Definitionen

E;
) 1979]]
Die Verbindung der Räder mit den nicht drehen Teilen des Wagens (
Fahrgestell, Ladefläche, Wagenkasten) kann unterschiedlich gestaltet sein.
Sind die Räder mit der Achse starr verbunden, die sich mit ihnen dreht, spricht man von einem Radsatz. Bei dieser Konstruktion kann die Achse auch als Welle bezeichnet werden. Radsätze haben die meisten Schienenfahrzeuge. Dreht sich die Achse nicht, so wird der innere, ihr aufsitzende Ring des Rades als Nabe bezeichnet. Lässt sich eine Achse, oder Teile davon, um einen vertikalen Drehpunkt bewegen, was Kurvenfahrten erheblich erleichtert, so spricht man von einer Lenkung. In der Frühzeit des Wagens wurde ein Abgleiten der Räder von den Achsen durch Achsnägel verhindert, die durch die Achse geschlagen wurden. Bei den gelenkten Wagen war die Einheit aus Deichsel und Vorderachse durch einen Reibnagel drehbar mit dem übrigen Wagen verbunden.

Anhänger mit Drehschemellenkung
Von Zugtieren gezogene Wagen werden
Fuhrwerk genannt. Das älteste Zugtier war das
Rind (
Kuh oder
Ochse), zum stärksten und schnellsten wurde das
Pferd, das wendigste ist das
Maultier. Als Zugtiere waren z. B. auch
Esel und
Kamel verbreitet.
Von Menschen bewegte Wagen werden als Handwagen bzw. Handkarren. Fuhrwerke, Handwagen und Anhänger werden mit ein oder zwei Deichseln bewegt, zumindest aber gelenkt. Für Zugtiere gab bzw. gibt es ein Zuggeschirr.
Bei Motorantrieb unterscheidet man motorisierte Wagen, die auch Platz für den Transport von Fahrgästen und Material bieten, Kraftwagen = Automobile (Autos) im Straßenverkehr, Triebwagen im Schienenverkehrn, von Zugmaschine, auf bzw. in denen im Wesentlichen nur Maschine, Fahrzeugführer und Brennstoff Platz haben, also Traktoren und im Schienenverkehr Lokomotiven.
Pedalgetriebene Fahrzeuge werden üblicherweise auch dann nicht als Wagen bezeichnet, wenn sie mehrspurig sind. Weichen sie sehr stark vom Erscheinungsbild eines Fahrrades ab, so werden sie mit dem englischen Kürzel HPV benannt (human powered vehicle).
Geschichte

