Soziale Marktwirtschaft
Die deutsche Wirtschaft wird oft als soziale Marktwirtschaft beschrieben.
Obwohl der Staat in einigen Sektoren die Wirtschaft durch Subventionen unterstützt, sind Wettbewerb und Marktwirtschaft Grundpfeiler in der Wirtschaftspolitik. Die Bundesregierungen der 1990er und 2000er Jahre haben durch die Privatisierung von Bundesbahn und Bundespost für mehr Wettbewerb gesorgt. Gleichzeitig bietet der deutsche Staat insbesondere über das System der Sozialversicherungen ein umfangreiches Angebot von sozialen Dienstleistungen an.
Die deutsche Wirtschaft ist mit einer Exportrate von mehr als einem Drittel des Inlandproduktes stark Export-orientiert. Aus diesem Grund war für Deutschland der Export immer ein Schlüsselelement des wirtschaftlichen Wachstums. Deutschland ist deswegen ein starker Befürworter starker wirtschaftlicher Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.
Geschichte
Überblick

Währungsreform: Formular 1948

Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1850-2005
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Deutschland wirtschaftlich und sozial am Boden. Nach der Währungsreform 1948 gelang der wirtschaftliche Wiederaufbau im so genannten Wirtschaftswunder, gleichzeitig wurden die Bürger durch den Sozialstaat abgesichert.
Deutschland wurde zum Exportweltmeister; Produktivität und Qualität deutscher Produkte insbesondere des Maschinenbaus genossen und genießen noch heute weltweit einen guten Ruf.
Bis in die frühen 1970er erlebte Westdeutschland ein beinahe durchgehend hohes wirtschaftliches Wachstum, welches aber danach - mit Rezessionen 1974 und 1981/82 sowie einer Wachstumsspitze 1979 - geringer wurde. In den 1970er und 1980er Jahren gehörte Westdeutschland zusammen mit Dänemark und Luxemburg zu den Staaten mit dem höchsten Durchschnittseinkommen der EG. Nach einem Wachstumshoch 1988/89 und dem westdeutschen Wiedervereinigungsboom 1990/91 folgte die Rezession von 1993. Seit 1994 gab es wieder acht Jahre lang Wachstum, das durchschnittlich etwa 1,5% betrug. Nach einer Stagnation von 2001 - 2003 wuchs die Wirtschaft 2004 um 1,2 %, 2005 um 0,9 % sowie 2006 um 2,8 %. Die Arbeitslosigkeit ist von etwa 2,5 Mio. (1992) auf etwa 4,8 Mio. (2005) gestiegen, bis Mai 2007 fiel die Zahl wieder auf 3,8 Mio., die Quote liegt dann bei 9,1%.
Wiedervereinigung
Nach der Wiedervereinigung musste zunächst die marode Wirtschaft in den damals neuen Bundesländern geschultert werden. Dies wurde vorwiegend über Neuverschuldung in den Haushalten und Übertragung einiger Kostenfaktoren in die sozialen Sicherungssysteme finanziert. Vierzehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind große Fortschritte in der Erhöhung des ostdeutschen Lebensstandards erkennbar, die Marktwirtschaft ist etabliert und die Infrastruktur wurde verbessert. Die Produktivität je Arbeitnehmer ist deutlich gestiegen und die Lohnstückkosten sind höher als in Westdeutschland. Gleichzeitig dauert der Angleichungsprozess zwischen Ost und West länger als ursprünglich angenommen an, nach manchen Maßstäben stagniert er sogar bereits seit Mitte der 1990er Jahre. Das Wirtschaftswachstum im Osten fällt geringer aus als im Westen, die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch, qualifizierte Arbeitnehmer wandern ab. Zusätzlich zum Solidaritätszuschlag plant die Regierung wirtschaftliche Aufbauhilfe bis ins Jahr 2019.
