auch die Vogtlandbahn, die Erfurter Bahn und die Südthüringenbahn Verkehrsleistungen. Regionalexpress-Verbindungen bestehen in angrenzende Großstädte wie Göttingen, Magdeburg, Chemnitz oder Würzburg. In Bau sind gegenwärtig die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle als größtes derzeitiges Bauprojekt der Bahn. Mit der Fertigstellung in Richtung Halle wird um das Jahr 2015, nach Nürnberg ab 2017 gerechnet. Dann werden sich die Reisezeiten zwischen Erfurt und Nürnberg/München sowie Leipzig/Berlin mit dem ICE deutlich verkürzen.
Seine maximale Ausdehnung erreichte das Thüringer Eisenbahnnetz um 1940 mit fast 2500 Kilometern. Heute sind noch knapp 1500 Kilometer Bahnstrecken in Betrieb.
Flugverkehr
Flughäfen mit Linienbetrieb sind der
Flughafen Erfurt und der
Flughafen Altenburg-Nobitz. Weitere Flugplätze gibt es bei den Städten
Arnstadt,
Bad Berka, Bad Frankenhausen,
Bad Langensalza,
Eisenach,
Gera, Gotha, Greiz,
Ilmenau, Jena, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Schlotheim, Sömmerda, Suhl und Weimar.
Energie- und Wasserversorgung

Die Talsperre Schönbrunn
Die Stromerzeugung spielt in Thüringen nur eine untergeordnete Rolle, da das Land seit jeher von den großen Braunkohlekraftwerken bei Leipzig und in der Lausitz mitversorgt wird. In den letzten Jahren wurde im Freistaat der Aufbau
erneuerbarer Energien gefördert. So entstanden neben zahlreichen
Windparks auch das
Pumpspeicherwerk Goldisthal, das größte Pumpspeicherwerk Deutschlands. Die Wasserenergie wurde jedoch schon seit den 1930er-Jahren im großen Stil genutzt. Damals entstand das Talsperrensystem
Saalekaskade, wo mit der
Bleilochtalsperre die größte Talsperre Deutschlands liegt. Der Freistaat gehört zum Energieversorgungsgebiet von
Vattenfall.
Thüringen ist eines der wasserreichsten Bundesländer. Die großen Talsperren im Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge versorgen teils auch angrenzende Regionen in anderen Ländern mit Trinkwasser. Bedeutende Trinkwassertalsperren sind die Talsperre Leibis-Lichte, die Talsperre Schönbrunn, die Talsperre Schmalwasser und die Ohratalsperre.
Wirtschaft

Symbol für ostdeutsches Unternehmertum - JenTower in Jena
Historisch betrachtet hat sich die Verteilung zwischen wohlhabenden und ärmeren Gebieten in Thüringen seit 1945 grundlegend verändert. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die ärmsten Gegenden im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und auch in den ländlichen Räumen Südthüringens zu finden. Zu den entwickeltsten Gebieten zählten das industrialisierte Ostthüringen um Gera sowie die an Sachsen grenzenden Gebiete, welche von den Städten Zwickau, Leipzig und Chemnitz profitierten. Auch Kommunen, in denen sich öffentlicher Dienst konzentrierte wie etwa Meiningen oder Weimar waren relativ wohlhabend. Heute sind die entwickeltsten und wohlhabendsten Regionen hingegen entlang der Thüringer Städtekette zu finden, besonders der Raum Erfurt-Weimar-Jena weist ein hohes Wirtschaftswachstum auf. Das vom industriellen Strukturwandel geprägte Ostthüringen zählt heute hingegen gemeinsam mit dem Norden des Landes zu den strukturschwachen Regionen Thüringens.
In Thüringen werden vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien und viele Produkte aus der Metallverarbeitung hergestellt. Die meisten Arbeiter sind in Eisenach und Waltershausen im Maschinen- und Fahrzeugbau beschäftigt, aber auch in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion. Von Bedeutung sind Elektrotechnik und Gerätebau in Erfurt, Eisenach, Ruhla, Suhl und Meiningen. Die Stadt Jena erlangte durch die Herstellung von Präzisionsgeräten weltweites Ansehen. Aus dem Unternehmen „Carl Zeiss Jena“ entstand nach 1990 Jenoptik, der größter Arbeitgeber der Stadt.