Gedeckter Wagen, Original-Modell, 2.000 v. Chr

Sonnenwagen von Trundholm

Eisenzeitliche Rekonstruktion in Odense

Eisenzeitliche Rekonstruktion in Odense

Sehr viel hat sich nicht geändert. Bulgarien 1988
Anfänge
In der
Geschichte des Transportwesens waren Vorläufer des Wagens einerseits radlose Transporteinrichtungen wie
Schlitten und
Schleife, andererseits der Transport schwerer Lasten auf walzenförmigen Rollen.
Nach aktuellem Forschungstand kann die Erfindung von Rad und Wagen etwa gleichzeitig in verschiedenen Gegenden gemacht worden sein. Teile von Rädern und Wagen aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends wurden in Mesopotamien (heute Irakgebiet) ausgegraben, im Kaukasus (Wagengräber ab ca. 3700, von Anfang an auch vierrädrig) und im Alpenraum. Die älteste bildliche Darstellung wurde auf einem Tonkrug in Bronocice (Südpolen) gefunden. Dieser Krug aus dem Gebiet der Trichterbecherkultur wird auf ca. 3500 v. Chr. datiert und zeigt zwei vierrädrige Wagen. [Wasa z Broncic (polnisch) ]
(Das gefundene Gefäß ist eher ein Krug und „Vase“ heißt laut Lexikon „wazon“). Bei den meisten dieser Wagen drehten sich die Räder auf der oder den fest mit dem Wagen (-Rahmen) verbundenen Achse(n). Die den ältesten Wagenfunde aus dem Alpenraum weisen dagegen einen Radsatz mit Welle auf. Als Zugtiere scheint man in Europa, Afrika (Ägypten) und Asien zunächst nur Rindviehvieh, vor allem Ochsen verwandt zu haben. In Mesopotamien kamen später auch Esel zum Einsatz .
Aus der Bronzezeit sind Darstellungen wie der Sonnenwagen von Trundholm in Dänemark und der Kultwagen von Peckatel aus Mecklenburg bekannt, die den Rückschluß auf eine rituelle Verwendung und Bedeutung zulasen.
Frühe Verbesserungen
Speichenräder tauchen seit etwa 2000 v. Chr. auf, wiederum fast gleichzeitig u.a. in Mesopotamien und in Mitteleuropa. Eine in Mitteleuropa verbreitete Zwischenlösung war die Auskehlung der Radscheiben. Speichenräder machten die Wagen leichter und dadurch beweglicher. Auch Einachsigkeit war im Sinne der Gewichtsreduktion und Wendigkeit ein Vorteil und keine Primitivität. Ein Beispiel sind die zumeist einachsigen
Streitwagen der antiken Hochkulturen. Wegen ihrer leichteren Konstruktion konnten Speichenräder auch größere Durchmesser haben. Solange man noch keine
Wälzlager hatte und bei fehlender oder schlechter Federung verbesserte das den Komfort und verminderte den Verschleiß.
Über lange Zeiten scheint es sowohl Wagen mit starrer, als auch mit lenkbarer Vorderachse gegeben haben. Als erster Anhalt einer Lenkung wird eine aus der Zeit um 3000 v. Chr. gefundene in der Mitte quer durchbohrte Wagenachse angesehen [Ockenhausener Bohlenweg ]
, Wiesmoor [Eigene Nachfrage bei Hans Lässig, Rekonstrukteur prähistorischer Wagen und Bohlenwege: Nachweis von Achsen mit mittlerer Querbohrung, die als „Sollbruchstelle“ nur aus triftigem Grund eingebracht worden sein kann, eben für den Reibnagel]. Einen Hinweis auf stärkere Nutzung gelenkter Wagen liefert die Breite von Bohlenwegen, die während der Bronzezeit irgendwann schmäler gebaut wurden [Moor und Torf in der Volkskultur des steirischen Ennstales. S. 62, 63, 70, 73 (PDF; 3,0 MB ]
). In Bronze- und Eisenzeit ließ sich eine lenkbare Vorderachse mit einem metallenen Reibnagel einigermaßen sicher mit dem Wagen verbinden. Hinweise ergeben sich aus keltischen Wagengräbern (Rekonstruktionen [Rekonstruktion eines römischen Reisewagens und eines Wagens aus der Hallstattkultur ]
, Wagengrab von Boé [Martin Schönfelder: Das spätkeltische Wagengrab von Boé. (PDF; 6,2 MB ]
Mit Diskussion über Dejbjerg-Wagen)). Trotzdem hatten viele vierrädrige Wagen in der Römerzeit keine lenkbare Vorderachse. Im Mittelalter zeitweise so gut wie vergessen, setzte die Drehschemellenkung sich ab dem 13. Jahrhundert dann allgemein durch.
Führend bei der Weiterentwicklung des Wagens in der europäischen Antike waren die Kelten. Die Römer haben außer Technik und Typen auch viele Begriffe von ihnen übernommen. [Raimund Karl: Überlegungen zum Verkehr in der eisenzeitlichen Keltiké. Dissertation (PDF; 5,5 MB ]
)
Leichte gefederte Einachser bauten die Kelten schon im 2. Jahrhundert v. Chr. Die Römer hatten gedeckte Reisewagen mit federnd aufgehängten Wagenkästen. Im 15. Jahrhundert wurde eine ähnliche Federung in Ungarn erfunden. Unter der Bezeichnung Kutschen verbreiteten sich die komfortabel gefederte Wagen dann schnell in ganz Europa. Erst nach der Erfindung der stählernen Blattfeder konnte man wirklich schwere Wagen federn.
,
Schweiz
Neuzeit
Geschlossene Wagenkästen gab es schon im 16. Jahrhundert. Sie waren aber aus Gründen der Konstruktion und wegen der schlechten Straßen lange Zeit ein Gewichtsproblem. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam der geschlossenen
Postwagen auf, der einem Teil der Passagiere guten Witterungsschutz bot.
Ab Anfang des 19.Jahrhunderts gab es auch zunehmend (wieder, vgl. Römerzeit) befestigte Landstraßen (s. u.). Vorher verursachten die schmalen eisenbereiften Wagenräder tiefe Wagengeleise. Deswegen war in vielen Ländern die Spurweite der Fuhrwerke genormt.
Die heute bei Kraftwagen übliche Achsschenkellenkung wurde übrigens schon 1817 von einem Stellmacher (Wagenbauer) erfunden [Geschichte des Wagens und des Stellmacherhandwerks ]
. Etwa zur selben Zeit gelang es, durch Rad- und Speichensturz die Straßenlage und das Verhältnis von Gewicht und Stabilität zu verbessern.