Aktuelle Konjunkturentwicklung
Ähnlich schwach wie Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre bis einschließlich 2005 kaum ein anderes Industrieland gewachsen. Die sogenannte Trendwachstumsrate der deutschen Wirtschaft ging in diesem Zeitraum stetig bis auf ein Prozent zurück. In Europa lag die Trendwachstumsrate dagegen bei rund 2 Prozent, in den USA sogar bei rund 3 Prozent.
Die deutschen Konjunkturforschungsinstitute zogen vor diesem Hintergrund in ihrer Gemeinschaftsdiagnose im Frühjahr 2005 die Schlussfolgerung: „Deutschland hat kein Konjunktur-, sondern ein Wachstumsproblem.“ Sie fordern weitreichende wirtschaftspolitische Reformen.
Mittlerweile hat das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich angezogen. Es wird zunehmend von der Inlandsnachfrage getragen, insbesondere von den rasch wachsenden Investitionen der Unternehmen. Viele Beobachter sehen die deutsche Wirtschaft in einem Konjunkturzyklus nach gewohntem Muster: Zunächst kamen die Wachstumsimpulse von der Außenwirtschaft. Mit zunehmender Auslastung der Produktionskapazitäten steigen seit 2006 die Investitionen im Inland beschleunigt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich: Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, die Zahl der Erwerbstätigen steigt. Mit wachsenden Einkommen wird schließlich auch der private Verbrauch spürbar erhöht werden können.
Rückblick auf die Konjunkturentwicklung 2005/2006
2005 hat sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf 0,9 % verringert.
Nach wie vor wurde die Konjunktur hauptsächlich von der Auslandsnachfrage getragen. Die Inlandsnachfrage nahm kaum zu (+ 0,5 %). Die Konsumausgaben der privaten Haushalte stagnierten. Die Kaufkraft der Haushalte wurde zwar durch Entlastungen bei der Einkommensteuer gestärkt, durch stark gestiegene Energiepreise aber geschwächt.
Ohne die Verteuerung von Haushaltsenergie und Kraftstoffen wäre der Anstieg der Verbraucherpreise, der sich 2005 von 1,6 % auf 2,0 % beschleunigte, auf 1,1 % zurückgegangen. So verzeichnete Deutschland die höchste Teuerungsrate seit 4 Jahren.
Die Anlageinvestitionen stiegen nach vierjährigem Rückgang etwas (+ 0,8 %). Ausschlaggebend dafür war die Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen.
Die Arbeitslosenzahl nahm im Jahresdurchschnitt 2005 um weitere 480.000 Personen auf den Rekordstand von 4,861 Millionen zu. Der sprunghafte Anstieg war jedoch kaum konjunkturell bestimmt, sondern weit überwiegend durch die erstmalige Aufnahme erwerbsfähiger Empfänger von Sozialhilfe in die Arbeitslosenstatistik bedingt. Allerdings hielt auch der Abbau sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze an. Insgesamt verschlechterte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Jahresdurchschnitt 2005 weiter.
Auch bei der Verringerung der öffentlichen Defizite konnten 2005 keine deutlichen Fortschritte erzielt werden. Das gesamtstaatliche Defizit näherte sich nur sehr langsam der „Maastricht-Grenze“ (3 % des Bruttoinlandsprodukts), die es seit 2002 deutlich überschritten hat. 2005 ist es auf 3,2 % des BIP gesunken. Dazu trugen allerdings vor allem verschiedene “Sondereffekte“ bei, z.B. Zahlungen von Landesbanken an die Länder.
2006 wurde der Aufschwung der deutschen Wirtschaft deutlich sichtbar. Das Wachstumstempo hat sich bei einer weiterhin rasch wachsenden Weltwirtschaft etwa verdreifacht. Es erreichte 2,8 %.
