Die schriftliche Tora
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Rimonim, Danzig, 19. Jh
Die
Tora besteht aus fünf Büchern (im
Christentum die „Bücher Mose“, griech:
Pentateuch), die im
Hebräischen nach dem ersten Wort im Buch benannt sind:
| Bereschit (בְּרֵאשִׁית)
| (Im Anfang schuf ...)
| Genesis (1. Buch Mose)
|
| Schemot (שְׁמוֹת)
| (Dies sind die Namen ...)
| Exodus (2. Buch Mose)
|
| Wajikra (וַיִּקְרָ)
| (Und es rief JHWH ...)
| Levitikus (3. Buch Mose)
|
| Bemidbar (בְּמִדְבַּר)
| (Und es redete JHWH in der Wüste ...)
| Numeri (4. Buch Mose)
|
| Debarim (הַדְּבָרִים)
| (Dies sind die Worte ...)
| Deuteronomium (5. Buch Mose)
|
In der jüdischen Tradition heißt es, insgesamt fänden sich 613 Vorschriften (Mitzwot) in der Tora: 248 Gebote und 365 Verbote. Beide Zahlen sind Zahlen der Vollkommenheit: 248 symbolisiert die Zahl der Knochen im menschlichen Körper, 365 die Zahl der Tage im Jahr.
Begriffsbestimmung
Das hebräische Wort hat mehrere, verschieden weite Bedeutungen. Die engste bezeichnet die fünf Bücher Mose, die das Volk Israel laut dessen Überlieferung am Berg
Sinai erhielt.
Juden reden nicht vom Alten Testament, da dies ein
Neues Testament voraussetzt, das es im
Judentum nicht gibt; es gibt hier nur
ein Testament.
Die Schriftrolle
Im Zusammenhang damit ist mit „Tora“ oft die Torarolle gemeint. Dies ist eine große Rolle aus
Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben (ohne
Vokale) von Hand aufgeschrieben sind. Torarollen werden im Allgemeinen in der
Synagoge aufbewahrt. In Gottesdiensten, vor allem am
Schabbat, aber auch an
Feiertagen, wird aus dieser Torarolle in der Synagoge „gelesen“. Üblicherweise wird der Text dabei nicht gesprochen, sondern gesungen. Sinn dieser 2000jährigen Tradition ist, das jüdische Volk mit dem Text der Tora vertraut zu machen.
Eine für den öffentlichen Gottesdienstgebrauch vorgesehene Tora wird grundsätzlich per Hand von einem Sofer, einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber, geschrieben. Bei guter Aufbewahrung kann eine Torarolle mehrere hundert Jahre rituell brauchbar bleiben. Die älteste existierende Torarolle stammt von etwa 900 n. Chr., das heißt 1500 Jahre, nachdem die Endfassung der Tora geschrieben worden war. Torarollen, die mechanisch, durch Abnutzung oder hohes Alter beschädigt und somit unbrauchbar geworden sind, werden aus Respekt nicht weggeworfen, sondern in einer Genisa aufbewahrt oder auf einem jüdischen Friedhof begraben. Zum Toraschmuck gehören Mappa (Tuch), Me'il (Mantel), Tass (Schild), Jad (Stab) und Kether (Krone) oder je nach Anlass ein spezieller Aufsatz, Rimonim (Granatäpfel) genannt.
Die mündliche Tora
Laut traditioneller jüdischer Überlieferung erhielt Israel über
Mose jedoch nicht nur diese Schriften (die schriftliche Tora), sondern auch deren mündlich überlieferte Ausdeutung, die den Schlüssel für das Verständnis der schriftlichen Tora liefere. Diese wurde von den Propheten (
Neviim) und den weiteren Lehrern des Volkes mündlich überliefert. Unter Rabbi Jehuda ha-Nassi wurde das in einzelnen Sammlungen erhaltene, aber kaum überschaubare Material in ein System von 6 Ordnungen gebracht. Diese erste schriftliche Fixierung der Mündlichen Tora wurde zum Standardkanon, der in seinem Bestand nicht ergänzt, wohl aber kommentiert wurde. Die Mischna wird ausführlich im
Talmud diskutiert und erklärt. Talmud ist die Bezeichnung für das gesamte Werk, das aus
Mischna und deren Diskussion
Gemara besteht. Es gibt den Babylonischen Talmud, der in Bavel (dem heutigen Irak) entstand, und den Jerusalemer Talmud, der aber nicht die Bedeutung des Babylonischen Talmuds erlangte.