Dampfwagen von N. Cugnot
Von großer Bedeutung für die Leistungsfähigkeit von Fuhrwerken war das
Geschirr, mit dem die Zugtiere den Wagen zogen. Lange Zeit gab es für schwere Wagen nur das
Joch, nur für Rindvieh geeignet. Im 9. Jahrhundert wurde das
Kummet-Geschirr erfunden, das die Zugleistung von Pferden und anderen Unpaarhufern wesentlich verbesserte.
Besonders schwer beladene Wagen wurden bis ins 19. Jahrhundert mit Ochsen gezogen (Geschwindigkeit etwa zwei Kilometer pro Stunde) und mit doppelten Rädern ausgestattet, vergleichbar mit den Zwillingsreifen heutiger LKW. Bei Pferdegespannen benutzte man für große Steigungen zusätzliche Vorspannpferde.
Der ersten maschinengetriebene Wagen war 1769 der Dampfwagen von Nicholas Cugnot, also über ein Jahrhundert vor den ersten Automobilen mit Ottomotor 1885/86.
Wagen und Wege
Sehr wichtig für die Effektivität der Zugtiere war die Qualität der Wege. Im Altertum bauten darum die Griechen einige steinerne Schienenwege und die
Römer erschlossen ihr gesamtes Reich durch ein gut ausgebautes
Straßennetz. Auch die Pferdeomnibusse des 19. Jahrhunderts ließen sich nur auf entsprechend ausgebauten Straßen ziehen. Bezeichnend ist auch die Pferdetraktion am Anfang der Eisenbahnengeschichte: Zwar erreichte die Eisenbahn ihre weltweite Bedeutung mit der Dampflokomotive, aber die ersten Eisenschienen wurden für
Pferdebahn verlegt. Das gilt für die ersten Kohle- und andere Grubenbahnen in Großbritannien, für die erste Fernbahn des europäischen Kontinents 1827 entlang dem
Goldenen Steig von Linz nach Budweis (České Budějovice), und für die ersten Straßenbahnen (New York 1832, Deutschland ab 1866).
Anmerkungen zur Datenlage

Reisewagen, Kupferstich aus der Toggenburger Bibel

Frachtwagen, Holzschnitt aus „Vergil“ (1502)

elegant: ein Hansom Cab

prätentionsloser Lieferwagen
- Archäologie des Wagenbaus: Historiker und Archäologefunden können selbstverständlich auf bewegliche Objekte nur dann zurückgreifen, wenn diese entweder sorgfältig aufbewahrt wurden, oder wenn sie dadurch erhalten sind oder zumindest Spuren hinterlassen haben, dass sie von Erdreich oder Wasser bedeckt wurden. Daher unterliegt die Verteilung der Funde noch ganz anderen Faktoren als nur der Herstellung und der Benutzung im Alltag. Viele vor- und frühgeschichtliche Wagenfunde sind Grab. Solche Wagengräber, bei denen ein Wagen wie ein Sarg benutzt wurde, waren vom Nordkaukasus bis auf die britischen Inseln verbreitet. Von Archäologen wird darauf hingewiesen, dass nicht wenige dieser Wagen Sonderanfertigungen für die Bestattung gewesen sein und sich von im Alltag benutzen Wagen jener Zeiten deutlich unterschieden haben dürften.
[Fürstengrab in Waldalgesheim ]
) Andere Wagen wurden in Feuchtgebieten wie norddeutschen Mooren oder dem oberschwäbischen Federsee gefunden, oft im Zusammenhang mit Knüppeldämmen.
- Speziell zur gelenkten Vorderachse: Die große Bandbreite der Zeitangaben ist das wenn auch wenig befriedigende Ergebnis einer ausgiebigen Recherche.
- Dejbjerg-Wagen: Internetseiten über diese in Jütland gefundenen, 2000 oder 2500 Jahre alten Wagen sind mit Vorsicht zu lesen. Die Angaben über ihre Entstehungsepoche reichen von Steinzeit über Bronzezeit bis Eisenzeit. Letzteres ist wohl korrekt, obwohl alle Metallteile an den Wagen aus Bronze sind.
Sprachgebrauch
Eine Besonderheit findet sich bei der Mehrzahlbildung von Wagen, die in einigen Regionen als 'die Wägen' gebildet wird. Diese Form war im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch die vorherrschende Form im hochdeutschen Sprachgebrauch, jedoch ist die Leitvariante der Mehrzahlbildung jetzt zu „die Wagen“ gewechselt.
[„Dritte Runde - Mehrzahl von Wagen“ ]
, Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), Phil.-Hist. Fakultät, Universität Augsburg, 19. Juni 2006
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Quellen