Anders als 2005 kam auch die Binnenkonjunktur in Schwung. Der Anstieg der Inlandsnachfrage erhöhte sich auf 1,6 % und leistete damit einen höheren Wachstumsbeitrag als die Außenwirtschaft. Die Anlageinvestitionen stiegen um 5,6 %, wobei die Ausrüstungsinvestitionen weiter beschleunigt zunahmen. Auch die Bauinvestitionen wuchsen nach langjährigem Rückgang deutlich. Der private Verbrauch erhielt zwar Impulse von der 2007 bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung um 3 Prozentpunkte, weil Käufe vorgezogen wurden. Sein Anstieg blieb jedoch schwach (+ 0,8 %).
Die konjunkturelle Wende war auch auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Die Arbeitslosenzahl sank deutlich um 374.000 Personen (– 7,7 %) auf 4,487 Millionen, die Zahl der Erwerbstätigen stieg um 0,7 %.
Der kräftige Aufschwung sorgte dafür, dass das Haushaltsdefizit bereits 2006 mit 1,7 % des Bruttoinlandsprodukts die Maastricht-Grenze (3 % des BIP) deutlich unterschritt.
Ausblick auf die Konjunkturentwicklung 2007/2008
Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute legte in ihrer Gemeinschaftsdiagnose zur Konjunkturentwicklung 2007/2008 am 19. April 2007 Prognosen vor.
Dabei ging sie von folgenden Annahmen aus:
- Der Rohölpreis bewegt sich 2007 und 2008 um 65 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent.
- Der Welthandel expandiert in diesem und im kommenden Jahr mit 7,5 %.
- Der Wechselkurs des Euro liegt bei einem Wert von 1,4 US-Dollar je Euro.
- Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verbessert sich 2007 geringfügig. 2008 verringert sie sich in Folge der kräftigeren Lohnsteigerungen ein wenig.
- Die Europäische Zentralbank hebt ihren Leitzins Mitte 2007 um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 % an und lässt ihn 2008 unverändert. Die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt erhöhen sich in einem ähnlichen Ausmaß.
- Die in Tarifverträgen vereinbarten Einkommen steigen 2007 je Stunde um 2,0 % und 2008 um 2,8 %.
Unter diesen Voraussetzungen erwarten die Institute folgende Entwicklungen:
Das Wirtschaftswachstum schwächt sich kaum ab. Es erreicht 2007 und 2008 jeweils rund 2,4 Prozent.
Der Produktionsanstieg wäre 2007 noch stärker, wenn er nicht durch die „restriktive Finanzpolitik“ um rund 0,5 Prozentpunkte gedämpft würde. Dazu verweisen die Institute auf die Vorzieheffekte der Erhöhung der Mehrwertsteuer beim Kauf langlebiger Gebrauchsgüter und beim Wohnungsbau.
Der größere Wachstumsbeitrag kommt 2007 mit 1,7 Prozentpunkten wiederum von der Inlandsnachfrage. Der private Verbrauch erholt sich bei real deutlich wachsenden Einkommen zunehmend. Die Investitionstätigkeit bleibt rege. Die Exporte stützen die Konjunktur bei einem etwas abgeschwächten Wachstum der Weltwirtschaft weiter.
Im Zuge des Aufschwungs verbessert sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt 2007 um 720.000 Personen auf knapp 3,8 Millionen (- 16 %). 2008 nimmt sie weniger stark um rund 300.000 Personen auf knapp 3,5 Millionen ab. Die bundesweite Arbeitslosenquote verringert sich dabei 2007 auf 8,7 Prozent (Westdeutschland: 7,2 %; Ostdeutschland: 14,7 %).
Trotz der Mehrwertsteuererhöhung beschleunigt sich der Anstieg der Verbraucherpreise 2007 nur wenig auf 1,8 %. 2008 soll die Teuerung so niedrig bleiben.
Das staatliche Haushaltsdefizit sinkt konjunkturbedingt, insbesondere aber durch Steuererhöhungen und den Abbau von Steuervergünstigungen, viel rascher als bisher erwartet. 2007 entspricht es nur noch 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2008 soll sogar ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden.
