Leben
Kindheit und Ausbildung
William Morris wurde am 24. März 1834 im Elm House in
Walthamstow bei
London geboren. Sein Vater war ein Partner in einer Börsenmaklerfirma und hinterließ nach seinem Tod 1847 der Familie ein großes Vermögen. Die Kindheit von William Morris verlief glücklich, er zeigte jedoch noch nicht seine künstlerische Begabung. Im Alter von 13 Jahren besuchte Morris das neu gegründete Internat Marlborough College, das viel Wert auf Freiheit legte und weniger auf Disziplin achtete. Dort lernte er Handarbeiten und kam mit der
High-Church-Bewegung in Kontakt. Er verließ das Marlborough College in der Absicht ein
Theologiestudium anzutreten und
Priester zu werden.
[Arthur Clutton-Brock: William Morris. Parkstone Press USA, New York 2007. Seite 28]
Mit dem Frühjahrs-Trimester 1853 nahm William Morris das Studium am Exeter College der University of Oxford auf, an dem zu dieser Zeit die Lehre und Disziplin nicht besonders ernst genommen wurden. Sein Tutor sprach William Morris jeden literarischen Geschmack ab und bescheinigte ihm keine besonders hohe Intelligenz. Darin kommt eine wenig gute Beziehung der beiden zum Ausdruck. William Morris war von der Stadt Oxford begeistert, sah ihre Gegenwart jedoch als negativ an. Im ersten Semester freundete er sich mit Edward Burne-Jones an, der sein engster Kontakt während des Studiums blieb, da beide nicht viel mit ihren Mitstudenten anffangen konnten. Burne-Jones machte Morris mit seinen ehemaligen Mitschülern von der King Edward's Grammar School in Birmingham bekannt, die am Pembroke College studierten und in deren Gesellschaft sich dieser wohl fühlte.
Dort wurde er von den Ideen John Ruskins beeinflusst, und schloss mit Dante Gabriel Rossetti, Edward Burne-Jones, Ford Madox Brown, und Philip Webb Freundschaft. Er traf auch Jane Burden, seine zukünftige Frau, die aus der Arbeiterklasse stammte. Ihre blasse Haut und das kupferrote Haar galten Morris und seinen Freunden als Zeichen ausgesprochener Schönheit.
Schaffen
Die Kunstbewegung der
Präraffaelitischen Brüderschaft wurde von Morris und seinen Freunden bekannt gemacht. Sie lehnten industrielle Entwürfe und Architektur ab und suchten eine Rückkehr zur individuellen Handarbeit; sie sahen den Handwerker als Künstler.
William Morris nahm zuerst Anstellung in einem Architektenbüro, fühlte sich dann aber mehr und mehr zur Inneneinrichtung und Dekoration hingezogen. Zusammen mit Webb baute er das Red House in Kent, sein Hochzeitsgeschenk für Jane. Hier nahmen auch seine Designideen erste Gestalt an.
Im Jahr 1861 gründete er die Firma Morris, Marshall, Faulkner & Co. gemeinsam mit Gabriel Rossetti, Burne-Jones, Madox Brown, und Philip Webb. Sein ganzes Leben arbeitete er in seiner eigenen Firma, die allerdings von Zeit zu Zeit ihren Namen änderte. Der bekannteste dieser Namen ist Morris and Company. Seine Entwürfe werden heute noch unter Lizenz von den Londoner Firmen Sanderson and Sons und Liberty vertrieben.
Im Jahre 1877 gründete er eine Gesellschaft zum Erhalt historischer Bauwerke (Society for the Protection of Ancient Buildings). Hieraus entstand indirekt der National Trust.
William Morris und seine Tochter May waren mit die ersten britischen Sozialisten. Sie legten gemeinsam mit Eleanor Marx und Engels die Grundlage zur sozialistischen Bewegung. Im Jahre 1883 trat William Morris der Social Democratic Federation bei, und 1884 organisierte er die Socialist League. News from Nowhere, einer seiner bekannteren Romane, beschreibt die Utopie einer idealen sozialistischen Gesellschaft.