In Thüringen gibt es eine Reihe börsennotierter Unternehmen (in Klammern der Börsenwert am 11. Oktober 2006) (Analytik Jena (32 Mio.), BioLitec (75 Mio.), Carl Zeiss (594 Mio.), Condomi (3 Mio.), Cybio (23 Mio.), ErSol (456 Mio.), Funkwerk (111 Mio.), Geratherm (26 Mio.), Hyrican (22 Mio.), Intershop (26 Mio.), Jenoptik (369 Mio.) und Q-Soft (2 Mio.)).
Im Thüringer Becken, in der Orlasenke und im Gebiet südlich von Altenburg wird viel Ackerbau betrieben. Angebaut werden vor allem Weizen, Gerste und Zuckerrüben, im Untereichsfeld und im Werragebiet vielfach auch Tabak. In den Flusstälern wachsen Obst und Gemüse und in Erfurt waren Blumenzucht und Gemüseanbau die Grundlage für die Erfurter Saatzucht.
Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für das Bundesland. Die Erholungsgebiete befinden sich hauptsächlich im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Der etwa 160 Kilometer lange Fernwanderweg „Rennsteig“, der auf dem Kamm des gesamten Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges entlangführt, bietet sehr gute Fernsichten. Eines der Wintersportzentren ist Oberhof, welches etwa zehn Kilometer nördlich von Suhl liegt. Im Jahr 2005 waren die meist besuchten Orte Thüringens: Erfurt (610.071 Übernachtungen), Weimar (543.239), Oberhof (435.618), Jena (316.264), Bad Liebenstein (295.736, vor allem Kurgäste) und Eisenach mit 295.650 Übernachtungen.[Thüringer Landesamt für Statistik ]
Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in Thüringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und führte zu hohen Arbeitslosenraten. Zwei Drittel der alten Arbeitsplätze Thüringens fielen zwischen 1989 und 1995 der wirtschaftlichen Wende zum Opfer. Inzwischen haben einige Branchen wie der wissenschaftliche Gerätebau, die Mikroelektronik und die Medizintechnik beachtliche Zuwächse erzielt, so dass hier ein Arbeitskräftemangel zu beobachten ist. Über die vergangenen fünf Jahre gelang es Thüringen zusammen mit dem Freistaat Sachsen, sich von der geringeren Dynamik der übrigen neuen Länder abzukoppeln und die Arbeitslosigkeit um bis zu 5 Prozentpunkte zu reduzieren.
Insgesamt lag die Arbeitslosenquote im November 2007 bei 11,5 %. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten weisen der Wartburgkreis (8,3 %), der Landkreis Sonneberg (8,0 %) und der Landkreis Hildburghausen (7,8 %) auf. Dominierend ist auf dem aktiven Arbeitsmarkt ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Auf der anderen Seite gibt es im Norden und Osten des Landes aber auch noch Gegenden mit sehr hoher Arbeitslosigkeit (z.B. Kyffhäuserkreis (18,3 %), Altenburger Land (16,2 %) sowie Gera (14,9 %)). [Bundesagentur für Arbeit ]
Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Thüringen einen Index von 81.4 (EU-27:100) (2004).
Größte Unternehmen
Die Städte mit den meisten Industriearbeitsplätzen waren 2006 Jena (7.227), Erfurt (6.503), Eisenach (6.038), Gotha (3.529), Nordhausen (2.934), Gera (2.743), Arnstadt (2.335), Suhl (2.227), Schmalkalden (2.169) und Sömmerda (2.153). Insgesamt waren 147.323 Menschen im verarbeitenden Gewerbe tätig.
[TLS ]
Medien
In Thüringen erscheinen drei größere lokale Tageszeitungen, die Thüringer Allgemeine im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Erfurt (Mitte, Norden), die Ostthüringer Zeitung im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Gera (Osten) und das Freie Wort im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Suhl (Süden). Daneben gibt es noch die Thüringer Landeszeitung, eine Zeitung die landesweit erscheint.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird in Thüringen vom MDR produziert. Der MDR besitzt ein Landesfunkhaus in der Gothaer Straße in Erfurt, in dem auch der KI.KA seinen Sitz hat. Dort wird das Thüringenjournal, die tägliche Fernseh-Nachrichtensendung für Thüringen, produziert. Daneben sendet der MDR mit MDR 1 Radio Thüringen ein eigens für das Land produziertes Hörfunkprogramm.