Ähnlich positiv wie die Forschungsinstitute schätzen viele andere Beobachter die aktuelle deutsche Konjunkturentwicklung ein. So hob der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) nach seiner Frühjahrsumfrage Mitte Februar seine Prognose von 1,5 auf 2,3 Prozent an. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) hielt im April „bis zu 2,5 %“ Wachstum für möglich. Auch Wirtschaftsminister Glos hob seine Ende Januar im Jahreswirtschaftsbericht vorgelegte Prognose (+ 1,7 %) Ende April auf 2,4 % an. Der Internationale Währungsfonds (IWF)blieb in seiner Frühjahrsprognose im Vergleich dazu zurückhaltend. Er erhöhte seine Wachstumserwartung lediglich von 1,3 auf 1,8 %.
Wirtschaftspolitische Forderungen der Institute zur Überwindung der Wachstumsschwäche
Die Forschungsinstitute forderten bereits in ihrem Frühjahrsgutachten 2005 weitreichende wirtschaftspolitische Reformen, um die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft zu überwinden. Der Staat müsse seinen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen verringern und den Freiraum für private Initiative erhöhen. Der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, die Staatsquote, soll reduziert werden. Der Staat soll die Subventionenn kürzen, die Steuer und seine Neuverschuldung senken. Im Bereich der Sozialpolitik sollen die Bürger mehr Eigenverantwortung übernehmen. Der Staat soll lediglich für eine Grundsicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter sorgen.
Zur Finanzpolitik bemängelten die Institute im Herbstgutachten 2006: „Die qualitative Konsolidierung kommt kaum voran.“ So würden die Bildungsinvestitionen nicht spürbar gesteigert während Einsparmöglichkeiten bei Steuervergünstigungen und Finanzhilfen ungenutzt blieben.
Wie dringlich die qualitative Konsolidierung des Staatshaushalts ist, lässt sich, so die Institute im Frühjahrsgutachten 2007, daran ablesen, dass der Anteil der staatlichen Investitionen am Bruttoinlandsprodukt zwischen 1999 und 2005 von 1,9 auf 1,3 % gesunken ist, das im langfristigen Vergleich niedrigste Niveau.
Wachstumsgerecht wäre nach Ansicht der Institute auch, die Sozialabgabenbelastung zu senken. Sie liegt nach wie vor über 40 % der beitragspflichtigen Entgelte.
Nach Angaben des OECD-Reports 'Revenue Statistics' ist Deutschland hingegen ein Niedrigabgabenland. Der Vergleich mit den EU 15-Staaten, dem Kernbereich der bisherigen Mitglieder der EU, zeigt: Im Jahre 2003 nahm Deutschland aus Steuern und Sozialabgaben 35,5 Prozent des BIP ein. In der EU 15 waren es dagegen 40,5 Prozent. Selbst unter Einschluss der Beitrittsländer liegt dieser Wert immer noch weit oberhalb dieses Wertes bei 39,4 Prozent.
Um die Eingliederung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozess zu ermöglichen, soll nach Ansicht der Institute der Anstieg der Tariflöhne im gesamtwirtschaftlichen Schnitt unter der Summe aus der trendmäßigen Inflationserwartung und dem trendmäßigen gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstum liegen. Tarifsteigerungen, so die Institute im Frühjahr 2007, steigern die Beschäftigung nur, wenn sie 2007 den Verteilungsspielraum zwischen 2,5 und 3 % nicht vollständig ausschöpfen. Der guten Konjunktur können die Tarifparteien nach Ansicht der Institute in Form von Einmalzahlungen Rechnung tragen.
Der moderate Lohnanstieg in den vergangenen Jahren habe den Beschäftigungsaufbau begünstigt, wodurch sich auch die Einkommenssituation der privaten Haushalte verbessert habe. Die Institute sehen die Gefahr, dass diese Erfolge durch die von den Gewerkschaften geführten Nachschlagdebatte gefährdet werden.