Die Mischna wurde um das Jahr 200 n. Chr. in schriftlicher Form fixiert, die
Gemara bis zum 6. Jahrhundert. Während im Pentateuch neben den erzählenden Teilen 613 Ge- und Verbote aufgelistet werden, werden in der Mischna und der Gemara diese Vorschriften konkretisiert und teilweise faktisch verändert.
Die hebräische Bibel
In einer weiteren Bedeutung bezeichnet Tora als
pars pro toto die gesamte jüdische Bibel (
Tanach), also die Tora im engeren Sinne, die
Neviim (Prophetenbücher) und die
Ketubim (Schriften).
Bedeutung der Tora
Die Tora ist seit mehr als 2500 Jahren mit ihrem klaren
Monotheismus, ihrer Rechts- und Philosophiegeschichte, ihrer
Mystik und vor allem ihrem
ethischen Gehalt ein wesentliches Element des Judentums.
Jedoch gilt eine Entstehungszeit vor dem 'Babylonischen Exil' unter den Historikern als unwahrscheinlich.
Zum einen werden sehr viele Fakten erwähnt, die um 1500 v.Chr nicht existent waren - z.B die Könige Israels, Karavanen, zum anderen trifft man in den Richtlinien des täglichen Lebens sehr viele Bräuche die nachweislich späterer Herkunft sind. [Geschichte des Altertums IV.1 Eduard Meyer 1944]
Mit dem Judentum in der Diaspora, aber vor allem mit dem Christentum und der Ekklesia (griechisch; deutsch: Kirche) wurde die Tora prägend für das westliche Abendland und prägte den Islam, durch das, was die Tora tatsächlich oder vermeintlich zu sagen hat, und in der Betrachtung, durch das, was man annahm, was sie zu sagen habe. Für das Judentum ist die Tora wichtiger Hintergrund für das Verständnis seiner Vergangenheit als Volk und als Zivilisation.
Bedeutungsebenen der Tora
Offenbarte und verborgene Dimension
Im
orthodoxen Verständnis hat die Tora zwei Dimensionen – eine offenbarte und eine verborgene. Die offenbarte Dimension enthält die Gesetze der Tora, die ein Ausdruck des Willens Gottes sind. Im
Hebräischen heißt dieser Aspekt
Gufej Tora („Körper der Tora“) oder
Nigleh, die „offenbarte Dimension“.
Neben dem „Körper“ der Tora gibt es auch die „Seele“ der Tora – die mystische Dimension. Sie birgt Einsichten über die göttliche Existenz und ihre Offenbarung, den Schöpfungsprozess und das Wesen der menschlichen Seele. Im
Hebräischen wird dieser Aspekt auch
Sitrej Tora genannt, die „Geheimnisse der Tora“, oder
Nistar, die „verborgene Dimension“.
Die 4 Bedeutungsebenen der Tora
Siehe Hauptartikel PaRDeS
Die unterschiedlichen Bedeutungsebenen der Tora werden in der orthodoxen Auffassung in 4 allgemeine Kategorien geteilt:
- Peschat ist die wörtliche, einfache Bedeutung des Verses. Der Vers (Gen. 1:1) „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“ bedeutet demnach, dass Gott im Anfang den Himmel und die Erde schuf.
- Remes sind die Hinweise und indirekten Bezugnahmen der Tora. Die Gematria etwa, der numerische Wert der hebräischen Buchstaben, ist eine der Methoden der Tora, auf Zusammenhänge hinzuweisen. Die Gematria von bereschit bara „Im Anfang schuf (Er)“ ist ident mit der von b'rosch ha'schana nivra ha'olam „an Rosch HaSchana wurde die Welt geschaffen“, erklärt beispielsweise der mittelalterliche Bibelkommentator Baal HaTurim (ca. 1275-1349).
- Drusch legt die abtrakte Bedeutung des Verses offen. Das hebräische Wort für „Im Anfang“ ist bereschit. Wie der Midrasch ausführt, kann dieses Wort in zwei geteilt werden: b - reschit. Damit will der Vers sagen, dass die Welt für die zwei (im Hebräischen der Buchstabe b) reschit („Anfang“, „Erster“) geschaffen wurde – das jüdische Volk und die Tora (siehe den Kommentar von Raschi ad. loc.).