Neben den vom MDR angebotenen Radioprogrammen gibt es mit Antenne Thüringen, Landeswelle Thüringen und deren Tochtergesellschaft Radio Top 40 drei landesweit verbreitete private Hörfunkprogramme sowie noch mehrere lokale Fernseh- und Hörfunkstationen. In einigen Städten gibt es daneben auch nichtkommerziellen Lokalfunk. Dazu gehören Radio Frei in Erfurt, Radio Jena sowie radio hsf, ein Hochschulradio aus Ilmenau.
Hochschulen
Einzige Volluniversität ist die 1558 gegründete Friedrich-Schiller-Universität in Jena mit zehn Fakultäten, gleichzeitig die älteste durchgehend bestehende Hochschule in Thüringen. Mit der Bauhaus-Universität in Weimar mit den Schwerpunkten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien, der Technischen Universität Ilmenau und der nach der Wende wiedergegründeten Universität Erfurt mit geisteswissenschaftlichem Profil existieren drei weitere Universitäten.
Die vier Fachhochschulen des Landes befinden sich in Nordhausen, Erfurt, Jena und Schmalkalden. In Weimar befindet sich die Hochschule für Musik Franz Lisztnn. Zwei Berufsakademie bestehen in Gera und Eisenach.
Siehe auch: Hochschulen in Thüringen
Kultur
Die Kultur Thüringens ist bedingt durch die lange politische Zersplitterung (bis 1920) besonders vielfältig. Diese Vielfalt hat sich bis heute erhalten und findet in den verschiedenen ehemaligen Residenzen im Land Ausdruck. Parallel zur Vielfalt der Landesteile verbinden aber vor allem die ähnliche Küche sowie die ähnlichen Feste und Bräuche.
Städte
Am 30. Juni 2007 lebten 988.122 von 2.300.538 Menschen in Thüringen in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern. Obwohl der
Verstädterungsgrad mit 42,95 % relativ gering ist und ein Großteil der Städte seit 1940 kein wesentliches Wachstum mehr erfuhr, bilden sie die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren des Landes. Das umfangreichste kulturelle Leben spielt sich in den Städten Erfurt (Landeshauptstadt), Weimar (
Kulturhauptstadt Europas 1999) und Jena (universitäres und wirtschaftliches Zentrum) ab. Das Bild der Städte ist relativ heterogen, so zeigen einige Städte im Kern ein mittelalterliches Stadtbild. Dies gilt vor allem für Erfurt und Mühlhausen, aber auch für kleinere Städte wie Saalfeld und
Schmalkalden. Ein barock-klassizistisches Stadtbild prägt die ehemaligen Residenzen wie Weimar, Gotha, Eisenach, Rudolstadt oder Meiningen. In der Zeit der Industrialisierung herangewachsene Städte wie Gera, Altenburg, Greiz oder Apolda sind durch ein gründerzeitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet. Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass Jena und Nordhausen äußerst heterogene Stadtkerne besitzen, in denen Hochhäuser und Großwohnblocks mit Fachwerkbauten abwechseln. Dadurch ist ihr innerstädtisches Erscheinungsbild erheblich gestört. Die Stadt Suhl erfuhr in den 1960er- und 70er-Jahren einen in Thüringen beispiellosen Umbau, in dem der Großteil des Altstadtkerns entfernt und durch ein dem Zeitgeschmack der
Sozialistischen Stadt entsprechendes Zentrum ersetzt wurde.
Leinefelde entstand im wesentlichen zur DDR-Zeit und stellt die einzige Planstadt dieses Typs in Thüringen dar.
Burgen

Die Wartburg
Die hügelige Landschaft mit vielen Taleinschnitten sowie die zentrale Lage im deutschen Kulturraum begünstigten schon seit dem frühen Mittelalter die Anlage von Burgen im Freistaat. Die bekannteste Burg des Landes ist die zum
UNESCO-Weltkulturerbe gehörende
Wartburg oberhalb von Eisenach. Sie war einst Sitz der Landgrafen von Thüringen und später der Ort, an dem
Martin Luther vor der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt wurde und Teile der Bibel ins Deutsche übersetzte. Später erlangte die Wartburg noch einmal Bedeutung für die liberalen und nationalen Studentenbewegungen des 19. Jahrhunderts, da hier 1817 das
Wartburgfest stattfand.