In ihrem Herbstgutachten 2006 kritisierten die Institute die Reformvorhaben der großen Koalition scharf. Die Entwürfe in den Bereichen Gesundheit, Arbeitsmarkt und Unternehmenssteuern blieben weit hinter dem zurück, was zur Verbesserung der Wachstums- und Beschäftigungsbedingungen notwendig wäre. Die von den Instituten vorgeschlagene Entkoppelung von Gesundheits- und Arbeitskosten komme durch die Gesundheitsreform nicht voran. Außerdem forderten sie den Ausbau eines Niedriglohnbereiches. Einen Mindestlohn lehnen sie ab.
Bei der Unternehmenssteuerreform sehen die Institute im Frühjahrsgutachten 2007 weiteren Reformbedarf, da die für 2008 vorgesehene Reform nicht sehr ehrgeizig sei. Mit ihr würden zwar die Steuersätze spürbar gesenkt, um Deutschlands Stellung im Wettbewerb um international mobiles Kapital zu stärken, jedoch werde die Bemessungsgrundlage verbreitert, wobei einige Maßnahmen für sich genommen die Investitionsbedingungen verschlechterten. In vielen Bereichen, so etwa bei der Vereinfachung des Steuersystems, bleibe die Reform deutlich hinter den Vorschlägen zurück, die im Vorfeld erarbeitet worden seien. Die Institute rechnen insgesamt mit allenfalls geringen Wachstumsimpulsen durch die Unternehmenssteuerreform.
Die wirtschaftspolitischen Forderungen der Arbeitsgemeinschaft der wirtschaftswissenschaftlichen Institute entsprechen dem Konzept der sogenannten angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Anhänger der „nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik“ empfehlen demgegenüber oft staatliche Maßnahmen zur Stärkung der schwachen Inlandsnachfrage, zum Beispiel die Aufnahme weiterer Schulden durch den Staat, um staatliche Investitionsprogramme finanzieren zu können, Zinssenkungen zur Erleichterung von Investitionen sowie Lohnsteigerungen, die den Anstieg der Produktivität zumindest voll ausschöpfen.
Langfristige strukturelle Probleme
Bürokratische Hindernisse
Trotz der hohen Anfälligkeit gegenüber externen Einflüssen halten die meisten Experten die inneren strukturellen Probleme für den Hauptgrund der schwachen Konjunkturlage. Ein inflexibler Arbeitsmarkt wird als Hauptursache der beharrlich hohen Arbeitslosigkeit genannt. Behauptet wird, dass starke bürokratischsprozesse Einschränkungen viele Firmen und den Gründung von neuen Firmen behindern würden.
Steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten oder Subventionen geben deutschen Investoren den Anreiz, im Ausland zu investieren, anstatt im Inland durch Investitionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Es ist jedoch zu betonen, dass die neuen Politischen Reformen und der Wirtschaftliche Aufschwung, die Arbeitslosenrate deutlich gesenkt haben.
Sozialabgaben statt Steuern
Viele Experten halten darüber hinaus die hohen deutschen Sozialabgaben für ein Wachstumshindernis. Sozialabgaben sind die Beiträge zu Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Diese gelten als überhöht, weil versicherungsfremde Leistungen im Umfang von etwa 80 Mrd. Euro durch Beiträge finanziert werden. Unter solche versicherungsfremden Leistungen fallen beispielsweise Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Weiterbildungs- und Frühverrentungsprogramme, die aus der Arbeitslosenversicherung finanziert werden. Steigende Sozialversicherungsbeiträge erhöhen die Kosten je Arbeitsplatz und erhöhen so den Anreiz, Arbeitsplätze abzubauen. Werden viele Arbeitnehmer durch Stellenabbau arbeitslos, steigen wiederum die Sozialbeiträge - ein Teufelskreis.
Es wird daher gefordert, die Sozialversicherungen wie in europäischen Nachbarländern stärker über allgemeine Steuern zu finanzieren, um einen wichtigen Anreiz zur Jobvernichtung zu beseitigen.