Morris und Rossetti mieteten ein Sommerhaus, Kelmscott Manor, in der Nähe von Lechlade in Gloucestershire für den Sommerurlaub; allerdings nutzten Rossetti und Jane Morris es für ihre langdauernde Affäre. Morris entfloh dieser Situation nach Island, wo er isländische Legenden suchte. Diese bildeten später eine Grundlage seiner Romane und Dichtungen.
Morris Märchenroman The Wood Beyond the World übte einen starken Einfluss auf C. S. Lewis Narnia-Bücher aus. J. R. R. Tolkiens Werk zeigt ebenfalls Abhängigkeiten von Morris Darstellungen frühen germanischen Lebens, wie etwa in The House of the Wolfings oder The Roots of the Mountains.
Im Januar 1891 gründete William Morris die Kelmscott Press in Hammersmith bei London, um qualitativ hochwertige Bücher herzustellen. Er entwarf Drucktypen wie seine 'Golden Type', die vom frühvenetianischen Drucker Nicolas Jenson beeinflusst war. Die Dekorationen folgten mittelalterlichen Holzschnitten des 15. Jahrhunderts. Die Auswahl von Papier und Druckertinte sowie der Sinn für das gesamte Druckerzeugnis machten die Kelmscott Press zur berühmtesten privaten Druckerei ihrer Zeit. Bis zu ihrer Schließung im Jahre 1898 wurden in ihr 53 Buchausgaben hergestellt. Heute gilt die Ausgabe der Canterbury Tales als eines der schönsten je hergestellten Bücher.
Die Kelmscott Press hat viele nachfolgende Privatdruckereien beeinflusst.
William Morris starb im Jahre 1896 und ist auf dem Friedhof bei Kelmscott in Oxfordshire beigesetzt.
Werk
Schriftstellerisches Werk
- The Haystack in the Floods
- The Defence of Guinevere, and other Poems (1858)
- The Life and Death of Jason (1867)
- The Earthly Paradise (1868-70)
- The Story of Sigurd the Volsung and the Fall of the Nibelungs (1876)
- Love is Enough, or The Freeing of Pharamond (1872)
- A Dream of John Ball (1886)
- The House of the Wolfings (1888)
- The Roots of the Mountains (1889)
- News from Nowhere (1890, dt. Kunde von Nirgendwo 1900)
- The Story of the Glittering Plain (1890)
- The Well at the World's End (1892, dt. Die Quelle am Ende der Welt 1981)
- The Wood Beyond the World (1892)
- The Storie of the Sundering Flood (1896, dt. Das Reich am Strom 1980)
William Morris übersetzte weiterhin eine Reihe mittelalterlicher und klassischer Werke, unter anderem Sammlungen isländischer Sagen, Vergils
Aeneiss (1875) und
Homer Odyssee (1887).
William Morris beschreibt seine Idealvorstellung einer Gesellschaft in seinem utopischen Roman News from Nowhere. In dieser Welt arbeiten die Menschen nur aus Vergnügen und verschenken ihre hochwertigen Handarbeiten an diejenigen, die sie wertschätzen. Diesen Wunsch versuchte Morris durch verschiedene Initiativen zu erfüllen und musste immer feststellen, dass seine qualitativ hochwertigen Produkte nur der wohlhabenden Schicht zukamen.
Bedeutung
Rezeption
Einzelnachweise
Literatur
- Arthur Clutton-Brock: William Morris. Parkstone Press USA, New York 2007. ISBN 978-1-85995-636-6
- Aymer Vallance: The Life and Work of William Morris, London 1897, Wiederauflage 1989. ISBN 1851700692
- Hans-Christian Kirsch: William Morris – ein Mann gegen die Zeit, Köln 1983. ISBN 3424007722
Weblinks
- Dieser Text basiert auf einer Übersetzung des Artikels aus der , Version vom ? 2004.