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Geändert: 2007-12-14
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Kategorie: Wirtschaftsinformatiker Wirtschaftsinformatik

Wirtschaftsinformatik

Die Wirtschaftsinformatik ist die Wissenschaft von Entwurf, Entwicklung und Anwendung von Informations- und Kommunikationssystemen (siehe Informationssystem). Sie hat als interdisziplinäreenen Disziplin ihre Wurzeln in den Wirtschaftswissenschaft, insbesondere der Betriebswirtschaftslehre, den Sozialwissenschaften, insbesondere Soziologie und Psychologie, und der Informatik.

1 Wissenschaft
2 Arbeitsgebiete der Wirtschaftsinformatik
3 Einfluss von anderen Wissenschaften
4 Einfluss auf andere Wissenschaften
5 Geschichte
6 Ausbildung und Studium
7 Organisationen, Verbände und Vereine
8 Siehe auch
9 Literatur
10 Weblinks

Wissenschaft

Obwohl die Wirtschaftsinformatik viele Merkmale einer Schnittstellendisziplin trägt, hat sie einen eigenen Aussagebereich: Sie befasst sich mit Theorien, Methoden, Werkzeugen und intersubjektiv nachprüfbaren Erkenntnissen über Informations- und Kommunikationssysteme. Sie entwickelte sich, um immer komplexere Systeme entwickeln und betreiben zu können. Sie ist also primär eine Realwissenschaft, besitzt aber auch Elemente einer Strukturwissenschaft. Da sich die Wirtschaftsinformatik einerseits mit dem Entwurf von Anwendungssystemen befasst, wird sie vielfach als Ingenieurswissenschaft verstanden. Andererseits jedoch befasst sich die Wirtschaftsinformatik mit Informations- und Kommunikationssystemen, die - im Gegensatz zur Informatik - nicht zwangsläufig als elektronische Systeme verstanden werden. Viel mehr entwickelt die Wirtschaftsinformatik für reale soziale und wirtschaftliche Systeme Modelle und versucht daraus Anforderungen für Informationssysteme zu formulieren und Informationsmodelle zu generieren. Sie kann daher auch als Sozialwissenschaft verstanden werden. Zur Erstellung von Informationssystemen wiederum bedient sich die Wirtschaftsinformatik der Systemtheorie. Diese Informationssysteme sollen vor allem ökonomischen Gesichtspunkten genügen. An vielen Universitätsstandorten ist die Wirtschaftsinformatik deshalb der Wirtschaftswissenschaft zugeordnet.

Weiterhin befasst sich die Wirtschaftsinformatik als Wissenschaft damit, wie aus solchen Systemen ökonomisch Daten, Informationen und Wissen gewonnen werden und wie sie solchen Systemen bereitgestellt werden können.

Außerdem hat sich die Wirtschaftsinformatik als eigenständiger wissenschaftlicher Studiengang oder als Schwerpunkt in einem Studium etabliert und sie ist fester Bestandteil von privaten und öffentlichen Forschungsinstituten.

Arbeitsgebiete der Wirtschaftsinformatik

Die Wirtschaftsinformatik befasst sich mit Planung, Entwicklung, Implementierung, dem Betrieb, Weiterentwicklung und ökonomischen Einsatz von Informations-und Kommunikationssystemen, die zur formalisierten Unterstützung der ablaufenden Geschäftsprozesse und zur strukturierten strategischen Entscheidungsfindung in Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden. Anwendungen, die insbesondere entweder wegen ihrer Spezialisierung (zum Beispiel finite-Element-Systeme zur Berechnung von auftretenden Spannungen im KFZ-Bereich) oder aufgrund ihrer Generalisierung (beispielsweise Textverarbeitungssoftware) nicht in einem gleich bleibenden formalen Rahmen eingesetzt werden können, zählen nicht zum klassischen Arbeitsgebiet der Wirtschaftsinformatik

Business-Intelligence Informationsmanagement Informations- und Kommunikationssysteme Internetökonomie Prozessmanagement

Werkzeuge

Aus anderen Wissenschaften, die innerhalb der Wirtschaftsinformatik weiterentwickelt wurden.

Weitere Bereiche

Es sollte jedoch beachtet werden, dass einige Unterbereiche noch keinen klaren Forschungszweig darstellen und daher noch als Schlagwörter einzustufen sind.

Einfluss von anderen Wissenschaften

Für den Teilbereich Informatik sind insbesondere folgende Teilgebiete relevant

Betriebswirtschaftlich lässt sich die Wirtschaftsinformatik zunächst in die großen Teilbereiche der operativen Funktionsunterstützung und der strategischen Entscheidungsunterstützung aufteilen. Aufgabe der Wirtschaftsinformatik ist es, beide Bereiche so abzudecken, dass die operativen Prozesse bestmöglich unterstützt werden, dabei aber gleichzeitig möglichst viele Daten als Ausgangsbasis für strategische Entscheidungen abfallen. Von der Anwendungsseite deckt die Wirtschaftsinformatik daher konkret folgende Funktionen ab:

Weitere Teildisziplinen der Wirtschaftsinformatik sind die Ingenieurwissenschaft, die Kommunikationswissenschaft und Systemwissenschaft sowie die Psychologie und Soziologie. Ferner besteht auch ein enger Bezug zum Wirtschaftsingenieurwesen, vor allem im Bereich der Materialwirtschaft, der Produktionsplanung und -steuerung und der Logistik.