Bevölkerungsstruktur
Wie in vielen europäischen Ländern ist die Geburtenrate in Deutschland auf ein niedriges Niveau gesunken. Die daraus zu erwartenden zukünftigen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur (weniger junge Menschen haben mehr alte Menschen zu versorgen) stellen neue Anforderungen an die sozialen Sicherungssysteme. Beiträge zur Krankenversicherung und Rentenversicherung werden in Deutschland hälftig von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert. Höhere Beitragssätze führen zu höheren Kosten pro Arbeitsstunde. Diese werden nur zum Teil durch eine steigende Produktivität ausgeglichen. In Frankreich und Skandinavien ist die Geburtenrate nach familienpolitischen Maßnahmen wie z. B. ausgeweiteten Betreuungsangeboten und Erziehungsgeld wieder gestiegen.
Gemessen am Vermögen stehen die Deutschen mit 90.462 € pro Kopf (2005) nur auf Platz 7 in Europa.
Kostendruck durch Globalisierung und Billiglohnländer
Wachsende Globalisierung seit den 1980ern Jahren sowie erstarkte Wirtschaftssysteme in Asien und seit den 1990er auch in Osteuropa führten dazu, dass insbesondere niedrig qualifizierte, aber lohnintensive Industriearbeitsplätze im sekundären Sektor in Deutschland abgebaut wurden. Ein zunehmender Kostendrucks insbesondere durch günstige osteuropäische Arbeiter führte zudem im Bereich des Handwerk zu einem gegenwärtig extrem hohen Anteil an Schwarzarbeit.
Fehlende Einnahmen der sozialen Sicherungssysteme wurde lange Zeit über eine Erhöhung der Lohnnebenkosten auf den verbleibenden Arbeitsverhältnissen des regulären Arbeitsmarktes abgefangen. Dies verschärfte das Problem zusätzlich.
Die Entwicklung führte zur allgemeinen Einschätzung einer 'Krisensituation' der deutschen Wirtschaft, die etwa Anfang der neunziger Jahre aufkam und seitdem im Wesentlichen nicht mehr abflaute. Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung um die Jahrtausendwende wurden durch das Platzen der New-Economy-Blase und die weltwirtschaftlich schlechte Situation seit dem 11. September 2001 zunichte gemacht.
Staatsausgaben für Gesundheit, Bildung und Verteidigung
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
Handelspartner

Rohölimporte der Bundesrepublik Deutschland seit 1970
Frankreich ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Der Gesamtwert der Ausfuhren dorthin belief sich im Jahr 2006 auf 86,1 Mrd. Euro, der Gesamtwert der Waren, die aus Frankreich nach Deutschland eingeführt wurden, belief sich 2006 auf 63,5 Mrd. Euro. Insgesamt wurden im Jahr 2006 Waren im Wert von 149,6 Mrd. Euro zwischen den beiden Ländern ausgetauscht. Die USA sind der zweitgrößte Handelspartner Deutschlands. Insgesamt wurden im Jahr 2006 Güter und Dienstleistungen im Wert von 126,5 Mrd. Euro zwischen Deutschland und den USA ausgetauscht. Dabei beliefen sich die Importe nach Deutschland auf 48,5 Mrd. Euro, die Exporte in die USA beliefen sich auf 78,0 Mrd. Euro. Deutschland exportiert hauptsächlich Automobile, Maschinen, Chemieerzeugnisse und schweres elektrisches Gerät. Ein Großteil der Handelsaktivitäten findet innerhalb der gleichen Industrie oder sogar der gleichen Firma statt.
Insgesamt wurden 2006 Waren im Wert von 893,6 Mrd. Euro exportiert und für 731,5 Mrd. importiert. Dies bedeutet im Vergleich zum Jahr 2005 einen Anstieg der Exporte um 13,7 Prozent und einen Anstieg der Importe um 16,5 Prozent. Die Außenhandelsbilanz schloss im Jahr 2006 mit einem Überschuss von 162,1 Mrd. Euro ab (2005: 158,2 Mrd. Euro).