- Sod (hebr. „Geheimnis“) ist der mystische Teil der Tora. Dem kabbalistischen Tikkune Sohar zufolge kann das Wort bereschit gelesen werden als bara schit „geschaffen (mit) sechs“, und drückt damit aus, dass Gott die Welt mit sechs emotionellen Attributen (hebr. „Middot“) schuf: Liebe, Strenge, Harmonie, Ambition, Herrlichkeit und Verbund (siehe Sephiroth).
Aber auch innerhalb dieser vier Ebenen gibt es verschiedene Interpretationen der Tora. Auf der Ebene des
Peschat etwa kennt das Judentum nicht eine, sondern mehrere Autoritäten (
Raschi,
Ibn Esra,
Raschbam u.v.m.). Und trotz einheitlicher Grundausrichtung auf die wörtliche Interpretation kommen sie oft zu unterschiedlichen Lehrmeinungen über die einzelnen Verse und Ereignisse.
Orthodoxes Bibelverständnis
Der grundlegende Unterschied zwischen
orthodoxem Judentum und
progressivem Judentum ist das Verständnis der
Offenbarung. Die orthodoxe Tradition innerhalb des Judentums betrachtet die Tora als
Gotteswort, das
Mosche am Berg
Sinai von Gott selbst gegeben wurde. Es wird in einigen orthodoxen Kreisen durchaus eingeräumt, dass sich in der Tradierung des Gotteswortes hier und da einige Schreibfehler eingeschlichen haben könnten, das fechte die Tatsache, dass die Tora das
Wort Gottes sei, jedoch nicht an. So ist dem orthodoxen Standpunkt ein Satz wie „Da erschuf Gott den Menschen in seinem Ebenbilde ...“ (Gen 1,28) eine Tatsache, da das Wort Gottes per definitionem die Wahrheit selbst ist. Dies impliziert auch, dass jedes Wort der Tora einen Sinn haben muss, da kein Buchstabe Gottes Wortes überflüssig sein könne. Wo die modernen Wissenschaften mit dem
Tanach in Widerspruch stünden, würde sich einmal zeigen, dass die modernen Wissenschaften irrten oder wir die Bibel nicht sachgemäß verstünden.
Progressives Bibelverständnis
Das nicht-orthodoxe Judentum sieht die Offenbarung als einen fortschreitenden („progressiven”) Dialog des Volkes Gottes mit seinem Gott. Im nicht-orthodoxen Judentum wird die Tora heute mit Hilfe
erkenntnistheoretischer Kriterien gedeutet. Das
Gewissen, die
Vernunft,
ethische Überlegungen, Erkenntnisse der
Natur-,
Geistes- und
Sozialwissenschaften beschränken die Bedeutung und die Auswirkung der Gebote und Verbote der Tora.
Die jüdische progressive Zivilisation ist in der Zeit von Menschenrechten, demokratischen Entscheidungen und Naturwissenschaften vor allem um die Einhaltung der Moralgesetze bemüht. Sie glaubt nicht, dass der Tanach, die Tora das unabänderliche Wort Gottes ist, aber dass diese im Kern göttlich inspiriert sind. Die Offenbarung ist ein fortschreitender Prozess. Gott offenbart die Inhalte seines Willens und seiner Gebote jeder Generation neu. Diese Haltung macht es möglich, die tradierte jüdische Rechtspraxis dort zu ändern, wo sie nach progressiver Auffassung den ethischen Normen des Judentums nicht mehr entspricht. Dazu zählen bestimmte Regeln in Bezug auf Scheidung, Mamser (d.h. ein aus einer inzestuösen oder ehebrecherischen Beziehung stammendes Kind), Kohanim (Priester), Homosexuelle etc. und vor allem die volle religiöse Gleichberechtigung von Frauen. Die Ausführung der Mitzwot wird in die verantwortliche Entscheidung des Einzelnen gestellt.
Das progressive Judentum bestimmt für sich Teile der Tradition, die immerwährende Bedeutung haben, getrennt von solchen, die zeitbedingt und relativ sind. Wertelemente der jüdischen Tradition und des Judentums von Dauer sind der Schabbat, das Streben nach Gerechtigkeit und die Heiligkeit des Lebens. Zeitbezügliche, relative Wertelemente sind zum Beispiel das Tempelopfer und die unbedingte Macht des Mannes über seine Frau (als juristische Sache).