Einfluss auf andere Wissenschaften

In der Volkswirtschaftslehre hat sich der Zweig Computational Economics (Volkswirtschaftsinformatik) entwickelt, der jedoch nur einen Teil der Methoden der Informatik und Wirtschaftsinformatik nutzt, um volkswirtschaftliche Methoden zu unterstützen.

Geschichte

Historisch geht die Wirtschaftsinformatik auf Forschung und Lehre mit den Bezeichnungen 'Betriebliche Datenverarbeitung' oder 'Betriebsinformatik' zurück. Im englischsprachigen Raum existiert mit Information Systems (IS) eine Schwesterdisziplin der 'Wirtschaftsinformatik', deren Inhalt etwas weiter ausgelegt wird. Es gibt aber auch dort Teilbereiche mit starkem ökonomischem Fokus wie die Management Information Systems (MIS) oder Business Information Systems (BIS). Mit Information Systems (&) Management (ISM) existiert eine weitere, weniger geläufige, Bezeichnung.

1955 werden erste EDV-Lehrveranstaltungen in das betriebswirtschaftliche Studium eingebaut.

1963 wurde das Betriebswirtschaftliche Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (BIFOA) von Erwin Grochla gegründet.

1966 wird die erste Habilitationsschrift im deutschsprachigen Raum zu diesem Themenkreis verfasst (Peter Mertens 'Die zwischenbetriebliche Kooperation und Integration bei der automatisierten Datenverarbeitung').

1968 wird der erste betriebswirtschaftliche Lehrstuhl mit Ausrichtung auf Datenverarbeitung an der Johannes-Kepler-Universität Linz eingerichtet.

1969 wird an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erstmals im deutschsprachigem Raum die Studienrichtung Wirtschaftsinformatik eingerichtet.

In den 1970er Jahren wurden die ersten Studiengänge Wirtschaftsinformatik an den Hochschulen / Universitäten TH Darmstadt, FH Furtwangen, Johannes-Kepler-Universität Linz, TU Wien eingerichtet und die Wissenschaftliche Kommission Betriebsinformatik (später Wissenschaftliche Kommission Wirtschaftsinformatik) gegründet

1972 wird SAP gegründet, eines der ersten Unternehmen, das betriebswirtschaftliche Standardsoftware entwickelt und weltweit vermarktet.

1983 wurde der Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Gesellschaft für Informatik gegründet

1984 wird die IDS Scheer (Firmensitz: Saarbrücken) von August-Wilhelm Scheer gegründet. Schlüsselkonzept ist ARIS.

1988 wird der Arbeitskreis Wirtschaftsinformatik an Fachhochschulen (AKWI), gegründet und die erste Jahrestagung in Darmstadt durchgeführt.

1991 gaben die Wissenschaftliche Kommission Wirtschaftsinformatik und die Gesellschaft für Informatik Rahmenempfehlungen für Diplom-Studiengänge der Wirtschaftsinformatik heraus.

1993 fand die erste offene Fachtagung Wirtschaftsinformatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster statt.

1997 fand die erste Fachtagung zu wissenschaftlichen Grundlagen der Wirtschaftsinformatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster statt.

Seit 1999 können erstmals im deutschsprachigen Raum an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster die Abschlüsse Bachelor of Science/Master of Science in Wirtschaftsinformatik erworben werden.

2001 wurde die erste Fakultät für Wirtschaftsinformatik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg errichtet.

2004 wurde das erste weltweit agierende Forschungszentrum für Wirtschaftsinformatik/Information Systems, das European Research Center for Information Systems (ERCIS) an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster gegründet. Es beherbergt nationale und internationale wissenschaftliche Einrichtungen, Universitäten und Wirtschaftsunternehmen.

2005 gab die Gesellschaft für Informatik Rahmenempfehlungen für Bachelor/Master-Studiengänge der Wirtschaftsinformatik ab.

Weder 2006 noch 2007 wird eine eingereichte Wirtschaftsinformatik-Skizze zur Förderung im Rahmen der Exzellenzinitiative zur Antragstellung aufgefordert.

Ausbildung und Studium

In Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz kann man Wirtschaftsinformatik als eigenen Studiengang an Universitäten und Fachhochschulen studieren. Abschlüsse sind der

  • Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH) - ca. 6-8 Theoriesemester
  • Univ. Diplom-Wirtschaftsinformatiker (abgekürzt Dipl.-Wirt.-Inf., Dipl.-Wirtsch.-Inf. oder Dipl.-Wirt.-Inform.) - ca. 9-10 Theoriesemester
  • Mag rer. soc. oec., DI/Dipl.-Ing. (Österreich, je nach Universität bzw. Studienplan) - ca. 8 Theoriesemester, diese Studienpläne wurden 2001 abgeschafft, können jedoch noch fertig studiert werden.