Der starke Euro, der deutsche Waren in Ländern, die nicht der Eurozone angehören, erheblich teurer machte, wirkte sich nur gering aus, da ein Großteil der ausgeführten Waren in Länder der EU geht. Im Jahr 2006 lag dieser Wert bei 62 Prozent. Lediglich 12 Prozent der deutschen Exporte gehen nach Amerika, 11 Prozent gehen nach Asien.
In diesem Zusammenhang warnen Ökonomen aber auch vor einer Rekord-Euphorie. Die Außenhandelsbilanz dürfe nicht als Erfolgsmesser für eine Volkswirtschaft angesehen werden. Das Ungleichgewicht zugunsten der Ausfuhren bedeute nämlich auch, dass Kapital aus Deutschland abfließe und Investoren andere Standorte bevorzugen.
Der Exporterfolg deutscher Unternehmen relativiert sich auch, wenn man berücksichtigt, dass den deutschen Exporten immer mehr importierte Vorleistungen zugrunde liegen. In diesem Zusammenhang warnen sogar manche Ökonomen davor, dass Deutschland zu einer Basarökonomie verkomme.
Deutsche Industrieunternehmen
Die Tabelle zeigt die 10 größten deutschen Industrieunternehmen geordnet nach Umsatz. (Stand: 2005)
| Platz
| Unternehmen
| Umsatz (in Mio. Euro)
| Überschuss (in Mio. Euro)
| Beschäftigte (in 1000)
|
| 1
| DaimlerChrysler AG
| 149 776
| 2 846,0
| 382,7
|
| 2
| Volkswagen AG
| 95 270
| 1 120,0
| 345,0
|
| 3
| Siemens AG
| 75 445
| 2 420,0
| 460,8
|
| 4
| E.ON AG
| 56 399
| 7 407,0
| 79,9
|
| 5
| BMW Group
| 46 656
| 3 287,0
| 105,8
|
| 6
| ThyssenKrupp AG
| 42 927
| 1 079,0
| 185,9
|
| 7
| BASF-Gruppe
| 42 745
| 3 007,0
| 80,9
|
| 8
| RWE AG
| 41 819
| 2 587,0
| 85,9
|
| 9
| Robert Bosch GmbH
| 41 461
| 2 450,0
| 249,0
|
| 10
| Bayer AG
| 27 383
| 1 597,0
| 110,2
|
Wettbewerbsfähigkeit
Gemäß zwei voneinander unabhängigen Ranglisten ist Deutschland bezüglich Wettbewerbsfähigkeit weltweit im 15., bzw. 23. Rang:
- Growth Competitiveness Index 2005:
Finnland,
USA,
Schweden,
Dänemark,
Taiwan,
Singapur,
Island,
Schweiz,
Norwegen,
Australien,
Niederlande,
Japan,
Großbritannien,
Kanada,
Deutschland.
Erfasst wurden 117 Länder. Quelle: World Economic Forum, Genf. www.weforum.org.
- World Competitiveness Scoreboard 2005:
USA,
Hong Kong,
Singapur,
Island,
Kanada,
Finnland,
Dänemark,
Schweiz,
Australien,
Luxemburg.
Österreich ist im 17. Rang,
Deutschland im 23. Rang (von 60 Ländern).
Quelle: IMD Lausanne, 2005, www.imd.ch
Literatur
- Stefan Müller; Martin Kornmeier: Internationale Wettbewerbsfähigkeit: Irrungen und Wirrungen der Standort-Diskussion, München 2000, ISBN 3-8006-2570-9.
- Ulrich van Suntum: Masterplan Deutschland. Mit dem Prinzip Einfachheit zurück zum Erfolg. 2005. ISBN 3423509015. – Der Autor, Prof. der Volkswirtschaftslehre, fasst auf 148 Seiten Reformideen zusammen.
Weblinks
Siehe auch
Portal_Wirtschaft, Wirtschaftsstandort, Volkswirtschaftslehre