Die fünf Bücher Mose im Christentum
Das
Alte Testament (AT) ist dreigegliedert, wie der
Tanach. Der
Pentateuch eröffnet die christliche
Bibel, wie den Tanach. Dabei bildet die Tora jedoch keine eigene Einheit, sondern ist meist mit den
vorderen Propheten (Josua, Richter, Samuel, Könige) und den Büchern Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester als Gruppe der
Geschichtsbücher sortiert. Die
katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher
Tobit und
Judith, die nicht Teil der
hebräischen Bibel sind.
In anderer Reihenfolge bezüglich des Tanach folgen im AT die
Schriften (
Ketubim) und dann nur die hinteren
Propheten (
Nebiim).
Mit der abweichenden Sortierung gehen im Christentum Abweichungen des Verständnisses des Pentateuchs einher. Die
fünf Bücher Mose werden nicht mehr als Lehre, Gesetz gelesen, sondern als
Geschichtsbücher. Es stehen im Christentum nicht mehr die Lehren und Gesetze im Vordergrund, sondern die
Verheißungen – besonders die
Abraham-Verheißung – und die Erzählungen von Gottes geschichtlichem Handeln. Nach Papst
Benedikt XVI ist Jesus selbst die erneuerte Tora, da er als Sohn Gottes einzig dazu berechtigt und imstande war, diese zu reformieren.
Durch die Schriften des
Neuen Testaments, wird an vielen Stellen deutlich der Bezug zwischen „Altem“ und „Neuem“ Testament hergestellt.
Die schriftliche Tora im Islam
In seiner Grundhaltung und
Weltanschauung verweist der
Islam auf das Erbe der Propheten und auf den klaren
Monotheismus Abrahams (Ibrahim). Judentum und Christentum gelten dem Islam als Religionen, die auch einen Anteil an der göttlichen Offenbarung haben. Aus verschiedenen Suresn des
Koran (3:3; 3:50; 3:65: 5:43ff.; 5:66ff.; 5:110; 7:157; 9:111; 48:29; 61:6; 62:5) ist den gläubigen Muslimen geläufig, das der Qur`an (Koran) Wurzeln in der Tora () hat.
Einige Bestimmungen der Tora werden im Qur'an zitiert, so das Prinzip „Auge um Auge“, welches aber relativiert wird:
Gemäß dem Koran wird auch das Auftreten des Propheten Mohammed (Muhammad) in der Tora prophezeit:
Nach geläufiger muslimischer Auffassung bezieht sich das auf .
Obwohl die Tora wie auch das Evangelium im Koran oft positiv erwähnt werden, werden sie von Muslimen jedoch kaum studiert. Nach islamischer Auffassung wurden Tora und das Evangelium (Indschil) verfälscht und sind deshalb von Muslimen als Grundlage des Glaubens nicht zu verwenden.
Die Aussage, dass der Koran Wurzeln in der Tora hat, ist eine Interpretation der Ähnlichkeiten zwischen Qur'an und Tora. Aus der Sicht eines Muslims ist der Grund für die Ähnlichkeiten, dass in der Tora trotz Veränderungen im Laufe der Zeit durch menschlichen Einfluss immer noch Elemente der ursprünglichen göttlichen Offenbarung enthalten und somit in der letzten Offenbarung Gottes (Allah), dem Qur'an, wiederzufinden sind.
Wissenwertes
- Wird die Tora getragen oder gelesen, so wird sie nur an den beiden Holzstangen gehalten. Das Pergament wird möglichst nicht berührt. Somit bleibt die Schrift leserlich und erhalten, denn eine Tora „herzustellen“ ist sehr aufwändig, da sie von Hand geschrieben wird. Dazu wird ein speziell ausgebildeter Schreiber, der Sofer, beauftragt. Ein Sofer benötigt zum Schreiben einer Tora etwa ein volles Jahr.
- Die Tora wird in Synagogen an einem speziellen Schrein, dem Aron haKodesch aufbewahrt. Meist ist dieser mit einer Tür und einem Vorhang verschlossen. Der Toraschrein wird während spezieller Gebete geöffnet, sowie zu Gelegenheiten an denen aus der Torarolle gelesen wird.
- Alle Zeilenbreiten und -längen sind durchgehend gleichbleibend.
Siehe auch
Literatur
- Hanna Liss, in Zus.arbeit mit Anette M. Böckler und Bruno Landthaler: TANACH - Lehrbuch der jüdischen Bibel. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3825351165
- Meinrad Limbeck: Von Jesus beten lernen. Das Vaterunser auf dem Hintergrund des Alten Testamentes. Religiöse Bildungsarbeit, Stuttgart 1980
Weblinks