Ein bekanntes Burgenensemble sind die Drei Gleichen zwischen Erfurt, Arnstadt und Gotha. Zu ihnen gehört mit der Mühlburg das älteste erhaltene Gebäude Thüringens aus dem Jahr 704. Weitere mächtige Anlagen sind die Burg Creuzburg über dem Werratal bei Creuzburg, die Leuchtenburg über dem Saaletal bei Kahla sowie die Osterburg über dem Elstertal bei Weida. Darüberhinaus besteht heute noch eine Vielzahl weiterer Burgen und Burgruinen, die in der Liste der Burgen und Schlösser in Thüringen aufgelistet werden.
Eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Burgen waren neuzeitliche Festungen. Mit der Zitadelle Petersberg erhebt sich in der Erfurter Altstadt eine der größten erhaltenen frühneuzeitlichen Festungsanlagen Mitteleuropas.
Schlösser
1918 gab es in Thüringen noch acht Monarchien mit eigener Residenz. Diese Residenzen sind heute die größten und bedeutendsten Schlösser Thüringens. Hauptsitz der
Ernestiner war Weimar, wo das heute zum Weltkulturerbe zählende klassizistische
Weimarer Stadtschloss ein umfangreiches Museum beherbergt. Das
Schloss Friedenstein in Gotha war Sitz des Herzogs von
Sachsen-Gotha und ist heute ebenfalls großenteils als Museum genutzt. Weitere ernestinische Residenzen waren das
Schloss Altenburg in Altenburg und das
Schloss Elisabethenburg in
Meiningen. Zusätzlich unterhielt dieses Herzogsgeschlecht viele kleine Landschlösser, die in ganz Thüringen verstreut liegen. Bekannte unter ihnen sind vor allem die
Dornburger Schlösser über dem Saaletal, die Schlösser
Tiefurt,
Ettersburg und
Belvedere bei Weimar sowie
Schloss Molsdorf bei Erfurt.
Neben den Ernestinern herrschten in Thüringen die Fürstengeschlechter Schwarzburg und Reuß. Die schwarzburgischen Residenzen Schloss Heidecksburg in Rudolstadt und Schloss Sondershausen sind heute ebenso umfassende Museen wie das Untere Schloss in Greiz. Die andere reußische Residenz in Gera, Schloss Osterstein, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sehenswert sind auch das Schloss Burgk, ebenfalls den Fürsten von Reuß gehörig, über den Saaletalsperren sowie das Schloss Schwarzburg im Schwarzatal.
Bedeutende frühneuzeitliche Schlossanlagen älterer Herrschergeschlechter sind die hennebergische Residenz Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Schloss Ehrenstein in Ohrdruf sowie Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden als Sitz einer Nebenlinie der Landgrafen von Hessen.
Kirchen und Klöster

Dom und Severikirche in Erfurt
Die bedeutendsten der etwa 2500 Sakralbauten Thüringens stammen aus der
Gotik und stehen in den Zentren der historischen Städte. In Erfurt liegt mit dem
Erfurter Dom die größte Kirche Thüringens, die mit der benachbarten
Severikirche ein sehenswertes Ensemble bildet. Darüberhinaus stehen in der Erfurter Altstadt etwa 25 weitere, meist gotische, Pfarrkirchen, die das Stadtbild maßgeblich prägen.
Für die Gotik bedeutend sind die beiden Hauptkirchen der Reichsstadt Mühlhausen. Die Marienkirche war ein Zentrum des Bauernkriegs von 1525 und besitzt den höchsten Kirchturm im Freistaat (86 Meter). Die Divi-Blasii-Kirche war eine Wirkungsstätte des Komponisten Johann Sebastian Bach und ist die gotische Hauptkirche Mühlhausens. In Nordhausen, der zweiten Reichsstadt Thüringens, liegt mit dem Nordhäuser Dom eine der beiden Domkirchen des Landes.
Erwähnenswert in der Kirchenlandschaft sind vor allem die Oberkirche in Bad Frankenhausen mit dem um vier Meter aus der senkrechten geneigten Turm sowie die Russisch-Orthodoxe Kirche in Weimar, die einst für Herzogin Maria Pawlowna errichtet wurde und zu den ältesten orthodoxen Kirchen Deutschlands gehört.
Die Klöster des Landes verloren im Wesentlichen mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Macht, woraufhin viele aufgelöst wurden. Daher sind heute vor allem romanische und gotische Klosterruinen erhalten. Historisch bedeutend war hierbei vor allem das Kloster Reinhardsbrunn bei Gotha und architektonisch interessant sind die Klosterruinen in Kloster Veßra und Paulinzella. Ein bekanntes Thüringer Kloster ist das