Neuere Abschlüsse nach dem Bologna-Prozess sind der

  • Bachelor - ca. 6-7 Theoriesemester
  • Master (entweder Vertiefung eines Bachelor in Wirtschaftsinformatik oder zur Erweiterung der Kenntnisse im Bereich Wirtschaftsinformatik ohne vorhergehendes Studium der Wirtschaftsinformatik) - ca. 3-4 Theoriesemester

Es existieren diverse Angebote des Fernstudiums an einer Fernuniversität oder Fernfachhochschule im Bereich Wirtschaftsinformatik.

Ferner existiert die Möglichkeit, den Grad Doktor bzw. PhD zu erlangen, in der Regel im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik. Für Wirtschaftsinformatik-Absolventen sind teils auch Doktoratsstudien in anderen Fachgebieten, wie z.B. Betriebswirtschaftslehre, Informatik, Volkswirtschaftslehre möglich.

Teilweise werden die Bezeichnungen der Abschlüsse noch hochschulspezifisch ergänzt.

An Berufsakademien oder Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien wird eine entsprechende Ausbildung angeboten.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, Wirtschaftsinformatik als Fachrichtung oder Schwerpunktfach innerhalb eines Studiums der Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspädagogik, Informatik, der Informationswissenschaft, der Volkswirtschaftslehre oder des Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren, was jedoch nur sehr allgemeine Kenntnisse der Wirtschaftsinformatik umfasst und nicht für alle Tätigkeiten eines Wirtschaftsinformatikers qualifiziert.

Im Rahmen der betrieblichen Lehrberufe gibt es die Ausbildung zum FachinformatikerIn (IHK).

Fachschulen bzw. Berufsfachschulen, Handelsschulen und Berufskollege bieten die (meist 2-jährige) schulische Ausbildung 'Staatlich geprüfter Wirtschaftsinformatiker' bzw. Staatlich geprüfter Informatiker - Fachrichtung Wirtschaft an. Es wird auch als Fach Bürowirtschaft oder Informationswirtschaft dort angeboten.

International, insbesondere in den USA erkundigt man sich am besten am 'Department of Information Systems' einer Universität nach den angebotenen Studiengängen. Wie in Deutschland werden die strukturellen oder realwissenschaftlichen Anteile in unterschiedlichen Ausmaß gelehrt. Mehr hierzu unter Auslandsstudium.

Organisationen, Verbände und Vereine

Siehe auch

Literatur

  • Alpar, Paul; Grob, Heinz L.; Weimann, Peter: Anwendungsorientierte Wirtschaftsinformatik, 4. Aufl., Vieweg, Wiesbaden 2005. ISBN 3-528-35656-1
  • Bensberg, Frank; Grob, Heinz L.; Reepmeyer, Jan-Arnim: Einführung in die Wirtschaftsinformatik, 5. Aufl., Vahlen, München 2004. ISBN 3-800-63074-5
  • Ferstl, Otto K.; Sinz, Elmar J.: Grundlagen der Wirtschaftsinformatik, 5. Aufl.; Oldenbourg, München/Wien 2006. ISBN 3-486-57942-8
  • Hansen, Hans R.; Neumann Gustaf: Wirtschaftsinformatik 1, 9. Aufl., Utb, 2005. ISBN 3-825-22669-7
  • Heinrich, Lutz J. et al.: Wirtschaftsinformatik - Einführung und Grundlegung, 3. Aufl., Oldenbourg, München/Wien 2007. ISBN 978-3-486-57968-0
  • Laudon Kenneth C.; Laudon, Jane P.: Management Information Systems: Managing the Digital Firm, 9. Aufl., Prentice Hall 2005. ISBN 0-131-53841-1.
  • Lehner, Franz; Wildner, Stephan; Scholz, Michael: Wirtschaftsinformatik - Eine Einführung, 1. Aufl., Hanser, München, 2006, ISBN 3-446-40927-0
  • Mertens, Peter u.a.: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, 9. Aufl., Springer, Berlin 2004. ISBN 3-540-23411-X
  • Mertens, Peter et al. (Hrsg.): Studienführer Wirtschaftsinformatik. 3. Auflage, Vieweg, Wiesbaden 2002. ISBN 3-528-25539-0
  • Schwarzer, Bettina; Krcmar, Helmut: Wirtschaftsinformatik, 3. Aufl., Schäffer Poeschel, Stuttgart 2004. ISBN 3-791-02171-0
  • Stahlknecht, Peter; Hasenkamp, Ulrich: Einführung in die Wirtschaftsinformatik, 11. Aufl., Springer, Berlin 2004. ISBN 3-540-01183-8
  • Thome, Rainer: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, 1. Aufl., Pearson Studium, München 2006. ISBN 3-827-37221-6

Weblinks

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